Fahrbericht: Manches ändert sich nie im VW Golf

VW Golf 8 (2019) im Test: Erste Fahrt im neuen Golf

Der VW Golf wird in Generation acht sparsamer, komfortabler und agiler. Viele Verbesserungen stecken aber im Detail. Erster Test im VW Golf 8.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 11/28/2019, 4:40 PM
VW Golf 8 in der Ansicht von vorne-rechts, fahren
Quelle: Volkswagen Unter der Haube stecken entweder Dieselmotoren der neuen Generation oder (zum Teil) mild elektrifizierte Benzin-Aggregate

Manche Kleinigkeiten werden sich im Golf nie ändern. Die Art etwa, wie das Wasser auf die Heckscheibe sprüht, wenn er durch den Regen rollt. Das Gefühl, irgendwann schon einmal in so einem Auto gesessen zu haben. Oder sein Gesicht, das stets nach VW Golf aussieht. Obwohl er sich in mittlerweile 45 Jahren doch stark verändert hat.

Es ist diese Konsistenz, mit der VW den Golf so solide und treu wirken lässt. Um zu spüren, was der neue VW Golf 8 besser kann als sein Vorgänger, muss man gut aufpassen. Klar, das Digitale und Moderne sieht man ihm an. Aber die Veränderungen an Chassis und Motoren nimmt man kaum wahr. Dennoch sind sie da – und wichtig für seine Zukunft.

Der Golf 8 übernimmt viel vom Golf 7. Die Größe (weitestgehend), den Platz (ziemlich genau) und alle Leistungsstufen (zum Teil erst langfristig). Trotzdem fährt er nicht genau wie sein Vorgänger. Er ist sparsamer, eine Spur direkter, in brenzligen Situationen aber gutmütiger. Außerdem ist er besser vernetzt als alle anderen Autos in Europa.



VW Golf 8 mit direkterem Fahrwerk

Wer den VW Golf gut kennt, erkennt den Neuen beim Einlenken. Kurz nach der Mittellage spricht er schneller an. Die Räder des Golf 8 scheinen direkter einzuschlagen. So als würde weniger Bewegung in der Mechanik verpuffen. Harmonie geht dabei nicht verloren. Aber der Vorderwagen dreht sich schöner in den Knick. Ein erstes Indiz dafür, dass sich an den Achsen einiges getan hat.

VW Golf 8 in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Volkswagen Golf GTI, Golf GTD, Golf GTE und Golf R folgen 2020. Der Sportsvan wurde aussortiert

Deutlicher wird das, wenn man den Golf zackig bewegt. Steigt das Tempo in der Kurve, bleibt der Golf stabiler als bisher. Er neigt sich weniger nach außen und möchte einfach nicht untersteuern. Vorder- und Hinterachse folgen stur dem Lenkwinkel. Unaufgeregt und sicher fühlt sich das an. Außerdem sportlicher, als man es einer Allzwecklösung wie dem Golf zutrauen möchte.

Dabei ändert VW augenscheinlich wenig an den Achsen. Sie stammen prinzipiell vom Golf 7. Im Golf 8 stabilisiert aber ein Hilfsrahmen den Vorderwagen. In der Basis besteht der aus Stahl. Die gefahrene Variante mit dem optionalen „DCC“-Fahrwerk bekommt ein Aluminium-Bauteil. VW hatte es einst für den Nürburgring-Renner Golf 7 GTI Clubsport S entwickelt.

Einen bedeutenden Anteil am besseren Fahrverhalten haben außerdem speziell abgestimmte Achslager und eine neue Funktion des DCC: Die Dämpfer stellen sich auf die Kurve ein. Sie versteifen sich auf der kurvenäußeren Seite und bleiben innen weich. Das hilft dem Golf spürbar, seinen Aufbau gerade zu halten.

Weniger Verbrauch im Golf 8

VW baut für den ersten Probeparcours alles in den Testwagen, was sein Fahrverhalten verbessert. Neben dem aufwendigen Fahrwerk stecken die Progressivlenkung (Option) und die Mehrlenker-Hinterachse (Serie ab 150 PS) im Auto. Von den Verbesserungen an der Aufhängung sollen alle Modelle profitieren, verspricht der Hersteller. Auch die Basismodelle mit einfacher Verbundlenker-Hinterachse (bis 130 PS).

VW Golf 8 in der Heckansicht, fahrend
Quelle: Volkswagen Laut VW spart das 48-Volt-Mildhybridsystem ca. zehn Prozent Kraftstoff

Was der Golf bisher gut konnte, kann er weiterhin: Der Kompakte rollt sanft und komfortabel ab. Dabei vermittelt er dem Fahrer einen guten Kontakt zur Fahrbahn. Neue Reifen mit reduziertem Rollwiderstand verbessern den Verbrauch. Den größten Effekt will VW mit 16-Zöllern erreichen: Hier sparen allein die Pneus ungefähr zwei Gramm CO2 pro Kilometer ein. Das entspricht etwas weniger als 0,1 Litern Benzin pro 100 Kilometer.

