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Collage mit vier Automobilen: VW Golf I (1974), Ferrari F355, Mercedes-Benz 300 SL und BMW 700.
Quelle: Volkswagen, Ferrari, Mercedes-Benz, BMW | Collage: mobile.de
Vier Modelle, vier Krisen, vier Wendepunkte. Keines von ihnen war bei seiner Markteinführung als Retter geplant. Und genau das macht ihre Geschichte so bemerkenswert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein einzelnes Modell kann durch Umsatz, Imagewandel und neue Marktpositionierung eine ganze Marke retten.
  • Die erfolgreichsten Rettungsmodelle entstanden oft in Krisenzeiten, in denen die Hersteller besonders mutige Entscheidungen trafen.
  • Das Phänomen ist nicht auf die Vergangenheit beschränkt: Auch heute können einzelne Modelle das Schicksal einer Marke entscheidend beeinflussen.

Der Verbrenner steht vor dem Aus und E-Autos übernehmen die Straßen. Doch die deutschen Autohersteller haben noch ihre Probleme damit, ihren Platz in dieser neuen Welt zu finden.

Wer die Entwicklung verschläft, ein gutes und im besten Fall günstiges Elektroauto zu bauen, dem droht eine Gefahr: in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

10 Modelle als Markenretter

Genau diese Gefahr ist den deutschen Autokonzernen nicht fremd. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er-Jahre hinein standen Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Audi vor einem potenziellen Aus. Doch die Entscheidung für mutige Designs und Technologien rettete die Hersteller vor dem Ende.

Wir stellen zehn Modelle vor, die deutsche und internationale Automarken vor der Insolvenz gerettet und (zurück) zum Erfolg geführt haben.

VW Käfer (1946)

Zweifarbiger VW Käfer Cabriolet von 1949 in Schwarz und Rot in der Dreiviertel-Frontansicht, ausgestellt in einem Automobilmuseum.
Quelle: Volkswagen
Dieses Cabriolet von 1949 zeigt den Käfer in einer frühen Ausbaustufe. Die Cabriolet-Fertigung bei Karmann in Osnabrück endete erst im Januar 1980.

Der VW Käfer ist wohl das bekannteste Beispiel dafür, wie ein Auto eine ganze Nation mobilisiert. Mit seinem luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor im Heck und dem günstigen Preis wurde er zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders.

Das Volkswagenwerk war 1945 ein Trümmerfeld unter britischer Militärverwaltung. Doch der Käfer sicherte seine Existenz.

Geeignet für

  • Nostalgiker, Bastler, Liebhaber klassischer Autos

Nicht geeignet für

  • Familien mit viel Gepäck, Vielfahrer auf langen Strecken, Fahrer, die modernen Fahrkomfort erwarten

1947 begann der Export: 4.464 Käfer brachten 1948 umgerechnet 21 Millionen D-Mark an Devisen ein. Insgesamt wurden 21.529.464 Exemplare gebaut.

Der Käfer war in Mexiko noch bis Juli 2003 in Produktion und damit das am längsten gebaute Automobil der Geschichte.

Vorteile

  • Extrem robuste und wartungsarme Technik
  • Günstiger Einstiegspreis, der breite Bevölkerungsschichten ansprach
  • Hohe Exportzahlen, besonders in den USA

Nachteile

  • Luftgekühlter Heckmotor galt schon früh als technisch veraltet
  • Wenig Platz im Innenraum, vor allem für größere Personen
  • Kein Kofferraum im klassischen Sinne, nur kleiner Stauraum vorn
Rotes VW Käfer Cabrio
Rotes VW Käfer Cabrio
VW Käfer

Der Käfer prägte mit seinem luftgekühlten Heckmotor und dem runden Design Jahrzehnte der Automobilgeschichte.

Mercedes-Benz 300 SL (1954)

Silberner Mercedes-Benz 300 SL Coupé mit Flügeltüren in der Seitenansicht, ausgestellt im Mercedes-Benz-Museum.
Quelle: Mercedes-Benz
Der 300 SL war nicht der teuerste Wagen im damaligen Mercedes-Programm. Der W 188 kostete bei seiner Einführung 1954 sogar 5.500 D-Mark mehr.

