Ein günstiges Auto ist noch lange nicht günstig im Unterhalt: Lies hier, worauf Du achten musst!

Unterhaltskosten eines Autos – oft unterschätzt

Du willst ein Auto kaufen und hast die Anschaffungs- und Unterhaltskosten kalkuliert. Doch hast Du dabei wirklich an alle Posten gedacht? Das erfährst Du hier.

  • Veröffentlicht am 04/01/2020, 11:15 AM
Regelmäßige Werkstattbesuche mögen zwar teuer erscheinen, verhindern aber noch kostspieligere Langzeitschäden.
Quelle: Fabian Hoberg Regelmäßige Werkstattbesuche mögen zwar teuer erscheinen, verhindern aber noch kostspieligere Langzeitschäden

Die Anschaffung: lieber neu oder gebraucht?

Diese Frage stellen sich wohl die meisten Interessenten vor einem Autokauf mit Blick auf ihr Budget. Doch allein vom aktuellen Kontostand muss diese Entscheidung nicht abhängen. Denn bereits mit einer Anzahlung von 5.000 Euro kannst Du einen Neuwagen leasen oder finanzieren. Sobald Du ein Auto auf Raten kaufst, sind die Anschaffungskosten Teil Deiner monatlichen Unterhaltungskosten – bis Dein Auto abbezahlt ist.



Kosten für Finanzierung und Leasing

Aus finanzieller Sicht sprechen einige Gründe für einen Neuwagen. Zum einen haben Händler ein starkes Interesse daran, neue Pkw zu verkaufen und geben deshalb oft großzügige Rabatte. Vorteilhaft am Neuwagenkauf ist auch, dass Händlerbanken bei Finanzierungen oft niedrigere Zinsen und bessere Konditionen bieten als Deine Hausbank. Das wirkt sich wesentlich auf die Unterhaltskosten Deines Autos aus. Auch Leasing kann ein günstiger Weg zu einem Neuwagen sein. Eine große Auswahl an Modellen bekommst Du bereits für Leasingraten zwischen 80 und 120 Euro im Monat. Manche Autohersteller bieten für ihre Kleinwagen regelrechte Dumpingpreise. Einen Renault Twingo beispielsweise kannst Du schon für rund 60 Euro monatlich leasen.

Gebrauchte: mehr Auto fürs Geld

Aber auch für die Anschaffung eines Gebrauchtwagens gibt es gute Argumente. Vor allem Jahreswagen oder Vorführwagen können ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und somit die Unterhaltskosten verringern. Der erste Wertverlust, den Neuwagen direkt nach dem Verkauf erleiden, spiegelt sich bei jungen Gebrauchtwagen in einem deutlich günstigeren Preis wider – trotz einer meist nur geringen Laufleistung. Ist ein Wagen bereits mehrere Jahre alt, bekommen Käufer durch den Wertverlust oft ein größeres oder komfortableres Fahrzeug für ihr Budget. Eine Finanzierung ist dann aber mit höheren Zinsen verbunden, was die Unterhaltskosten in die Höhe treibt.

Die Tankkosten sind die "offensichtlichsten" Kosten, die zum Unterhalt des Autos beitragen
Quelle: Fabian Hoberg Die Tankkosten sind die "offensichtlichsten" Kosten, die zum Unterhalt des Autos beitragen

Kraftstoff: Verbrauch und Tankstellen im Blick behalten

Die Ausgaben für Benzin und Diesel sind die laufenden Kosten pro Kilometer, die wir am deutlichsten spüren. Deshalb lohnt es sich beim Kauf eines neuen Autos, auf den Verbrauch zu achten. Aber auch beim Tanken kannst Du sparen.

