e.Go Life Elektroauto 2020: Erster Test

Der e.Go Life soll 50 Jahre halten

Elektroautos gehören in die Stadt. Das gilt besonders für den e.Go Life. Der Billigste will er nicht mehr sein. Dafür aber robuster als alle anderen. Erster Test.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 03/11/2020, 5:54 PM
e.Go Life dreiviertelfrontansicht
Quelle: e.Go Mit diesem Elektro-Flitzer will das junge Unternehmen e.Go Mobile sich einen Teil des aufkommenden Elektroauto-Marktes sichern

Haben wir den Aachener Kleinwagen e.Go Life bisher falsch verstanden? Seit e.Go Mobile angetreten ist mit dem Ziel, den Elektrowagen an den Start zu bringen, verbindet die Presse mit dem Auto vor allem ein Attribut: „günstig“. Nun scheint es, als habe sich der Hersteller selbst davon verabschiedet, das günstigste E-Auto bauen zu wollen. Im Vorgespräch zur Testfahrt betont Professor Günther Schuh lieber, was sein Auto besser kann als VWs e-Up oder Daimlers Smart Forfour. Denn bei knapp aktuell 22.000 Euro Basispreis spielt der e.Go Life preislich auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Anders als diese elektrischen Viersitzer wurde der e.Go jedoch direkt als Elektroauto entwickelt. Was bedeutet: Beim Verhältnis Außengröße zu nutzbarem Innenraum, in der Industrie auch „Packaging“ genannt, hat er Vorteile. Simpler Grund: Der Elektroantrieb, der hier auf der Hinterachse sitzt, nimmt weniger Platz weg. Auf 3,34 Metern Länge biete der e.Go daher einen Innenraum auf Polo-Niveau, konstatiert Professor Schuh. Etwas optimistisch, denn im e.Go Life muss man sich entscheiden: Gepäckraum oder Rückbank, beides hintereinander lässt die Außenlänge – anders als im klassischen Kleinwagen – nicht zu.


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Elektrifizierte Kleinwagen

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Was den e.Go Life so robust macht

Flott steht der Zwerg auf der Straße. Für seinen Erfinder eine Frage des Designs, der Proportionen und der Radgröße. Vor allem aber: Dieses Auto halte 50 Jahre, verspricht Schuh. Es besteht aus einer nicht rostenden Kunststoffkarosse über einer ebenfalls nicht rostenden und außerdem nicht alternden Aluminiumprofilstruktur. Zudem habe man bei Fahrwerk, Achsen und Bremsen nicht gespart. Und am Elektroantrieb geht sowieso im Normalfall nichts kaputt.

Im Innenraum sieht man dem kleinen Cityflitzer noch an, dass er einmal mit dem Ziel entwickelt wurde, günstig zu sein. Was e.Go Mobile mittlerweile an seine Kunden ausliefert, hat sich dennoch ein gutes Stück von den Prototypen entfernt, die Mitte 2018 für die ersten Presse-Testfahrten genutzt wurden. Der Fahrer sitzt auf einem sportlich wirkenden, vor allem aber platzsparenden Integralsitz. Dessen weiter Verstellbereich bietet Piloten verschiedenster Körpergröße Raum. Man sitzt auffällig hoch, genießt eine gute Rundumsicht und hat genug Raum an Kopf und Schultern. Durchaus beachtlich für ein Fahrzeug dieser Größe. Auch hinten sitzt es sich überraschend großzügig. Man muss sich aber, wie angedeutet, zwischen Kofferraum und Rückbank entscheiden.

