Noch sind sie teuer, werden jedoch staatlich gefördert

Elektroauto kaufen – Ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

Während in anderen europäischen Ländern die Elektromobilität bereits länger auf dem Vormarsch ist, waren Elektroautos hierzulande bis vor nicht allzu langer Zeit ein Stiefkind der deutschen Autobauer. Auf Druck der Politik aber haben BMW, Opel, Volkswagen und Co. umgedacht, sodass die Zeit endlich reif scheint für den Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor. Wir sagen Dir, was Du beim Kauf eines E-Autos beachten solltest.

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  • Veröffentlicht am 08/09/2019, 12:30 PM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Im Gegensatz zu Autos mit Verbrennungsmotor fahren Elektrofahrzeuge lokal emissionsfrei.
Quelle: picture alliance / Sebastian Gol Im Gegensatz zu Autos mit Verbrennungsmotor fahren Elektrofahrzeuge lokal emissionsfrei.

Die deutschen Autohersteller scheinen endlich verstanden zu haben, dass Elektromobilität eine große Rolle für deutsche Autofahrer spielt. So kündigen Audi, BMW, Mercedes, Opel, Porsche und Volkswagen viele neue Elektroautos für die kommenden Jahre an. Und ihre Kundschaft scheint nur darauf gewartet zu haben. Wie sonst ließe sich erklären, dass bei VW für den ID.3, ein Auto, das bisher noch gar nicht produziert wird (Produktionsstart soll Ende 2019 sein) und von dem die meisten Interessenten bisher nicht mehr als ein paar Fotos sehen konnten, in kürzester Zeit 20.000 Vorbestellungen eingegangen sind?! Die deutschen Autofahrer sind also bereit, mit Elektroautos zu fahren. Was Du rund um das Thema Elektro wissen solltest, erfährst Du hier.

Wie weit Du mit einer Akku-Ladung kommst, hängt von der Größe der Batterie sowie von Deiner Fahrweise ab.
Quelle: picture alliance / SvenSimon Wie weit Du mit einer Akku-Ladung kommst, hängt von der Größe der Batterie sowie von Deiner Fahrweise ab.

Was ein Elektroauto ausmacht

Elektroautos sind Autos, die rein elektrisch angetrieben werden (die Themen Plug-in-Hybrid und Mild-Hybrid sind gesondert zu betrachten). (Schadstoff-)Emissionen, wie bei Autos mit Verbrennungsmotor, entfallen damit völlig. Der Akku, der die Energie für den Antrieb des Elektroautos liefert, muss regelmäßig geladen werden; die dafür notwendige Infrastruktur befindet sich noch im Aufbau. Wie weit Du mit einer Akku-Ladung kommst, hängt von der Größe der Batterie sowie der Fahrweise ab. Eine Rolle spielt aber auch, welche Verbraucher (Radio, Klimaanlage etc.) zugeschaltet werden.

Elektroauto kaufen oder noch nicht kaufen?

Wer mit dem Gedanken spielt, ein Elektroauto zu kaufen, wird bis (mindestens) Mitte 2020 ein deutlich erweitertes Angebot vorfinden. Neben bereits erhältlichen Autos, wie denen der US-Marke Tesla, dem BMW i3, dem Nissan Leaf oder dem Renault Zoe, werden sukzessive neue Modelle aller relevanten Hersteller sowie einiger Neuanbieter dazukommen.
Auch die technische sowie die Preisentwicklung gestalten sich zunehmend kundenfreundlich. So schaffen viele Elektroautos nun 300 Kilometer und mehr mit einer Akku-Ladung. Preise von um die 30.000 Euro für ein Auto in Kompaktklassen-Größe mögen zwar immer noch hoch sein, bedeuten aber nichtsdestotrotz einen deutlichen Fortschritt. Auch die staatliche Förderung für Elektroautos wird bis Ende 2020 verlängert. Eigentlich sollte sie am 30. Juni 2019 auslaufen. Durch die Förderung kannst Du rund 4.000 vom jeweiligen Preis des Elektroautos abziehen.

Der Akku, der die Energie für den Antrieb des Elektroautos liefert, muss regelmäßig geladen werden.
Quelle: picture alliance / blickwinkel/M Der Akku, der die Energie für den Antrieb des Elektroautos liefert, muss regelmäßig geladen werden – zum Beispiel an E-Ladesäulen.

