Bye-bye, kleiner Käfer: Eine Ära geht zu Ende

Im VW Beetle Cabrio auf Abschiedstour

Im Sommer 2019 beendet Volkswagen die Produktion des Beetle Cabrio. Eine letzte Ausfahrt – und der Vergleich mit einem 40 Jahre alten VW Käfer Cabrio

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 12/22/2019, 7:30 AM
Zu sehen sind das VW Beetle Cabrio Final Edition und der VW Super Beetle Convertible von vorn
Quelle: VW Die Beetle-Produktion wurde im Sommer 2019 eingestellt. Das VW Beelte Cabrio Final Edition machte den goldenen Abschluss. Nun geht eine Ära zu Ende

Im Heck klingelt der Boxermotor. Der Wind reißt einem fast die Haare samt Wurzeln aus. In einem historischen VW Käfer Cabrio spürt man das Cabriofahren noch in seiner Urform, pur und ungefiltert. Ein Genuss, den nur noch wenige Besitzer erleben können. Das Ur-Käfer Cabrio gibt es schon lange nur noch als Oldtimer. Im Sommer 2019 stellte Volkswagen auch dessen modernen Nachfolger, das Beetle Cabrio, ein. Nach der Sonderserie Final Edition (ab 27.295 US-Dollar, rund 24.300 Euro) ist auch mit dem Beetle Cabrio Schluss.


VW T1 in der Frontansicht, stehend
Der Volkswagen T1

Von 1950 bis 1967 lief der Kult-Bulli vom Band. Auf mobile.de werden vom Volkswagen T1 derzeit rund 120 Fahrzeuge angeboten.


Grund genug, mit dem originalen und dem letzten offenen Käfer noch einmal auf eine Abschiedstour zu gehen. Hübsch steht es da, das viersitzige Beetle Cabrio. Die Lackfarben Wassermann-Blau und Safari-Uni der Sonderserie sind eine Hommage an die Farben früherer Käfer und stehen dem Cabrio gut. Ein Tastendruck und in rund zehn Sekunden öffnet sich das Verdeck des Beetle. Die Sonne wärmt das weiche Leder mit Kontrastnähten. Unter der vorderen Haube arbeitet ein Reihenvierzylinder, säuselt nach dem Start fast unhörbar vor sich hin.  

Der Oldtimer braucht einen festen Tritt 

Der 2,0-Liter-Turbobenziner mit 174 PS bietet natürlich eher neuzeitliches Fahrvergnügen. Er hängt gut am Gas und beschleunigt den Beetle nach kurzem Turboloch aus dem Stand in 7,2 Sekunden auf 96 km/h. Das Fahrwerk steckt Unebenheiten schnell weg, die komfortabel abgestimmte Dämpfung sorgt für eine geschmeidige Fahrt. Bequem: Kaum spürbar wechseln die sechs Gänge des Doppelkupplungsgetriebes. Bis zu 200 km/h schnell könnte das Beetle Cabrio fahren. Mehr, als die Polizei erlaubt.  

Zu sehen sind das VW Beetle Cabrio Final Edition und der VW Super Beetle Convertible von hinten
Quelle: VW Die Höchstgeschwindigkeit des VW Beetle Cabrio Final Edition beträgt 200 km/h. Der 40 Jahre ältere VW Super Beetle Convertible kann locker mithalten

Bei Geschwindigkeiten, die die Polizei erlaubt, kann das 40 Jahre ältere VW Käfer Cabrio locker mithalten. Auch wenn es anstrengender wird. Denn im „Super Beetle“, wie er in den USA genannt wird, hängen die Anschnallgurte schlapp über die Schulter. Anstelle des Turbos sorgt ein Saugmotor für Vortrieb. Der sitzt klassisch im Heck und wird mit Luft statt mit Wasser gekühlt. Weder ABS noch ESP helfen in brenzligen Situationen.



Mit einem festen Tritt auf das linke, stehende Pedal trennt sich die Kupplung. Über den dünnen Schalthebel legt der Fahrer den ersten von vier Gängen ein. Ein bisschen Kraft verlangt das Getriebe vom Cabriofahrer, zumindest im Stand. Mit etwas Zwischengas werden die Synchronringe entlastet, dann schlüpfen die Gänge leichter durch die Box. Dazu gibt es natürlich diesen unnachahmlichen Sound: das Zwitschern und Klingeln des Boxers, hell und durchdringend. Der typische Käfer-Sound eben, den ab einem gewissen Alter fast jeder kennt.  