e.Go Life dreiviertelfrontansicht
Quelle: e.Go Der e.Go Life lädt maximal mit 3,7 kW und braucht so knapp unter 6 Stunden zum Vollladen

e.Go Life: Fahrwerk, Lenkung, Geräuschverhalten

Beim Herausrangieren aus der Parklücke fällt auf: Der Wendekreis des e.Go Life könnte kleiner sein als die 9,9 Meter, die im Datenblatt stehen – und die dann doch in engen Ecken zwei Züge mehr erfordern, als die Außenlänge nahelegt. Einmal in Fahrtrichtung unterwegs, enttäuscht der Stadtflitzer jedoch nicht. Mit dem 1,2 Tonnen leichten Stromer hat der kleine Hinterachsmotor keine Mühe. Kraftvoll geht es vorwärts oder auch mal um die Kurve: Die elektrische Servolenkung stimmen die Ingenieure direkt und leichtgängig ab. Das Fahrwerk legt seinen Schwerpunkt auf das Abfangen von Stößen. Das erledigt der e.Go erstaunlich komfortabel. Auf Wellen schwimmt der Wagen allerdings etwas. Jedoch ohne dabei jedoch zu hoppeln, wie es Autos mit so kurzem Radstand häufig tun.



Der Fahrer greift dabei in ein vornehmes Lenkrad, bezogen mit einem Leder-Alcantara-Mix. Nimmt er den Fuß vom Gas, steigt die Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation) erstaunlich hart ein. Und zwar in jedem der drei Fahrmodi Eco, Comfort und Sport. Die beeinflussen vor allem die Leistungsabgabe des Elektromotors deutlich.

Die Schaltung der Modi integrieren die Aachener Ingenieure in den Richtungswahlhebel. Parallel zur Fahrtrichtung schaltet man durch die Modi, quer dagegen D, N und R. Im ersten Moment nicht komplett selbsterklärend, aber schnell verstanden – und dann sehr anwenderfreundlich. Schlicht, aber funktional wirkt auch das zentrale Bedienelement für Apple CarPlay bzw. Android Auto sowie Klimaautomatik, Lüftung und Sitzheizung.

Alles in allem: Wie ein Prototyp wirkt der Serien-e.Go nicht mehr. Das einzig ungewöhnliche Element im Vergleich zu den Serienmodellen großer Hersteller: Der Dachhimmel besteht aus einem dicken Filzgewebe. Es leistet einen Beitrag zur insgesamt äußerst niedrigen Geräuschkulisse. Sie unterscheidet den e.Go Life im Stadtverkehr klar von Kleinkraftfahrzeugen Marke Aixam oder Renault Twizy. Sein Motor heult nicht, seine Achsen poltern nicht – das schafft bei Weitem nicht jeder Elektrozwerg.


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Preise: Die Förderung kann man abziehen

Wie eingangs gesagt: Mit einem aktuellen Basispreis von 21.900 Euro gehört der e.Go Life zu den günstigsten Elektroautos, aber er ist nicht konkurrenzlos günstig. Die meisten Interessenten schauen bisher ohnehin nicht so aufs Geld, haben die Aachener festgestellt. Die ersten Kunden kaufen den e.Go Life nicht, weil er günstig ist – sondern aus Überzeugung. Zumal die Preisliste einige Gelegenheiten bietet, den Preis zu steigern: Das Infotainment samt Apple CarPlay und Android Auto kostet im Paket mit LED-Scheinwerfern 1.700 Euro, Parkassistent und Frontscheibenheizung im Paket 990 Euro. Eine Klimaautomatik steht mit 650 Euro in der Preisliste. Serienmäßig gibt es ein in Höhe und Tiefe verstellbares Lenkrad, Licht- und Regensensor, Geschwindigkeitswarner und Berganfahrhilfe. Hinzu kommen die vorgeschriebenen Sicherheitssysteme ABS, ESP und Reifendruck-Kontrolle. Teilautonome Features beherrscht der Kleinstwagen noch nicht.

Was er ebenfalls nicht kann, ist schnelles Laden. Maximal zieht der e.Go Life den Strom mit 3,7 kW (230 V, 16 A, einphasig) in seinen Akku, der netto 21,5 Kilowattstunden fasst. Das genügt ihm für 140 Kilometer Reichweite. Klingt nicht nach viel, aber es reicht für die Stadt und für den Pendler. Schnellladen, glaubt Professor Schuh, löse in diesem Einsatzgebiet kein einziges Problem – der Kunde lade ohnehin zu Hause oder während der Arbeit.



