Der Rapid-Nachfolger im Test: Platz, Motoren, Vernetzung

Der Skoda Scala im Alltagstest 2019

Der Skoda Scala im Alltagstest: Der neue kompakte Skoda beerbt den Rapid. Versprechen: Viel Platz zum günstigen Preis. Kann der Tscheche sein Versprechen im Alltag halten?

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 07/25/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 11/27/2019, 10:10 AM
Skoda Scala Test (3)
Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Für einen Komapkten ist der Scala verhältnismäßig schmal. Das spürt man vor allem zu dritt auf der Rückbank

Skoda macht einen klaren Schnitt. Den Rapid gibt es nicht mehr, ihn ersetzt der Scala. Keine behutsame Weiterentwicklung eines funktionierenden Systems, sondern ein ganz neues Projekt. Optisch mutig, technisch vielseitig und sogar ein bisschen stärker: Bis zu 150 PS gibt es jetzt in Skodas Kompaktwagen. Bisher waren es maximal 125 PS.

Nur das Grundkonzept übernehmen die Tschechen in die neue Generation. Das Motto „VW-Technik für weniger Geld“ trifft nach wie vor zu. Der Scala bekommt eine aktuelle Plattform mit all ihren Vorteilen. Die Architektur „MQB A0“ stammt allerdings aus der Kleinwagenklasse. Das schränkt ihn in der Technik ein. Es wird im Scala längst nicht alle Extras geben, die VW im nächsten Golf oder Skoda im nächsten Octavia („MQB A1“) anbieten.

Trotzdem gibt es eine ganze Menge mehr als im Rapid. Wir waren zwei Wochen lang mit einem Scala 1.6 TDI unterwegs und erklären, wo seine Stärken und seine Schwächen liegen.

Karosserie, Platzangebot, Abmessungen

Dass er vom Kleinwagen abstammt, sieht man dem Skoda Scala nicht an. Er mag sich die Plattform mit VW Polo und Audi A1 teilen. Dennoch streckt er sich deutlich in die Kompaktklasse: Mit 4,36 Metern ist er länger als der VW Golf oder Audi A3, außerdem etwas höher und kaum schmaler.

Sein Radstand von 2,65 Metern schafft genug Platz im Innenraum, dass niemand mehr an einen Kleinwagen denkt. Vorn sitzt es sich gemütlich und geräumig, nur der Mittelarmlehne fehlt eine Höhenverstellung. Hinten geht es großzügig zu, der Scala bietet mehr Kniefreiheit als alle direkten Konkurrenten. Auf kurzen Strecken passen fünf Erwachsene ins Auto – für wirklich lange Fahrten ist die Rückbank aber zu schmal für fünf Passagiere.

Ganz hinten übertrifft der Scala ebenfalls das Klassenmaß. 467 Liter Gepäck passen unter die Abdeckung, mit umgeklappten Rücksitzlehnen lädt er 1.410 Liter ein. Darüber wären so einige Mittelklässler froh. Eingerechnet ist jeweils ein tiefer Absatz hinter der Ladekante, der beim Herausheben schwerer Gegenstände stört. Ein ebener Ladeboden ist für 150 Euro Aufpreis optional erhältlich, clevere Ablagen und eine geteilt umgeklappte Lehne gibt es serienmäßig.

Innenraum, Verarbeitung, Materialien

Bei so viel Platz und Nutzwert möchte man dem Scala kleine Schwächen zu verzeihen. Die geringe Dämmung zum Beispiel. Seine Türen schlagen blechern zu, der kleine Diesel ist im Innenraum präsent. Nicht störend, aber durchaus wahrnehmbar. Er klingt stets ein paar 100 Umdrehungen lauter, als er eigentlich dreht.

Der Innenraum wirkt auf den ersten Blick aufgeräumt und schick. Die obere Hälfte des Armaturenbretts ist unterschäumt, darunter bringt Skoda eine breite Spange mit hübschem Dekor an. Insgesamt entdecken wir aber verhältnismäßig viel harten Kunststoff. Und wir sind vom Handbremshebel genervt, der beim Anziehen stets an die Mittelarmlehne schlägt. Das hätte Skoda besser lösen können.

Sehr gut gelöst hat Skoda hingegen die größte Schwäche des Vorgängers: Im Scala gibt es endlich bequeme Vordersitze. Dem Rapid fehlten Einstellungsmöglichkeiten, besonders große Menschen fanden nur schwer eine bequeme Position. Der Scala macht das besser, lange Strecken sind im Kompakten kein Problem.

