Der Range Rover I ist das erste Luxus-SUV

Der Range Rover I (1972) im Test

Der Range Rover I federte schon bequem, als Geländewagen noch stahlharte Burschen waren: Er ist das erste Luxus-SUV. Lies hier, was nach 50 Jahren davon übrig ist.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 05/07/2020, 07:45 AM
  • Aktualisiert am 05/11/2020, 07:22 PM
Zu sehen ist der Range Rover I von vorn
Quelle: Fabian Hoberg 1972 startet der Verkauf des Range Rover I in Deutschland. Marktpreis: 23.500 Mark - die Preisklasse eines Porsche 911

Platz unter den Achsen, Allradantrieb und echter Luxus im Innenraum – 1970 ist das neu. Als vor 50 Jahren der erste Range Rover auf den Markt kommt, sind Geländeautos in Europa noch, na ja, Geländeautos eben: Nutzfahrzeuge, meist Militär- oder Arbeitsmaschinen. Spartanisch ausgestattet und robust ausgelegt. Landwirte und Pferdesportler kaufen solche Autos, denn sie sind praktisch auf Acker und Koppel. Für den Alltag sind sie nicht komfortabel genug.


Der Range Rover

Der Mitbegründer des Luxus-SUV-Segmentes aus dem Hause Jaguar Land Rover.


Der Range Rover ändert dieses Bild. Er verwöhnt seine Passagiere mit dicken, weichen Polstern und einem robusten Fahrwerk. Sogar ein Radio steckt im Auto. Ein Fahrzeug für jeden Tag und jeden Einsatz. Vor allem aber ist er ein Fahrzeug, das die britische High Society schnell schick findet – und es dann weltweit verbreitet. Die Queen zählt den Range Rover immer noch zu ihren Lieblingsautos, fährt damit bis heute noch selbst.  

Der Innenraum des Range Rover I
Quelle: Land Rover Der Innenraum des Range Rover I: Sitze mit Sofa-Charakter und viel Kunststoff rund ums Lenkrad

Bis Mitte der 1980er-Jahre ist der Range Rover nahezu konkurrenzlos. Erst dann folgen die ersten Nachahmer wie Monteverdi Safari und die Mercedes G-Klasse in der zivilen Variante. Heute ist das Prinzip des Range Rover so normal wie Toast mit Butter. Er hat Autos wie Audi Q7, BMW X5, Mercedes GLS, Porsche Cayenne oder Rolls-Royce Cullinan inspiriert.  

Dabei ist der Range Rover nicht das erste Auto seiner Art. In den USA fahren bereits Jeep Wagoneer (seit 1963) und Ford Bronco (seit 1966) mit einem ähnlichen Ansatz – allerdings vor allem auf dem Land und vornehmlich in den USA.  

Der Range Rover I in Kürze: 

  • Das erste europäische Luxus-SUV 
  • Geländetaugliches Chassis 
  • Komfortabler Innenraum 
  • Kräftiger V8-Motor 
  • Schaukeliges Fahrverhalten 

Ein Luxus-Geländewagen zum Porsche-Preis 

Charles Spencer King, Entwicklungschef des Autoherstellers Rover, hat die Idee zum Auto. Er will ein praktisches Nutzfahrzeug in ein Alltagsgefährt mit Komfort für Europa verwandeln. Ihm schwebt ein vielseitiges Auto vor, das sich gleichermaßen für Ackerbau und Viehbetrieb sowie für Boulevard und Alltag eignet. Als Basis dienen stabiler Leiterrahmen, zwei Starrachsen, Langhub-Schraubenfedern, Geländeübersetzung, Alukarosserie und ein starker V8-Benziner.  

