Unterschiedliche Getriebearten im Vergleich

Automatik oder Schaltung: Was ist besser?

Worin unterscheiden sich Automatik- und Schaltgetriebe? Informiere Dich hier über die Vor- und Nachteile der Getriebearten.

  • Nadja Clara Grass
  • Veröffentlicht am 22.11.2021, 11:08
Nahaufnahme einer Hand, die den Schalthebel eines PKW betätigt
Quelle: Unsplash Schaltung oder Automatik? Beide Getriebearten haben Vor- und Nachteile

Automatik vs. Schaltung: Ein Überblick über die Getriebearten

Das Getriebe ist eines der wichtigsten Fahrzeugteile. Schließlich setzt es die Kraft des Motors in ein Drehmoment um – und treibt so die Räder an. Das funktioniert in der Regel mit Hilfe von zwei Getriebewellen und verschiedenen Zahnradpaaren. Beim Gangwechsel ändert das Getriebe die Größe der Zahnräder. Dabei gilt: Je höher der Gang, desto größer die Zahnräder. Der Wechsel der Zahnräder ändert das Übersetzungsverhältnis von Drehzahl auf Drehmoment. Das Getriebe wandelt also die Kraft des Motors um – und zwar so, dass sie zur Fahrsituation passt. Das heißt: Für langsame Fahrten verringert es die Übersetzung von Drehzahl auf Drehmoment und für schnelle erhöht es sie.

Gänge können entweder mit Hilfe eines Handschaltgetriebes oder eines Automatikgetriebes gewechselt werden.

  • Hat ein Auto ein Handschaltgetriebe, kuppelt und schaltet der Fahrer eigenständig. Über die Kupplung überbrückt er die Verbindung zwischen Motor und Getriebe. Erst wenn die Verbindung gelöst ist, kann der Fahrer das richtige „Übersetzungsverhältnis“, also den passenden Gang, einlegen.
  • Ein Automatikgetriebe kuppelt und schaltet selbständig, ohne dass der Fahrer etwas machen muss. Man unterscheidet zwischen vier automatischen Getriebearten: automatisierte Schaltgetriebe, Wandler-Automatik, Doppelkupplungsgetriebe und CVT-Getriebe.

Verschiedene Getriebearten: Vor- und Nachteile im Überblick

GetriebeartVorteileNachteile
Handschaltunggünstigste Getriebeart „richtiges“ Fahrgefühl je nach Modell und Fahrstil spritsparendMehraufwand für den Fahrer je nach Verkehrssituation mühsam Kupplung als kostenintensives Verschleißteil
Automatisiertes Schaltgetriebegünstigste Automatikschaltung platzsparend und Kleinwagen-geeignetSchaltpausen Zugkraftunterbrechungen
Wandler-Automatikverschleißarmes Schalten keine Zugkraftunterbrechung beim Schaltenje nach Fahrzeugmodell sehr teuer
Doppelkupplungsgetriebesehr gute Beschleunigung kein Zugkraftverlustkostenintensiv
CVT-GetriebeKraftstoff sparend keine Schaltpausen oder ZugkraftunterbrechungenGetriebekette verschleißt

Automatisierte Schaltgetriebe

Grundsätzlich sind automatisierte Schaltgetriebe genauso aufgebaut wie manuelle. So funktionieren beide Getriebearten über zwei Getriebewellen und Zahnradpaaren. Der große Unterschied eines Automatikgetriebes im Vergleich zu einem manuellen Getriebe: Das Kuppeln und Schalten findet automatisch statt – und zwar mit Hilfe von Stellmotoren. Automatisierte Schaltgetriebe sind im Vergleich zu anderen Automatikgetrieben recht günstig. So schlagen sie mit durchschnittlich 600 Euro Aufpreis zur manuellen Schaltung zu Buche. Die manuelle Schaltung selbst ist im Grundpreis des Automodells enthalten und kostet daher nichts zusätzlich.

