Kosten, Vorteile, Voraussetzungen

Oldtimerzulassung: So klappt es mit dem H-Kennzeichen

Dein Gebrauchtwagen soll ein Klassiker mit H-Kennzeichen werden? Dafür muss er mindestens 30 Jahre alt und unverbastelt sein. Was noch wichtig ist, liest Du hier.

  • Fabian Hoberg
  • Veröffentlicht am 03/17/2020, 07:03 PM
Ein beige-gelber Roadster fährt an einem roten Sportwagen vorbei - beide Autos haben ein H-Kennzeichen.
Quelle: Peter Besser Oldtimer ist ein deutscher Begriff, auch wenn es kein deutsches Wort ist. Im Englischen heißen die Fahrzeuge Classic oder Vintage Car

Chrom, wohin das Auge reicht. Keine wuchtigen Plastikstoßstangen, sondern echtes Metall. Aus dem Radio knistert es und die Fenster lassen sich nur mit der Hand runterkurbeln. Wenn die Beschreibung auf Dein Fahrzeug passt, dann fährst Du vermutlich einen Oldtimer, garantiert aber ein altes Auto. Was genau ein Oldtimer ist und welche Vor- und Nachteile ein H-Kennzeichen bietet, erklären wir in diesem Ratgeber.


BMW 1602 in der Ansicht von vorne-links, stehend
Oldtimer von BMW

1929 rollt das erste Serienautomobil mit dem Namen "DA 2" bei den Bayerischen Motorenwerken vom Band.


Was ist überhaupt ein Oldtimer?

Oldtimer ist ein deutscher Begriff, auch wenn es kein deutsches Wort ist. Im Englischen heißen die Fahrzeuge Classic oder Vintage Car. Hierzulande gilt ein Fahrzeug dann als Oldtimer, wenn es mindestens 30 Jahre auf dem Blech hat und sich in einem guten, originalen und gepflegten sowie verkehrstüchtigen Zustand befindet. Du erkennst solche Autos an einem H-Kennzeichen: Auf den Kennzeichen steht nach den Ziffern ganz rechts ein H, für historisch. Damit legt das Finanzamt (Zoll) eine einheitliche Steuer für den Oldtimer fest.

Welche Auflagen muss das Auto erfüllen?

Zuerst muss das Auto mindestens 30 Jahre alt sein, um für eine Oldtimerzulassung infrage zu kommen und ein H-Kennzeichen zu erhalten. Entscheidend hierfür ist der Tag der Erstzulassung. Außerdem darf es sich bei dem historischen Fahrzeug nicht um eine Rostlaube handeln. Das Fahrzeug muss sich in einem guten Zustand befinden. Voraussetzung ist ein originaler Zustand oder eine zeitgenössische Veränderung. Nach Paragraph 23 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StvZO) prüft ein anerkannter Kfz-Sachverständiger oder Prüfingenieur das Fahrzeug anhand eines Katalogs mit strengen Richtlinien und bescheinigt dem Fahrzeug am Ende bestenfalls den Status als „kraftfahrtechnisches Kulturgut“.



Im Zuge der Begutachtung nach Paragraph 23 StvZO erfolgt eine Hauptuntersuchung (HU). Damit prüfen die Sachverständigen, ob das Fahrzeug frei von Mängeln ist. Bei Importfahrzeugen wie US-Cars erfolgt eine Vollabnahme. Besitzer von Importautos müssen bei der Prüfung nachweisen, wann das Auto erstmals zugelassen wurde. Andernfalls wird die Zulassung auf den 1. Juli des Baujahres geschätzt. Wenn Du ein solches Auto besitzt, kläre das vorher ab – oder bring den Klassiker erst ab Juli zum TÜV. 

Mit dem Oldtimer-Gutachten fährst Du anschließend zu der für Dich zuständigen Kfz-Zulassungsstelle oder dem Straßenverkehrsamt. Du benötigst einen neuen Fahrzeugbrief und Fahrzeugschein sowie neue Kennzeichen. Die Zeit zwischen Gutachten und der Umschlüsselung bei der Zulassungsstelle sollte nicht mehr als vier bis acht Wochen betragen, sonst kann die Zulassungsstelle unter Umständen ein neues Gutachten verlangen. Akzeptiert die Zulassungsstelle das Gutachten für das Fahrzeug, musst Du nur noch das H-Kennzeichen anfertigen lassen.

Ein roter Ford Mustang fährt in einer Kolonne älterer Autos über eine Autobahn.
Quelle: dpa / Picture Alliance Autos mit großvolumigen Motoren oder alten Dieseln fahren mit dem H-Kennzeichen und der Oldtimer-Steuer meist günstiger

Welche Kosten entstehen bei der Zulassung eines Oldtimers?

Ein Gutachten für die Anerkennung zum Oldtimer bei einer Prüfstation wie GTÜ, Dekra, KÜS oder TÜV kostet Dich zwischen 150 und 200 Euro. Für die Zulassung verlangt die Kfz-Behörde je nach Stadt und Kommune etwa 30 Euro, neue H-Kennzeichen kosten rund 30 Euro.

Welche Vorteile und Steuererleichterungen bringt die Zulassung?

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, kannst Du mit dem Oldtimer mit H-Kennzeichen auch in Umweltzonen fahren. Das gilt auch dann, wenn er weder Katalysator noch eine grüne Plakette hat. Autos mit großvolumigen Motoren oder mit alten Dieseln fahren mit dem H-Kennzeichen und der Oldtimer-Steuer von jährlich 191,73 Euro meist günstiger. Bei einem möglichen Wiederverkauf steigert ein H-Kennzeichen außerdem den Wert des Autos.

In Nahaufnahme ist ein H-Kennzeichen an einem orangenen Auto zu sehen.
Quelle: dpa / Picture Alliance Um für eine Oldtimer-Zulassung infrage zu kommen, muss die Erstzulassung Deines Autos mindestens 30 Jahre her sein

Welche Nachteile bringt eine Oldtimerzulassung?

Ob sich das Ummelden eines alten Autos zum Oldtimer rentiert, hängt vom Fahrzeug und von der Größe des Motors ab. Für Halter von Kleinfahrzeugen wie Fiat 500, Citroën 2CV oder Motorrädern rechnet sich ein H-Kennzeichen meist nicht. Auch bei jungen Oldtimern mit einem G-Kat und Euro-2-Einstufung rentiert sich die Ummeldung von einem normalen Kennzeichen auf einen offiziellen Oldtimer mit H-Kennzeichen finanziell häufig nicht. Dazu begrenzen viele Versicherungen die Jahreslaufleistung für das Fahrzeug auf ein paar tausend Kilometer im Jahr.


Ein Citroen C3 steht vor einer Wand mit Graffiti.
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Bekommt das Auto ein H-Kennzeichen?

Wenn die oben genannten Kriterien nicht erfüllt sind, erhält das Fahrzeug kein H-Kennzeichen. Die wichtigsten Kriterien sind das Alter und der Zustand des Fahrzeugs. Zu Letzterem zählen auch technische Veränderungen. Zeitgemäßes Tuning wie Sportlenkräder oder andere Räder akzeptieren die Gutachter. Die Anbauteile müssen aber aus der damaligen Zeit stammen und zur Optik des Fahrzeugs passen. Ein altes Fahrzeug mit einem neuen Motor werden die Gutachter nicht zu einem Oldtimer machen. Ratsam ist es, bei der Prüfung möglichst alle Unterlagen und Infos über das Fahrzeug, wie alte Prospekte oder Fotos, mitzunehmen.


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