Mercedes-SUV-Coupé mit Plug-in-Hybrid

So fährt das Mercedes GLE 350 de 4Matic Coupé

Großes SUV mit schrägem Heck, kleinem Diesel – und Elektromotor. Der Plug-in-Hybrid Mercedes GLE 350 de 4Matic Coupé im Fahrbericht.

  • Michael Specht
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  • Veröffentlicht am 12/24/2019, 9:15 AM
Mercedes GLE 350 de an einer Ladesäule stehend
Quelle: Daimler Der Mercedes GLE 350de wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 194 PS und einem Elektromotor mit 136 PS angetrieben

Mittlerweile gehören SUV-Coupés zum vertrauten Straßenbild. Klar, die schrägen Typen werden etwas sozialverächtlich angeschaut. BMW X6 und Co. polarisieren und provozieren, vor allem in Deutschland und vor dem Hintergrund der Klimadiskussion. In vielen anderen Ländern der Welt schert das niemanden. Der BMW X6 ist ein Riesenerfolg. Und ruft noch immer Nachahmer auf den Plan. Erst 2019 folgen Audi und Porsche mit dem Q8 und dem Cayenne Coupé.

Mercedes kontert schon 2015 mit dem GLE Coupé. Und bringt ungewöhnlich früh die zweite Generation des GLE Coupés auf den Markt. Kaum fünf Jahre nach dem Marktstart kommt die Baureihe C167. Das liegt an den künftigen Abgasgesetzen, daher müssen die neu entwickelten Sechszylinder-Reihenmotoren ins Auto. Den Kunden kann es nur recht sein. Sie bekommen die modernste verfügbare Technik – und ein frischeres Design.

Die Kritik am doch ziemlich wuchtigen Auftritt des Vorgängers macht offenbar Eindruck auf Styling-Chef Gorden Wagener. Das neue GLE Coupé, obwohl um vier Zentimeter auf 4,94 Meter gewachsen, wirkt harmonischer und im Heckbereich nicht mehr so klobig wie früher.



Volles Fahrwerksprogramm im GLE Coupé

Gegenüber dem normalen GLE schrumpft der Radstand des Coupés um 60 Millimeter. Schließlich soll es etwas sportlicher ums Eck gehen als mit dem GLE SUV. Im Alltag fährt man diesen Unterschied nicht heraus, auch wenn die Lenkung laut Mercedes etwas direkter ausfällt. So viel lässt sich immerhin sagen: Das GLE Coupé flitzt beeindruckend präzise und handlich durch die Kurven. Allerdings verfügt der Testwagen über alle Fahrwerks-Features, die in der Preisliste stehen. Der GLE federt mit Luft, individueller Regelung von Feder- und Dämpferkräften an jedem Rad und Kurvenneigefunktion. Mehr geht nicht.

Mercedes GLE 350 de in der Seitenansicht, fahrend
Quelle: Daimler In 6,9 Sekunden erreicht das SUV die 100-km/h-Marke. Bei 210 km/h ist Schluss

Auch was die Motorisierungen betrifft. Der in Deutschland und Europa vermutlich beliebteste Sechszylinder-Dieselmotor sei so sauber, dass in der Abgasluft weniger Partikel als in der Ansaugluft seien. Sagt jedenfalls Andreas Zygan, Chefentwickler der großen SUV-Baureihen bei Mercedes. Er erfülle alle Vorgaben der erst im nächsten Jahr verbindlichen Abgasnorm Euro 6d. In jedem Falls steht der Selbstzünder für Komfort, Effizienz und Reichweite. Ideal also, um auch lange Touren stressfrei und wirtschaftlich zurückzulegen.

Mehr Eindruck schindet der Plug-in-Hybrid. Vor allem dann, wenn er lautlos an einem vorbeigleitet. Mercedes baut in das ab Sommer 2020 erhältliche GLE 350 de Coupé eine Kombination aus Elektromotor und Diesel. Jedenfalls in Europa. Amerika und China bekommen einen Benziner-Plug-in-Hybrid. Der soll später im nächsten Jahr auch zu uns kommen.

