Der Elektro-Porsche heißt wie ein Benziner

Porsche Taycan Turbo und Turbo S: Technische Daten, Preise, Marktstart

Kein Verbrenner, trotzdem „Turbo“: Porsches erstes elektrisches Serienauto folgt der klassischen Nomenklatur. Erfahre alle Details zu Taycan Turbo und Turbo S.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 09/05/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Für Tempo 100 braucht der Taycan Turbo S 2,8 Sekunden. Bei 260 km/h ist Schluss
Quelle: Porsche Für Tempo 100 braucht der Taycan Turbo S 2,8 Sekunden. Bei 260 km/h ist Schluss

Tradition ist wichtig für Porsche. Selbst bei einem Auto, das zu jung für Tradition ist. Der Taycan ist der erste Elektro-Porsche der Moderne. Kein Boxer, kein Benzin, keine Abgase, kein charakteristischer Sound, nur Strom. Aber ein bisschen alte Welt muss trotzdem ins Auto: Die schnellsten Varianten heißen nach klassischer Nomenklatur Taycan Turbo und Taycan Turbo S.

Technisch ist das grober Unfug. Ein Turbolader ohne Abgase ist schließlich wie ein Elektroauto ohne Strom: Er funktioniert nicht. Porsche sieht den Namen aber nicht als Beschreibung, sondern als Einordnung. Es handelt sich um die stärksten und schnellsten Varianten des Taycan. Deshalb bekommen sie den gleichen Beinamen wie die flotten 911, Macan, Cayenne und Panamera.

Abgesehen davon hat der Taycan aber nur wenig mit diesen Autos gemein. Er bekommt eine eigene Plattform, die Verbrenner vollständig ausschließt. Auf der „J1“-Architektur entstehen künftig weitere Modelle bei Porsche und der Markenschwester Audi. Der Taycan macht den Anfang. Und er soll mit großen Zahlen beeindrucken.

Der Taycan wird der stärkste Serien-Porsche

Im Taycan Turbo S leisten zwei Elektromotoren bis zu 560 kW. Umgerechnet sind das 761 PS – mehr Leistung als die schnellsten Varianten der traditionellen Modelle. Die Limousine sprintet in 2,8 Sekunden auf Tempo 100, in 9,8 Sekunden auf Tempo 200 und ist bei 260 km/h abgeregelt. Die übliche freie Fahrt würde den Akku zu schnell leersaugen. Dennoch soll der Porsche schneller säuseln als Vertreter-Limousinen. Porsche betont: Die Zeiten sind mehrfach reproduzierbar, die Höchstgeschwindigkeit hält der Taycan über eine längere Zeit.

Der Taycan Turbo kommt auf 500 kW (680 PS) Spitzenleistung. Das kostet ihn 0,4 Sekunden im Sprint. An der Höchstgeschwindigkeit ändert sich nichts, die Reichweite steigt: Mit dem größtmöglichen Akkupaket („Performance-Batterie Plus“, 93,4 kWh Kapazität) fährt der Taycan Turbo laut WLTP-Norm 450 Kilometer weit. Der Turbo S muss spätestens nach 412 Kilometern nachladen.

Die hohen Leistungen erreichen beide Antriebe nur zweieinhalb Sekunden lang. Danach reduziert sich die Leistung auf 460 kW (625 PS) in beiden Varianten. Der Turbo S verzögert serienmäßig mit Keramik-Bremsen. Das spart Gewicht: Er wiegt laut EU-Norm 2.370 Kilogramm inklusive Fahrer, der Turbo zehn Kilogramm mehr.

Bei idealen Bedingungen ist der Akku in rund 22 Minuten auf 80 Prozent geladen
Quelle: Porsche Bei idealen Bedingungen ist der Akku in rund 22 Minuten auf 80 Prozent geladen

An der Säule stellt Porsche eine Bestmarke auf. Die angekündigten 350 kW Ladestrom schafft der Taycan nicht, aber die versprochenen 800 Volt Spannung. Eine Peak-Ladeleistung von 270 kW ist außerdem deutlich mehr als der Spitzenwert der Konkurrenz. Nach 22 Minuten und 30 Sekunden ist der Akku zu 80 Prozent geladen. Für 100 Kilometer Norm-Reichweite benötigt der Taycan fünfeinhalb Minuten. Zudem verträgt das Auto Wechselstrom mit bis zu 11 kW.

Viel Platz vorn, wenig Raum hinten

Ein Akkupaket im Fahrzeugboden passt nur selten mit einer flachen Fahrzeughöhe zusammen. Porsche berücksichtigte deshalb bei der Entwicklung der Plattform die Beinfreiheit der Passagiere im Fond. Vor der Rückbank lässt eine Aussparung („Fußgarage“) Platz für die Füße der Mitfahrer. Was an dieser Stelle fehlt, stapelt Porsche unter die hintere Sitzfläche.

Der gewonnene Platz genügt selbst für große Fuße. Dennoch müssen sich Erwachsene in Reihe zwei einfädeln, die Knie am Vordersitz vorbeiführen und mit dem Kopf aufpassen. Bei einer Körpergröße von 1,90 Metern stößt der nämlich am Dach an. Platz wie im Panamera gibt es im Taycan nicht, trotz ähnlicher Form. Der Taycan ist neun Zentimeter kürzer und vier Zentimeter flacher als die Limousine mit klassischer Antriebsart. Seine Kofferräume laden 366 (hinten) bzw. 81 Liter Ladung ein (vorn).