Klingt überschaubar, aber: Der Verbrauch muss unbedingt runter. Die Serienreifen sind ein einfacher und günstiger Hebel. VW arbeitet außerdem an Aerodynamik und den Antrieben selbst: Alle Motoren im neuen Golf verbrauchen weniger als bisher. Die Diesel entstammen einer neuen Generation. Benziner erhalten elektrische Unterstützung, wenn der Kunde ein Doppelkupplungsgetriebe bestellt.

Die Benziner werden Mild-Hybride

Auch das spürt man nicht sofort. Der Golf trägt die neue Antriebstechnik nicht offensiv nach außen. Rollt das Auto ohne Last, schaltet es den Verbrenner ab. Gibt der Fahrer Gas, springt der Benziner wieder an. Das geschieht im Hintergrund, ohne dass man es spürt. Nur beim Blick auf den Drehzahlmesser fällt es auf.

Entsprechend sanft, schnell und unauffällig arbeitet außerdem die Start-Stopp-Automatik. Die muss man im Golf nicht mehr genervt abstellen, weil sich Motor und Getriebe erst sortieren. Der Riemen-Startergenerator bringt Komfort ins Auto. Ein Merkmal, das dem Golf 7 bis zuletzt fehlte.

VW Golf 8 in der Ansicht von hinten-links, stehend an einem Kanal
Quelle: Volkswagen Vom Vorgänger setzte Volkswagen etwa 35 Millionen Exemplare ab. Das sind große Fußstapfen für den neuen Golf 8

Beim Beschleunigen steuert der Starter-Generator zudem ein bisschen Kraft bei. Nicht genug, um das Auto rein elektrisch zu bewegen. Aber es reicht, um den Verbrenner in unangenehmen Situationen zu unterstützen. Schöner Nebeneffekt: Das Doppelkupplungsgetriebe wirkt selbstbewusster und entscheidet sich schneller. Das hilft vor allem in der Stadt im zähfließenden Verkehr.

Der Motor selbst erledigt seine Aufgabe ruhig, sparsam und kräftig. 150 PS passen gut zum Golf, weniger Leistung tut es aber auch – zumal VW die gleiche Hybrid-Technik in den Benzinern mit 130 und 115 PS anbietet. Nur der Basisverbrenner arbeitet ohne elektrische Hilfe. Für ihn gibt es kein Doppelkupplungsgetriebe.

VW Golf 8 mit digitalem Innenraum

Im Innenraum des Golf betont VW die klare, digitale Linie und reduziert die Bedienung auf wenige Knöpfe. Stattdessen gibt es viele berührungsempfindliche Flächen. Im Zentrum bleibt der Infotainment-Monitor. Darunter steuert ein Touch-Streifen Lautstärke und Temperatur. Vier Tasten in der Mittelkonsole wählen Funktionen wie Klimatisierung oder Fahrmodi direkt an. Ein Head-up-Display projiziert optional Fahrdaten auf die Frontscheibe.

Die Displays lassen sich personalisieren. Es dauert ein paar Minuten, bis man die passenden Informationen gefunden und alle Funktionen sortiert hat. Insgesamt funktioniert das System logisch und intuitiv. Einige Schalter vermissen wir dennoch. Die Aktivierung der Umluft-Funktion erfordert zum Beispiel drei Berührungen statt eines Tastendrucks. Ganz schön umständlich.

VW löst das Problem mit einer Sprachsteuerung. Sie versteht die üblichen Befehle und natürliche Sprache, zum Beispiel den Satz: „Mir ist kalt“. Das hilft während der Fahrt, denn das Tippen auf dem Touchscreen geht gelegentlich daneben. Gut: Wer beim Kauf des Autos etwas vergessen hat, kann einige Extras nachträglich freischalten lassen. Diese Option ist vor allem für Gebrauchtwagen-Käufer interessant.

Cockpit-Ansicht des VW Golf 8
Quelle: Volkswagen Einige Funktionen können per Sprachbefehl aktiviert werden. Wichtige Fahrinformationen werden über ein Head-up-Display auf die Frontscheibe projiziert

Serienmäßig kommuniziert der neue Golf über „Car-to-X“ mit anderen Fahrzeugen und Gegenständen. Steht ein Auto im Stau, sendet es die Verkehrslage in die Umgebung. Der Golf erkennt das Signal und warnt den Fahrer vor. Das funktioniert erst dann gut, wenn viele Autos mit dieser Technik ausgerüstet sind. Das meistverkaufte Modell in Deutschland ist aber ein guter Anfang.



VW Golf 8: Preise im Dezember, Derivate ab 2020

Obwohl sich der Golf weiterhin wie ein Golf anfühlt, bringt er viel Neues mit. Manches sieht man auf den ersten Blick, anderes spürt man bei der Fahrt oder gar nicht. Insgesamt macht Generation acht einen deutlichen Schritt nach vorn und kann vieles besser als ihr Vorgänger.