Günstig tanken – die 10 besten Tipps

  1. Die beste Zeit, um günstig vollzutanken, ist abends zwischen 18 und 20 Uhr.
  2. Freie Tankstellen sind oft ein paar Cent günstiger als Marken-Tankstellen.
  3. Bei den Markenanbietern gehören HEM, Jet und Star zu den günstigeren Tankstellen.
  4. Spezielle Smartphone-Apps weisen den Weg zum aktuell günstigsten Kraftstoff.
  5. Auf Reisen sollte man die Autobahn zum Tanken besser verlassen. Außerhalb von Raststätten tankt es sich preiswerter.
  6. Auf kostentreibende Zusatzstoffe im Sprit kann man getrost verzichten. Sie wirken sich nicht auf Motorleistung und Reichweite aus.
  7. Bestimmte Wochentage, an denen das Tanken günstiger ist, gibt es nicht mehr. Diese sind von den täglichen Preisanpassungen abgelöst worden.
  8. Wer sich einen Spritvorrat zulegen möchte, kann in Deutschland einen Kanister mit bis zu 20 Liter Fassungsvermögen mit sich führen. In manchen europäischen Ländern sind allerdings nur 10 Liter Kanister erlaubt.
  9. Vor einem Urlaub sollte man die Spritpreise in den Ländern vergleichen, die man bereist. Eine Übersicht über Benzinpreise in Europa gibt es beim ADAC.
  10. Wer in der Nähe zu Polen, Luxemburg, Tschechien oder Österreich wohnt, tankt mitunter günstiger jenseits der Grenze. Hier lohnt sich ein aktueller Vergleich.
Benzin in den Tank, Öl in den Motor, Wischwasser für die Scheibe: Deinem Auto dürstet es nicht nur nach Kraftstoff
Quelle: Fabian Hoberg Benzin in den Tank, Öl in den Motor, Wischwasser für die Scheibe: Deinem Auto dürstet es nicht nur nach Kraftstoff

Kosten für Verschleißteile und Wartung

Die Autokosten pro Kilometer und damit die Unterhaltskosten hängen auch von Wartungs- und Werkstattkosten ab. Je nach Autotyp, Alter des Fahrzeugs, Fahrleistung und Fahrweise variieren sie erheblich. Im Netz gibt es eine Auswahl von Kostenrechnern, unter anderem vom ADAC, die Dir dabei helfen, die monatlichen Ausgaben für Dein Auto einzuschätzen. Ein paar hilfreiche Tipps zur Reduzierung der Unterhaltskosten geben wir Dir aber schon hier.

Teuer wird es, wenn ein Satz neuer Reifen fällig wird. Antizyklisch kaufen heißt hier die Devise – demnach also im Januar Winterreifen und im August Sommerreifen. Allerdings sind sich nicht alle Tippgeber im Netz einig und manche Reifengrößen sind am Ende der Saison nicht mehr zu haben. Unsere Empfehlung ist: Selbst vergleichen und Onlinehändler in die Suche einbeziehen.

Auch die Wartungskosten für einen Pkw sind nicht zu unterschätzen. Dazu gehören Ölwechsel, Sommer- und Winterchecks sowie der Austausch von Verschleißteilen wie Dämpfer, Bremsen oder Zahnriemen. Je nach Fahrzeugmodell und Werkstatt musst Du hierfür unterschiedlich viel Geld zahlen. So ist ein Oberklassefahrzeug allein schon wegen der höheren Ersatzteilkosten teurer in der Wartung als ein Kleinwagen. Dazu kommt die Entscheidung, ob man bei der Werkstatt sparen sollte: Freie Werkstätten sind meist günstiger als Vertragswerkstätten, haben aber unter Umständen nicht alle Informationen zu einem Modell und kennen bestimmte Fahrzeugmodelle nicht so genau wie die Werkstatt eines Herstellers. Am Ende ist die Entscheidung für eine freie Werkstatt oder eine Vertragswerkstatt nicht immer eine Frage der Unterhaltskosten, sondern eine Vertrauensfrage.