Die digitalen Instrumente werden auf einem 16,8-Zoll-Display hinter dem Lenkrad angezeigt
Quelle: Porsche Die digitalen Instrumente werden auf einem 16,8-Zoll-Display hinter dem Lenkrad angezeigt

Passagiere mit Durchschnittsgröße sitzen dennoch bequem im Taycan. Vorn gibt es mehr Platz, hier ähnelt die Sitzposition der im Porsche 911. Klassische Knöpfe gibt es nur noch am Lenkrad, ein Großteil der Bedienung läuft über Touch-Flächen. Hinter dem Lenkrad ahmt ein freistehendes Display die traditionellen Rundinstrumente nach.

Ein zweites Display im Armaturenbrett steuert die Infotainment-Funktionen, ein Bildschirm in der Mittelkonsole versorgt unter anderem die Klimaanlage. Gegen Aufpreis baut Porsche außerdem einen zusätzlichen Screen für den Beifahrer ein. Sitze und Verkleidungsteile bezieht der Hersteller mit Leder. Optional ist ein veganer Innenraum im Angebot.

Günstiger als ein Panamera, teurer als ein Tesla Model S

Beim Chassis des Taycan gibt es wieder Parallelen zu den Verbrenner-Modellen. Porsche installiert verstellbare Stabilisatoren, die Wankbewegungen in der Karosserie ausgleichen sollen, eine Hinterachslenkung (Serie beim Turbo S) für mehr Agilität und eine Dreikammer-Luftfederung für eine breite Spreizung aus Sport und Komfort.

In der Topversion Turbo S leisten die E-Motoren im Taycan 761 PS
Quelle: Porsche In der Topversion Turbo S leisten die E-Motoren im Taycan 761 PS

Akku und Aufbau sorgen für einen Schwerpunkt, der niedriger liegt als beim Porsche 911. Jede Achse bekommt einen eigenen permanenterregten Synchronmotor, vorn mit fester Übersetzung, hinten mit einem Zweiganggetriebe. So verbessert Porsche die Beschleunigung aus dem Stand. Die Motoren der Turbo-Version sind zusammen 850 Newtonmeter stark, der Turbo S verfügt über 1.050 Newtonmeter Drehmoment.

Wer den Porsche Taycan vorbestellen wollte, kann sich freuen: Er lässt sich bereits konfigurieren und bestellen. Als Turbo kostet er mindestens 152.136 Euro, der Turbo S startet bei 185.456 Euro. Damit kostet das Spitzenmodell gut 80.000 Euro mehr als ein Tesla Model S mit besseren Beschleunigungswerten und höherer Reichweite (2,6 Sekunden auf Tempo 100, 590 km laut WLTP). Der Porsche Panamera mit gleicher Modellbezeichnung ist ungefähr 10.000 Euro teurer.



Porsche Taycan Turbo S: Technische Daten

  • Motoren: Zwei Permanenterregte Synchronmaschinen, je eine pro Achse
  • Leistung: 560 kW (761 PS) Peak; 460 kW (625 PS)
  • Drehmoment: 1.050 Nm
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 2,8 s
  • Beschleunigung 0 – 200 km/h: 9,8 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h
  • Getriebe: Feste Übersetzung (Vorderachse), Zweigang-Automatik (Hinterachse)
  • Akkukapazität: 93,4 kWh
  • Stromverbrauch (WLTP): 26,9 kWh pro 100 km
  • Ladeleistung: 11 kW (AC), 270 kW (DC)
  • Reichweite (WLTP): 412 km
  • Gewicht: 2.370 kg (EU-Norm, inkl. Fahrer)
  • Länge: 4.963 mm
  • Breite: 1.966 mm
  • Breite mit Außenspiegeln: 2.144 mm
  • Höhe: 1.378 mm
  • Radstand: 2.900 mm
  • Kofferraumvolumen: 366 l (hinten), 81 l (vorn)
  • Basispreis: 185.456 Euro

Der Porsche Taycan in Bildern

  • Der Name Taycan stammt aus dem orientalischen Sprachraum und bedeutet "Seele eines lebhaften, jungen Pferds"
    Quelle: Porsche Der Name Taycan stammt aus dem orientalischen Sprachraum und bedeutet "Seele eines lebhaften, jungen Pferds"
  • Die digitalen Instrumente werden auf einem 16,8-Zoll-Display hinter dem Lenkrad angezeigt
    Quelle: Porsche Die digitalen Instrumente werden auf einem 16,8-Zoll-Display hinter dem Lenkrad angezeigt
  • Ladestand und Reichweite werden auf dem Screen in der Mittelkonsole angezeigt
    Quelle: Porsche Ladestand und Reichweite werden auf dem Screen in der Mittelkonsole angezeigt
  • Bei idealen Bedingungen ist der Akku in rund 22 Minuten auf 80 Prozent geladen
    Quelle: Porsche Bei idealen Bedingungen ist der Akku in rund 22 Minuten auf 80 Prozent geladen
  • Präsentiert wird der Porsche Taycan auf der IAA 2019 in Frankfurt
    Quelle: Porsche Präsentiert wird der Porsche Taycan auf der IAA 2019 in Frankfurt
  • Für Tempo 100 braucht der Taycan Turbo S 2,8 Sekunden. Bei 260 km/h ist Schluss
    Quelle: Porsche Für Tempo 100 braucht der Taycan Turbo S 2,8 Sekunden. Bei 260 km/h ist Schluss
  • Der Stromspeicher im Taycan Turbo reicht für 412 Kilometer. Im Turbo S sind bis zu 450 Kilometer drin
    Quelle: Porsche Der Stromspeicher im Taycan Turbo reicht für 412 Kilometer. Im Turbo S sind bis zu 450 Kilometer drin
  • In der Topversion Turbo S leisten die E-Motoren im Taycan 761 PS
    Quelle: Porsche In der Topversion Turbo S leisten die E-Motoren im Taycan 761 PS