Leider spart VW im neuen Golf so manches Detail ein. Der Tank fasst nur noch 45 statt 50 Liter (Allrad: 50 Liter). Die Reichweite sinke nicht, da er weniger verbrauche, so der Hersteller. Dennoch wirkt es wie eine Sparmaßnahme. Gleiches gilt für den Wegfall der Haubenlifte, des Ablagefachs am linken Fahrerknie und des Kleiderhakens an der B-Säule. In bestimmten Details ändert sich der Golf eben doch.

Der VW Golf 8 steht ab dem 6. Dezember 2019 bei den Händlern. Zu diesem Zeitpunkt gibt der Hersteller Details zu Preisen und Verbrauch bekannt. Bis dahin gibt es den Hinweis: Die Basis kostet weniger als 20.000 Euro. Der Dreizylinder-Benziner mit 90 PS und Fünfgang-Handschaltung startet also voraussichtlich bei 19.990 Euro.

Im kommenden Jahr folgen weitere Modelle. Der Golf Variant ist versprochen, genauso die Sport-Modelle Golf GTI, Golf GTD, Golf GTE und Golf R. Ein zweiter Plug-in-Hybrid steht ebenfalls auf dem Programm. Vom Golf Sportsvan wird es allerdings keine Neuauflage geben.

VW Golf 8: Technische Daten

ModellVW Golf 8 1.5 eTSI DSG
Motor1,5-Liter-Turbobenziner, Mild-Hybrid via Riemen-Startergenerator
GetriebeSiebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)
Leistung150 PS (110 kW) bei 5.000-6.000 U/min
Drehmoment250 Nm bei 1.500-3.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,5 s
Höchstgeschwindigkeit224 km/h
VerbrauchKeine Angabe
CO2-AusstoßKeine Angabe
Länge4.284 mm
Breite1.789 mm
Höhe1.456 mm
Radstand2.636 mm
Kofferraumvolumen380-1.237 Liter
Basispreis VW Golf 8Voraussichtlich 19.990 Euro (VW Golf 1.0 TSI, 90 PS)

 

Der VW Golf 8 in Bildern

  • VW Golf 8 in der Ansicht von vorne-links, fahrend
    Quelle: Volkswagen Bis Tempo 100 vergehen im neuen Golf 8,5 Sekunden. Bei 224 km/h ist Schluss
  • VW Golf 8 in der Ansicht von vorne-rechts, fahren
    Quelle: Volkswagen Unter der Haube stecken entweder Dieselmotoren der neuen Generation oder (zum Teil) mild elektrifizierte Benzin-Aggregate
  • Ansicht des linken Scheinwerfers des VW Golf 8
    Quelle: Volkswagen LED-Scheinwerfer gehören beim Kompakten zur Serienausstattung
  • VW Golf 8 in der Ansicht von vorne-links, fahrend
    Quelle: Volkswagen Mit dem 1.0 TSI (90 PS) unter der Motorhaube starten die Preise des VW Golf 8 voraussichtlich bei 19.9950 Euro
  • VW Golf 8 in der Heckansicht, fahrend
    Quelle: Volkswagen Laut VW spart das 48-Volt-Mildhybridsystem ca. zehn Prozent Kraftstoff
  • VW Golf 8 in der Heckansicht, über eine Brücke fahrend
    Quelle: Volkswagen Ab dem 6. Dezember steht der Golf 8 auf den Höfen der Händler
  • VW Golf 8 in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Volkswagen Golf GTI, Golf GTD, Golf GTE und Golf R folgen 2020. Der Sportsvan wurde aussortiert
  • VW Golf 8 in der Ansicht von hinten-links, stehend an einem Kanal
    Quelle: Volkswagen Vom Vorgänger setzte Volkswagen etwa 35 Millionen Exemplare ab. Das sind große Fußstapfen für den neuen Golf 8
  • VW Golf 8 in der Heckansicht, bei geöffneter Kofferraumklappe
    Quelle: Volkswagen Wird die Rückbank umgelegt, stehen 1.237 Liter Stauraum zur Verfügung
  • Blick in den Kofferraum des Golf 8
    Quelle: Volkswagen Bei aufgestellter Rückbank hält der neue Golf 380 Liter für Gepäck bereit
  • Cockpit-Ansicht des VW Golf 8
    Quelle: Volkswagen Einige Funktionen können per Sprachbefehl aktiviert werden. Wichtige Fahrinformationen werden über ein Head-up-Display auf die Frontscheibe projiziert
  • Cockpit-Ansicht des Golf 8
    Quelle: Volkswagen Die klassischen Rundinstrumente haben ausgedient. Hinter dem Lenkrad schaut der Fahrer beim Golf 8 auf ein Display
  • Blick auf den Infotainment-Bildschirm des VW Golf 8
    Quelle: Volkswagen Im Golf 8 verwendet VW möglichst wenige Knöpfe. Die meisten Funktionen werden über berührungsempfindliche Flächen angesteuert