Zu sehen ist der Range Rover I von der Seite, fahrend
Quelle: Land Rover Der Range Rover I misst 4,47 Meter in der Länge, 1,89 Meter in der Breite und 1,77 Meter in der Höhe

Der erste Werbeprospekt des Range Rover verspricht: „Er ist erstens ein sieben Tage die Woche nutzbares Luxusmobil, zweitens ein Freizeitauto, das alle Autobahnen und Pisten unter die Räder nimmt, drittens ein Hochleistungs-Reisewagen für lange Strecken und viertens ein robuster Geländegänger.“  

1970 kostet der Range Rover in England 2.000 Pfund. Ab 1972 verkauft Rover (nun Leyland) seinen Range Rover für mindestens 23.500 Mark in Deutschland. Damit fährt er in der Preisklasse des Porsche 911. Wenige benutzen ihn als Arbeitsgerät. Er ist viel mehr ein besonderes Auto für Menschen, die sich den Luxus leisten können. 



Range Rover I: Zwei Türen, vier Gänge, acht Zylinder 

Aus heutiger Sicht wirkt der Range Rover I eher skurril. Er ist ein kombiartiger, hochgelegter Zweitürer mit V8-Motor und plüschiger Ausstattung. Damals ist er eine Pionierleistung. Denn neben der echten Geländegängigkeit fährt der erste Range Rover bis zu 165 km/h schnell. Auf Autobahnen wird er nicht zum Verkehrshindernis. Sein 3,5-Liter-V8 mit 135 PS stammt von Buick, Rover setzt ihn bereits im P6 ein. Geschaltet wird über ein manuelles Viergang-Getriebe.  

Zu sehen ist der Beifahrersitz mit Gurt des Range Rover I
Quelle: Fabian Hoberg Moderne Sicherheitssysteme gibt es im Range Rover I noch nicht. Während der Fahrt schlabbern die Anschnallgurte gern über die Schulter

Einmal in Fahrt, verhält sich der Zweitonner wie ein großes Schiff auf hoher See: Schon ab 60 km/h zischt der Fahrtwind laut an der kantigen Aluminium-Karosserie vorbei, bei Kurvenfahrten neigt sich die Karosserie stark zur Seite. Die besonders weichen Sitze kneifen nach langen Touren nicht am Hintern, halten ihre Passagiere allerdings auch kaum fest. Auf Landstraßen rutschen sie im Auto hin und her. Derweil schlabbert der Anschnallgurt über der Schulter. 

Die Lenkung des Range offenbart seine Gelände-Gene. Sie verlangt vom Fahrer ständige Korrekturen. Zwischen Fahrer und Beifahrer thront eine Mittelkonsole von ungefähr einem halben Meter Breite. Unter ihr verrichtet das voluminöse Getriebe seinen Zweitjob als Heizung. Um die vier Gänge zu wechseln, braucht es Geduld und viel Feingefühl. Die Box stellt sich so störrisch an, dass man auf Landstraßen am liebsten im zweiten oder dritten Gang bleibt. Der Range Rover stapft mit viel Drehmoment locker durch jede Kurve.  


evoque
Range Rover mit Lifestyle

Der Range Rover Evoque: Allrad, Geländetauglichkeit und modische Optik.


Klassischer Luxus und schrullige Lösungen im Ranger Rover I 

Sein Cockpit strahlt weniger Noblesse aus als heutige Fahrzeuge dieses Segments. Das Armaturenbrett besteht beim ersten Range Rover noch aus schnödem Kunststoff. Zwei Rundinstrumente liefern Infos über Geschwindigkeit, Laufleistung, Tankfüllstand und Wassertemperatur. Aus dem Lautsprecher knistert und knarzt es, manuelle Fensterheber und hintere Ausstellfenster ersetzen die Klimaanlage.  

Dafür thronen die Passagiere aber entspannt über dem Verkehr und genießen die Aussicht aus den großen Scheiben. Fünf Passagiere passen locker hinein. Drei von ihnen müssen aber klettern, man kommt nur schwer an den klappbaren Vordersitzen vorbei. Erst 1981 reicht Range Rover einen Fünftürer nach. Dafür gibt die horizontal geteilte Kofferraum-Klappe eine großzügige Ladefläche frei.  

