Design und Auftritt
Der DS Automobiles DS 9 gehört seit 2020 zur oberen Mittelklasse und setzt im Segment stark auf visuelle Eigenständigkeit. Die fast fünf Meter lange Karosserie mit langer Motorhaube, viel Chrom und markanten LED-Lichtsignaturen erscheint repräsentativ, ohne aggressiv zu wirken. Vertikale Tagfahrlichter in der Frontschürze und die an den historischen Citroën DS erinnernden Positionsleuchten an der C-Säule geben dem Auftritt eine klassische Note. Im Vergleich zu früheren großen Citroën-Limousinen wie dem C6 wirkt das Design weniger experimentell, dafür klarer proportioniert und näher an den Silhouetten von BMW 5er und Mercedes E-Klasse.
Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum prägt eine hochwertige Materialauswahl den ersten Eindruck. Je nach Ausstattung dominieren großflächiges Nappaleder oder Alcantara, ergänzt von weich gepolsterten Oberflächen, Metallapplikationen und fein gestalteten Schaltern. Die markentypische analoge Uhr auf dem Armaturenträger betont den gehobenen Anspruch. Weiche, breit konturierte Vordersitze stützen angenehm und ermöglichen entspanntes Reisen auf langen Strecken. Der lange Radstand schafft im Fond viel Beinfreiheit, sodass auch großgewachsene Passagiere bequem sitzen. In höherwertigen Versionen stehen dort Sitzheizung, Belüftung und Massagefunktion zur Verfügung, was den DS 9 auch für Chauffeurdienste interessant macht. Die leicht coupéhafte Dachlinie begrenzt jedoch die Kopffreiheit. Der Kofferraum fasst rund 510 Liter, liegt damit im Klassenschnitt und leidet etwas unter der hohen Ladekante.
Antrieb und Fahrkomfort
Die Technik des DS 9 basiert auf der EMP2-Plattform und betont klar den Komfort. Plug-in-Hybridantriebe koppeln einen aufgeladenen Vierzylinder mit einem Elektromotor, im Topmodell mit zwei Elektromotoren. Im Elektromodus rollt die Limousine leise und angenehm, besonders im Stadtverkehr und auf Pendelstrecken. Sobald der Benziner zuschaltet, treten leichte Vibrationen auf, unter hoher Last klingt der Motor angestrengt. Das adaptive Fahrwerk mit kameragesteuerter Straßenerkennung bügelt lange Bodenwellen wirksam glatt und sorgt auf guten Belägen für ruhiges Abrollen. Querfugen und grobe Schlaglöcher dringen je nach Radgröße akustisch stärker durch. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und eher gefühlsarm, passt damit zum entspannten Gleiter-Charakter und animiert weniger zu dynamischer Fahrweise.
Infotainment und Bedienung
Das zentrale Infotainmentsystem setzt auf eine aufwendige Grafik, rückt die Bedienbarkeit aber nicht immer in den Vordergrund. Kleine Touchflächen und verschachtelte Menüs verlangen Eingewöhnung, zumal auch die Klimafunktionen über den Bildschirm laufen. Unkonventionell platzierte Fensterheberschalter und der hoch positionierte Startknopf unterstreichen den Individualitätsanspruch, erschweren jedoch eine intuitive Bedienung. Mit dem später eingeführten System DS Iris mit Sprachsteuerung und kabelloser Einbindung von Smartphones steigt die Alltagstauglichkeit deutlich. Eine Projektion der Fahrinformationen in die Frontscheibe durch ein Head-up-Display fehlt jedoch weiterhin.
Alltag, Wirtschaftlichkeit und Fazit
Im Alltag spielt das Plug-in-Hybridkonzept seine Stärken aus, wenn der Akku regelmäßig geladen wird. Dann lassen sich viele Kurzstrecken lokal emissionsfrei zurücklegen, während auf langen Fahrten die Reichweite eines klassischen Benziners zur Verfügung steht. Bleibt der Akku leer, bewegen sich Verbrauch und Betriebskosten eher auf dem Niveau herkömmlicher Ottomotoren, zumal die reale elektrische Reichweite deutlich hinter den Normwerten zurückbleibt und etwas Planung erfordert. Das überschaubare Händlernetz und die geringen Zulassungszahlen erhöhen die Exklusivität, können Wartungstermine und Wiederverkauf aber erschweren. Insgesamt präsentiert sich der DS Automobiles DS 9 als komfortorientierte, eigenständige Alternative zu den etablierten Limousinen, überzeugt mit besonderem Auftritt und hohem Reisekomfort, fordert jedoch Kompromisse bei Bedienlogik, elektrischer Reichweite und Fahrwerksabstimmung.