Zwei dicke SUVs mit Strom im Vergleich

BMW X5 gegen Mercedes GLE: Was können die Plug-in-Hybride?

Mit großem Akku und E-Maschine sollen dicke SUVs von BMW und Mercedes sparsam werden. Was BMW X5 xDrive45e und Mercedes GLE 350 de 4Matic können, liest Du hier.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 11/15/2019, 12:05 PM
  • Aktualisiert am 11/21/2019, 6:18 PM
Zu sehen sind der BMW X5 und der Mercedes GLE
Quelle: BMW/Daimler | Collage by Peter Besser BMW X5 gegen Mercedes GLE: Der Vergleichstest der Plug-In-Hybride bei mobile.de

SUVs der oberen Mittelklasse lässt sich einiges nachsagen, Sparsamkeit gehört nicht dazu. Gewichte von deutlich mehr als zwei Tonnen, riesige Stirnflächen, üppige Reifendimensionen, Allradantrieb und der Wunsch nach Zugkraft stehen der Effizienz grundsätzlich entgegen. Was dem Verbrauch hilft, ist elektrische Unterstützung. Vor allem auf dem Papier, aber auch in der Praxis können ihn Plug-in-Hybride massiv senken. Vorausgesetzt, das Fahrprofil stimmt und der Akku wird möglichst oft geladen.



Mercedes und BMW haben ihre dicken SUVs gerade in neuer Generation auf den Markt gebracht und ergänzen das Motorenangebot nun um Plug-in-Hybride (PHEVs). Beide Hersteller entscheiden sich dabei für große Akkus mit entsprechend hohen Reichweiten. Ihre Konzepte gehen aber vor allem beim Verbrenner auseinander. Was Mercedes GLE 350 de 4Matic und BMW X5 xDrive45e trennt oder verbindet und was die großen PHEV-SUVs können, liest Du hier. 

Diesel oder Benzin: Zwei Autos, zwei Konzepte 

Mercedes ist aktuell der einzige Hersteller, der an der Kombination aus Diesel und Elektromotor festhält. Peugeot und Volvo, die zwischenzeitlich ebenfalls Hybride mit Diesel-Motor anboten, haben diese Antriebe aus dem Programm genommen. Die teure Diesel-Technik mit der teuren Elektro-Technik zu kombinieren, treibt den Preis und reduziert die Marge. Mercedes ist offenbar der Auffassung, dass noch genug übrig bleibt. 

Zu sehen ist der GLE 350 de Schriftzug am Heck des Mercedes Fahrzeugs. Das 'de' steht für den Hybridmotor
Quelle: Daimler de steht für die Hybrid-Kombination 'Diesel und Elektro'. Mercedes ist zur Zeit der einzige Hersteller, der an dieser Technologie festhält

Die Idee ergibt ja Sinn. Elektrisch bewältigt man Kurzstrecken lokal emissionsfrei, flüsterleise und effizient. Wer einen „grünen“ Stromvertrag abschließt, fährt zwar nur in der Theorie CO2-neutral. Er erhöht aber immerhin den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix. Auf langen Strecken kann der Diesel seine Effizienzvorteile im Vergleich zum Benziner ausspielen. 

BMW kombiniert im xDrive45e einen Benziner mit Elektroantrieb. Für kurze Strecken gilt das Gleiche wie bei Mercedes, auf langen Strecken hat der Benziner jedoch Nachteile. Das zusätzliche Gewicht, das Plug-in-Hybride wegen Akku und E-Maschine schleppen müssen, wirkt sich aus. Natürlich bei beiden Konzepten. Sowohl GLE als auch BMW X5 werden als Plug-in-Hybride mit leerem Akku auf schnell gefahrenen Langstrecken vermutlich mehr Sprit verbrennen als reine Diesel und Benziner. Dem SUV gerät hierbei zum Nachteil, dass er dem Wind die breite Stirn zeigt. 

Die Antriebe im Vergleich: Der BMW X5 fährt sportlicher 

BMW baut einen 3,0-Liter-Reihensechszylinder in den X5 Plug-in, der alleine 286 PS (210 kW) leistet und 450 Newtonmeter Drehmoment in die serienmäßige Achtgang-Automatik schickt. In der Getriebeglocke steckt zusätzlich ein Elektromotor mit einer Spitzenleistung von 83 kW (113 PS). Daraus ergibt sich eine Systemleistung von 394 PS (290 kW), das Systemdrehmoment beträgt 600 Newtonmeter. 