Zu sehen ist der Kühlergrill des Range Rover I
Quelle: Fabian Hoberg Ein schwarz-weißer "Range Rover"-Schriftzug ziert die Front des Fahrzeuges. Die großen, runden Scheinwerfer schenken dem Range Rover ein freundliches Gesicht

Lange ruht sich Range Rover auf dem Erfolg seines Fahrzeugs aus – die erste Generation wird fast 25 Jahre lang gebaut und optisch kaum verändert. Erst 1994 kommt die zweite Generation auf den Markt, eine dritte Generation 2001. Die ersten Modelle sind heute sehr gesucht. Fahrbares Material gibt es für 20.000 bis 40.000 Euro, gut erhaltene Fahrzeuge selten unter 50.000 Euro.  



Das Segment, das der Range Rover schuf 

Seit 2012 verkaufen die Briten das heute noch aktuelle Modell, wahlweise mit vier, sechs oder acht Zylindern und einer Leistung zwischen 275 PS und 565 PS. Mindestens 105.900 Euro kostet ein Range Rover heute – immer noch die Preisklasse eines Porsche 911. Im Gegensatz zu vielen neuen SUVs setzt der Brite nach wie vor jenseits des Asphalts Maßstäbe, bleibt weiterhin dank seiner Allradtechnik mehr Geländewagen als SUV.  

Dennoch ist vom ersten Range Rover nur noch die Grundidee übrig: Bodenfreiheit, Allradantrieb, Komfort und Alltagsnutzen. Moderne Luxus-SUVs leisten heute mehr als 600 PS und fahren bis 250 km/h schnell – einige sogar noch deutlich schneller. Was heute zählt, ist selten die Geländegängigkeit. Dafür eine hohe Sitzposition in Verbindung mit einem sehr sportlich abgestimmten Fahrwerk.  

Zu sehen ist der Motor des Range Rover I
Quelle: Land Rover Unter der Motorhaube des Range Rover I sitzt ein 3,5-Liter-V8-Motor mit 130 PS

Was vom Range Rover I bleibt, ist der Luxus. Der hat aber neue Maßstäbe angenommen. Seine Kinder im Geiste bieten handvernähtes Leder, Holz, Aluminium, Assistenz- und Soundsysteme. Allradantrieb gibt es weiterhin – der dient aber eher dazu, die Leistung auf die asphaltierte Straße zu bekommen. Vor 50 Jahren ist das undenkbar. Andererseits ist damals schon der erste Range revolutionär. 

Übersicht Luxus-SUVs (2020) 

  • Aston Martin DBX 
  • Audi Q7 
  • Bentley Bentayga 
  • BMW X7
  • BMW X5 
  • Jaguar F-Pace
  • Lamborghini Urus
  • Maserati Levante
  • Mercedes Maybach GLS
  • Porsche Cayenne
  • Range Rover
  • Rolls-Royce Cullinan
  • Tesla Model X 

Range Rover I (1970): Technische Daten 

Modell  Leyland Range Rover 
Motor  3,5 Liter V8 
Leistung  96 kW (130 PS) 
Drehmoment  280 Nm 
0-100 km/h  ca. 17 s 
Geschwindigkeit  165 km/h 
Verbrauch  ca. 16 l/100 km 
Länge  4.470 mm 
Breite  1.890 mm 
Höhe  1.770 mm 
Radstand  2.540 mm 
Leergewicht  1.800 kg 
Kofferraumvolumen  1.020-2.160 l 
Basispreis 1972  23.500 DM 