Förderung für Elektroautos

Seit Juli 2016 und noch bis Ende 2020 subventioniert die Bundesregierung, genauer gesagt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), gemeinsam mit den Automobilherstellern den Kauf eines Elektroautos mit 4.000 Euro (gilt auch bei Leasing). Voraussetzung ist allerdings, dass das entsprechende E-Auto in der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge geführt wird. Diese Liste ist über die Internetseite des BAFA www.bafa.de abrufbar. Dort findest Du auch weitere Informationen zur E-Auto-Prämie. Zudem muss der Preis (netto) des E-Autos unter 60.000 Euro liegen. Verschiedene Fahrzeuge aus dem Angebot der Premiumhersteller wie Tesla oder Jaguar fallen damit aus der Förderung.
Aktuell umfasst die BAFA-Liste dennoch bereits deutlich mehr als 100 Autos aus dem Bereich Elektro. Dazu zählen unter anderem der BMW i3, der Hyundai Ioniq, der Kia Soul EV, der Mercedes EQC 400 4Matic, der Nissan Leaf, der Opel Ampera-e Plus, der Renault Zoe, das Tesla Model 3 sowie der VW e-Golf.
Auch bezüglich der Kfz-Steuer sparen Käufer eines E-Autos. So entfällt die Kfz-Steuer auf zehn Jahre für alle Autos, deren Antrieb ausschließlich von einem Akku gespeist wird und die bis
31.12.2020 erstmals zugelassen werden.
Ebenso gefördert wird der Aufbau der Infrastruktur im privaten Bereich. Heißt: Wer in der eigenen Garage durch den Einbau einer Stromleitung und einer entsprechenden Steckdose das Laden des Autos möglich macht, wird mit bis zu 1.000 Euro belohnt. Die Bestimmungen fallen allerdings je nach Bundesland unterschiedlich aus.

Das aktuelle Angebot an Elektroautos

Deutsche Hersteller

Die Zahl der E-Autos, die reichweiten- und damit alltagstauglich sind, wächst schnell. Nahezu jeder große Automobilhersteller hat mittlerweile mehrere Modelle im Angebot und/oder bringt solche in den kommenden Monaten auf den Markt. Hier eine Auswahl der wichtigsten Modelle und ihre technischen Daten, zunächst von deutschen Herstellern.
Der BMW i3 wird bereits seit 2013 angeboten, der günstigste Preis für das Fahrzeug liegt bei 38.000 Euro. BMW gibt die Alltagsreichweite des Fahrzeugs mit 260 Kilometer an. Etwas teurer ist der Opel Ampera-e, dessen Preis bei 39.390 Euro beginnt. Im ADAC Ecotest schaffte der Opel eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern. Günstiger ist der brandneue Opel Corsa-e, der mit einem Preis von 29.900 Euro unter der 30.000-Euro-Grenze bleibt und 330 Kilometer schaffen soll. Opel verspricht auch ein Laden des Akkus auf 80 Prozent innerhalb von 30 Minuten. Zudem soll der Corsa-e verschiedene Optionen des Ladens bieten, von der Haushaltssteckdose bis zur sogenannten Wallbox, einer speziellen Steckdose für die heimische Garage. Interessant: Opel bietet sogar eine Rallye-Version des Corsa-e an.
Deutlich günstiger noch ist der Smart forfour EQ. Er bietet Platz für bis zu vier Mitfahrer, sein Preis liegt bei 22.600 Euro. Allerdings kannst Du mit einer Reichweite von kaum mehr als 150 Kilometern nicht wirklich weit fahren. Dasselbe gilt für den zweisitzigen Smart fortwo EQ Coupé, der ab 21.940 Euro zu haben ist und laut Hersteller bis zu 160 Kilometer schaffen soll. Etwas weiter fahren kannst Du mit dem VW e-Golf. Die Experten des ADAC ermittelten eine Reichweite von 200 Kilometern. Mit einem Grundpreis von 35.900 Euro ist das Fahrzeug von VW allerdings deutlich teurer. Der Preis für den kleineren VW e-up! startet dagegen schon bei knapp 23.000 Euro. Laut ADAC kannst Du mit dem Fahrzeug gerade einmal rund 100 Kilometer fahren, ehe Du es erneut zum Laden der Batterie an die Steckdose oder an eine Ladestation hängen musst. Deutlich mehr zu bieten hat da der ID.3, mit dem Volkswagen eine ganze I.D.-Modell-Familie begründen will. Mit einer Reichweite von zwischen 300 und 500 Kilometern (je nach Akku-Ausführung) und einem Einstiegspreis von unter 30.000 Euro könnte der ID.3, ähnlich wie der Corsa-e, das Zeug zum buchstäblichen Elektro-Volkswagen haben.
Das gilt für die hochpreisigen Modelle Audi e-tron (ab 79.900 Euro), Mercedes EQC (ab etwa 70.000 Euro) und Porsche Taycan (langfristig ab rund 99.000 Euro) natürlich nicht. Audi und Mercedes sind SUVs der Luxusklasse, der Taycan ist der erste rein elektrisch betriebene Sportwagen aus Zuffenhausen. Alle drei Modelle weisen Reichweiten von mehr als 400 Kilometern aus. Die E-Auto-Prämie des BAFA kannst Du für den Audi e-tron und den Porsche Taycan allerdings nicht beantragen. Der Mercedes EQC liegt knapp unter der Preisgrenze.