Im Mercedes GLE steckt ein kleinerer Motor. Der Vierzylinder-Diesel verfügt nur über 2,0 Liter Hubraum und leistet moderate 194 PS (143 kW), er erreicht ein Drehmoment von 400 Newtonmetern. Doch Mercedes legt den E-Motor stärker aus. Er leistet 100 kW (136 PS) und kommt auf 440 Nm Drehmoment. Das Gesamtsystem liefert 320 PS (235 kW) und 700 Nm. 

Zu sehen ist der BMW X5 xDrive 45 e
Quelle: WGM Der BMW X5 xDrive45e sprintet in 5,6 Sekunden auf Tempo 100. Bei 235 km/h ist Schluss

Für die Fahrleistungen bedeutet das: Vorteil BMW X5. Er sprintet in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und rennt maximal 235 km/h schnell. Mercedes regelt den GLE bei 210 km/h ab, von 0-100 km/h braucht er 6,8 Sekunden. Allerdings fährt er rein elektrisch schneller: bis 160 km/h kann die E-Maschine das neue SUV alleine antreiben, der BMW X5 fährt elektrisch höchstens 140 km/h schnell. 

Reichweite und Ladetechnik: Der Mercedes GLE klotzt 

Passend zum kräftigen Motor baut Mercedes einen ungewöhnlich großen Akku in den GLE SUV. Mit einer Gesamtkapazität von 31,2 kWh übertrifft er so manches reine Elektroauto. Die elektrische Reichweite liegt bei 106 Kilometern nach dem NEFZ, im strengeren WLTP-Zyklus bleiben 90-99 Kilometer. Der Stromverbrauch fällt mit 25,4 kWh/100 Kilometern recht hoch aus, doch der GLE zieht so nur wenig Diesel aus dem Tank: 1,1 Liter Normverbrauch entsprechen einem CO2-Ausstoß von 28 Gramm pro Kilometer. 

BMW lässt sich bei der Batterie ebenfalls nicht lumpen. Mit 21,58 kWh Nettokapazität (24 kWh brutto) liegt sie auf dem Niveau des kleinen Renault Zoe. Der Verbrauch fällt günstiger aus als beim Mercedes, mit 23,5 bis 20,3 kWh/100 km bleibt eine Reichweite von 86 bis 97 Kilometern laut NEFZ-Norm, im WLTP-Zyklus sollen es maximal 87 Kilometer sein. Der Benzinverbrauch wird mit 2,0 bis 1,7 Litern angegeben, was 47 bis 39 Gramm CO2/km entspricht. 

Mercedes klotzt auch bei der Ladetechnik. Der Onboard-Lader schafft bis zu 7,4 kW Ladeleistung mit Wechselstrom, schon das ist nicht selbstverständlich bei Plug-in-Hybriden. Dazu spendiert Mercedes dem GLE 350 de 4Matic sogar die Möglichkeit zum Schnellladen an der Gleichstromsäule. Die Ladedauer von 10 auf 80 Prozent beträgt so nur 20 Minuten, von 10 auf 100 Prozent dauert der Ladevorgang 30 Minuten. 

Zu sehen ist der Elektromotor des BMW X5 xDrive 45 e
Quelle: BMW Ein zusätzlicher Elektromotor steckt in der Getriebeglocke des BMW X5. Er hat eine Leistung von 83 kW (113 PS)

Der BMW X5 xDrive45e lädt dagegen mit maximal 3,6 kW und braucht an einer Wallbox nahezu sieben Stunden für eine volle Ladung. Klingt viel, doch üblicherweise kein Problem: Nur wenige Plug-in-Hybrid-Fahrer legen auf langen Strecken Ladestopps ein. Dann könnten sie auch ein reines Elektro-Modell fahren. Die meisten laden zu Hause über Nacht für den täglichen Arbeitsweg. 

Platzangebot: Der Akku schränkt ein 

Akkus mit hohem Energiegehalt brauchen viel Platz. BMW platziert den Stromspeicher im hinteren Bereich des Autos möglichst weit unten. Um den Schwerpunkt zu senken und um nirgendwo zu viel Platz zu verschenken. Unbemerkt bleibt die Batterie trotzdem nicht. Das Kofferraumvolumen schrumpft im Vergleich zu X5 ohne Elektrifizierung um 150 Liter. Statt 650 bis 1.870 Litern bringt der X5 Plug-in-Hybrid nur 500 bis 1.720 Liter unter. 

Der Mercedes GLE verliert nicht ganz so viel Kofferraumvolumen. Es schrumpft von 630 bis 2.055 auf 490 bis 1.915 Liter. Alles in allem bleibt in beiden Autos genug Platz, dennoch ist die Einschränkung spürbar. 