Der Range Rover I von 1972 in Bildern

  • Zu sehen ist die Front des Range Rover I
    Quelle: Land Rover Bei seiner Premiere ist der Range Rover I eine Revolution: Geländewagen sind zu diesem Zeitpunkt Nutzfahrzeuge, keine komfortablen Gleiter
  • Der Innenraum des Range Rover I
    Quelle: Land Rover Der Innenraum des Range Rover I: Sitze mit Sofa-Charakter und viel Kunststoff rund ums Lenkrad
  • Zu sehen ist der Range Rover I von vorn
    Quelle: Land Rover Der Audi Q7, der BMW X5 und der Porsche Cayenne gelten als moderne Interpretationen des Range Rover I
  • Zu sehen ist der Range Rover I, stehend
    Quelle: Land Rover Der Range Rover I galt für lange Zeit als unantastbar. Seine außergewöhnliche Art inspiriert die Konkurrenz
  • Zu sehen ist der Range Rover I von vorn, stehend
    Quelle: Land Rover Der Range Rover I ist ein komfortabler Geländewagen und das erste europäische Luxus-SUV. Auf der Straße schaukelt er ordentlich
  • Ein Blick in den Kofferraum des Range Rover I
    Quelle: Land Rover Luxus Anno 1972: Blankes Blech und ein verkleidetes Reserverad im Kofferraum des Range Rover I
  • Die zweigeteilte Heckklappe des Range Rover I
    Quelle: Land Rover Die Heckklappe des Range Rover I ist zweigeteilt
  • Zu sehen ist der Range Rover I von vorn
    Quelle: Fabian Hoberg 1972 startet der Verkauf des Range Rover I in Deutschland. Marktpreis: 23.500 Mark - die Preisklasse eines Porsche 911
  • Zu sehen ist der Range Rover I, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Land Rover erfindet den Geländewagen neu. Der Range Rover I bietet Platz unter den Achsen und praktischen Allradantrieb, er funktioniert aber auch in der Stadt
  • Zu sehen ist der Kühlergrill des Range Rover I
    Quelle: Fabian Hoberg Ein schwarz-weißer "Range Rover"-Schriftzug ziert die Front des Fahrzeuges. Die großen, runden Scheinwerfer schenken dem Range Rover ein freundliches Gesicht
  • Zu sehen ist der Range Rover I von der Seite, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Die erste Generation des Range Rover bleibt 25 Jahre optisch unverändert. 1994 folgt die zweite Generation, 2001 die dritte
  • Zu sehen ist der Range Rover I von vorn, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Der Range Rover I hat einen hohen Stellenwert in der britischen High Society. Die Marke zählt noch heute zu den Favoriten der Queen
  • Zu sehen ist der Range Rover I, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Die großen Scheiben und die hohe Karosserie ermöglichen allen Passagieren eine bemerkenswerte Sicht auf den Verkehr. Die Rückbank erreicht man nach Umklappen der Vordersitze. Ein Modell mit fünf Türen gibt es erst 1981
  • Zu sehen ist der Range Rover I von der Seite, fahrend
    Quelle: Land Rover Der Range Rover I misst 4,47 Meter in der Länge, 1,89 Meter in der Breite und 1,77 Meter in der Höhe
  • Zu sehen ist der Range Rover I von der Seite
    Quelle: Fabian Hoberg Die Grundidee des Range Rover I gilt noch heute: Bodenfreiheit, Allradantrieb, Komfort und Alltagsnutzen
  • Zu sehen ist der Range Rover I von der Seite, fahrend
    Quelle: Land Rover Der Range Rover I bemüht sich in circa 17 Sekunden auf Tempo 100. Bei 165 km/h liegt die Spitze
  • Zu sehen ist das Heck des Range Rover I
    Quelle: Fabian Hoberg Der Range Rover I fasst 1.020 Liter Gepäck. Ist die Rückbank umgelegt, verdoppelt sich das Kofferraumvolumen
  • Zu sehen ist der Auspuff des Range Rover I
    Quelle: Fabian Hoberg Der Range Rover I verbraucht circa 16 Liter pro 100 Kilometer. Dazu gibt es kräftigen V8-Sound
  • Zu sehen ist der Motor des Range Rover I
    Quelle: Land Rover Unter der Motorhaube des Range Rover I sitzt ein 3,5-Liter-V8-Motor mit 130 PS
  • Zu sehen sind die Vordersitze des Range Rover I
    Quelle: Land Rover Das Cockpit des Range Rover wirkt für damalige Verhältnisse prächtig. Die Mittelkonsole zwischen Fahrer und Beifahrer misst einen halben Meter in der Breite
  • Zu sehen ist der Beifahrersitz mit Gurt des Range Rover I
    Quelle: Fabian Hoberg Moderne Sicherheitssysteme gibt es im Range Rover I noch nicht. Während der Fahrt schlabbern die Anschnallgurte gern über die Schulter