Der Nachteil dieser Getriebeart? Die merklichen Schaltpausen bei einem Gangwechsel. Während man den Gang wechselt, spürt man, wie die Zugkraft des Wagens unterbrochen wird – das kann die Fahrt etwas ruckelig gestalten, besonders in einem Kleinwagen. Trotzdem werden automatisierte Schaltgetriebe besonders häufig in gerade diese verbaut. Die Gründe: Automatisierte Schaltgetriebe nehmen wenig Raum ein und passen so noch mit unter die Motorhaube von Kleinwagen. Darüber hinaus heben sie kostengünstige Kleinwagen nicht aus ihrem Preissegment und schonen den Geldbeutel.

Automatisierte Schaltgetriebe – Vor- und Nachteile auf einen Blick:

  • günstige Automatikschaltung
  • platzsparend und damit Kleinwagen-geeignet
  • Nachteil: Schaltpausen und Zugkraftunterbrechungen bei der Beschleunigung

Wandler-Automatik

Die Wandler-Automatik ist der Klassiker unter den Automatikgetrieben. Bei der Wandler-Automatik ist zwischen Motor und Getriebe eine sogenannte Flüssigkeitskupplung verbaut. Sie ist ein fast verschleißfreier Drehmomentwandler und hält die Drehzahl, also den Kraftaufwand des Motors, niedrig. Das schont den Motor langfristig und führt zu weniger Verschleiß als bei einer manuellen Schaltung. In der Regel wird die Wandler-Automatik mit sechs bis acht Gängen ausgestattet. Einige haben sogar neun Gänge, wie der 9G-Tronic-Wandler von Mercedes-Benz.

Ein weiterer Pluspunkt der Wandler-Automatik: Gänge lassen sich nahezu stufenlos und ohne Zugkraftunterbrechung wechseln. Das macht die Fahrt sehr komfortabel. Die Wandler-Automatik schlägt mit einem Aufpreis von 1.500 bis 2.500 Euro gegenüber demselben Automodell mit manueller Schaltung zu Buche.

Wandler-Automatik – Vor- und Nachteile auf einen Blick:

  • verschleißarmes Schalten
  • keine Zugkraftunterbrechung bei der Beschleunigung
  • Nachteil: je nach Fahrzeugmodell sehr teuer

Doppelkupplungsgetriebe

Doppelkupplungsgetriebe werden auch Direktschaltgetriebe, kurz: „DSG“, genannt. Der englische Begriff lautet Double Clutch Transmission, oder „DCT“. Erstmals vorgestellt wurde diese Getriebeart von Porsche in den 1980ern. Heute wird sie herstellerübergreifend sowohl in Kleinwagen als auch in Sportwagen verbaut. Doppelkupplungsgetriebe bestehen aus zwei automatisierten Teilgetrieben mit jeweils einer Kupplung. Ein Teilgetriebe ist für gerade und das andere für ungerade Gänge verantwortlich. Die Vorteile: Fahrer können durch Überschneidungsschaltungen ruckelfrei von einem Gang in den nächsten wechseln. Dabei öffnet sich die Kupplung eines Teilgetriebes während sich die andere schließt. Das Ergebnis ist eine sehr gute Beschleunigung ohne Zugkraftunterbrechung.
 

Ein roter PKW der Marke Ferrari fährt eine Landstrasse entlang
Quelle: Unsplash Ferrari hat nur noch Modelle mit Doppelkupplungsgetrieben im Sortiment


Doch diese Vorteile kosten: Ist ein Doppelkupplungsgetriebe verbaut, erhöht sich der Kaufpreis eines Wagens um durchschnittlich 2.000 Euro im Vergleich zu einem Auto mit Handschaltung.