Zu sehen ist das VW Beetle Cabrio Final Edition, fahrend
Quelle: VW Das VW Beetle Cabrio beschleunigt in 7,2 Sekunden auf Tempo 96

Der Vierzylinder-Boxermotor mit 1,6 Litern Hubraum im „Super Beetle“ leistet stramme 50 PS und 104 Newtonmeter Drehmoment. Statt auf einen Vergaser setzt der US-Käfer wegen der strengeren Abgasnormen früh auf eine Einspritzung. Das Trällern des Auspuffs ist bis 70 km/h gut zu hören, dann übertönt der Wind jedes andere Geräusch. Durch den offenen Käfer mit den nach unten gekurbelten Seitenfenstern zieht ein Orkan – so, wie das bei historischen Cabrios eben sein muss.


Porsche 356 in der Frontansicht, stehend
Mit Käfer-Verwandtschaft

Der Porsche 356 ist technisch und optisch eng mit dem Käfer verwandt. Der Sportwagen lief zwischen 1948 und 1965 vom Band.


Die Federung im Oldtimer arbeitet hart, die Sitze bieten keinen Seitenhalt. Das Käfer Cabrio war nie ein sportlicher Roadster oder ein komfortables Auto, sondern stets ein robuster, zuverlässiger und offener Käfer. Die Lenkung arbeitet direkt, nach ein paar Kilometern gewöhnt sich der Fahrer an den festen Tritt der Bremse. Selbst die Beschleunigung im Tempo einer Wanderdüne (gute 20 Sekunden von null auf 100 km/h) stört nach einer Stunde nicht mehr. Käfer Cabrio zu fahren, entschleunigt und entspannt zugleich.  

Offen ist teurer als geschlossen 

Das war eigentlich schon immer so. Vor rund 70 Jahren führte VW den ersten Käfer in den USA ein und war mit ihm jahrzehntelang erfolgreich. Dazu war 1979 das offene Fahrvergnügen nicht einmal besonders teuer. Damals kostete das VW Käfer Cabrio in den USA 6.800 US-Dollar. Heute müssen Beetle-Cabrio-Fans für das aktuelle Modell mehr als 20.000 US-Dollar zusätzlich bezahlen. Historische Fahrzeuge sind allerdings noch weitaus teurer. „Beim VW Käfer lautet die Grundregel: Offen ist teurer als geschlossen“, sagt Frank Wilke, Oldtimer-Experte und Geschäftsführer von Classic Analytics, einem Unternehmen zur Marktbeobachtung und Bewertung von Oldtimern. 

Zu sehen ist die Front des VW Super Beetle Convertible
Quelle: VW Die Blinkerleuchten befinden sich über den normalen Scheinwerfern des VW Super Beetle Convertible

Als die Produktion des Käfers in Deutschland 1974 eingestellt wird, krabbeln die Zweitürer in Puebla/Mexico schon seit 1965 vom Band. Produziert wird der klassische Volkswagen dort sogar bis 2003. Beim Nachfolger New Beetle erhält das mexikanische Werk den Zuschlag, das neue Modell für die ganze Welt zu produzieren. Zwischen 1997 und 2005 heißt der Käfer-Nachfolger New Beetle, ab 2011 in zweiter Generation nur noch Beetle. Er wird auf der gleichen Linie wie Golf, Tiguan und Jetta produziert. Im April 2017 stellt VW den Import des Beetle nach Deutschland ein. Das Cabrio lässt sich seit April 2018 nicht mehr bestellen. In den USA wird der Beetle bis zum Sommer 2019 verkauft, als Coupé und als Cabrio.



Dass das nun eingestellte VW Beetle Cabrio eine ähnliche Wertsteigerung erfährt wie sein klassischer Urahn, glaubt der Oldtimer-Experte Wilke nicht. „Dafür wurde es zu häufig gebaut und war auch nicht außergewöhnlich genug. Es war immer nur ein Fan-Auto, das nur einen bestimmten Kreis ansprach“, meint Wilke. Unter der runden Karosserie steckt profane VW-Golf-Technik. Der klingelt weder im Heck noch unter der vorderen Haube, sondern gar nicht. Irgendwie fehlt das.  

Technische Daten: VW Beetle Cabrio Final Edition

Modell VW Beetle Cabrio Final Edition 
Motor Vierzylinder-Turbobenziner, 1.984 cm³ 
Leistung129 kW / 174 PS
Drehmoment250 Nm bei 1.500 U/min
Fahrleistungen 7,2 s auf 96 km/h
Vmax193 km/h
Verbrauch 8,11 l Super/100 km nach US-Norm 
Länge 4.280 mm 
Breite 1.820 mm 
Höhe 1.470 mm 
Kofferraum 201-425 l 
Preis ab 27.295 US-Dollar, rund 24.300 Euro 

