Was die Mercedes E-Klasse kann – und was nicht

3 Stärken, 3 Schwächen: Die Mercedes E-Klasse

Die E-Klasse ist eine feste Größe im Business-Segment. Und Größe ist ihre Stärke.Was kann sie noch, was nervt? Drei Stärken und drei Schwächen der Baureihe 213.

  • Heiko Dilk
  • 0
  • Veröffentlicht am 12/16/2019, 8:15 AM
Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse 220d. Er ist rot lackiert und rollt um eine Kurve
Quelle: Mercedes Die Mercedes E-Klasse federt weich und schluckt große sowie kleine Buckel souverän

Für viele ist die E-Klasse immer noch der Daimler schlechthin. Sie steht für alles, was Mercedes als Marke verkörpern will. Mercedes selbst bezeichnet sie als „Herz der Marke“. Aktuell rollt die 5. Generation auf den Straßen. Erst? Nun ja, die bis 1986 gebaute Baureihe 123 heißt zwar noch nicht offiziell E-Klasse gehört aber definitiv dazu, genau wie der Strich-Acht davor und die „kleine Heckflosse“.

Die offiziell 5. Generation trägt den Baureihencode 213 und kommt 2016 auf den Markt. Mercedes bringt schnell viele neue Motoren und bleibt im Prinzip den bekannten Tugenden treu. Mit Abstrichen an der einen oder anderen Stelle, doch mit ganz viel Assistenztechnik und digitaler Anmutung.



Stärke 1: Der größte Kombi im Segment 

Die E-Klasse ist traditionell der größte Kombi in der Business-Klasse. Viel Platz auf wenig Fläche gehört hier sonst nicht zu den Stärken. Audi A6, BMW 5er oder ein Exot wie der Jaguar XF scheuen sich nicht, groß zu sein, wollen dabei aber schön aussehen. Die E-Klasse auch, in der aktuellen Generation sogar noch mehr als bisher. Daher passen „nur“ noch 640 bis 1.820 Liter ins Heck des T-Modells (S213). Weniger als zuvor, aber immer noch deutlich mehr als bei der Konkurrenz. 

Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse 220d von hinten, fahrend
Quelle: Mercedes Unter der Motorhaube der Mercedes E-Klasse sitzt ein sparsamer und sauberer 2,0-Liter-Diesel

Die Platzverhältnisse auf der Rückbank können sich ebenfalls sehen lassen. Passagiere finden zwar bei Audi eine etwas großzügigere Bewegungsfreiheit vor, doch absolut betrachtet sitzt man hinten sehr gemütlich. Komfortabel auch, denn die E-Klasse federt weich, schluckt große und kleine Buckel souverän, vor allem mit dem Luftfahrwerk. Hinten gibt es das stets serienmäßig, inklusive Niveauausgleich. So bleibt der Kombi auch voll beladen mit bis zu 670 Kilo Zuladung immer im Gleichgewicht und geht nicht in die Knie. Notsitze im Kofferraum für Kinder bis 115 cm Körpergröße gibt es ebenfalls. Einmalig im Segment. 

Stärke 2: Viele Motoren, sogar ein Diesel-Plug-in 

Mercedes bringt früh frische Motoren in die E-Klasse 213. Besonders wichtig: Der neue 2,0-Liter-Diesel OM 654, der den alten Motor mit 2,14 Litern Hubraum (OM 651) ersetzt. Der Allzweckdiesel ist im Gegensatz zum Vorgänger nicht nur sparsam, sondern auch bei den üblichen Schadstoffen sehr sauber. Im Stickoxid- und Partikelausstoß liegt er zum Beispiel als 220d in Straßentests weit unter dem zulässigen Grenzwert selbst künftiger Abgasnormen. 

Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse (T-Modell), fahrend
Quelle: Mercedes Für knapp 1.500 Euro bringen die großartigen Matrix-LED-Scheinwerfer Licht ins Dunkel. Serienmäßig leuchtet die Mercedes E-Klasse mit normalem LED-Licht

Wer keinen Diesel will, findet eine üppige Auswahl an Motoren im Angebot. Wirklich kleine Benziner fehlen allerdings. Als E 200 leistet die E-Klasse anfangs 184 PS, mittlerweile ersetzt ein Antrieb mit leichter Elektro-Unterstützung (Mildhybrid) den reinen Verbrenner, damit geht es erst bei 197 plus 14 PS via Elektro-Boost los. Und es endet bei: 612 PS im sportlichen Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+, den es als Limousine und als Kombi gibt. Die Diesel leisten mindestens 160 PS und höchstens 340 PS. 