Mit 320 PS Systemleistung oder rein elektrisch

Die Technik übernimmt das Coupé vom normalen GLE. Zum Einsatz kommen der bekannte Zweiliter-Vierzylinder-Diesel (intern OM 654 genannt) mit 194 PS sowie ein Elektromotor mit 136 PS. Er sitzt als Scheibe zwischen Verbrenner und 9-Gang-Automatikgetriebe, die Systemleistung beträgt 320 PS, das maximale gemeinsame Drehmoment liegt bei 700 Newtonmetern.

Die Eckwerte lassen viel Souveränität erwarten. Hinzu kommt, dass die Entwickler eine Batterie mit einer Kapazität von 31,2 kWh installieren. Sie übertrifft damit die alte – eingebaut im Vorgänger-GLE – fast um den Faktor vier. Im Bestfall kann das GLE 350 de Coupé damit über 100 Kilometer elektrisch fahren. Genau das tun wir. Wenn auch mit einem bisschen Schummeln. Denn mit voller Batterie geht es von Hochgurgl zum Flughafen Innsbruck – eine Strecke von 98 Kilometern. Da wir auf über 2.000 Metern Höhe starten, geht es die ersten rund 30 Kilometer bergab. Die Batterie muss also keine Energie abgeben – kann allerdings auch nicht viel durch Rekuperation gewinnen. Voll ist voll.

Mercedes GLE 350 de in der Ansicht von hinten-rechts, fahrend
Quelle: Daimler Ist ausschließlich der E-Motor in Betrieb, fährt das SUV maximal 160 km/h schnell

Der Diesel bleibt die gesamte Fahrt über weitgehend still. Wenn er sich doch mal kurz meldet, tut er das sehr leise und komfortabel. An die Geschmeidigkeit seines großen Sechszylinder-Bruders reicht er allerdings nicht heran. Am Ziel angekommen bleiben 26 Kilometer Restreichweite im Akku.

Für Pendler mit Steckdosenanschluss

Mit der hohen elektrischen Reichweite – Chefentwickler Zygan erzählt, dass er im Alltag stets über 80 Kilometer schafft – passt der Plug-in-Hybrid für Kunden mit bis zu 40 Kilometern Weg zur Arbeit. Wenn sie dazu regelmäßig laden, springt der Diesel die ganze Woche über nicht an. Erst auf längeren Touren gibt er Laut.

An einer Schnellladesäule kann der Akku des GLE 350 de Coupés mit Gleichstrom in 20 Minuten auf 80 Prozent geladen werden. Die häusliche Wallbox schafft mit Wechselstrom eine Leistung von 11 kW. Das füllt die Batterie in weniger als vier Stunden komplett.

Die Freude am elektrischen Fahren setzt aber eine strikte Ladedisziplin voraus. Wer zu Hause nicht die passenden Gegebenheiten (Parkplatz vor der Tür, Garage, Carport) hat und keine Wallbox installieren kann, sollte einen Plug-in-Hybrid grundsätzlich nicht in Erwägung ziehen. Denn nur bei stetem Laden lohnt die ganze Sache und der Spritverbrauch erreicht jenen von Kleinstwagen. Andernfalls schleppt man 300 Kilogramm Mehrgewicht mit sich herum und der Vierzylinder-Diesel muss sich mühen, unter acht Litern zu bleiben.

Auch als Coupé bleibt der GLE praktisch

Dabei eignet er sich natürlich als Reisewagen. 655 Liter Gepäck passen in den Kofferraum. Die Rücksitze lassen sich im Verhältnis 40:20:40 einzeln umklappen und ermöglichen so bis zu zwei Meter Ladelänge sowie ein Ladevolumen von knapp 1.700 Litern. Zudem sitzt die Ladekante sechs Zentimeter tiefer als beim Vorgänger. Mit Luftfederung lässt sich die Kante um weitere fünf Zentimeter senken.

Im Cockpit ist das Coupé ganz GLE. Das Widescreen-Display baut sich vor dem Fahrer auf, die Materialien wirken wertig. Sieht stimmig aus und man fühlt sich sofort wohl. Dass die Sitze ein Eigenleben entwickeln, das durch leichte Positionsänderungen zum Wohlbefinden des Fahrers beitragen, hilft. Es soll gut für Bandscheiben und Rücken sein und die Muskulatur entlasten.

