Exoten für die Ewigkeit oder doch die Zukunft?

Wasserstoffautos kaufen: Das sind die Modelle auf dem Markt

Wie Elektroautos, aber besser? Wasserstoffautos verfügen über große Reichweiten und lassen sich tanken wie Benziner. Lies hier alles über die Modelle am Markt.

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  • Veröffentlicht am 07/30/2019, 10:00 AM
  • Aktualisiert am 01/21/2020, 5:49 PM
Man sieht einen Toyota Mirai fahrend auf einer Landstraße
Quelle: Toyota Der Toyota Mirai kostet derzeit mindestens 78.600 Euro. Die zweite Generation soll noch 2020 auf den Markt kommen - mit gefälligerer Optik

Elektroautos sind leise, bieten dank starkem Drehmoment viel Fahrspaß und gelten dank emissionsfreiem Betrieb als ökologisch vernünftig - also als Zukunft der Mobilität. Trotzdem scheuen viele Kunden die eingeschränkte Mobilität und das aufwendige Aufladen der Batterien. Dabei gibt es eine, zumindest auf den ersten Blick, wesentlich praktischere Alternative: Wasserstoffautos. Ihre Energie kommt von einer Brennstoffzelle und entsteht, wenn Wasserstoff mit Sauerstoff reagiert. Der Strom versorgt einen Elektromotor, mit dem sich das Wasserstoffauto genauso fährt wie E-Autos.

Der entscheidende Unterschied für den Kunden: Er muss keinen Akku mehrere stundenlang aufladen. Mit dem Brennstoffzellen-Fahrzeug fährt man einfach an die Tankstelle und versorgt sein Fahrzeug per Zapfpistole mit Wasserstoff. In etwa fünf Minuten tankt man so eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern. Das schaffen nur wenige Elektroautos mit einer Akkuladung. Etwa fünf Kilogramm fasst der Tank eines Wasserstofffahrzeugs. Der Kraftstoffverbrauch liegt bei rund einem Kilogramm auf 100 Kilometern, abhängig von der Fahrweise. Klingt toll, doch die Mobilität mit Wasserstoff hat einen Haken: Es gibt hierzulande nur extrem wenige Tankstellen.

Wasserstofftankstellen sind in Deutschland bislang nicht flächendeckend vorhanden
Quelle: picture alliance Wasserstofftankstellen sind in Deutschland bislang nicht flächendeckend vorhanden

Derzeit sind es laut H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG 81 in ganz Deutschland (Stand Januar 2020). Damit liegt der Ausbau hinter dem Plan. Ursprünglich waren bis Ende 2019 rund 100 Tankstellen geplant. Nun soll die Zahl laut einer Absichtserklärung der H2 Mobility und des Verkehrsministeriums (BMVI) Mitte 2020 erreicht sein. Bis Ende 2021 werden 130 Wasserstofftankstellen angepeilt.

Das Problem: Die Tankstellen sind extrem teuer. Die Kosten für eine Zapfsäule liegen bei etwa einer Million Euro. Das liegt an der aufwendigen Technik, mit der flüssiger Wasserstoff in Gas umgewandelt wird, das dann mit hohem Druck in den Fahrzeugtank gepumpt wird.


Nexo
Wasserstoff im Tank

Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb fahren geräuscharm und lokal emissionsfrei.


Wenige Tankstellen und wenige Fahrzeuge

Schlange stehen müssen Fahrer von Wasserstoffautos an der Tankstelle dennoch nicht. Anfang 2019 waren beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) etwas mehr als 300 Pkw mit Wasserstoffantrieb in ganz Deutschland registriert. Im Laufe des Jahres 2019 kamen immerhin 140 Hyundai Nexo hinzu. Vom Toyota Mirai waren es deutlich weniger.

Gibt es so wenige Autos, weil die Zahl der Tankstellen so gering ist? Oder ist es umgekehrt? Beide Faktoren bedingen sich gegenseitig. Denn erst, wenn es genügend Tankstellen gibt, ergibt der Kauf eines Autos mit Brennstoffzellenantrieb Sinn. Und der Betrieb einer Tankstelle lohnt sich erst, wenn genügend Fahrzeuge dort tanken.

Doch es kommt noch ein dritter Aspekt hinzu: Das Angebot an Fahrzeugen ist bislang sehr klein. Derzeit werden nur zwei aktuelle Modelle in Deutschland zum Kauf angeboten – der Hyundai Nexo und der Toyota Mirai. Ausschließlich im Leasing für ausgewählte Kunden gibt es den Mercedes GLC F-Cell.

