Design und Auftritt
Der 2016 eingeführte Infiniti Q50S (V37) tritt in der gehobenen Mittelklasse mit einem eigenständigen Auftritt an. Geschwungene Scheinwerfer, der markante Doppelkühlergrill und die gestreckte Seitenlinie heben die Limousine von nüchterner gezeichneten Mitbewerbern ab. Gegenüber dem Vorgänger G37 wirkt die Karosserie moderner und aerodynamisch sauberer, ohne in eine ausgeprägte Coupé-Form zu wechseln. Die flache Fensterlinie unterstützt den dynamischen Eindruck, schränkt beim Rangieren jedoch die Rundumsicht spürbar ein.
Innenraum und Platzangebot
Im Q50S entsteht vorne viel Bewegungsfreiheit, die Sitzposition fällt eher tief und deutlich fahrorientiert aus. Auf der Rückbank reicht die Beinfreiheit für Erwachsene aus, die Kopffreiheit wirkt durch die abfallende Dachlinie etwas begrenzt. Materialqualität und Verarbeitung bewegen sich überwiegend auf gehobenem Niveau, weiche Oberflächen und optional erhältliches Leder prägen das Ambiente. Die Bedienung über zwei zentrale Bildschirme wirkt modern, reagiert jedoch teilweise träge und verlangt wegen verschachtelter Menüs etwas Eingewöhnung. Der Kofferraum fasst 500 Liter und liegt damit im Klassenrahmen.
Antrieb und Fahrverhalten
Im Q50S arbeitet ein 3,0 Liter großer V6-Biturbo. Er leistet 298 kW (405 PS) und beschleunigt die Limousine sehr kraftvoll, besonders bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Die 7-Gang-Automatik passt gut zum Charakter des Motors und schaltet meist unauffällig. Der offizielle kombinierte Verbrauch liegt bei gut 9 Litern Super je 100 Kilometer, viele Erfahrungen aus der Praxis berichten jedoch eher von etwa 12,8 Litern je 100 Kilometer. Das Fahrwerk zeigt eine straffe Abstimmung und orientiert sich an sportlichen Konkurrenten. Auf kurvigen Strecken entsteht ein agiles Fahrgefühl, auf schlechten Straßen sinkt der Komfort deutlich. Die optionale Allradversion verbessert die Traktion und vermittelt zusätzliche Sicherheit bei Nässe. Das Direct Adaptive Steering lenkt präzise ein, wirkt anfangs jedoch etwas künstlich und benötigt Gewöhnung.
Alltag, Kosten und Zuverlässigkeit
Im Alltag profitiert der Q50S von einer umfangreichen Sicherheitsausstattung und komfortorientierten Details wie vielfach einstellbaren Sitzen. Die Unterhaltskosten des starken V6-Motors liegen im oberen Bereich der sportlichen Mittelklasse, vor allem der hohe Kraftstoffverbrauch belastet das Budget. Bekannte Schwachstellen betreffen unter anderem Bremsen und einzelne elektronische Systeme. Mehrere Rückrufaktionen zu Airbags, Lenkung und Antriebsstrang machen eine lückenlose Wartung besonders wichtig. Der Rückzug der Marke aus Europa erschwert den Zugang zu Vertragswerkstätten, Ersatzteile bleiben über den Konzern und spezialisierte Händler dennoch verfügbar.
Fazit
Der Infiniti Q50S (V37) spricht Käufer an, die Wert auf eigenständiges Design, einen kräftigen Antrieb und eine gute Ausstattung legen und dafür eine geringere Markenpräsenz in Kauf nehmen. Dem stehen ein deutlich erhöhter Verbrauch, ein spürbar straffes Fahrwerk und bekannte technische Schwachpunkte gegenüber. Insgesamt präsentiert sich der Q50S als fahraktive, charakterstarke Limousine für Individualisten, die bewusst eine Alternative zur etablierten deutschen Konkurrenz wählen.