Cockpit-Ansicht im Mercedes GLE 350 de
Quelle: Daimler Im Cockpit des GLE 350 de schaut der Fahrer auf ein Widescreen-Display

Das Infotainmentsystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) bietet dazu viel Konnektivität, hübsche Grafiken, hohe Auflösung und rechnet blitzschnell. Die Bedienung läuft weitgehend intuitiv ab. Bei den Assistenzsystemen gibt Mercedes ohnehin den Ton an. Jedenfalls im Vergleich mit Audi und BMW. Das GLE Coupé übernimmt auf mehrspurigen Straßen nahezu alle Fahrfunktionen. Man muss also nicht permanent auf den Vordermann starren, sondern kann seinen Blick auch mal woanders hin schweifen lassen. Das Gesetz verlangt lediglich, die Hände am Lenkrad zu lassen. Im Stau fährt der GLE auch nach einer Minute Stand wieder von alleine an.



Mercedes GLE Coupé PHEV: Ähnlicher Preis wie der große Diesel

Assistenten, die beim Parken helfen, sind unerlässlich. Schräg nach hinten sieht man schlecht, Parksensoren und die Rückfahrkamera vermeiden Kratzer und Dellen. Das ist für den Coupé-Kunden keine Überraschung. Für ihn zählt das Design. Und da nimmt man gern ein paar Unzulänglichkeiten in Kauf.

Wer sich den Luxus leisten kann und möchte, bekommt mit dem GLE 350 de Coupé nicht nur ein hochklassiges, komfortables und sicheres Fahrzeug, sondern auch ein sehr effizientes. 80 bis 100 Kilometer elektrische Reichweite sind im Alltag ein echtes Pfund. Einen Preis für seinen Lifestyle-Teilzeitstromer verrät Mercedes noch nicht. Man solle sich an einem leistungsmäßig etwa gleichwertigen GLE 400 d Coupé orientieren, heißt es vorläufig aus Stuttgart. Der große Diesel steht mit 81.634 Euro in der Liste.

Technische Daten Mercedes GLE 350 de 4Matic Coupé

ModellMercedes GLE 350 de 4Matic Coupé
Motor2,0 Liter-Vierzylinder-Diesel + E-Motor
Getriebe Neungangautomatik
Systemleistung 143 kW + 100 kW (194 + 136 PS)
Systemleistung 320 PS (235 kW)
Systemdrehmoment 700 Newtonmeter
0-100 km/h 6,9 s
Höchstgeschwindigkeit elektrisch 160 km/h
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Verbrauch WLTP 1,1 bis 1,3 l/100 km
Stromverbrauch 25,9 bis 28,7 kWh/100 km
CO2-Ausstoß 30-34 g/km
Batterieinhalt            31,2 kWh
Elektrische Reichweite 82 bis 100 km
Länge 4.939 mm
Breite 2.010 mm
Höhe 1.730 mm
Radstand 2.935 mm
Kofferraumvolumen 655 bis 1.645 Liter
Preis zirka 79.000 €

Der Mercedes GLE 350 de in Bildern

  • Mercedes GLE 350 de in der Ansicht von hinten-rechts, stehend
    Quelle: Daimler Elektro- und Verbrennungsmotor im GLE 350 de kommen zusammen auf eine Systemleistung von 320 PS
  • Mercedes GLE 350 de in der Ansicht von hinten-rechts, fahrend
    Quelle: Daimler Ist ausschließlich der E-Motor in Betrieb, fährt das SUV maximal 160 km/h schnell
  • Mercedes GLE 350 de an einer Ladesäule stehend
    Quelle: Daimler Der Mercedes GLE 350de wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 194 PS und einem Elektromotor mit 136 PS angetrieben
  • Mercedes GLE 350 de in der Seitenansicht, fahrend
    Quelle: Daimler In 6,9 Sekunden erreicht das SUV die 100-km/h-Marke. Bei 210 km/h ist Schluss
  • Cockpit-Ansicht im Mercedes GLE 350 de
    Quelle: Daimler Im Cockpit des GLE 350 de schaut der Fahrer auf ein Widescreen-Display
  • Blick in den Kofferraum des Mercedes GLE 350 de
    Quelle: Daimler Im Kofferraum stehen im GLE 350 de zwischen 655 und 1.645 Liter Stauraum zur Verfügung
  • Blick auf den Stromanschluss des Mercedes GLE 350 de
    Quelle: Daimler An der Schnellladesäule braucht die Batterie im GLE 350 de 20 Minuten für 80 Prozent Ladung