Technische Daten: VW Super Beetle Convertible

Modell VW Super Beetle Convertible 
Motor Vierzylinder-Boxermotor, 1.584 cm³
Leistung37 kW/ 50 PS
Drehmoment104 Nm bei 2.800 U/min 
Fahrleistungen 20,5 s auf 100 km/h
Vmax128 km/h
Verbrauch ca. 11,5 l Super/100 km 
Länge 4.190 mm 
Breite 1.585 mm 
Höhe 1.500 mm 
Kofferraum ca. 400 l 
Preis 1979 6.500 US-Dollar, rund 5.782 Euro 

VW Beetle Cabrio, Ende einer Ära in Bildern

  • Zu sehen ist das VW Beetle Cabrio Final Edition, stehend, leicht seitlich
    Quelle: VW Der VW Beetle löste 2011 den "New Beetle" ab. Das Cabrio folgte Ende 2012. Im Sommer 2019 endete die Produktion
  • Zu sehen ist die Front des VW Beetle Cabrio Final Edition
    Quelle: VW Unter der Motorhaube des VW Beetle Cabrio Final Edition sitzt ein Vierzylinder-Turbobenziner mit 174 PS
  • Zu sehen ist das VW Beetle Cabrio Final Edition, stehend
    Quelle: VW Das VW Beetle Cabrio Final Edition in der Außenlackierung 'Wassermann-Blau'
  • Zu sehen ist das VW Beetle Cabrio Final Edition, fahrend
    Quelle: VW Das VW Beetle Cabrio beschleunigt in 7,2 Sekunden auf Tempo 96
  • Zu sehen ist das Cokpit des VW Beetle Cabrio Final Edition
    Quelle: VW Weiches Leder mit Kontrastnähten schmückt den Innenraum des VW Beetle Cabrio Final Edition. Der 16,5 Zoll große Infotainmentbildschirm kostet extra
  • Zu sehen sind das VW Beetle Cabrio Final Edition und der VW Super Beetle Convertible von vorn
    Quelle: VW Die Beetle-Produktion wurde im Sommer 2019 eingestellt. Das VW Beelte Cabrio Final Edition machte den goldenen Abschluss. Nun geht eine Ära zu Ende
  • Zu sehen sind das VW Beetle Cabrio Final Edition und der VW Super Beetle Convertible von hinten
    Quelle: VW Die Höchstgeschwindigkeit des VW Beetle Cabrio Final Edition beträgt 200 km/h. Der 40 Jahre ältere VW Super Beetle Convertible kann locker mithalten
  • Zu sehen ist der VW Super Beetle Convertible, fahrend
    Quelle: VW Der VW Super Beetle Convertible gilt als zuverlässig und robust. Die Lenkung arbeitet direkt und nach ein paar Kilometern gewöhnt sich der Fahrer an den festen Tritt der Bremse
  • Zu sehen ist der VW Super Beetle Convertible, stehend
    Quelle: VW Der Saugmotor des VW Super Beetle Convertible sitzt klassisch im Heck und wird mit Luft statt mit Wasser gekühlt
  • Zu sehen ist der VW Super Beetle Convertible, fahrend
    Quelle: VW Der VW Super Beetle Convertible in der Außenlackierung 'Silver Bug'
  • Zu sehen ist der VW Super Beetle Convertible
    Quelle: VW In brenzligen Situationen hilft nur der feste Tritt auf die Bremse: Der VW Super Beetle Convertible verfügt weder über ABS noch ESP
  • Zu sehen ist der VW Super Beetle Convertible, fahrend
    Quelle: VW Funktional, aber nicht bequem: Die Sitze des Oldtimers bieten keinen Seitenhalt. Die Federung des VW Super Beetle Convertible arbeitet hart
  • Zu sehen ist die Front des VW Super Beetle Convertible
    Quelle: VW Die Blinkerleuchten befinden sich über den normalen Scheinwerfern des VW Super Beetle Convertible
  • Zu sehen ist das Cockpit des VW Super Beetle Convertible
    Quelle: VW Der Innenraum des VW Super Beetle Convertible wirkt, seiner Zeit entsprechend, schlicht. Über den dünnen Schalthebel legt der Fahrer die Gänge ein. Die Anschnallgurte hängen schlapp über die Schulter
  • Zu sehen ist das Lenkrad und das Tachometer des VW Suer Beetle Convertible
    Quelle: VW Das Wappen von Wolfsburg ziert die Lenkrad-Mitte des VW Super Beetle Convertible. Hinter dem Lenkrad befindet sich lediglich ein Tachometer. Einen modernen Boardcomputer mit mehreren Funktionen gibt es nicht.
  • Zu sehen ist der Motor des VW Super Beetle Convertible
    Quelle: VW Unter der Heckhaube des VW Super Beetle Convertible arbeitet ein Vierzylinder-Boxenmotor mit 50 PS