Der Mercedes-Benz 300 SL (intern W 198) war bei seiner Vorstellung 1954 der schnellste Seriensportwagen der Welt. Mit Gitterrohrrahmen, Benzin-Direkteinspritzmotor und charakteristischen Flügeltüren setzte er technische Maßstäbe.

US-Importeur Max Hoffman hatte Daimler-Benz klargemacht: Ohne einen Sportwagen könne er das Händlernetz in den USA nicht aufrechterhalten.

Geeignet für

  • Sportwagen-Enthusiasten, Sammler, Liebhaber automobiler Geschichte

Nicht geeignet für

  • Alltagsfahrer, Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit, Sparfüchse

Der 300 SL lieferte, was er versprach. Von den 1.400 gebauten Coupés gingen rund 1.100 in die USA und legten das Fundament für die dauerhafte Präsenz der Marke dort.

Insgesamt entstanden 1.400 Coupés und 1.858 Roadster.

Vorteile

  • Benzin-Direkteinspritzung, damals im Serienbau noch nicht verbreitet
  • Höchstgeschwindigkeit von bis zu 260 km/h
  • Rennsporthistorie als Grundlage für das Serienmodell

Nachteile

  • Flügeltüren erschwerten das Ein- und Aussteigen erheblich
  • Sehr hoher Kraftstoffverbrauch von rund 15 Litern auf 100 km
  • Aufheizung des Innenraums im Sommer durch die Coupé-Bauform
Silberner Mercedes 300 SL vor Anwesen
Silberner Mercedes 300 SL vor Anwesen
Mercedes-Benz 300 SL

Mit seinen charakteristischen Flügeltüren und der Direkteinspritzung setzte der 300 SL Maßstäbe.

BMW 700 (1959)

Beigefarbener BMW 700 in der Seitenansicht auf einer Bergstraße vor verschneiten Alpengipfeln.
Quelle: BMW
Der BMW 700 richtete sich an Käufer, die sich vom VW Käfer abheben wollten. Trotz ähnlichem Konzept war er sportlicher positioniert.

Ende der 1950er Jahre stand BMW kurz vor der Insolvenz und der Übernahme durch Mercedes. Doch der BMW 700 rettete das Unternehmen.

Mit seiner selbsttragenden Karosserie und dem luftgekühlten Zweizylinder-Boxermotor im Heck bot er eine Alternative zum VW Käfer.

Geeignet für

  • Stadtfahrer, Sparfüchse, Fans klassischer Kleinwagen

Nicht geeignet für

  • Familien, Vielfahrer auf der Autobahn, Fahrer mit hohem Platzbedarf

Entworfen wurde der 700 vom italienischen Designer Giovanni Michelotti. Bis 1965 wurden insgesamt 181.411 Fahrzeuge gebaut.

Der BMW 700 war das letzte BMW-Coupé ohne den charakteristischen „Hofmeister-Knick“ an der C-Säule.

Vorteile

  • Von Giovanni Michelotti gestaltetes Karosseriekonzept
  • Sportliche Coupé-Variante mit bis zu 40 PS für damalige Verhältnisse flott
  • Günstiger Verbrauch von rund 5,9 bis 6,0 Liter auf 100 km bei 90 km/h

Nachteile

  • Heckmotor-Konzept war technisch bereits eine Sackgasse
  • Sehr begrenzter Innenraum durch das Heckmotor-Layout
  • Nur 697 cm³ Hubraum, was die Leistung stark einschränkte
Weißer BMW 700 vor weißer Wand
Weißer BMW 700 vor weißer Wand
BMW 700

Der kompakte BMW 700 legte den Grundstein für die spätere Modellpalette der Marke.

Audi 100 C1 (1968)

Audi 100 C1 als Limousine der ersten Generation, schräg von vorn fotografiert im Studio.
Quelle: Audi
Ursprünglich plante Audi nur eine Auflage von 100.000 Fahrzeugen. Doch die Nachfrage war so groß, dass am Ende 827.474 Exemplare vom Band rollten.