Zu sehen ist der Mercedes GLE 350 d e an der Ladesäule
Quelle: Daimler Es besteht die Möglichkeit, den Mercedes GLE 350 de 4Matic zum Schnellladen an einer Gleichstromsäule anzuschließen

Beim BMW X5 muss man sich auch in der Anhängelast bescheiden. Statt 3,5 Tonnen, wie die anderen X5 mit Sechszylinder-Motor, zieht der xDrive45e maximal 2,7 Tonnen. Die Zuladung fällt mit 715 Kilo ebenfalls geringer aus als bei den größeren Verbrennern. Der GLE 350 de zieht 3,5 Tonnen und damit mehr als die meisten anderen Varianten, die maximal 2,7 Tonnen an den Haken nehmen dürfen.



Mercedes GLE 350 de 4Matic und BMW X5 xDrive45e: Preise, Fazit 

Mercedes stellt mit dem GLE 350 de 4Matic das insgesamt interessantere Paket auf die Räder. Jedenfalls aus technischer Sicht. Bei Reichweite und Ladeleistung liegt das SUV ganz weit vorne. Ob das in der Praxis wirklich den Unterschied macht? 100 Kilometer fahren nur wenige Menschen am Tag. Für die meisten Pendelstrecken genügen die gut 80 Kilometer elektrischer Reichweite des BMW X5 xDrive45e – hin und zurück.  

Der Reiz des GLE 350de 4Matic liegt im Diesel. Damit wird das SUV für die lange Strecke interessant. Soweit das ein solches Schwergewicht überhaupt sein kann. Zumindest wird er interessanter als der X5. Unsympathisch ist der uns trotzdem nicht. Der Reihensechser von BMW ist ein Sahnestück, beim Spaß schlägt er den GLE. Beim Preis eher nicht: Mindestens 77.600 Euro verlangt BMW für den xDrive45e. Der Aufpreis zum schwächeren, aber schnelleren xDrive40i beträgt 6.200 Euro. 

Zu sehen ist der Infotainment-Bildschirm des BMW X5 xDrive 45 e
Quelle: BMW Die Konfiguration des Elektroantriebs kann über das Infotainment-System des BMW X5 xDrive45e reguliert werden

Der Mercedes GLE 350 de 4Matic kostet voraussichtlich weniger. Zwar nennt Daimler noch keinen konkreten Preis, doch er liegt bei der Leistung knapp hinter dem GLE 400 d 4Matic für rund 76.000 Euro und ein gutes Stück über dem GLE 350 d mit weniger PS aber einem 3,0-Liter-Reihensechszylinder für knapp 70.000 Euro. Wir gehen davon aus, dass der GLE 350 de 4Matic auch preislich zwischen den beiden landet. Damit wäre er in jedem Fall ein gutes Stück günstiger als der X5. Ein gutes Angebot also. 

Mercedes GLE Plug-in, BMW X5 45e: Technische Daten 

Modell Mercedes GLE 350 de 4Matic BMW X5 xDrive45e 
Verbrennungs-Motor 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner 
Leistung 194 PS (143 kW) b. 3.800 U/min 286 PS (210 kW) b. 5.000-6.000 U/min 
Drehmoment 400 Nm b. 1.600-2.800 U/min 450 Nm b. 1.500-3.500 U/min 
Nennleistung Elektromotor 100 kW (136 PS) 83 kW (113 PS) 
Nenndrehmoment 440 Nm n. a. 
Systemleistung 320 PS (235 kW) 394 PS (290 kW) 
Systemdrehmoment 700 Nm 600 Nm 
Geschwindigkeit 210 km/h 235 km/h 
0-100 km/h 6,8 s 5,6 s 
Geschwindigkeit max. elektr. bis zu 160 km/h bis zu 140 km/h 
Antrieb 9-Gang-Automatik, Allrad 8-Gang-Automatik, Allrad 
Verbrauch 1,1 l/100 km 2,0-1,7 l/100 km 
CO2-Ausstoß 29 g/km 47-39 g/km 
Verbrauch elektr. 25,4 kWh/100 km 23,5-20,3 kWh/100 km 
Akkukapazität 31,2 kWh (netto) 24 kWh (netto), 21,58 kWh (brutto) 
elektr. Reichweite 106 km (NEFZ), 90-99 km (WLTP) 86-97 km (NEFZ), 67-87 km (WLTP) 
Kofferraumvolumen 490-1.915 l 500-1.720 l 
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.924/1.947/1.772 4.922/2.004/1.745 
Radstand 2.995 mm 2.975 mm 
Gewicht 2.655 kg 2.510 kg 
Zuladung 605 kg715 kg 
Anhängelast 3.500 kg 2.700 kg 
Preis n. a. ab 77.600 Euro 