Wasserstoff kannst Du an einer entsprechenden Tankstelle tanken.
Quelle: picture alliance Wasserstoff kannst Du an einer entsprechenden Tankstelle tanken.

Viele Hersteller sind überzeugt, dass auf lange Sicht die Batteriespeicher deutlich billiger werden als die Wasserstoffantriebe. Entsprechend verzichten sie bisher auf eine Serienproduktion der Wasserstoffautos. Anders sieht es in den USA aus: Dort verkaufen sich die Wasserstoffmodelle deutlich besser. Besonders in Kalifornien konnte Toyota einige Tausend Modelle seines Toyota Mirai absetzen. Honda bietet dort den Clarity an. In den USA sind die Bedingungen dank günstiger Leasingraten und Förderungen recht gut. Nur Tankstellen sind dort ebenfalls selten.

Warum die Tankstellen für die Kaufentscheidung wichtig sind

Wer sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, ein Wasserstoffauto zu kaufen, sollte auf jeden Fall einkalkulieren, wo die nächsten Tankstellen sind. Menschen in Großstädten haben einen Vorteil. So gibt es derzeit im Großraum Hamburg vier Tankstellen, in und um Berlin ebenfalls. An Rhein und Ruhr ist das Angebot besser, rund um Stuttgart ebenfalls. Zudem gibt es mittlerweile entlang der wichtigsten Autobahn-Achsen diverse Tankstellen für Wasserstoff.

Doch wer beispielsweise in Kiel wohnt, muss zum Tanken momentan mindestens 90 Kilometer bis Flensburg oder Hamburg fahren. Wer an der Nordseeküste tanken will, hat zwei Stationen in Bremen zur Wahl. Die Planung von längeren Fahrten muss man mit einem Wasserstoffauto also noch vorbereiten. Und für den Alltag ist es unbedingt empfehlenswert, eine Tankstelle in der Nähe des Wohnortes zu haben, damit auch spontane Fahrten ohne größere Einschränkungen möglich sind.

Nur die Wasserstoffautos Hyundai Nexo und Toyota Mirai kann man derzeit in Deutschland kaufen

Das Angebot an Brennstoffzellen-Autos ist in Deutschland noch sehr übersichtlich. Zwei Kauf-Modelle gibt es hierzulande bisher – und beide kommen aus Fernost.

Hyundai Nexo

Der Hyundai Nexo ist ein 4,67 Meter langes Mittelklasse-SUV, das seit 2018 auf dem Markt ist. Er hat seinen Vorgänger, den seit 2013 in Serie produzierten ix35 Fuel Cell, abgelöst. Der Hyundai Nexo hat einen 163 PS (120 kW) starken Elektromotor mit 395 Nm Drehmoment, stufenlosem Automatikgetriebe und Frontantrieb. Die Geschwindigkeit wird bei 179 km/h abgeregelt. Der kombinierte Wasserstoffverbrauch liegt laut Toyota bei 0,84 Kilogramm auf 100 Kilometern, die Reichweite einem Test des ADAC zufolge bei 540 Kilometern. Dort kam man auf einen Verbrauch von 1,2 Kilogramm pro 100 Kilometern. Das deckt sich mit dem von uns im mobile.de-Alltagstest erfahrenen Wert. Wir kamen auf eine Gesamtreichweite von etwa 550 Kilometern mit einer Tankfüllung.

Auch Hyundai baut mit dem Nexo ein Wasserstoffauto in Serie.
Quelle: picture alliance / Rene Fluger Auch Hyundai baut mit dem Nexo ein Wasserstoffauto in Serie

Im Euro NCAP Crashtest erreichte der Nexo fünf von fünf Sternen. Ein Nachteil des Hyundai Nexo ist sein hoher Preis. Der beginnt derzeit bei 69.000 Euro. Dafür bekommst Du eine gute Serienausstattung inklusive großen Touchscreens, Soundsystem, beheizbarem Lenkrad und einem Paket mit verschiedenen Assistenzsystemen.