Doppelkupplungsgetriebe – Vor- und Nachteile auf einen Blick:

  • sehr gute Beschleunigung
  • kein Zugkraftverlust beim Gangwechsel
  • Nachteil: kostenintensiv

CVT-Getriebe

Kegelscheiben und eine Kette statt Zahnräder: Das CVT-Getriebe unterscheidet sich von anderen Automatikgetrieben. Das Konzept, das hinter diesem Aufbau steht, nennt sich „CVT“. CVT steht für „continuously variable transmission“ beziehungsweise „kontinuierlich variable Übersetzung“. Hierbei wird auf festgelegte Schaltstufen verzichtet und die Übersetzung von Drehzahl auf Drehmoment ohne einzelne Gänge an die Geschwindigkeit angepasst. Das macht sich beim Fahren bemerkbar. Denn: ohne Schaltstufen keine Schaltpausen und kein Zugkraftverlust. Ein weiterer Vorteil eines CVT-Getriebes: Es spart Sprit. Das liegt daran, dass der Motor durchgängig mit der effizientesten Übersetzung von Drehzahl zu Drehmoment läuft.

Obwohl es Vorteile bietet, wird das CVT-Getriebe nicht oft eingesetzt. Der Grund: der sogenannte „Gummiband-Effekt“. Dieser sorgt dafür, dass das Motorengeräusch immer gleich bleibt – trotz Beschleunigung. Das ist für die meisten Fahrer ungewohnt, da das übliche Lauter-Werden des Motors entfällt. Gerade frisch auf CVT-Getriebe umgestiegene Fahrer sind dadurch verunsichert und vermuten einen Motorschaden. Bei neueren Fahrzeugmodellen mit CVT-Getriebe wurde dieses Problem zwar bereits behoben, doch die Skepsis bleibt. Darüber hinaus ist die Getriebe-Kette einer starken Belastung ausgesetzt und verschleißt dadurch schneller als andere automatische Kupplungen. Als einer der wenigen Hersteller setzt Subaru auf das stufenlose Getriebe. Es liegt mit einem Durchschnittspreis von 1.500 Euro im mittleren Preissegment.

CVT-Getriebe – Vor- und Nachteile auf einen Blick:

  • Kraftstoff sparend
  • keine Schaltpausen oder Zugkraftunterbrechungen durch stufenloses Getriebe ohne Zahnräder
  • Nachteil: Getriebe-Kette verschleißt
Nahaufnahme des Start-Knopfes eines Automatik-PKW
Die Mercedes-Benz C-Klasse

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Was ist besser: Automatik- oder Schaltgetriebe?

Ob ein Automatik- oder ein Schaltgetriebe „besser“ ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Der Grund: Beide Getriebearten haben sowohl Vor- und als auch Nachteile. Welches Getriebe praktischer ist, hängt ab von

  • Nutzung,
  • Begebenheiten im Verkehr und
  • Automodell.

Grundsätzlich ist es aber so, dass es gerade bei modernen Automodellen keine großen Unterschiede im Fahrverhalten mehr gibt – ganz gleich, welches Getriebe sie haben. Entscheidende Punkte für die Wahl zwischen Automatik und Schaltung bleiben somit der Aufpreis für die Automatik und der persönlich bevorzugte Fahrstil.

Die Vor- und Nachteile von Schaltgetrieben

Der Hauptvorteil von manuellen Schaltungen: vor allem der Preis. Im Gegensatz zu Automatikgetrieben zahlst Du hier bei einem Kauf nichts drauf. Deswegen ist der Schaltwagen auch in der Regel die günstigste Automodell-Variante. Lange Zeit war das herkömmliche Fahrgetriebe auch spritsparender. Das hat sich jedoch längst geändert.

Bei der manuellen Schaltung entscheidet der Fahrer selbst, wann er einen höheren Gang einlegt. So verharrt er mitunter in einem hohen Drehzahlbereich und erhöht dadurch den Spritverbrauch. Dagegen entscheidet bei einer modernen Automatik ein Computer über den Schaltvorgang. Dieser ist sehr genau programmiert, sodass ein verbrauchsbewusster Fahrer in etwa so viel verbraucht wie eine moderne Automatik. Der Vorteil einer Schaltung liegt also am niedrigeren Verbrauch gegenüber einer älteren Automatik.