Anmelden, Ummelden, Steuern, TÜV und die damit verbundenen Kosten gehören zum Unterhalt eines Autos
Quelle: Fabian Hoberg Anmelden, Ummelden, Steuern, TÜV und die damit verbundenen Kosten müssen ebenfalls in den Unterhalt Deines Autos einkalkuliert werden

Versicherungskosten: Mehr Spielraum, als Du denkst

Wie hoch der Anteil der Versicherungskosten am Fahrzeugunterhalt ist, kannst Du zu einem großen Teil selbst beeinflussen. Das geht bei der Wahl des Modells los. Denn die Versicherung stuft Autos danach ein, wie oft sie in Unfälle verwickelt sind oder gestohlen werden. Modelle, die häufig zum Schadensfall werden, haben eine höhere Typklasse-Einstufung und sind entsprechend teurer in der Versicherung. Oftmals liegen Kleinwagen höher in der Einstufung als größere Autos. Sprich deshalb vor dem Kauf eines Modells mit Deiner Versicherung – und vergleiche verschiedene Unternehmen miteinander.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie die Typklassen erfolgt die Einteilung in Regionalklassen. In unfallträchtigen Regionen kostet eine Kfz-Versicherung mehr als in solchen mit weniger Verkehrsunfällen. In die Berechnung der Versicherungen fließen auch die Unfallfreiheit des Halters sowie Alter und Zahl der Fahrer ein. So wird der Beitrag günstiger, wenn Du in einer hohen Schadensfreiheitsklasse bist, nur wenige Dein Auto nutzen und Du über 23 Jahre alt bist. Wer sein Auto in einer Garage unterstellen kann, ist günstiger versichert. Eine wesentliche Rolle bei der Höhe der Versicherungs- und damit der Unterhaltskosten spielen Fahrleistung und Selbstbeteiligung im Schadensfall. Wer öfter die Bahn nimmt, spart Kilometer und kann sich günstiger versichern. Erwachsene Kinder unter 23 Jahre (bei manchen Versicherungen unter 25 Jahren) erhöhen die Jahresgebühren.

Kfz-Steuer: Belohnung für umweltfreundliche Autos

Seit rund zehn Jahren fördert der Staat Autos, die wenige Schadstoffe produzieren, mit niedrigeren Steuersätzen. Die Kfz-Steuer wird nicht mehr ausschließlich nach Hubraum und Motorart berechnet, sondern auch nach CO2-Ausstoß und Schadstoffklasse. Möchtest Du Dir jetzt ein neues Auto anschaffen, solltest Du bei der Berechnung der Unterhaltungskosten berücksichtigen, dass der CO2-Ausstoß seit dem 1. September 2018 mit einem neuen Prüfverfahren ermittelt wird. Das sogenannte WLTP-Verfahren wird auf nach diesem Stichtag neu zugelassene Fahrzeuge angewendet und soll präzisere Abgaswerte liefern. Dadurch kann WLTP die Steuer für viele Autos teurer machen, die zuvor als „sauberer“ eingestuft waren. Weil der Staat die Elektromobilität fördern will, sind E-Autos, die bis zum 31.12.2020 zugelassen werden, ganz von der Kfz Steuer befreit.

Kleinvieh macht auch Mist: Autowaschanlage, Anwohnerausweis, Automobilklub

Die Liste an kleinen Beträgen, die die Unterhaltskosten für Dein Auto in die Höhe treiben können, ist lang. Das fängt bei Extrakosten für Dein Wunschkennzeichen an und hört bei der Luxuswaschstraße mit Innenreinigung auf. Prüfe daher genau, was Du wirklich brauchst. Ein Anwohnerparkausweis ist günstiger als eine Garage. Hohe Gebühren im City-Parkhaus vermeidest Du, indem Du mit der Bahn zum Shoppen fährst.

Kaufst Du Dir ein neues Auto, benötigst Du auch nicht unbedingt einen Schutzbrief Deiner Kfz-Versicherung. Denn viele Händler geben Dir für einen Neuwagen eine kostenlose Mobilitätsgarantie. Darin sind Leistungen wie ein Pannendienst, ein Ersatzfahrzeug, Hotelübernachtung oder Rücktransporte im Krankheitsfall enthalten. Prüfe die Bedingungen für die Leistungserbringung aber genau: Wenn die Garantie nicht bei Pannen greift, die mehr als 50 Kilometer vom Wohnort entfernt geschehen, kann die Mitgliedschaft in einem Automobilklub ein laufender Posten in Deinen Unterhaltskosten sein, den Du gerne bezahlst. Die Gebühr erhöht zwar Deine Unterhaltskosten, gibt Dir aber dafür ein Gefühl von Sicherheit.

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