Was macht die Konkurrenz aus dem Ausland?

Auch die ausländische Konkurrenz schläft nicht. Im Gegenteil: Nissan mit dem Leaf oder Renault mit dem Zoe sind den deutschen Automobilbauern um einige Jahre voraus. So wird der Nissan Leaf bereits seit 2010 gebaut und verkauft. Seit Anfang 2018 ist die zweite Generation des Nissan auf dem Markt, die knapp 32.000 Euro kostet. Seit Januar 2019 bietet Nissan zudem die Variante e+ an, die mit einem Preis von mehr als 46.000 Euro zwar deutlich teurer ist, aber auch eine Reichweite von knapp 400 Kilometern schaffen soll.
Wie der Nissan Leaf gehört auch der Renault Zoe zu den Vorreitern auf dem Markt der E-Autos. Seit März 2013 ist der Franzose erhältlich. Sein Preis beginnt aktuell bei 22.000 Euro; in einer Version mit stärkerem Akku (Preis ab 26.000 Euro) hat der Renault Zoe im ADAC Ecotest eine Reichweite von 240 Kilometern geschafft. Mit dem Renault Twizy bietet Renault zudem ein Elektrofahrzeug ausschließlich für die Stadt an. Das Auto hat etwa 70 Kilometer Reichweite und kostet um die 8.000 Euro. Da der Renault Twizy als Leichtfahrzeug eingestuft wird, entfällt allerdings die staatliche Förderung.
Sehr taugliche reine Elektroautos haben auch die koreanischen Hersteller Kia und Hyundai im Portfolio. So soll der Hyundai Kona laut Hersteller je nach Akku-Ausführung zwischen 300 und 450 Kilometer fahren können. Die Preise beginnen bei 34.600 Euro für die schwächere, bei 39.000 Euro für die stärkere Version. Kia bietet mit dem e-Soul (ab knapp 34.000 Euro) und dem e-Niro (ab 35.290 Euro) gleich zwei interessante Modelle an. Bis zu 455 Kilometer ohne Zwischenstopp zum Laden der Batterie sollen mit dem e-Niro möglich sein, wenn man die stärkere von zwei Batteriegrößen wählt. Dann aber fallen rund 40.000 Euro an. Der ADAC hat den e-Niro bereits getestet. Gut 400 Kilometer seien bei ganz normaler Fahrweise absolut kein Problem, so die Experten des Automobilclubs, die in der Stadt, wo viel Energierückgewinnung beim Bremsen möglich ist, auch 500 Kilometer für durchaus möglich halten.
Mit ähnlichen Reichweiten hat sich der US-Hersteller Tesla schon vor Jahren den Ruf des Elektroauto-Pioniers erarbeitet. Lange aber waren die Preise ein Hinderungsgrund für einen Durchbruch auch auf dem europäischen Massenmarkt. Model S (ab 70.000 Euro) und Model X (ab 96.000 Euro) sind einfach zu teuer und bleiben Autofahrern vorbehalten, die von Luxusmarken wie Mercedes oder BMW auf erprobte Elektroauto-Technik umsteigen wollen. Ein Sonderangebot ist zwar auch der Model 3 nicht, der 2018 zum weltweit meistverkauften E-Auto wurde und seit Februar 2019 auch in Europa erhältlich ist. Mit einem Preis von 45.480 Euro aber dürfte der Tesla durchaus das Zeug haben, seine Erfolgsgeschichte auch in Deutschland fortzuschreiben.
Ein interessantes Modell eines Newcomers zum Schluss: Der e.GO Life ist ein viersitziger Kleinwagen, der von einem Start-up der RWTH Aachen entworfen wurde. Er ist ab 15.900 Euro zu haben, seine Reichweite soll, je nach Ausführung, zwischen 100 und 145 Kilometern liegen.

Elektroautos auf dem deutschen Markt – Eine aktuelle Auswahl

  • Audi e-tron
  • BMW i3
  • e.GO Life
  • Hyundai Ioniq
  • Kia e-Niro
  • Opel Ampera-e
  • Opel Corsa-e
  • Mercedes EQC 400 4Matic
  • Smart forfour EQ
  • Smart fortwo EQ Coupé
  • Nissan Leaf
  • Renault Zoe
  • Tesla Model 3
  • Volkswagen e-Golf
  • Volkswagen e-up!



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