Die Geschichte des Audi 100 C1 ist eine der ungewöhnlichsten der Automobilgeschichte. Chefentwickler Ludwig Kraus entwickelte das Modell ohne Wissen des VW-Vorstands größtenteils nach Feierabend.

Das fertige Auto überzeugte dann doch: Der Audi 100 wurde als viertürige Limousine der oberen Mittelklasse mit längs eingebautem Vierzylinder-Frontmotor und Frontantrieb angeboten.

Geeignet für

  • Familien, Vielfahrer, Fahrer, die Wert auf Platzangebot legen

Nicht geeignet für

  • Sportwagen-Fans, Fahrer mit sehr kleinem Budget

Der Audi 100 rettete nicht nur die Marke, sondern half später auch dem gesamten VW-Konzern aus der Krise. Bis 1976 wurden 827.474 Fahrzeuge gebaut.

Der Audi 100 C1 war das erste Serienfahrzeug, dessen Karosserie mithilfe der Finite-Elemente-Methode computerberechnet wurde.

Vorteile

  • Frontantrieb und wassergekühlter Frontmotor als Konzept
  • Gehobene Mittelklasse zu einem wettbewerbsfähigen Preis
  • Richtungsgebend für die spätere Modellpalette des VW-Konzerns

Nachteile

  • Rauer Motorlauf der frühen Vierzylinder-Motoren
  • Anfangs keine Servolenkung erhältlich
  • Technisch noch auf Basis des älteren Audi F 103
Blaues Audi 100 C1 Coupé steht auf gepflastertem Platz
Blaues Audi 100 C1 Coupé steht auf gepflastertem Platz
Audi 100 C1

Der Audi 100 markierte mit modernen Technikkonzepten den Aufstieg der Marke in die obere Mittelklasse.

VW Golf I (1974)

Gelber VW Golf I, Standaufnahme, Frontansicht von schräg vorn, Kennzeichen mit Jahreszahl 1974.
Quelle: Volkswagen
Der Serienstart des Golf I am 29. März 1974 in Wolfsburg markierte das Ende der Käfer-Ära. In Südafrika lief der Golf I als CitiGolf noch bis 2009 vom Band.

Der VW Golf I rettete Volkswagen aus einer tiefen Absatzkrise. Mit Frontantrieb, wassergekühltem Motor und der Schrägheck-Karosserie, die Giorgetto Giugiaro entwarf, brach er mit dem Käfer-Konzept.

Er passte zum Zeitgeist der Ölkrise: sparsam, kompakt und trotzdem geräumig. Bis August 1983 rollten allein als Limousine sechs Millionen Exemplare vom Band, darunter eine Million mit Dieselmotor.

Heute (Stand: 2026) führt der Golf VIII die Generationenliste des Golfs an.

Geeignet für

  • Familien, Pendler, Stadtfahrer, Sparfüchse

Nicht geeignet für

  • Fahrer mit sehr hohem Platzbedarf, Sportwagen-Enthusiasten

Der Golf führt seit seinem Erscheinen 1974 fast ununterbrochen die deutschen Zulassungsstatistiken an.

Vorteile

  • Sparsame Motoren, die zur Zeit der Ölkrise besonders gefragt waren
  • Deutlich mehr Platz als der Käfer bei kompakten Außenmaßen
  • Design, das die Kompaktklasse für Jahrzehnte prägte

Nachteile

  • Frühe Modelle litten unter Rostproblemen durch minderwertigen Recycling-Stahl
  • Keine Hohlraumkonservierung in der Anfangszeit
  • Einstiegsmotorisierung mit 50 PS für heutige Verhältnisse sehr schwach
Ein weißes VW Golf I Cabrio steht auf einem Händlerparkplatz
Ein weißes VW Golf I Cabrio steht auf einem Händlerparkplatz
VW Golf I

Als Nachfolger des Käfers wurde der VW Golf I zum meistverkauften Fahrzeug Europas.

