Vom Eise befreit

Autoscheibe enteisen: Darauf solltest Du achten

Vereiste Autoscheiben sind gefährlich, Eiskratzen ist mühsam. Es gibt Möglichkeiten, die Anstrengung zu vermeiden. Doch nicht alle sind ratsam.

  • Veröffentlicht am 02/04/2021, 04:03 PM
Eiskratzer
Quelle: picture alliance/dpa/dpa-tmn Der Eiskratzer: Er gehört zu absoluten Grundausstattung und sollte sich im Winter immer im Auto befinden

Kalte Nächte sind ein Graus für viele Autofahrer. Vor allem für Laternenparker. Sie müssen jetzt früher aufstehen, denn als erste Handlung vor der Abfahrt müssen die Scheiben vom Eis befreit werden. Üblicherweise heißt das: Kratzen. Und daher: kalte Finger, feuchte Ärmel und körperliche Anstrengung. Es gibt Alternativen dazu, doch nicht alle funktionieren. Was klappt, liest Du hier.

Tauspray

Wenn die Eisschicht nicht zu dick ausfällt, kann Enteiserspray viel helfen. Aus einer Sprühflasche trägt man ein Gemisch aus Alkohol und Frostschutzmittel auf die Scheibe auf. Das bringt das gefrorene Wasser zum Schmelzen und sorgt dafür, dass es nicht sofort wieder festfriert.

Günstige Mittel in Sprühflaschen mit 500 oder 750 Milliliter Inhalt gibt es schon für weniger als zwei Euro. Größere Nachfüllflaschen ohne Sprühkopf sind noch günstiger. Die meisten verfügbaren Mittel erfüllen die Pflicht: Die Scheibe ist nach der Behandlung eisfrei. Qualitätsunterschiede gibt es trotzdem. Weniger hochwertige Mittel tauen das Eis, verursachen jedoch Schlieren auf der Scheibe. Welche Sprays am besten funktionieren, kann man aktuellen Tests von Fachzeitschriften oder Automobilclubs entnehmen.


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Warme Luft

Ein weiterer Weg, die Scheiben vom Eis zu befreien, ist ein Heizlüfter. Netter Nebeneffekt: Er wärmt zugleich den Innenraum vor. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Nur Geräte, die explizit für diesen Zweck vorgesehen sind, dürfen genutzt werden. Anderenfalls, etwa bei Heizlüftern für den Hausgebrauch, besteht Brandgefahr.

Den gleichen Effekt wie ein Heizlüfter hat eine Standheizung. Sie lässt sich so programmieren, dass der Abtauvorgang gestartet werden kann, während der Fahrer noch im warmen Bett schlummert oder beim Frühstück sitzt. Weil sie in den Kühlkreislauf des Autos integriert wird, heizt sie zudem den Motor vor. Das schont ihn und spart Sprit, weil er bereits vorgewärmt an den Start geht. Die paar Zehntelliter Sprit, die eine Standheizung selbst verbraucht, wiegt das um ein Vielfaches auf. Allerdings sind Standheizungen teuer. Üblicherweise kosten sie mit Einbau deutlich mehr als 1.000 Euro.

Beheizbare Eiskratzer hingegen sind nicht zu empfehlen. Es gibt sie meist für wenig Geld im Baumarkt, doch sie taugen wenig. Um eine spürbare Wirkung zu erzielen, werden sie nicht warm genug.

Eiskratzer 01
Quelle: picture alliance/dpa/ADAC Der ADAC stellt fest: der Klassische Eiskratzer funktioniert zumeist doch am besten. Die elektrische Variante taugt oftmals nichts

Heißes Wasser

Wer auf die Idee kommt, die Windschutzscheibe morgens mit einem Eimer heißem Wasser zu überschütten: Stopp! Heiße Flüssigkeiten sollten auf keinen Fall plötzlich und in großen Mengen auf die eiskalte Scheibe gelangen. Der Temperaturschock sorgt dafür, dass die Scheibe und das umliegende Material sich schnell und ungleichmäßig ausdehnen. Die Folge: Das Glas kann Risse bekommen oder sogar springen.

Von chemischen Mixturen aus eigener Produktion sollte man ebenfalls absehen. Eine Mixtur aus Wasser, Spülmittel, etwaigen Frostschutzmitteln und Spiritus kann erstens für Schlieren und Probleme bei der Reinigung sorgen. Zweitens besteht das Risiko, Gummiteile und Kunststoff zu beschädigen.


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Fahrzeugheizung

Manche Autofahrer verfallen auf die Idee, den Motor des Autos im Stand warmlaufen zu lassen, um durch den dann aufgeheizten Innenraum das Scheibeneis abzutauen. Das schadet nicht nur der Umwelt erheblich, die Straßenverkehrsordnung verbietet es sogar. In Paragraph 30 der StVO heißt es: „Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen“.

Davon abgesehen: Es hilft in der Regel kaum. Denn im Stand wird der Motor deutlich langsamer warm als während der Fahrt. Bis die Wärme ausreicht, das Eis auf den Scheiben zu schmelzen, dauert es also. Außerdem erhöht es den Verschleiß und den Kraftstoffverbrauch.

Eine beheizbare Windschutzscheibe, über die einige Autos verfügen, hilft übrigens auch wenig. Die Heizdrähte im Inneren können allenfalls bei sehr dünnen Eisschichten helfen, und sie lassen Beschlag verdunsten. Bei dickerem Eis machen sie nur langsam Boden gut und verbrauchen dabei so viel Strom, dass die vom Winter ohnehin gestresste Batterie ruckzuck leer sein kann. Und wenn der Motor als Stromversorger läuft? Siehe oben.

Standheizung 02
Quelle: picture-alliance/ gms Automatisches Auftauprogramm: die programmierte Standheizung übernimmt am Morgen den Job des Eiskratzers

Vorbeugen

Wohl das beste Mittel gegen vereiste Scheiben ist: Vorbeugen. Wer abends eine Folie oder einen Karton auf die Windschutzscheibe legt und mit den Scheibenwischern fixiert, sorgt dafür, dass die Scheibe gar nicht erst zufriert. Extra dafür vorgesehene Folien, die es beispielsweise im Baumarkt gibt, können mit passenden Schlaufen befestigt werden und fliegen so auch bei Wind nicht weg. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Dichtungen nicht beschädigt werden.

Ein weiterer heißer Tipp: Abends oder morgens vor dem Losfahren eine Wärmflasche auf dem Armaturenbrett platzieren. Während die heiße Flüssigkeit darin abkühlt, strahlt sie Wärme ab. Dadurch taut das Eis außen auf der Scheibe oder es bildet sich gar nicht erst. Allerdings funktioniert das nur bei dünnen Eisschichten und über Nacht nur, wenn die Temperaturen nicht zu weit unter den Gefrierpunkt sinken.


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Und übrigens: Auch bei der guten alten Handarbeit ist eine gewisse Vorsicht geboten. Bei verdreckten Scheiben können sich Sand- und Staubpartikel unter der Eisschicht befinden. Beim Freikratzen können sie kleine Schrammen im Glas verursachen. Was bei normalen Lichtverhältnissen kaum auffällt, kann bei tief stehender Sonne oder nachts im Scheinwerferlicht entgegenkommender Autos die Sicht behindern. Besser, man hält die Windschutzscheibe im Winter immer schön sauber


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