Mercedes elektrifiziert die dicken AMG-SUVs

Mercedes-AMG GLE 63 (2020) mit 612 PS und Mildhybrid

Mercedes-AMG nimmt sich des GLE SUVs an. Der dicke Daimler bekommt als GLE 63 S bis zu 612 PS und elektrischen Extraboost. Hier findest Du alle Details.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 11/30/2019, 6:45 AM
Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 S auf einer Serpentine
Quelle: Mercedes 4,0 Sekunden auf Tempo 100: Der Mercedes AMG GLE sprintet fast wie ein Sportwagen

An Elektro kommt Mercedes-AMG nicht mehr vorbei. Das war schon länger angekündigt. Erste sportliche Daimler mit Mildhybrid rollen bereits als 53er-Modelle auf der Straße. Jetzt erreicht die Elektrifizierung den Mercedes GLE mit V8-Motor. In den neuen Mercedes-AMG GLE 63 und Mercedes-AMG GLE 63 S leistet der 4,0-Liter-Biturbo wie gehabt 571 oder 612 PS, bekommt aber ein bisschen Hilfe vom integrierten Starter-Generator (ISG).



Wie in den kleineren AMG-Modellen ist der „EQ Boost“ genannte ISG maximal 16 kW (22 PS) stark. Er sitzt zwischen Motor und Getriebe und vereint Anlasser und Lichtmaschine. Kurzzeitig kann er den Verbrenner so mit seinen 16 kW und 250 Newtonmetern Drehmoment unterstützen. Das hilft vor allem dem Ansprechverhalten beim Anfahren und beim spontanen Beschleunigen. Bis zu 850 Newtonmeter Drehmoment liefert der Antrieb insgesamt.



GLE 63 AMG mit Mildhybrid und 48 Volt

Gespeist wird der EQ-Boost-Startergenerator von einem 48-Volt-Bordnetz, das zusätzlich integriert wird. Die meisten anderen Verbraucher arbeiten weiter mit 12 Volt. Der ISG boostet nicht nur, er besorgt auch die Energie-Rückgewinnung (Rekuperation) und übernimmt die Start-Stopp-Funktionen. Er schaltet den Motor ab, wenn er nicht gebraucht wird (beim Anhalten und beim „Segeln“ ohne Last), und wirft ihn nahezu unmerklich wieder an. Dazu steuert er die Leerlaufregelung. AMG verspricht erhebliche Verbrauchseinsparungen.

Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 s von vorn, stehend
Quelle: Mercedes Die Zylinderabschaltung des Mercedes AMG GLE 63 bringt weitere Vorteile. Die Zylinder Zwei, Drei, Fünf und Acht werden im Comfort Modus bei geringer Last deaktiviert

Weitere Vorteile bringt die Zylinderabschaltung. Im Comfort-Modus werden zwischen 1.000 und 3.250 U/min bei geringer Last die Zylinder zwei, drei, fünf und acht deaktiviert. Der Fahrer soll davon nichts mitbekommen. Eine Anzeige im Kombiinstrument informiert, ob der GLE auf vier oder acht Zylindern läuft.

Ob das Bemühen um Effizienz die AMG-Käufer wirklich interessiert? Die Fahrleistungen bleiben vermutlich spannender. Der Mercedes-AMG GLE geht mit der Vehemenz eines Sportwagens nach vorne. 4,0 Sekunden vergehen aus dem Stand bis Tempo 100, die S-Version braucht 3,8 Sekunden. Serienmäßig wird der kleine 63er bei 250 km/h abgeregelt, das S-Modell erst bei 280 km/h. Ohne S braucht der GLE das AMG Driver’s Package für denselben Top Speed.

Vollvariabler Allradantrieb im GLE 63

Kraft und Leistung verteilt eine Neungang-Automatik an alle vier Räder. Anders als bei der Standard-Automatik von Mercedes verfügt sie bei AMG über eine nasse Anfahrkupplung statt eines Drehmomentwandlers. Mercedes verspricht extrem kurze Schaltzeiten, schnelle Mehrfachrückschaltungen und Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung. Je nach gewähltem Fahrmodus kann das Getriebe namens Speedshift TCT 9G aber auch spritsparend schalten.