Peugeot 205 (1983)

Roter Peugeot 205 Cabriolet in der Frontansicht an einem Kieselstrand bei Sonnenuntergang, zwei Personen im Hintergrund.
Quelle: Peugeot
Das Cabriolet des 205 entwarf Pininfarina, während das Grundmodell von den hauseigenen Designern unter Gérard Welter gestaltet wurde.

Peugeot steckte Anfang der 1980er Jahre in einer schweren Krise. Der 205 war die Antwort. Mit seinem Design und einer breiten Motorenpalette von 33 kW (45 PS) bis 147 kW (200 PS) sprach er viele Käufer an.

Schon im ersten Jahr gewann er das Goldene Lenkrad und wurde bester Kleinwagen beim „Auto des Jahres“. Bis 1998 wurden 5.278.050 Exemplare produziert.

Geeignet für

  • Stadtfahrer, Fahranfänger, Fans des Motorsports

Nicht geeignet für

  • Familien mit viel Gepäck, Vielfahrer auf langen Strecken

Mit 410.510 verkauften Einheiten war der 205 der meistverkaufte Peugeot in Deutschland, bis ihn der Nachfolger 206 im Jahr 2007 überholte.

Vorteile

  • Breite Motorenpalette für nahezu jeden Bedarf und jedes Budget
  • Motorsporterfolge mit dem 205 Turbo 16 in der Rallye-Weltmeisterschaft
  • Erster kleiner Diesel mit gleicher Leistung wie die Benzinvariante bei niedrigerem Verbrauch

Nachteile

  • Veraltete Technik und Sicherheitsausstattung gegen Ende der Produktion
  • In Deutschland ab 1996 nicht mehr wettbewerbsfähig
  • Kein modernes Sicherheitsniveau nach heutigen Maßstäben
Ein roter Peugeot 205 CTI steht in einer Stadt.
Ein roter Peugeot 205 CTI steht in einer Stadt.
Peugeot 205

Der 205 gilt als eines der erfolgreichsten Kleinwagenmodelle und half Peugeot, sich neu aufzustellen.

Land Rover Discovery (1989)

Dunkelroter Land Rover Discovery der ersten Generation in der Frontansicht auf unbefestigtem Untergrund.
Quelle: Land Rover
Der Discovery überholte in seiner ersten Bauserie sogar den Defender als meistverkauften Land Rover. Er richtete sich an eine andere Zielgruppe, weil er Straßen- und Geländeeigenschaften vereinigte.

Land Rover brauchte Ende der 1980er Jahre dringend ein Modell zwischen dem rustikalen Defender und dem luxuriösen Range Rover. Japanische Geländewagenhersteller drängten auf den europäischen Markt.

In nur drei Jahren entwickelte ein Team unter Mike Donovan den Discovery, der im Oktober 1989 für 45.350 D-Mark auf den Markt kam.

Geeignet für

  • Familien, Outdoor-Fans, Fahrer mit Anhängerbedarf

Nicht geeignet für

  • Stadtfahrer, Sparfüchse, Fahrer ohne Geländebedarf

Mit seinem neuen 2,5-Liter-Turbodiesel mit 83 kW (113 PS) und der Kombination aus Straßen- und Geländetauglichkeit traf er eine Marktlücke.

Bis Ende 1998 wurden 353.843 Fahrzeuge der ersten Serie verkauft.

Vorteile

  • Gute Kombination aus Straßenkomfort und Geländetauglichkeit
  • Turbodieselmotor mit 83 kW (113 PS) als neue Antriebsoption
  • Positionierung zwischen Defender und Range Rover erschloss neue Käuferschichten

Nachteile

  • Karosserie und Fahrwerk stark am Range Rover orientiert, wenig eigenständig
  • Hoher Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu kleineren Geländewagen
  • Anfangs nur als Dreitürer erhältlich
Blauer Land Rover Discovery auf Kiesplatz
Blauer Land Rover Discovery auf Kiesplatz
Land Rover Discovery

Der Discovery verbindet seit den 1980er-Jahren Geländetauglichkeit mit familienfreundlichem Raumangebot.