Darüber hinaus gilt manuelles Schalten weiterhin als „richtiges“ Autofahren. Der Grund? Der Fahrer bestimmt aktiv über das Schalten. Genau das kann gerade in der Stadt bei zähem Stop-and-Go-Verkehr mühselig sein – schließlich muss bei jedem Anfahren gekuppelt werden. Wichtig: Gerade, wenn man anfährt, ist es notwendig, die Kupplung pfleglich zu behandeln. Das heißt, der Fuß sollte zügig und komplett vom Kupplungspedal genommen werden – das schont die Kupplung. Schließlich ist sie ein Verschleißteil und kostet bis zu 2.000 Euro, wenn sie ausgetauscht werden muss.

Die Vorteile von Schaltgetrieben auf einen Blick:

  • kostengünstiger als Automatik
  • „richtiges“ Fahrgefühl
  • je nach Fahrstil und Modell spritsparend

Das sind die Nachteile von Schaltgetrieben:

  • Mehraufwand für den Fahrer
  • je nach Verkehrssituation mühsam
  • Kupplung als kostenintensives Verschleißteil

Die Vor- und Nachteile von Automatikgetrieben

Der Vorteil einer Automatikschaltung liegt auf der Hand: Der Fahrer muss nicht mehr selbstständig schalten. Das ist gerade im Stau oder stockenden Verkehr sehr angenehm. Aber auch Anfahrten an Steigungen oder Bergen werden dadurch erleichtert. Zudem schaltet die Automatik frühzeitig und schützt so den Motor vor zu hohen Drehzahlen. Die Bauweise und das eigenständige Schalten sorgt aber dafür, dass alte Automodelle mit Automatikgetrieben mehr Kraftstoff als solche mit manueller Schaltung verbrauchen.

Bei neuen Automatikgetrieben gibt es beim Kraftstoffverbrauch keinen Unterschied mehr zu handgeschalteten – vielmehr liegt der unterschiedliche Spritverbrauch an der Fahrweise. Manche Automatikgetriebe haben zudem einen hohen Wartungsaufwand und Verschleiß. Hier lohnt es sich, ein Fahrzeug mit neuem, langlebigen Getriebemodell mit niedrigem Verschleiß zu kaufen. Der große Nachteil aller Automatikmodelle ist das weniger aktive Fahrgefühl und der hohe Aufpreis beim Kauf.

Die Vorteile von Automatikgetrieben auf einen Blick:

  • komfortables und entspanntes Fahren
  • erleichtertes Anfahren an Steigungen und Bergen
  • bei neuen Modellen: geringer Wartungsaufwand und Verschleiß

Das sind die Nachteile von Automatikgetrieben:

  • weniger Entscheidungsfreiheit durch automatisches Schalten
  • Aufpreis zum Basis-Automodell mit Schaltung von 600 bis 2.500 Euro
  • bei älteren Modellen: höherer Spritverbrauch

Automatik oder Schaltung: Was ist schneller?

Hier kommt es auf die Definition an. Geht es um den Beschleunigungsvorgang, sind neuere Automatikgetriebe schneller als handbetriebene. Bei der Höchstgeschwindigkeit liegt wiederum die Handschaltung vorne. In jedem Fall variieren beide Werte von Automodell zu Automodell – unabhängig davon, welches Getriebe in ihnen verbaut ist.

Welche Getriebeart ist im Winter besser?

Bei Schnee und glatten Straßen haben Automatikgetriebe die Nase vorn. Durch sie lässt sich die Kraft des Motors besser dosieren, wodurch man beispielsweise sanft anfahren kann. Darüber hinaus gibt es moderne Automatikfahrzeuge mit Winterprogrammen. Der Vorteil: Sie passen ihre Leistungsabgabe an und lassen den Wagen automatisch mit höherer Übersetzung anrollen. Das können Autofahrer jedoch auch mit einer manuellen Schaltung erreichen, indem sie bei Glätte im zweiten Gang anfahren.