Der Mercedes AMG GLE 63 S in der Frontansicht
Quelle: Mercedes Unter der Haube des GLE 63 AMG sitzt ein 4,0-Liter-V8-Biturbo mit integriertem Startergenerator

Wie bereits bei der E-Klasse von AMG wird das Antriebsmoment voll variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Eine elektromechanisch gesteuerte Kupplung regelt die Verbindung zwischen den Achsen. Je nach Setting des Schleuderschutzes ESP variiert die Kraftverteilung in drei Stufen zwischen sicher und dynamisch. Ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse leitet möglichst viel Kraft an das Rad mit der besseren Haftung. Der Agilität soll auch die variabel übersetzte Lenkung helfen.

Eingebremst werden Mercedes-AMG GLE 63 4Matic+ und GLE 63 S 4Matic+ über spezielle Bremsen, deren Scheiben vorne 400 und hinten 370 Millimeter messen. Vorne pressen sechs Kolben auf die Stahlscheiben, hinten einer. Optional bietet Mercedes-AMG eine Keramik-Bremsanlage an, die Gewicht spart und die Standfestigkeit erhöht.

GLE 63 AMG: Luftfederung und Wankausgleich

Gefedert wird in den AMG-Modellen des GLE mit Luft. Das AMG-Ride-Control+-Fahrwerk verfügt über in drei Stufen verstellbare Dämpfer und eine pneumatische Niveauregulierung, die die Fahrzeughöhe unabhängig vom Beladungszustand konstant hält. Zusätzlich beeinflusst der gewählte Fahrmodus die Bodenfreiheit. Sport, Sport+ und Race reduzieren sie um 10 Millimeter, in Comfort geschieht das zur Verbesserung der Aerodynamik ab 120 km/h. In den Gelände-Modi Trail und Sand hebt sich die Karosserie um 55 Millimeter.

Blick auf Scheinwerfer und Kühlergrill des Mercedes AMG GLE 63 S
Quelle: Mercedes Die Teilelektrifizierung im AMG GLE 63 soll vor allem den Verbrauch des SUVs senken

Zusätzlich gleicht das Fahrwerk Wankbewegungen aus, zum Beispiel bei schneller Kurvenfahrt. Zwei elektromechanisch gesteuerte Aktuatoren an Vorder- und Hinterachse, die vom 48-Volt-Bordnetz gespeist werden, wirken den Aufbaubewegungen entgegen und sollen so auch den Komfort erhöhen, indem einseitige Unebenheiten ausgeglichen werden. 

Äußerlich setzen die AMG-Versionen auf die bekannten Merkmale. Auf Anhieb sind die SUVs am Panamericana-Grill mit senkrechten Kühlerstreben zu erkennen. Frontschürze mit Frontsplitter, Beulen auf der Motorhaube (vulgo: „Powerdomes“) und die Heckschürze mit schwarzem Diffusor sowie eckigen, schwarzen Endrohren (vier an der Zahl) sollen für Präsenz sorgen. Genau wie die aufgesetzten Radlaufverbreiterungen und die Seitenschweller-Verkleidungen.

Marktstart und Preis: Ab Frühjahr 2020 bestellbar

Innen verteilt Mercedes-AMG reichlich Nappaleder und einige AMG-Logos. Das Lenkrad ist entweder mit Nappaleder bezogen (GLE 63) oder mit einer Kombination aus Nappa und Mikrofaser. In jedem Fall markiert ein schwarzer Streifen die Mittelstellung des Lenkrads. Das Infotainmentsystem MBUX mit großem Widescreen-Display, Sprachsteuerung, Touch-Flächen sowie Sprach- und Gestensteuerung steckt serienmäßig im Auto. Die Anzeigen lassen sich individualisieren und bringen einige Ansichten mit, die den AMG-Modellen vorbehalten sind.

Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 S von hinten, fahrend
Quelle: Mercedes Zwischen Motor und Getriebe sitzt der 'EQ Boost' des Mercedes AMG GLE 63. Er vereint Anlasser und Lichtmaschine und unterstützt vor allem beim Anfahren und spontanen Beschleunigen

Mercedes-AMG zeigt GLE 63 4Matic+ und GLE 63 S 4Matic+ erstmals auf der Los Angeles Auto Show 2019. Preise kommuniziert Mercedes noch nicht. Das derzeitige Topmodell AMG GLE 53 4Matic+ kostet rund 85.500 Euro. Beim Vorgänger war der AMG GLE 63 zuletzt für etwas mehr als 112.000 Euro zu haben. Mit mehr Leistung und Mildhybrid-Technik wird Mercedes für den neuen GLE 63 einen (vermutlich deutlich) höheren Preis aufrufen. Mit Marktstart im ersten Quartal 2020 wissen wir mehr. 


 

Der Mercedes AMG GLE 63 in Bildern

  • Zu sehen ist das Cockpit des Mercedes AMG GLE 63 S
    Quelle: Mercedes Das Infotainmentsystem MBUX inklusive Widescreen Display, Sprachsteuerung, Touch-Flächen sowie Sprach- und Gestensteuerung gibt es im Mercedes AMG GLE 63 serienmäßig. Die Materialauswah des Innenraums fiel auf Nappaleder
  • Der Mercedes AMG GLE 63 S bei geöffneter Motorhaube
    Quelle: Mercedes Der 4,0-Liter-V8-Biturbo im AMG GLE 63 S leistet 612 PS
  • Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 S in seitlicher Position
    Quelle: Mercedes Die Start-Stopp-Funktionen übernimmt der IGS (Idle Stop and Go) des Mercedes AMG GLE 63. Des Weiteren regelt er die Energie-Rückgewinnung (Rekuperation)
  • Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 S auf einer Serpentine
    Quelle: Mercedes 4,0 Sekunden auf Tempo 100: Der Mercedes AMG GLE sprintet fast wie ein Sportwagen
  • Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 S von hinten, fahrend
    Quelle: Mercedes Zwischen Motor und Getriebe sitzt der 'EQ Boost' des Mercedes AMG GLE 63. Er vereint Anlasser und Lichtmaschine und unterstützt vor allem beim Anfahren und spontanen Beschleunigen
  • Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 S fahrend in einer Kurve
    Quelle: Mercedes Zwischen Vorder-und Hinterachse wird der Antriebsmoment voll variabel verteilt. Die Verbindung zwischen den zwei Achsen des Mercedes AMG GLE 63 regelt eine elektromechanisch gesteuerte Kupplung
  • Zu sehen ist der Mercedes AMG GLE 63 s von vorn, stehend
    Quelle: Mercedes Die Zylinderabschaltung des Mercedes AMG GLE 63 bringt weitere Vorteile. Die Zylinder Zwei, Drei, Fünf und Acht werden im Comfort Modus bei geringer Last deaktiviert
  • Der Mercedes AMG GLE 63 S in der Frontansicht
    Quelle: Mercedes Unter der Haube des GLE 63 AMG sitzt ein 4,0-Liter-V8-Biturbo mit integriertem Startergenerator
  • Der Mercedes AMG GLE 63 S in der Heckansicht
    Quelle: Mercedes Geht es etwas schneller um die Kurve, gleicht das Fahrwerk im AMG GLE 63 S Wankbewegungen aus
  • Mercedes AMG GLE 63 in der Heckansicht, stehend
    Quelle: Mercedes Der Marktstart für den GLE 63 liegt im ersten Quartal 2020
  • Blick auf Scheinwerfer und Kühlergrill des Mercedes AMG GLE 63 S
    Quelle: Mercedes Die Teilelektrifizierung im AMG GLE 63 soll vor allem den Verbrauch des SUVs senken