Positionierung und Konzept
Der seit 2023 angebotene Aiways U6 (Mk1) führt die Marke vom klassischen Elektro-SUV zum SUV-Coupé. Technisch orientiert sich das Modell am U5, wirkt mit 4.800 mm Länge und flacherer Silhouette aber gestreckter. Aiways beschränkt das Angebot auf eine Motorisierung und im Wesentlichen eine Ausstattungslinie, um Produktion und Kosten zu begrenzen. Angesprochen werden Käufer, die ein geräumiges, optisch präsentes Elektroauto unterhalb klassischer Premiummarken suchen.
Design und Karosserie
Im Auftritt grenzt sich der U6 klar vom kantigeren U5 ab. Die niedrigere Dachlinie und der markant gestaltete Heckabschluss verleihen dem SUV-Coupé eine dynamischere Anmutung und verbessern den Luftwiderstandsbeiwert auf 0,248. Die ausgeprägte C-Säule und die kleinen hinteren Scheiben verschlechtern jedoch die Sicht nach hinten deutlich. Beim Rangieren im dichten Stadtverkehr wirkt der 4.800 mm lange U6 dadurch eher unhandlich, wobei die serienmäßige 360-Grad-Kamera unterstützt.
Innenraum und Platz
Im Innenraum bietet der U6 viel Platz und ein eigenständiges Design. Vorn und hinten sitzen auch große Personen bequem, die Kopffreiheit reicht trotz coupéartigem Dach aus. Das serienmäßige Glasdach hellt den Innenraum auf, die starke Tönung mindert die Aufheizung. Materialien und Aluminiumleisten mit integrierter Ambientebeleuchtung lassen das Cockpit modern wirken. Der Kofferraum fasst laut Hersteller 472 bis 1.260 Liter, unabhängige Messungen nennen 400 bis 1.355 Liter. Damit bleibt der U6 familientauglich. Ein ebener Ladeboden und die weit öffnende Heckklappe erleichtern das Beladen.
Antrieb und Fahrverhalten
Der frontgetriebene Elektromotor mit 160 kW beschleunigt den U6 in 7,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der Antrieb arbeitet harmonisch, die Kraftentfaltung bleibt gleichmäßig, Motor-, Wind- und Abrollgeräusche fallen gering aus. Auf glatten Straßen federt das Fahrwerk komfortabel, auf groben Querfugen wirkt es etwas straff. In schnellen Ausweichmanövern neigt der U6 zum Untersteuern, das Stabilitätsprogramm greift früh ein. Die 63 kWh große Batterie in Verbindung mit einem gemessenen Verbrauch von etwa 18,7 kWh je 100 Kilometer ermöglicht im Alltag rund 320 Kilometer Reichweite, was Pendelstrecken und gelegentliche Langstrecken abdeckt.
Bedienung und Assistenzsysteme
Das Cockpit folgt dem Trend zum zentralen Touchscreen. Ein 14,6-Zoll-Monitor bündelt die meisten Funktionen, ein schmales Display hinter dem Lenkrad liefert die grundlegenden Fahrdaten. Die Menüstruktur verlangt Eingewöhnung, einige Untermenüs bremsen einfache Einstellungen. Das Multifunktionslenkrad mit echten Tasten erleichtert den Zugriff auf zentrale Funktionen. Apple CarPlay und Android Auto ersetzen das fehlende fest eingebaute Navigationssystem, zeigen aber gelegentlich Verbindungsabbrüche. Beim Thema Assistenz bietet der U6 ein breites Paket vom adaptiven Tempomat bis zum Spurhalteassistent. Viele Systeme reagieren jedoch sehr empfindlich und erzeugen häufige Warnhinweise, auch wenn sie das Sicherheitsniveau insgesamt erhöhen.
Fazit
Der Aiways U6 verbindet ein auffälliges SUV-Coupé-Design mit großzügigem Platzangebot und alltagstauglicher Reichweite. Der effiziente, leise Antrieb und der hohe Komfort auf Langstrecken passen zum Konzept eines pragmatischen Elektro-SUV. Dem stehen die mäßige Schnellladeleistung, die eingeschränkte Sicht nach hinten, empfindlich reagierende Assistenzsysteme und kleinere Software-Schwächen gegenüber. Insgesamt präsentiert sich der U6 als eigenständig gestaltete Alternative im Segment der mittelgroßen Elektro-SUV, die vor allem durch Raumangebot und Serienumfang auffällt.