Ferrari F355 Berlinetta (1994)

Roter Ferrari F355 Berlinetta in der Dreiviertel-Frontansicht auf einer Rennstrecke, dynamische Aufnahme.
Quelle: Ferrari
Zwischen 1994 und 1999 entstanden insgesamt 11.273 Exemplare des F355 in den Varianten Berlinetta, Spider und GTS.

Ferrari steckte Anfang der 1990er-Jahre in einer Qualitäts- und Imagekrise. Der Vorgänger 348 galt als enttäuschend.

Der F355 war die Antwort: ein in weiten Teilen neues Auto mit einem 3,5-Liter-V8 mit Fünfventiltechnik, 280 kW (381 PS) und einem Drehmoment von 363 Nm.

Er beschleunigte in 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h und erreichte 295 km/h Spitze. Die Verkaufszahlen zogen mit dem F355 deutlich an.

Geeignet für

  • Sportwagen-Enthusiasten, Sammler, Fahrer mit Erfahrung auf der Rennstrecke

Nicht geeignet für

  • Alltagsfahrer, Personen mit Rückenproblemen, Fahrer mit kleinem Budget

Der „kleine“ Ferrari galt nun als ähnlich hochwertig wie die großen Zwölfzylindermodelle der Marke.

Der F355 war das letzte Ferrari-Modell mit klassischem Schaltgetriebe als einzige Option, bevor das F1-Getriebe eingeführt wurde.

Vorteile

  • Großer technischer Unterschied gegenüber dem Vorgänger 348
  • Fünfventiltechnik und elektronisch verstellbares Fahrwerk als Serienausstattung
  • Später optional erhältliches sequenzielles F1-Getriebe

Nachteile

  • Eingeschränktes Raumangebot für größere Personen
  • Schlechter Komfort bei niedrigen Geschwindigkeiten
  • Relativ lautes Motorgeräusch im Stadtverkehr
Roter Ferrari F355 vor gemauerter Wand
Roter Ferrari F355 vor gemauerter Wand
Ferrari F355

Mit seinem 5-Ventil-V8-Motor gilt der F355 als wichtiger Schritt in der Entwicklung moderner Ferrari-Sportwagen.

Alfa Romeo 156 (1997)

Silberner Alfa Romeo 156 Serie I (1997–2003) in der Dreiviertel-Frontansicht auf einer Landstraße.
Quelle: Alfa Romeo
Der 156 wurde in Finnland gebaut. Das Valmet-Werk in Uusikaupunki übernahm einen Teil der Fertigung, weil die Nachfrage die Kapazitäten in Italien überstieg.

Nach der Übernahme durch Fiat 1986 hatte Alfa Romeo mit seinen neuen Modellen zunächst stagniert. Der 156 änderte das. Mit seinem von Walter Maria de Silva gestalteten Design setzte er neue Akzente.

Technisch bot er Motoren von 88 kW (120 PS) bis 184 kW (250 PS) sowie als erstes Dieselfahrzeug der Welt eine Common-Rail-Einspritzung.

Schon zwei Jahre nach der Markteinführung entfiel mehr als die Hälfte der gesamten Alfa-Romeo-Produktion auf den 156. Insgesamt wurden rund 680.000 Exemplare gebaut.

Geeignet für

  • Design-Liebhaber, Fahrer mit Sinn für italienisches Flair, Familien

Nicht geeignet für

  • Fahrer mit viel Gepäck, Technikminimalisten

Der Alfa Romeo 156 war nach Herstellerangaben vermutlich das erste Serienfahrzeug, dessen Lackierung je nach Lichteinfall die Farbe wechselt.

Vorteile

  • Design, das viele Hersteller in der Folge aufgriffen
  • Erster Diesel weltweit mit Common-Rail-Einspritzung
  • Breite Motorenpalette von sparsamen Dieseln bis zum sportlichen V6

Nachteile

  • Kofferraum des Sportwagon mit nur 360 Litern eher klein
  • Kein Dieselrußpartikelfilter erhältlich, erst beim Nachfolger 159 eingeführt
  • Rücksitzbank nicht serienmäßig geteilt umklappbar
Schwarzer Alfa Romeo 156 steht unter einem Baum
Schwarzer Alfa Romeo 156 steht unter einem Baum
Alfa Romeo 156

Der 156 überzeugte in den späten 1990er-Jahren mit markantem Design und sportlichem Fahrverhalten.

