Opel Insignia A (2008-2017) Gebrauchtwagentest, Kaufberatung

Großer Opel mit kleinen Problemen

Der erste Insignia war für Opel einer von vielen Neuanfängen. Das Gebrauchtwagen-Angebot ist vielfältig, doch diese typischen Probleme solltest Du kennen.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 07/29/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:05 PM
Den Insignia brachte Opel 2008 als Nachfolger des Vectra auf den Markt
Quelle: Opel Den Insignia brachte Opel 2008 als Nachfolger des Vectra auf den Markt

Als Opel im Jahr 2008 den ersten Insignia lancierte, sollte der Vectra-Nachfolger vor allem über das Design neue Kunden ansprechen. Auf optimale Raumausnutzung wurde dagegen verzichtet. Die neue Mittelklasse aus Rüsselsheim war außen unübersichtlicher und innen enger als ihr Vorgänger. Für pragmatische Opel-Fahrer ein Ärgernis, aber zum Ausgleich ist der Insignia A auch heute noch ein repräsentatives Auto.

Leider litten die ersten Modelljahre des Opel Insignia unter Kinderkrankheiten. Hinzu kommt: VIele Insignia wurden nicht geschont und weisen heute hohe Laufleistungen auf. Wurde dabei die Wartung verschleppt, drohen im Alter Ausfälle und Defekte. Mitte 2019 werden bei mobile.de rund 6.000 Opel Insignia A angeboten. Der Insignia hat vor allem viele kleinere Probleme, die man kennen sollte, um den Richtigen zu finden. Wir geben hier einen Überblick. 

Historie, Modellwechsel, Rückrufe

Opel brachte den ersten Insignia 2008 in den Markt. Im Laufe der Bauzeit musste der Hersteller mehrere Rückrufe starten. Bei einem davon betroffenen Fahrzeug sollte dokumentiert sein, dass der jeweilige Fehler behoben wurde. Insignia mit  2.0-CDTI-Dieselmotor waren von einem Softwarefehler im Steuergerät betroffen. Es drohte  Leistungsabfall und schlimmstenfalls ein Motorschäden. Beim schwächeren 2.0 CDT-Motor führen Softwarefehler unter Umständen zur Überhitzung des Partikelfilters. Insignia mit Allrad mussten wegen einem verstopften Entlüftungsschlauch am Hinterachs-Ausgleichsgetriebe in die Werkstatt. Auch die sportliche OPC-Version war davon betroffen.

Auch späte Baujahre waren vor Rückrufen nicht sicher. Nach-Facelift-Modelle der Baujahre 2016 und 2017 brauchten neue Airbags. Im Modelljahr 2016 traten fehlerhaft angezogene Spurstangenköpfe an den Achsschenkeln auf. Country Tourer der Baujahre 2013 bis 2016 erhielten im Diesel-Skandal ein Pflicht-Update der Abgasnachbehandlung. Insignia Sports Tourer mit elektrischer Heckklappe und Glasdach (06/2008 bis 08/2011) sind von Wassereintritt bedroht, es besteht Kurzschlussgefahr. Die offiziellen Rückrufe sollten bei Durchführung der Maßnahme dokumentiert sein. 

Nach-Facelift-Modelle ab September 2013 sind an neuen Frontscheinwerfern mit LED-Leisten, veränderten Stoßfängern und einer breiten Chromspange am Heck erkennbar. Das kleinteilige Bediensystem verschlankte Opel deutlich: Im Innenraum wirken die Fahrzeuge deutlich moderner und übersichtlicher. Der Insignia erhielt außerdem ein größeres Display, ein verbessertes Infotainment und gegen Aufpreis digitale Elemente im Tacho. 

Auch unter der Haube tat sich etwas: Mit dem Facelift führte Opel zwei 1,6-Liter-Turbobenziner mit Direkteinspritzung und 170 PS bzw. 250 PS ein. Hinzu kam ebenfalls der 2.0 CDTI mit 195 PS. Die kleinen Diesel leisteten nun 120 und 140 PS, jeweils 10 PS mehr als vor dem Facelift. 

Opel Insignia-Varianten: Karosserie

Opel bot vier Insignia-Varianten an: Eine viertürige Limousine, ein Fließheck und den Kombi Sports Tourer sowie dessen höhergelegten Ableger Country Tourer. Fast 80 Prozent der Kunden wählten den 4,99 Meter langen Kombi. Der Kofferraum fasst 560 bis 1.530 Liter, bei der Limousine sind es 490 bis 1.450 Liter. Angenehm sind die niedrige Ladekante, die elektrische Heckklappe und die asymmetrisch geteilte Rücksitzbank. Für den Kombi verlangte Opel rund 1.100 Euro Aufpreis. Er erzielt heute auch höhere Gebrauchtwagenpreise. 

Nur rund 20 Prozent der verkauften Insignia-Modelle entfielen auf die Limousine
Quelle: Opel Nur rund 20 Prozent der verkauften Insignia-Modelle entfielen auf die Limousine

Die Version “Country Tourer” war für leichtes Gelände gedacht und kam 2013 auf den Markt. Man erkennt sie an mehr Bodenfreiheit, Kunststoffbeplankung, verbreiterten Kotflügeln und einem Unterfahrschutz. Den Country Tourer bot Opel nur mit zwei Benzinern (170 PS und 250 PS) und zwei Dieseln (163 PS, dann 170 PS und 195 PS) an. Allrad gehörte beim starken Benziner und den beiden Dieseln zur Serienausstattung.