Hyundai Nexo: Technische Daten

  • Motor/Antrieb: Elektromotor, einstufiges Reduktionsgetriebe
  • Leistung: 120 kW/163 PS
  • Drehmoment: 395 Nm
  • 0-100 km/h: 9,2 s
  • Geschwindigkeit: 179 km/h
  • Reichweite (WLTP): 666 km
  • Reichweite im mobile.de-Test: rund 550 km
  • Kofferraumvolumen: 461-1.466 Liter
  • Preis: 69.000 Euro

Toyota Mirai

Der momentan einzige Konkurrent des Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle ist der Toyota Mirai. Ihre Premiere hatte die eigenwillig designte Stufenhecklimousine im Jahr 2014. Auf 4,89 Metern Länge bietet das Auto eher durchschnittliche Platzverhältnisse und einen relativ kleinen Kofferraum; außerdem ist nur eine geringe Zuladung von 320 Kilogramm möglich. Der Elektromotor leistet 154 PS/114 kW). Dank des hohen Drehmoments von 335 Nm hat der Motor nur wenig Mühe, den rund 1.850 Kilogramm schweren Toyota in Schwung zu bringen.

Der Toyota Mirai ist das Wasserstoffauto von Toyota.
Quelle: picture alliance Der Toyota Mirai ist das Wasserstoffauto von Toyota. Vor allem in Kalifornien konnte Toyota bislang einige Tausend Modelle absetzen

Der Mirai hat zwei Tanks mit einer Kapazität von insgesamt fünf Kilogramm Wasserstoff. Die Reichweite liegt bei offiziellen 500 Kilometern. Der ADAC ermittelte eine Reichweite von etwa 480 Kilometern und damit deutlich mehr, als die meisten Elektroautos schaffen. Ein Nachteil des Toyota ist ähnlich wie beim Hyundai sein hoher Preis. Mit 78.600 Euro steht der Mirai in der Preisliste. Dafür ist die Serienausstattung fast komplett: Enthalten sind ein Navigationssystem, Sitzheizung vorne und hinten und zahlreiche Assistenzsysteme.

Dank Ausnutzung spezieller Fördermittel für Autos mit Brennstoffzelle bietet Toyota "relativ günstige" Leasingkonditionen für gewerbliche Kunden. Bei 36 Monaten Laufzeit und 15.000 Kilometer pro Jahr liegt die Nettorate momentan bei 496 Euro.


Toyota Mirai Bild 2
Toyota Mirai

Mit vollem Wasserstoff-Tank fährt der Toyota Mirai bis zu 480 Kilometer weit.


Ein Vergleich beider Autos mit Brennstoffzelle zeigt: Der Hyundai Nexo ist das billigere und auch das alltagstauglichere Fahrzeug. Außerdem bietet er mehr Platz und mehr Fahrdynamik.

Das könnte sich noch 2020 ändern. Toyota will noch in diesem Jahr die neue Generation des Mirai auf die Straße bringen. Auf der Tokyo Motor Show zeigte der Hersteller bereits eine seriennahe Studie. Der Mirai wird in Generation 2 deutlich gefälliger und wächst demnach auf fast fünf Meter Länge – etwa die Maße eines BMW 5er. Zudem verspricht Toyota ein deutlich agileres Fahrverhalten. Die Reichweite soll um 30 Prozent auf rund 650 Kilometer steigen. Preise und konkrete Leistungsdaten nennt Toyota noch nicht, vermutlich wird er nicht bedeutend günstiger. Die Studie zeigt jedoch, dass der neue Mirai besser zum Preis passen wird, als der Vorgänger.

Toyota Mirai (2014-2020): Technische Daten

  • Motor/Antrieb: Elektromotor, einstufiges Reduktionsgetriebe
  • Leistung: 113 kW/154 PS
  • Drehmoment: 335 Nm
  • 0-100 km/h: 9,6 s
  • Geschwindigkeit: 178 km/h
  • Reichweite (Norm): 500 km
  • Reichweite ADAC-Test: 480 km
  • Kofferraumvolumen: 361 Liter
  • Preis: 78.600 Euro

Was machen die deutschen Hersteller?

Die Skepsis der deutschen Autohersteller gegenüber Fahrzeugen mit Brennstoffzelle ist noch groß. Als erstes Unternehmen hierzulande hat Mercedes mit dem GLC F-Cell ein Wasserstoff-SUV auf den Markt gebracht. Neben der Brennstoffzelle hat das Modell auch einen an der Steckdose aufladbaren Akku. Diese Kombination macht den GLC F-Cell einmalig, denn einen Brennstoffzellen-Plug-in-Hybrid hat bislang kein anderer Hersteller im Angebot. Doch kaufen kann man den F-Cell bislang nicht. Er wird lediglich im Leasing an ausgewählte Flottenkunden abgegeben.



