Design und Positionierung
Der 2022 eingeführte Alfa Romeo Tonale (965) bedient das Segment kompakter SUV und setzt auf eine betont sportliche Karosserie. Die gedrungenen Proportionen mit kurzer Frontpartie und betontem Heck lassen das Fahrzeug trotz 4528 mm Länge handlich wirken. Dreiteilige Scheinwerfer und der markentypische Scudetto-Grill schaffen klare Wiedererkennung und stellen optisch eine Nähe zu Giulia und Stelvio her. Unter dem Blech nutzt der Tonale die Small-Wide-4x4-Architektur des Konzerns, die auch im Jeep Compass arbeitet. Diese Basis erleichtert den Einsatz von Allrad- und Hybridtechnik, vermittelt im Fahrgefühl aber einen weniger modernen Eindruck als einige neuere Plattformen von Wettbewerbern wie Audi Q3 oder Hyundai Tucson.
Innenraum und Platzverhältnisse
Im Innenraum zeigt der Tonale ein klar fahrerorientiertes Layout. Das tief sitzende Kombiinstrument und der vergleichsweise aufrechte Sitz sorgen für eine gute Übersicht nach vorn. Das digitale Cockpit passt die Anzeigen flexibel an und wirkt zeitgemäß. Die Materialqualität überzeugt in den meist berührten Bereichen, härtere Kunststoffe konzentrieren sich vor allem auf den unteren Türbereich. Vorn finden auch große Personen bequem Platz. Im Fond reicht die Beinfreiheit für vier Erwachsene, solange keine sehr großen Insassen direkt hintereinander sitzen. Der Kofferraum bietet 500 Liter und wächst mit umgeklappter Rückbank auf bis zu 1550 Liter. Die Ladefläche fällt nahezu eben aus, ein doppelter Boden und Verzurrösen erleichtern den Alltag. Die hohe Ladekante erschwert jedoch das Verstauen schwerer Gegenstände.
Antrieb und Fahrkomfort
Der Mildhybrid-Benziner mit 118 kW (160 PS) liefert im Alltag ordentliche Fahrleistungen, bleibt aber hinter dem sportlichen Auftritt des Tonale zurück. Das Zusammenspiel von Turbomotor und Startergenerator wirkt im Teillastbereich mitunter ruppig, besonders beim Übergang vom Segelbetrieb zur Beschleunigung. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet zwar schnell, wählt jedoch nicht immer die passende Übersetzung und reagiert in manchen Situationen hektisch. Die sehr direkte Lenkung vermittelt wenig Rückmeldung und mindert in schnell gefahrenen Kurven das Vertrauen. Gleichzeitig arbeitet das Fahrwerk straff und gibt Querfugen deutlich weiter, was vor allem auf schlechten Straßen und auf langen Strecken den Komfort einschränkt. Positiv fällt die Geräuschdämmung bei Autobahntempo auf. Für Vielfahrer eignet sich der 1,6-Liter-Diesel als effizientere Wahl, während die Plug-in-Hybride mit höherer Systemleistung und elektrischer Reichweite bis rund 70 Kilometer vor allem den elektrifizierten Betrieb im Alltag erleichtern.
Sicherheit und Alltagstauglichkeit
Bei der Sicherheit erreicht der Tonale ein hohes Niveau. Die stabile Fahrgastzelle, umfangreiche Airbags und moderne Rückhaltesysteme führten im europäischen Crashtest zu fünf Sternen. Ein Notbremsassistent mit Spurhaltefunktion, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Stauassistent entlasten vor allem im Kolonnenverkehr. LED-Scheinwerfer mit variabler Lichtverteilung verbessern die Ausleuchtung bei Nacht, eine Rückfahrkamera unterstützt beim Rangieren in engen Parklücken. Die breiten C-Säulen schränken die Rundumsicht allerdings deutlich ein, auch wenn Parksensoren dabei helfen. Mit bis zu 1500 kg Anhängelast und 535 kg Zuladung bleibt das SUV für Freizeit und Familiennutzung vielseitig, verlangt wegen des realen Verbrauchs jedoch nach eher großzügig kalkulierten Betriebskosten. Verlängerte Garantien auf bis zu fünf Jahre erhöhen die Planungssicherheit über den üblichen Nutzungszeitraum hinaus.
Fazit zum Alfa Romeo Tonale (965)
Der Tonale verbindet auffälliges Design, guten Innenraum mit variablem Kofferraum und umfangreiche Sicherheits- sowie Assistenzsysteme. Dem stehen ein straffes Fahrwerk, die wenig rückmeldungsfreudige Lenkung und der im Mildhybrid teilweise unharmonische Antrieb gegenüber. Als kompaktes SUV überzeugt das Modell vor allem mit Optik, Technikangebot und Alltagstauglichkeit, weniger mit Komfort und Antriebsfeinschliff.