Von den genannten Preisen können Kunden selbstverständlich 6.000 Euro Elektroautoförderung abziehen, die e.Go Mobile teilweise aus eigener Tasche zahlen muss. Eventuell muss der kleine Hersteller daher die Preise noch mal erhöhen, denn anders als VW oder Opel können reine Elektroauto-Marken den Herstelleranteil nicht aus dem Verkauf von Verbrennern querfinanzieren. Ab April wird e.Go außerdem erstmals ein Leasingmodell anbieten. Wichtig vor allem fürs Flottengeschäft. In einer Sache ist sich Günther Schuh sicher: Sein Auto nimmt 2020 am aufkommenden Elektroauto-Markt teil. Und verabschiedet sich nicht ohne Stolz mit der Frage: Wann hat das letzte Mal jemand in Deutschland eine komplett neue Automarke erfolgreich an den Start gebracht? 

e.Go Life 2020: Technische Daten

Modelle.Go Life 60
MotorElektro
Leistung29 kW/40 PS (Dauer), 57 kW/77 PS (Peak)
Drehmomentk. A.
Akku21,5 kWh (netto)
Beschleunigung 0-50 km/h4,7 s
Geschwindigkeit130 km/h
Reichweite (WLTP)139 km
Reichweite (WLTP City)203 km
Verbrauch15,5 kWh/100 km (WLTP)
Länge3.345 mm
Breite1.747 mm
Höhe1.588 mm
Radstand2.200 mm
Leergewicht1.231 kg
Zuladung259 kg
Basispreis21.900 Euro

Der e.Go Life in Bildern

  • e.Go Life dreiviertelfrontansicht
    Quelle: e.Go Mit diesem Elektro-Flitzer will das junge Unternehmen e.Go Mobile sich einen Teil des aufkommenden Elektroauto-Marktes sichern
  • e.Go Life Fabrikhalle
    Quelle: dpa/Picture Alliance Die Produktionslinie im E.Go-Werk in Aachen
  • e.Go Life detailansicht des digitalen Tacho
    Quelle: e.Go Der e.Go Life fährt bis zu 130 km/h
  • e.Go Life dreiviertelfrontansicht
    Quelle: e.Go Der e.Go Life lädt maximal mit 3,7 kW und braucht so knapp unter 6 Stunden zum Vollladen
  • e.Go Life heckansicht
    Quelle: e.Go Mit nur 1,2 Tonnen ist der e.Go Life der perfekte City-Flitzer
  • e.Go Life dreiviertelfrontansicht
    Quelle: e.Go Vom Preis des e.Go Life können dank Elektroautoförderung 6.000 Euro abgezogen werden
  • e.Go Life Cockpit
    Quelle: e.Go Der Innenraum des e.Go Life ist schlicht gehalten und verspricht Benutzerfreundlichkeit ohne Schnickschnack
  • e.Go Life Frontansicht
    Quelle: e.Go Der Kleinstwagen von e.Go Mobile ist für den Stadtverkehr konzipiert
  • e.Go Life Blick in den Kofferraum
    Quelle: e.Go Trotz gutem Packaging ist das Platzangebot begrenzt: Der e.Go Life misst nur knapp 3,35 Meter
  • e.Go Life interieur
    Quelle: e.Go Im Innenraum des e.Go Life sitzt es sich erstaunlich geräumig
  • e.Go Life Seitenansicht
    Quelle: e.Go Mit 21.900 Euro gehört der e.Go zu den günstigsten Elektroautos. Aber: der günstigste ist er nicht
  • e.Go Life heckansicht
    Quelle: e.Go Die Reichweite des e.Go Life beträgt im WLTP-Zyklus 139km