Porsche Boxster 986 (1996)

Ein weinroter Porsche Boxster 986 fährt auf einer Landstraße.
Quelle: Porsche
Ein Teil der Boxster-Produktion wurde ab 1997 an das finnische Unternehmen Valmet Automotive ausgelagert.

Anfang der 1990er-Jahre steckte Porsche in einer handfesten Krise. 1991 setzte Porsche gerade einmal 23.000 Autos ab. Ein Jahr später stand ein Verlust von 240 Millionen D-Mark in den Büchern.

Der Boxster, dessen Name ein Kunstwort aus Boxer(motor) und Roadster ist, war die Rettung. Mit seinem wassergekühlten 2,5-Liter-Sechszylinder-Mittelmotor mit 150 kW (204 PS) und einem Einstiegspreis von 76.500 D-Mark lockte er neue Kunden zur Marke.

Geeignet für

  • Sportwagen-Fans, Fahrer mit Sinn für offenes Fahren, Porsche-Einsteiger

Nicht geeignet für

  • Familien, Fahrer mit hohem Platzbedarf, Personen, die ein geschlossenes Fahrzeug bevorzugen

Schon im ersten Verkaufsjahr trug die Hälfte aller verkauften Porsche den Boxster-Schriftzug. Bis 2004 wurden 164.874 Exemplare der ersten Generation weltweit verkauft.

Der Porsche Boxster 986 gilt heute als Klassiker von morgen: Gut erhaltene Exemplare sind bei Sammlern zunehmend gefragt.

Vorteile

  • Mittelmotor-Konzept für ausgezeichnete Gewichtsverteilung und Fahrdynamik
  • Zwei Kofferäume (vorn und hinten) dank Mittelmotoranordnung
  • Deutlich günstigerer Einstieg in die Porsche-Welt als der 911

Nachteile

  • Viele Bauteile mit dem Porsche 911 (996) geteilt, was anfänglich Kritik einbrachte
  • Frühe Modelle mit gewöhnungsbedürftigen „Spiegeleier-Scheinwerfern“
  • Verdeck ließ sich anfangs nur im Stillstand öffnen und schließen
Ein silberner Porsche Boxster steht auf einem Parkplatz.
Ein silberner Porsche Boxster steht auf einem Parkplatz.
Porsche Boxster

Der Porsche Boxster 986 brachte die Marke wirtschaftlich zurück in die Erfolgsspur.

Technische Daten im Überblick

ModellKraftstoffLeistungDrehmomentNormverbrauchNeupreis (hist.)
VW Käfer (1946)Benzin18–37 kW (25–50 PS)ca. 65–90 Nmca. 7,0 l/100 kmab 5.000 Reichsmark
Mercedes-Benz 300 SL (1954)Benzin158 kW (215 PS)ca. 275 Nm9,5 l/100 km (DIN); ca. 15 l/100 km (Messwert)29.000 D-Mark
BMW 700 (1959)Benzin22–29,4 kW (30–40 PS)50–51 Nm5,9–6,0 l/100 km (bei 90 km/h)ca. 4.760 D-Mark
Audi 100 C1 (1968)Benzin59–85 kW (80–115 PS)ca. 130–160 Nmca. 9,0–11,0 l/100 kmca. 8.000 D-Mark
VW Golf I (1974)Benzin/Diesel37–82 kW (50–110 PS)ca. 80–145 Nm6,4 l/100 km (1,1 l, 90 km/h)ab ca. 7.995 D-Mark
Peugeot 205 (1983)Benzin/Diesel33–147 kW (45–200 PS)ca. 70–280 Nm3,9 l/100 km (Diesel)ca. 12.000 D-Mark
Land Rover Discovery (1989)Benzin/Diesel83–134 kW (113–182 PS)ca. 265–360 Nmca. 11–14 l/100 km45.350 D-Mark
Ferrari F355 Berlinetta (1994)Benzin280 kW (381 PS)363 Nmca. 18 l/100 kmca. 200.000 D-Mark
Alfa Romeo 156 (1997)Benzin/Diesel88–184 kW (120–250 PS)144–300 Nmca. 7,5–10,0 l/100 kmab ca. 36.000 D-Mark
Porsche Boxster 986 (1996)Benzin150–196 kW (204–266 PS)ca. 245–310 Nm9,7–10,7 l/100 kmab 76.500 D-Mark

Welche Autos haben ihre Hersteller wirklich vor der Insolvenz gerettet?