Der BMW X5 und Mercedes GLE 350 in Bildern

  • Zu sehen ist die Front des BMW X5 xDrive 45 e
    Quelle: WGM Mit leerem Akku verbrennt der X5 xDrive45e auf schnell gefahrenen Langstrecken sicherlich mehr Sprit als reine Diesel oder Benziner
  • Zu sehen ist das Cockpit des Mercedes GLE 350
    Quelle: Daimler Das Cockpit des Mercedes GLE wirkt modern und geräumig. Das große Widescreen-Display fällt direkt ins Auge
  • Zu sehen sind der BMW X5 und der Mercedes GLE
    Quelle: BMW/Daimler | Collage by Peter Besser BMW X5 gegen Mercedes GLE: Der Vergleichstest der Plug-In-Hybride bei mobile.de
  • Zu sehen ist der Mercedes GLE 350 beim Ladevorgang
    Quelle: Daimler Beide Hersteller ergänzen ihr Motorangebot um Plug-In-Hybride. Mercedes entscheidet sich im GLE 350 de für einen besonders großen Akku mit viel Reichweite
  • Zu sehen ist der GLE 350 de Schriftzug am Heck des Mercedes Fahrzeugs. Das 'de' steht für den Hybridmotor
    Quelle: Daimler de steht für die Hybrid-Kombination 'Diesel und Elektro'. Mercedes ist zur Zeit der einzige Hersteller, der an dieser Technologie festhält
  • Zu sehen ist der Widescreen-Bildschirm des Mercedes GLE. Er zeigt die Batterieleistung des Elektromotors
    Quelle: Daimler Das Widescreen-Display des Mercedes GLE 350 de zeigt auf Wunsch die aktuelle Akkuladung des Elektromotors
  • Zu sehen ist das Cokpit des BMW X5
    Quelle: BMW Im geräumigen BMW X5 xDrive45e sitzen Fahrer und Beifahrer bequem. Das Infotainment-System wird zum Teil über den Drehknopf der Mittelkonsole gesteuert
  • Zu sehen ist der Modell-Schriftzug am Heck des BMW X5. Dieser lautet xDrive 45 e, wobei e für Elektro steht
    Quelle: Bernhard Limberger BMW kombiniert im X5 xDrive45e einen 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner mit einem Elektroantrieb
  • Zu sehen ist der BMW X5 xDrive 45 e
    Quelle: WGM Der BMW X5 xDrive45e sprintet in 5,6 Sekunden auf Tempo 100. Bei 235 km/h ist Schluss
  • Zu sehen ist der BMW X5 xDrive 45 e von der Seite
    Quelle: WGM Der BMW xDrive45e ist 27 mm flacher als der Mercedes GLE 350 de
  • Zu sehen ist das Heck des BMW X5 xDrive 45 e
    Quelle: WGM Der BMW xDrive45e ist optisch identisch mit der klassischen X5-Variante
  • Zu sehen ist der Infotainment-Bildschirm des BMW X5 xDrive 45 e
    Quelle: BMW Die Konfiguration des Elektroantriebs kann über das Infotainment-System des BMW X5 xDrive45e reguliert werden
  •  Zu sehen ist der BMW X5 mit offener Heckklappe. Er lädt bis zu 1.720 Liter
    Quelle: BMW Bei umgeklappter Rückbank erreicht der BMW X5 ein Kofferraumvolumen von 1.730 Litern. Der Mercedes GLE bietet mit 1.915 Litern mehr Stauraum
  • Zu sehen ist der Plug-in-Adapter des BMW X5 xDrive 45 e
    Quelle: BMW Für eine volle Ladung benötigt der BMW xDrive45e nahezu sieben Stunden an einer Wallbox. Der Stromspeicher sitzt im hinteren Bereich des Auto
  • Zu sehen ist der Elektromotor des BMW X5 xDrive 45 e
    Quelle: BMW Ein zusätzlicher Elektromotor steckt in der Getriebeglocke des BMW X5. Er hat eine Leistung von 83 kW (113 PS)
  • Zu sehen ist der Mercedes GLE 350 d e an der Ladesäule
    Quelle: Daimler Es besteht die Möglichkeit, den Mercedes GLE 350 de 4Matic zum Schnellladen an einer Gleichstromsäule anzuschließen