Besonders interessant ist der derzeit einzige Plug-in-Hybrid im Segment, bei dem ein Diesel mit 194 PS den Part des Verbrenners übernimmt. Ein E-Motor mit 122 PS ergänzt und unterstützt, wo er kann, oder treibt die E-Klasse alleine an. Anderswo werden Elektromotoren und große Batterien zum Aufladen an der Steckdose mit Benzinern kombiniert. Beim Diesel allerdings gelingt der Kompromiss aus emissionslosem Betrieb im Stadtverkehr und Langstreckentauglichkeit besser. 

Stärke 3: Bei den Assistenzsystemen vorne  

Schon zum Marktstart 2016 übernimmt die E-Klasse Assistenzsysteme aus der S-Klasse – und sattelt noch was drauf. Neben allerlei passiven Sicherheitsfeatures. Der anfangs „Drive Pilot“ genannte Assistent kann fast alleine die Spur halten, übernimmt automatisch Tempolimits, hält den Abstand zum Vordermann und fährt selbstständig wieder an, wenn er nicht zu lange steht. Im Stau fährt man so schon ziemlich autonom. Manchmal sogar autonomer als in späteren Modellen. Daimler stimmte den Assistenten später konservativer ab, als die Vorschriften für derartige teilautonome Systeme konkretisiert wurden. 

Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse als Kombi-Modell, rot lackiert
Quelle: Mercedes Die Mercedes E-Klasse meistert das teil-autonome Fahren mit Bravour. Der sogenannte 'Drive Pilot' hält die Spur, übernimmt automatisch Tempolimits und hält den Abstand zum Vordermann

Mehr kann die E-Klasse seit Juni 2018 trotzdem. Da ändert Mercedes zum neuen Modelljahr einiges und bringt wiederum Updates, die kurz zuvor zur Modellpflege in die S-Klasse kamen. Ab dann passt das Auto bei aktiviertem adaptivem Tempomaten die Geschwindigkeit an den Streckenverlauf an, die E-Klasse bremst vor Kurven, Kreisverkehren oder Kreuzungen. Per Blinkertip selbstständig überholen kann sie schon immer. 

Damit bietet die E-Klasse mehr teilautonome Unterstützung als fast alle Wettbewerber, eventuell mit Ausnahme von Tesla. Vor allem aber funktionieren die Systeme bei Mercedes eine Spur zuverlässiger als bei anderen Herstellern. Klar, es handelt sich um Nuancen und auch die E-Klasse ist weit davon entfernt, autonom zu fahren. Doch Nuancen zählen nun mal. 

Schwäche 1: Was die E-Klasse zum Daimler macht und kostet 

Es ist kein exklusives Problem der sogenannten Premium-Hersteller, doch bei Mercedes ist es am größten: der Preis. Rund 46.100 Euro kostet schon die Limousine mit dem 1,6 Liter kleinen und 160 PS schwachen Einstiegsdiesel. Das T-Modell startet bei rund 49.500 Euro. Der kleinste Benziner E 200 ruft mindestens 47.000 Euro (Limousine) bzw. 50.300 Euro (T-Modell) auf. Der Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+ liegt als Kombi bei knapp 126.000 Euro. Da ist bei den Listenpreisen Schluss. 

Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse als Kombi Modell (T-Modell) in seitlicher Position, fahrend
Quelle: Mercedes Während der Fahrt genießt der Antrieb des Mildhybrid-Modells Mercedes E 43 die Unterstützung des Elektromotors

Und es kommen die Extras hinzu. Alles, was die E-Klasse erst so richtig zum edlen Benz macht, lässt sich Daimler gut bezahlen. Damit sie innen und außen nach was aussieht, sollten es schon ein Exterieur- und ein Interieur-Paket sein, womit man mindestens gut 2.000 Euro addieren kann. Die großartigen Matrix-LED-Scheinwerfer (Multibeam) kosten knapp 1.500 Euro, wärme- und lärmdämmende Scheiben fast 1.200 Euro. Vor allem aber verlangt Mercedes fast 2.900 Euro für das große Assistenzpaket und knapp 3.200 Euro fürs große Infotainment mit Online-Funktionen. Das Widescreen-Display mit zwei großen 12,3-Zoll-Bildschirmen kostet ebenfalls extra – und vieles mehr. Sagen wir es so: Die Mercedes E-Klasse wird ähnlich ausgestattet (noch) teurer als die Konkurrenz.  

Schwäche 2: Digital heißt hier komplex  

Bei der S-Klasse ging es los, die E-Klasse folgte: Mit der Generation 213 wird sie so digital wie keine E-Klasse vor ihr. Damit sieht die Vorgänger-Baureihe nicht nur außen, sondern auch innen ganz schön alt aus. Das Widescreen-Display, das (gegen Aufpreis) zwei große Bildschirme unter einer Abdeckung in einer großen Tafel vereint, sorgt für eine eigene, unverwechselbare Anmutung. 

Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse als Kombi Modell (T-Modell), seitlich stehend
Quelle: Mercedes Die Mercedes E-Klasse (T-Modell) in der Außenlackierung 'Cavansitblau metallic'

Doch mit dem neuen Innenraum-Konzept wird auch die Bedienung so komplex wie nie. Leider ist es Mercedes nicht überall gelungen, die Menüführung intuitiv zu gestalten. Viele oft genutzte Informationen findet man noch einigermaßen, doch manches versteckt sich. Einiges lässt sich am Lenkrad bedienen, doch hier wechselt Mercedes von klassischen Hardware-Knöpfen zu sogenannten „Touch Control Buttons“, die gewischt werden wollen. Mittlerweile Standard in allen Baureihen, ihre Bedienung erfordert dennoch unnötig viel Fingerspitzengefühl. 

Mit der jüngsten Überarbeitung 2018 wurde es ein bisschen einfacher. Die Menüführung wurde verbessert, viele Untermenüs erreicht man nun leichter. Immerhin steckt nach wie vor ein herkömmlicher Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole. Da vollzieht Mercedes ansonsten auch den Wechsel zum Touchpad.



Schwäche 3: Im Detail zu sorglos  

Es sind vor allem Kleinigkeiten, die einem das Leben mit der aktuellen Mercedes E-Klasse verleiden können. Das eigentlich feine Luftfahrwerk zum Beispiel federt in der Comfort-Position zu schwammig. Kein Auto schwingt in diesem Segment so viel wie die E-Klasse. Die Kunden mögen das, sagt Mercedes, wir geben einem besser angebundenen Fahrwerk den Vorzug. Mitfahrende Kinder auch. 

Zu sehen ist das Cockpit der Mercedes E-Klasse 220d
Quelle: Mercedes Die klassischen Lenkradtasten werden zu sogenannten ‚Touch Control Buttons‘. Das Infotainmentsystem der Mercedes E-Klasse kann mit Hilfe des herkömmlichen Drehknopfs der Mittelkonsole oder per Touch-Funktion bedient werden

Und dann sind da Detailschwächen bei der Verarbeitung. Die Zierflächen etwa sollen optisch filigran schweben, erkaufen das aber beim Drucktest mit Knarzen. Je nach Dekor nicht entgratete Kanten an der Klappe des Mittelkonsolen-Fachs passen nicht in diese Klasse. Und wenn man einen Remote-Parkassistenten für etwa 2.700 Euro anbietet, mit dem sich das Auto per Handy-App einparken lässt, ohne dass man dafür im Auto sitzen muss, sollte das auch funktionieren. Leider bricht das System bei der kleinsten Störung ab und reagiert zu langsam (und gelegentlich gar nicht) auf den Finger. Luxus-Probleme, aber man zahlt ja auch einen Luxus-Preis. 

Mercedes E-Klasse Kaufberatung in Bildern

  • Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse 220d. Er ist rot lackiert und rollt um eine Kurve
    Quelle: Mercedes Die Mercedes E-Klasse federt weich und schluckt große sowie kleine Buckel souverän
  • Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse 220d von hinten, fahrend
    Quelle: Mercedes Unter der Motorhaube der Mercedes E-Klasse sitzt ein sparsamer und sauberer 2,0-Liter-Diesel
  • Zu sehen ist das Cockpit der Mercedes E-Klasse 220d
    Quelle: Mercedes Die klassischen Lenkradtasten werden zu sogenannten ‚Touch Control Buttons‘. Das Infotainmentsystem der Mercedes E-Klasse kann mit Hilfe des herkömmlichen Drehknopfs der Mittelkonsole oder per Touch-Funktion bedient werden
  • Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse als Kombi-Modell, rot lackiert
    Quelle: Mercedes Die Mercedes E-Klasse meistert das teil-autonome Fahren mit Bravour. Der sogenannte 'Drive Pilot' hält die Spur, übernimmt automatisch Tempolimits und hält den Abstand zum Vordermann
  • Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse (T-Modell), fahrend
    Quelle: Mercedes Für knapp 1.500 Euro bringen die großartigen Matrix-LED-Scheinwerfer Licht ins Dunkel. Serienmäßig leuchtet die Mercedes E-Klasse mit normalem LED-Licht
  • Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse als Kombi Modell (T-Modell) in seitlicher Position, fahrend
    Quelle: Mercedes Während der Fahrt genießt der Antrieb des Mildhybrid-Modells Mercedes E 43 die Unterstützung des Elektromotors
  • Zu sehen ist die Mercedes E-Klasse als Kombi Modell (T-Modell), seitlich stehend
    Quelle: Mercedes Die Mercedes E-Klasse (T-Modell) in der Außenlackierung 'Cavansitblau metallic'