Wie umweltschonend sind Autos mit Wasserstoffantrieb?

Wirklich emissionsfrei sind die Wasserstoffautos nicht. So bilanzierte der ADAC in einem Test: „Aus dem EcoTest resultiert ein Durchschnittsverbrauch von einem Kilogramm Wasserstoff pro 100 km. Da Wasserstoff derzeit maßgeblich aus fossilen Stoffen produziert wird, entspricht dies einem CO2-Ausstoß von 121 g/km. Um den Umweltgedanken konsequent zu verfolgen, muss Wasserstoff langfristig allerdings aus regenerativen Energiequellen wie Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft stammen.“ Geschieht das nicht, ist der alternative Antrieb nicht wirklich umweltschonend.

Ein Hyundai Nexo in der Dreiviertel-Frontansicht
Quelle: Peter Besser Der Hyundai Nexo schafft im mobile.de-Alltagstest mit einer Füllung des Wasserstofftanks etwa 550 Kilometer

Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind die beiden Wasserstoffautos eher selten anzutreffen. Das wundert nicht, denn überhaupt sind bislang nur wenige Modelle verkauft worden. Die Gebrauchtpreise unterscheiden sich wenig von den Neupreisen. Allenfalls frühe Modelle des Mirai und den Hyundai ix35 Fuel Cell findet man ab etwa knapp 40.000 Euro.

Wie hoch sind Tankkosten und Unterhalt?

Stand Juni 2019 liegen die Preise für ein Kilogramm Wasserstoff an den deutschen Tankstellen bei 9,50 Euro pro Kilogramm. Wenn Du davon ausgehst, dass die beiden Modelle von Hyundai und Toyota etwa ein Kilogramm auf 100 Kilometern verbrauchen, liegen die Treibstoffkosten ähnlich hoch wie bei Autos mit Verbrennungsmotoren. Sparsame Dieselmotoren mit einem Verbrauch von rund fünf bis sechs Litern sind hier sogar günstiger unterwegs. Auch bei den Reichweiten liegen die Wasserstoffautos auf dem Niveau von Benzinmotoren. Viele Diesel schaffen größere Reichweiten.

Die Wartungskosten von Brennstoffzellen-Fahrzeugen liegen in der Regel unter denen eines vergleichbaren Verbrenners. Der Elektromotor braucht kaum bewegliche Teile und is tim Prinzip wartungsfrei. Der Bremsenverschleiß fällt geringer aus, da die Fahrzeuge einen großen Teil der Bewegungsenergie über Rekuperation (Rückgewinnung der Energie und Speicherung im Akku) abbauen. Anders als beim rein batterieelektrischen Auto, hat ein Brennstoffzellenfahrzeug jedoch einen höheren Kühlbedarf. Zudem sind mehrere Kühlkreisläufe nötig. Dieser Faktor kann ins Geld gehen. Hyundai veranschlagt beim Nexo beispielsweise 1.000 Euro für den Austausch des Kühlmittels. Der wird jedoch nur alle 60.000 Kilometer fällig. 

Wertentwicklung von Wasserstoffautos

In einem sehr kleinen Marktsegment wie bei dem der Wasserstoffautos ist eine Prognose über die Wertentwicklung schwierig. Die künftigen Rahmenbedingungen für die Technologie sind schwer abschätzbar. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ebenfalls. Außerdem hängt die Zukunftsfähigkeit der Wasserstoffautos auch davon ab, wie sich die Elektroautos entwickeln. Und bei den Elektroautos passiert in technischer Hinsicht einiges, was den Wasserstoffantrieb als Alternative nicht unbedingt interessanter macht.

Vor diesem Hintergrund ergeben Leasing-Angebote, die zudem sämtliche planmäßige Wartungskosten beinhalten können, beim Wasserstoffauto Sinn. Mercedes bietet sicher auch aus diesem Grund den GLC F-Cell ausschließlich im Leasing an (ab 799 Euro).

Wasserstoffantrieb: Vor- und Nachteile im Überblick

VorteileNachteile
Elektrischer, lokal emissionsfreier AntriebSehr dünnes Tankstellennetz
Minimales Antriebsgeräusch und viel DrehmomentGeringe Reiseflexibilität
Schnelleres Tanken als beim ElektromotorHohe Anschaffungskosten
TreibstoffartenElektroPreis