Das Cockpit des Skoda Scala
Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Modernes Cockpit mit großen Displays im Scala. Die hübsche Optik kaschiert zum Teil unschöne Materialien

Infotainment, Radio, Bedienung

Serienmäßig stattet Skoda den Scala mit einem 6,5-Zoll-Infotainment-Display ohne besondere Funktionen aus. Eine Freisprecheinrichtung kostet 110 Euro, die Smartphone-Standards Apple CarPlay, Android Auto und MirrorLink weitere 150 Euro. Mit diesen Extras kann der Scala navigieren und Musik vom Handy streamen, sofern das Telefon dies unterstützt. Die Grundbedürfnisse sind also für überschaubares Budget abgedeckt.

Optional beträgt die Bildschirm-Diagonale 8 Zoll, im besten Fall 9,2 Zoll. Das größte System kostet je nach Ausstattungslinie 1.190 bzw. 1.820 Euro und beinhaltet einen digitalen Tacho („virtuelles Cockpit“), ein eigenes Navi, digitalen Radioempfang und die Smartphone-Verbindungen. Die Bedienung per Touch fällt während der Fahrt nicht leicht. Immerhin kann sich die Hand auf einer Leiste unter dem Display abstützen. Die Menüführung funktioniert intuitiv, alle Eingaben laufen flüssig und schnell.

Bis es soweit ist, dauert es aber einen Moment. Das System lässt sich nach dem Motorstart lange Zeit, um hochzufahren. Während das Navi startet, pausiert die Rückfahrkamera – blöd, wenn man dann ausparken möchte. Generell meldete das Parksystem häufig, das Kamerabild stünde derzeit nicht zur Verfügung. Einmal stürzte das ganze System ab. Wir wünschen uns mehr Rechenpower und Stabilität für die Infotainmentanlage.

Assistenzsysteme und Sicherheit des Skoda Scala

Im Scala steckt serienmäßig mehr Assistenz als in seinem Vorgänger. Frontradar mit Fußgängererkennung, Geschwindkgeitsbegrenzung und einen Spurassistenten gibt es ab Werk, ein Tempomat ist ab der Ausstattung „Ambition“ dabei. Optional baut Skoda LED-Lampen, Müdigkeitserkennung und einen Abstandsassistenten ein. Mittlerweile sind solche Extras in der Kompaktklasse üblich, im Rapid war aber nicht alles erhältlich.

Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Zum Marktstart bietet Skoda den Scala zunächst nur mit den starken Motoren an. Basis und Erdgas-Variante fehlen, der Diesel ist bereits verfügbar. Der passt dafür wunderbar zum kompakten Tschechen: Trotz mangelnder Dämmung läuft er kultiviert, sparsam und kräftig genug für den leichten Scala. 115 PS bewegen den rund 1,3 Tonnen schweren Skoda problemlos.

Beim Pendeln ins Berliner Umland verbrauchte der 1,6-Liter-Selbstzünder 4,5 Liter pro 100 Kilometer. Auf einer schnellen Autobahnfahrt lag der Verbrauch bei 5,5 Litern. Selbst im Berufsverkehr kratzt der Scala gerade so an der 7,0-Liter-Marke. Wer sich viel Mühe gibt, sieht auf dem Bordcomputer sogar die Drei vor dem Komma. Damit unterbietet er den angegebenen Verbrauch von 4,1 Litern pro 100 Kilometer laut NEFZ. Den WLTP-Wert von 5,2 Litern packt er im Alltag locker.

Optional koppelt Skoda den Diesel an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Im Rangierbetrieb und bei langsamer Fahrt zeigt es leichte Schwächen, es fühlt sich manchmal träge und unbestimmt an. Insgesamt arbeitet es aber problemlos und unauffällig, Schaltpunkte und Übersetzung passen zur gemütlichen Abstimmung. Frontantrieb ist die einzige Option im Scala – ein Nachteil der Kleinwagenplattform: Allradantrieb ist generell nicht vorgesehen. Gab es im Rapid aber auch nicht.

Unser Scala kam mit sehr umfangreicher Ausstattung zum Test. Auf viele teure Optionen kann man locker verzichten
Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Unser Scala kam mit sehr umfangreicher Ausstattung zum Test. Auf viele teure Optionen kann man aber locker verzichten

Fahrwerk, Lenkung, Federung, Fahrverhalten

Sitzen fünf Personen im Rapid, wird es hinten ungemütlich. Das gilt für Platz und Federungskomfort. Auf schlechten Straßen spüren die Hinterbänkler genau, was unter den Hinterreifen passiert. Reizt man die maximale Zuladung (488 Kilogramm) nicht voll aus, gefällt der Scala besser. Er federt straff, kann aber gut mit schlechten Pisten umgehen. Sogar vernachlässigte Brandenburger Landstraßen dämpft er locker weg, die Hinterachse folgt sicher der vorderen.

