Design und Karosserie
Der Aston Martin DBS (VH3) der Baujahre 1967 bis 1972 schlägt optisch eine Brücke zwischen den elegant geschwungenen DB-Modellen und dem späteren, kantigen V8. Die von William Towns gezeichnete Karosserie mit flacher Front, vier in den Grill integrierten Rundscheinwerfern und breiter Schulterlinie tritt deutlich moderner auf als der DB6, greift aber Anklänge an amerikanische Muscle Cars auf. Das lange Fließheck mit Abrisskante erhöht die Hochgeschwindigkeitsstabilität, lässt den Wagen jedoch massiger wirken als den Vorgänger.
Die Proportionen mit langer Motorhaube und zurückversetzter Kabine betonen den Frontmotor und die Rolle als 2+2-sitzigen Gran Turismo. Der größere Aufbau schafft mehr Innenraum und Kofferraum, erhöht jedoch das Leergewicht spürbar.
Innenraum und Ergonomie
Im Innenraum prägt eine klassisch britische Atmosphäre mit viel Leder, Holzfurnier und verchromten Details das Bild. Die vorderen Sitze fallen bequem aus und eignen sich für lange Etappen, während die hinteren Plätze eher Kindern oder kurzen Strecken vorbehalten bleiben. Klar ablesbare Rundinstrumente erleichtern die Orientierung, doch die Bedienung folgt traditionellen Mustern und verlangt etwas Eingewöhnung, weil Schalter und Hebel verstreut sitzen.
Dank der großen Glasflächen wirkt der Innenraum luftig, zugleich treten Windgeräusche bei Autobahntempo stärker auf als in moderneren Gran-Turismo-Modellen.
Motoren und Fahrleistungen
Technisch löst sich der DBS deutlich vom DB6. Der 4,0 Liter große Reihensechszylinder liefert solide Leistungsreserven und passt gut zum gleitenden Fahrstil, wirkt durch das höhere Gewicht aber weniger spontan als im Vorgänger. Die Vantage-Version mit leistungsgesteigerter Abstimmung spricht lebhafter an und steht der sportlichen Linienführung näher, ohne wirklich leichtfüßig zu wirken.
Mit Einführung des Achtzylinders wandelt sich der Charakter merklich. Der großvolumige Motor sorgt für kräftigen Durchzug und eine hohe Endgeschwindigkeit, erkauft sich dies allerdings mit hohem Kraftstoffverbrauch und einem sehr präsenten Motorengeräusch. Beide Motorisierungen zielen eher auf schnelles Gleiten über lange Distanzen als auf präzise Rundenzeiten und passen damit zum Gran-Turismo-Anspruch.
Fahrwerk und Fahrverhalten
Das überarbeitete Fahrwerk mit De-Dion-Hinterachse stellt einen deutlichen Fortschritt gegenüber der einfachen Hinterachskonstruktion des DB6 dar. Der Wagen liegt spürbar stabiler auf der Straße und wirkt bei höherem Tempo souveräner, bleibt aber durch das Gewicht eher ein schneller Reisewagen als ein Kurvenjäger. Die Lenkung verlangt etwas Kraft, vermittelt dafür ein direktes Feedback.
Auf schlechten Straßen arbeitet die Federung komfortabel, ohne schwammig zu werden. In schnellen Kurven kündigt sich der Grenzbereich früh und gut kontrollierbar an, was den gelassenen Fahrstil unterstützt. Wer sehr sportlich fährt, wünscht sich dennoch mehr Schärfe und weniger Trägheit.
Alltag und Marktbild
Im Alltag verlangen Größe, Gewicht und Verbrauch Kompromisse. Der Kraftstoffkonsum liegt deutlich über heutigem Niveau, und Wartung sowie Ersatzteilversorgung können kostspielig ausfallen. Im Gegenzug überzeugt der Wagen mit hoher Langstreckentauglichkeit, guter Übersichtlichkeit beim Fahren und ausreichend Platz im Kofferraum für Gepäck sowie zwei Personen mit Anspruch auf Komfort.
Auf dem Klassikermarkt steht der Typ häufig im Schatten des späteren V8. Das drückt die Preise im Vergleich zu einigen Konkurrenten, ändert aber nichts am eigenständigen Charakter. Der DBS richtet sich an Kenner, die den Stil der späten sechziger Jahre, den kräftigen Antrieb und das gelassene Gran-Turismo-Gefühl höher bewerten als maximale Fahrdynamik oder Alltagseffizienz. Damit bleibt das Coupé ein markanter Gran Turismo mit klarem Profil und stimmigem Gesamtauftritt.