Positionierung und Konzept
Der 2024 eingeführte Alpina B3 (G20) basiert auf der BMW 3er-Limousine und zielt auf Fahrer, denen ein M3 zu kompromisslos, ein konventioneller 3er aber zu unauffällig wirkt. Seit den ersten B3-Modellen Ende der achtziger Jahre verbindet die Baureihe hohes Tempo mit ausgeprägter Reisetauglichkeit. Gegenüber früheren Ausführungen auf G20-Basis steigt die Leistung, der komfortorientierte Grundcharakter bleibt jedoch erhalten. Damit bewegt sich der B3 im Umfeld von BMW M3, Mercedes-AMG C 63 und Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio, tritt optisch aber zurückhaltender auf.
Design und Qualität
Äußerlich unterscheidet sich der B3 nur in Details vom regulären 3er. Ein Frontspoiler mit Alpina-Schriftzug, dezente Seitenschweller, eine spezifische Heckschürze mit vier Endrohren und mehrspeichige Leichtmetallräder prägen den Auftritt. Die Proportionen der 4.725 mm langen, 1.440 mm hohen Limousine bleiben klassisch und passen gut in ein berufliches Umfeld. Im Vergleich zum F30-Vorgänger wirkt die Karosserie straffer, die Spaltmaße fallen eng aus, die Lackierung erscheint gleichmäßig. Im Innenraum dominieren sauber verarbeitete Softtouch-Oberflächen, vertraute BMW-Bedienelemente und typische Alpina-Details wie Lenkradlogo oder Modellplakette. Einige härtere Kunststoffe im unteren Bereich machen die Großserienbasis weiterhin sichtbar.
Innenraum, Platz und Alltag
Die vorderen Sportsitze stützen mit straffer Polsterung und bieten guten Seitenhalt, lange Sitzflächen unterstützen besonders auf Autobahnetappen. Die Sitzposition fällt tief und sportlich aus, dank großer Fensterflächen bleibt die Übersicht ordentlich. Hinten reisen zwei Erwachsene angemessen bequem, der mittlere Platz eignet sich eher als Notsitz, wie in vielen Mittelklasselimousinen. Der Kofferraum fasst 480 Liter und lässt sich über umklappbare Rücksitzlehnen erweitern, die Öffnung bleibt für eine Limousine praxisgerecht. Mit 465 kg Zuladung und bis zu 1.800 kg Anhängelast taugt der B3 auch als schnelles Zugfahrzeug. Ein Wendekreis von 12 m erleichtert das Rangieren in engen Parkhäusern, Einparkassistent und Rückfahrkamera unterstützen zusätzlich im Alltag.
Fahrverhalten und Komfort
Der Sechszylinder-Biturbo setzt sein hohes Drehmoment früh und gleichmäßig um, die schnell schaltende 8-Gang-Automatik hält den Motor fast immer im passenden Bereich. Der heckbetont ausgelegte Allradantrieb überträgt die Leistung auch bei Nässe souverän auf die Straße und erhält dabei die typische BMW-Agilität. Das adaptiv abgestimmte Fahrwerk mit speziellen Federn und Dämpfern verbindet präzises Einlenken mit spürbarem Federungskomfort, auf langen Strecken wirkt der B3 entspannter als schärfer abgestimmte M-Modelle. Die serienmäßigen 19 Zoll Räder und Runflat-Reifen führen allerdings zu einer straffen Abrollcharakteristik. Bei sehr hohen Autobahngeschwindigkeiten nehmen Wind- und Abrollgeräusche zu und mindern den ansonsten gelassenen Reisekomfort etwas.
Kosten, Verbrauch und Fazit
Mit einem Grundpreis deutlich über 100.000 Euro, hoher Kraftfahrzeugsteuer durch die CO2-Effizienzklasse G und teuren Versicherungstarifen zählt der B3 zu den kostspieligen Vertretern seiner Klasse. Der kombinierte Verbrauch von 10,6 l/100 km bleibt in der Praxis nur bei zurückhaltender Fahrweise erreichbar, bei häufiger Nutzung der Leistung steigt der Wert spürbar. Im Gegenzug stehen eine in Teilen kleinserientypische Fertigung, vielfältige Individualisierungsmöglichkeiten und erfahrungsgemäß gute Wertstabilität, typische Schwachstellen sind bislang nicht bekannt. Insgesamt präsentiert sich der Alpina B3 (G20) als sehr schnelle, technisch ausgereifte und zugleich unaufdringliche Sportlimousine mit hohem Alltagsnutzen, die vor allem für Fahrer infrage kommt, die die hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten bewusst akzeptieren.