Insgesamt stimmt Skoda den Scala solide ab. Für den Genießer wäre die Lenkung eine Idee zu weich, für den Sportler das Fahrwerk nicht raffiniert genug. Macht alles nichts, denn der Tscheche tut, was er soll. Er flitzt wendig durch die Innenstadt und bleibt bei hohem Tempo stabil.

Ausstattung, Preise, Kosten

Der Scala macht Vieles gut und einiges besser als sein Vorgänger. Er schluckt viel Gepäck, bietet eine gute Ergonomie, moderne Assistenz und vielseitiges Infotainment. Seine Schwächen liegen bei Materialien, Dämmung und Infotainment. Einiges davon macht er über den Preis wieder wett: Die Basisvariantze startet mit drei Zylindern und 95 PS im Sommer 2019 für 17.350 Euro.

Damit kostet er 900 Euro mehr als der Rapid mit gleichem Motor, bringt aber auch mehr Ausstattung mit. Ein anderer, wichtiger Maßstab: Je nach Antrieb kostet er laut Liste 1.000 bis 2.000 Euro weniger als ein VW Golf mit einer vergleichbaren Ausstattungslinie. Trotzdem gibt es mehr Platz und das technisch neuere Auto – allerdings weniger Möglichkeiten. Mehr als 150 PS wird Skoda im Scala nicht anbieten. Nicht schlimm, 115 PS genügen völlig.

Mit dem einzigen verfügbaren Diesel kostet der Scala mindestens 21.500 Euro. Für das Doppelkupplungsgetriebe kommen 1.800 Euro hinzu. Unser Testwagen mit „Style“-Ausstattung und beinahe allen Extras liegt bei 36.760 Euro. Vieles davon braucht man nicht: Auf die Microfaser-Ledersitze sowie das große Infotainment-Paket können wir verzichten. Wer klug konfiguriert, merkt den anfangs erwähnten Schnitt in Skodas Kompaktklasse nicht auf dem Konto.



Technische Daten Skoda Scala 1.6 TDI

  • Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel
  • Leistung: 115 PS (85 kW) bei 3.250 – 4.000 U/min
  • Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 – 3.250 U/min
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 10,3 s
  • Verbrauch: 4,1 l/100 km (NEFZ); 5,2 l/100 km (WLTP)
  • CO2-Ausstoß: 108 g/km (NEFZ); 135 g/km (WLTP)
  • Testverbrauch: 4,5 l/100 km
  • Länge: 4.362 mm
  • Breite: 1.793 mm
  • Höhe: 1.471 mm
  • Radstand: 2.636 mm
  • Leergewicht laut EU-Norm: 1.339 kg
  • Zuladung: 488 kg (inkl. Fahrer)
  • Kofferraumvolumen: 467 – 1.410 l
  • Basispreis: 17.350 Euro
  • Preis Testwagen (2019): 35.760 Euro

Skoda Scala: Bildergalerie

  • Skoda Scala in der Frontansicht
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Ein neues Gesicht für den neuen Kompakten: Die Front des Skoda Scala
  • Skoda Scala Test (2)
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Skoda streckt die Kleinwagenplattform auf Kompaktklasse-Maß. 2,64 Meter Radstand schaffen viel Platz im Innenraum
  • Skoda Scala Test (4)
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Eigenständiges Heck: Beim Design des Scala zeigt sich Skoda mutig
  • Skoda Scala Test (3)
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Für einen Komapkten ist der Scala verhältnismäßig schmal. Das spürt man vor allem zu dritt auf der Rückbank
  • Unser Scala kam mit sehr umfangreicher Ausstattung zum Test. Auf viele teure Optionen kann man locker verzichten
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Unser Scala kam mit sehr umfangreicher Ausstattung zum Test. Auf viele teure Optionen kann man aber locker verzichten
  • Skoda Scala in Dreiviertel-Perspektive
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Der Scala kostet kaum mehr als sein Vorgänger und deutlich weniger als ein (kleinerer) VW Golf
  • Skoda Scala Test
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Der Skoda Scala macht gegenüber dem Rapid einen ordentlichen Sprung. Optional verfügbar: LED-Lampen
  • Das Cockpit des Skoda Scala
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Modernes Cockpit mit großen Displays im Scala. Die hübsche Optik kaschiert zum Teil unschöne Materialien
  • Die Rückbank des Skoda Scala
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Toll: Viel Kniefreiheit auf der Rückbank des Skoda Scala
  • Der Kofferraum des Skoda Scala
    Quelle: Marlene Gawrisch für TeamOn Der Kofferraum des Scala gehört zu den Größten im Segment