Positionierung und Charakter
Cadillac führte den CTS (A1LL) 2014 als für Europa angepasste Limousine aus den Vereinigten Staaten ein. Er besetzt im Markenprogramm die obere Mittelklasse unterhalb der großen Flaggschiffe und konkurriert direkt mit Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Im Vergleich zur vorherigen Generation wuchs die Karosserie spürbar in der Länge. Gleichzeitig sorgt die leichtere Alpha-Plattform für mehr Agilität und bessere Effizienz. Der CTS tritt als komfortorientierte, zugleich leistungsfähige Limousine für lange Strecken auf, die viele Kilometer souverän abspult. Er richtet sich an Käufer, die sich optisch und konzeptionell vom deutschen Einheitsbild absetzen möchten und eine charakterstarke Alternative zu etablierten Modellen suchen.
Design und Karosserie
Optisch folgt der CTS der markentypischen, kantigen Linienführung mit langer Motorhaube, kurzem Heck und vertikal angeordneten Leuchten. Die fast fünf Meter lange Limousine wirkt auf der Straße sehr präsent, bleibt dank niedriger Dachlinie aber verhältnismäßig elegant. Ein langer Radstand streckt die Silhouette und schafft ausgewogene Proportionen. Auf der Autobahn stabilisiert diese Auslegung den Geradeauslauf und vermittelt auch bei höherem Tempo Ruhe. Gegenüber dem Vorgänger erscheint der CTS gestreckter und moderner, ohne die klare Cadillac-Formensprache mit scharfen Kanten und markantem Kühlergrill aufzugeben.
Innenraum und Qualität
Im Innenraum bietet der CTS vorn viel Platz, eine tiefe Sitzposition und gut konturierte Sitze, die lange Etappen angenehm machen. Hinten genügt die Beinfreiheit auch Erwachsenen, während die abfallende Dachlinie die Kopffreiheit etwas einschränkt. Materialien und Verarbeitung wirken überwiegend solide. Einzelne Kunststoffflächen fallen jedoch einfacher aus als bei vielen deutschen Konkurrenten der oberen Mittelklasse. Ein Multimediasystem mit großem Touchscreen bündelt Navigation, Medien und Fahrzeugeinstellungen. Die Bedienlogik orientiert sich an modernen Smartphones, fordert jedoch etwas Eingewöhnung, weil viele Funktionen über Sensorflächen und Menüs laufen.
Motor, Fahrwerk und Komfort
Ein aufgeladener Zweiliter-Benziner treibt den CTS an und liefert kräftigen Durchzug über ein breites Drehzahlband. Das Automatikgetriebe arbeitet weitgehend unauffällig und passt mit weichen Schaltvorgängen zum komfortbetonten Charakter. Der Allradantrieb erhöht die Traktion beim Anfahren und auf rutschigem Untergrund, ohne das Fahrverhalten stark in Richtung Frontantrieb zu verschieben. Das Fahrwerk setzt auf Komfort, filtert Unebenheiten sauber heraus und hält die Karosseriebewegungen trotzdem gut im Griff. In schnellen Kurven lenkt der CTS präzise ein, wirkt aber weniger spielerisch als einige leichtere Wettbewerber. Der Vierzylinder bleibt akustisch zurückhaltend, klingt unter hoher Last jedoch weniger souverän als ein großvolumiger Sechszylinder.
Alltag, Kosten und Fazit
Mit einem Kofferraumvolumen von rund 385 Liter und umklappbarer Rückbank zeigt sich der CTS im Alltag vielseitig, bleibt jedoch klar eine Limousine und ersetzt keinen Kombi. Die Betriebskosten mit Versicherung, Steuer und Kraftstoffverbrauch bewegen sich tendenziell im oberen Bereich. Zusammen mit einem deutlich spürbaren Wertverlust erfordert der Besitz eine bewusste Kalkulation. Auf der Gegenseite stehen meist niedrigere Gebrauchtwagenpreise im Vergleich zu vielen deutschen Wettbewerbern ähnlicher Größe und Leistung. Für Interessenten, die eine geräumige, komfortable und eigenständig gestaltete Limousine aus den Vereinigten Staaten suchen und dafür höhere laufende Kosten akzeptieren, bietet der Cadillac CTS (A1LL) eine reizvolle, wenn auch eher seltene Alternative im Segment der oberen Mittelklasse.