Die Liste der Autos, die eine Marke buchstäblich vor dem Bankrott bewahrt haben, ist länger als man denkt.

Beim VW Käfer war es die Wiederaufnahme der Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg, die Volkswagen als Unternehmen überhaupt erst ermöglichte. Ohne den Käfer hätte es kein Wolfsburg gegeben, wie wir es heute kennen.

BMW stand Ende der 1950er Jahre vor der Übernahme durch Daimler-Benz. Der BMW 700 brachte die nötigen Verkaufszahlen, um das Unternehmen zu stabilisieren und den Grundstein für die spätere Erfolgsgeschichte zu legen.

Porsche verlor Anfang der 1990er Jahre massiv Geld. 1992 betrug der Verlust 240 Millionen D-Mark. Der Boxster rettete die Marke, indem er eine völlig neue Käuferschicht erschloss und die Produktion auf ein wirtschaftlich tragfähiges Niveau hob.

Auch Ferrari war in den frühen 1990er Jahren unter Druck. Der F355 stellte die Qualität und den Ruf der Marke wieder her, nachdem der Vorgänger 348 viel Kritik einstecken musste.

Warum ist ein einzelnes Modell so entscheidend für das Überleben einer Marke?

Ein einzelnes Modell kann aus mehreren Gründen über das Schicksal einer Marke entscheiden.

Erstens geht es um Liquidität. Ein gut verkauftes Auto bringt unmittelbar Einnahmen, die das Unternehmen am Leben erhalten. Beim Peugeot 205 war das besonders deutlich: Die Franzosen brauchten dringend Umsatz, und der 205 lieferte ihn in Millionenstückzahl.

Zweitens geht es um Image. Der Alfa Romeo 156 zeigte, dass eine Marke mit einem einzelnen Modell ihr Ansehen neu definieren kann. Das Design von Walter Maria de Silva griffen viele andere Hersteller in der Folge auf.

Drittens geht es um Marktpositionierung. Der Land Rover Discovery erschloss eine Käuferschicht, die weder den rustikalen Defender noch den teuren Range Rover wollte. Damit öffnete er Land Rover einen völlig neuen Markt.

Und schließlich geht es um Vertrauen. Ein technisch gelungenes Modell wie der Mercedes-Benz 300 SL oder der Audi 100 C1 signalisiert, dass ein Hersteller in der Lage ist, Autos mit Zukunft zu bauen.

Gibt es heute noch Beispiele für Autos, die eine Marke retten?

Das Phänomen des rettenden Modells ist keineswegs auf die Vergangenheit beschränkt.

Auch in der Gegenwart gibt es Beispiele dafür, dass ein einzelnes Modell eine Marke neu ausrichtet. Entscheidend ist dabei meist eine Kombination aus dem richtigen Timing, einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis und einem Design, das zum Zeitgeist passt. Etwa das Tesla Model S.

Was die historischen Beispiele verbindet: Die Hersteller haben in der Krise nicht auf Nummer sicher gesetzt, sondern mutige Entscheidungen getroffen. Der Audi 100 C1 entstand sogar gegen den ausdrücklichen Willen des damaligen VW-Vorstands, wie ein Blick auf die Generationen des Audi 100 verrät.. Der Porsche Boxster wurde in einer Zeit entwickelt, in der Porsche kaum Geld hatte.

Das zeigt: Krisen können der Ausgangspunkt für die auffälligsten Modelle einer Marke sein. Wer in schwierigen Zeiten konsequent auf ein solides Produkt setzt, kann den Turnaround schaffen.

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