Die ab 2009 verkaufte OPC-Version des Insignia verdient eine gesonderte Erwähnung. Das sportliche Spitzenmodell kam mit Sportfahrwerk, Tieferlegung und im Spoilerlook. Unter der Haube arbeitet ein kraftvoller 2,8-Liter-V6-Turbomotor mit 325 PS.

Das Platzangebot ist, wie erwähnt, für die Klasse nicht herausragend - aber ausreichend. Auf der Rückbank kann es jedoch für großgewachsene Passagiere schon mal eng werden. Den Einstieg erschwert etwas das leicht nach hinten abfallende Dach. Für Kleinkram bietet der Insignia viele Ablagen, am Kombi gefällt die ebene, gut nutzbare Ladefläche.

Allerdings: Vereinzelt berichten Insignia-Besitzer von Rostproblemen, insbesondere an den Türen. Hier sollte man bei der BEsichtigung also genauer hinschauen. Einige elektrische Ausstattungen wie die elektronische Parkbremse und die ausfahrbare Anhängerkupplung können Schwierigkeiten machen. Bei einem Insignia nach 2011 sollten die meisten Kinderkrankheiten behoben sein. 

Motor und Getriebe

Das Motorenangebot im Insignia war vielfältig. Die Leistung der insgesamt 10 angebotenen Benziner reicht von 115 PS bis zu 325 PS beim OPC. Sogar 11 Varianten waren es über die Bauzeit beim Diesel, hier reicht die Spanne von 110 PS bis 195 PS. Empfehlenswert sind im Zweifel eher die stärkeren Motoren, denn der große Opel wiegt in der leichtesten Variante bereits knapp 1,5 Tonnen. Vor allem die drehmomentstarken und sparsamen Diesel sind eine gute Wahl. Und leichter zu finden, denn fast zwei Drittel aller neu verkauften INsignia wurden mit Dieselmotor geordert. Das typische Werkzeug eines Handelsreisenden. Das spiegelt das Gebrauchtwagenangebot natürlich. 

Allerdings erreichen die großen Dieselmotoren mit Ausnahme des 2.0 CDTI Ecoflex (2015-2017, 170 PS)  nur Euro 5. Angesichts drohender Fahrverbote in Innenstädten keine unproblematische Wahl. Wer nicht in die Stadt muss, kann diese Modelle dagegen günstig finden. Wer Innenstädte gefahren will, muss die kleineren 1,5-l-Diesel (1,6 l, ab 2015) mit 120 oder 136 PS in die Erwägungen mit einbeziehen. 

Der Opel Insignia war im Laufe der Zeit von mehreren Rückrufen betroffen
Quelle: Opel Der Opel Insignia war im Laufe der Zeit von mehreren Rückrufen betroffen. Auf deren Dokumentation sollte beim Gebrauchtwagenkauf geachtet werden

Bei den Benzinern ist vor allem der 1.4 Turbo mit 140 PS zu empfehlen, ebenso die 1,6-l-Modelle mit 180 PS und ab Juni 2013 170 PS (der modernste Benziner im Insignia). Die 2,0-Liter-Turbo-Benziner mit 220 und 250 PS fahren ebenfalls souverän. Der 1.6 T neigt allerdings zum Ruckeln, ein Software-Update schafft meist Abhilfe. Wenn nicht, kann das Abgasrückführungs-Ventil klemmen.

Ein Problem eint die meisten Benziner mit Handschaltung und weniger als 200 PS: Das manuelle Sechsganggetriebe namens  „Manuelles Getriebe für maximal 320 Newtonmeter“, kurz „M32“. Bei der Produktion wurden die zulässigen Toleranzen nicht eingehalten, was zu Problemen führen kann. Ein Surren im fünften und sechsten Gang ist ein Alarmsignal, es droht ein Lagerschaden. Einige Betriebe sind auf die Reparatur spezialisiert, aber besser ist wohl, von solchen Exemplaren Abstand zu nehmen. Bei Modellen ab Baujahr 2014 sollte das Problem nicht mehr auftreten. Wir raten dennoch zur Vorsicht und einer aufmerksamen Probefahrt. 

Fahrwerk

Bei der HU ist der Insignia nicht ganz unproblematisch. TÜV-Prüfer bemängeln regelmäßig Federn und Dämpfer, mitunter schon bei der ersten HU. Die Bremsen gelten ebenfalls als verschleißanfällig. Außerdem verliert der Insignia überdurchschnittlich häufig Öl an Motor und Getriebe. 

Unproblematisch ist dagegen oft die Funktion der Hand- und Fußbremse sowie Achsaufhängungen, Lenkung und Beleuchtung. Besonderes Augenmerk verdienen also Ölspuren am Unterboden vor dem Kauf eines Insignia. 

Insignia-Fahrer berichten mitunter von störenden Fahrwerksgeräuschen beim adaptiven Flexride-Fahrwerk, das bei manchen stärkeren Modellen wie dem OPC und 2.0 BiTurbo zum Angebot gehörte. Ein Klappern kann aber andere Quellen haben, wie den Bremsbelagträger hinten. In die Probefahrt sollte man daher schlechte Straßen oder eine Strecke mit Kopfsteinpflaster einbeziehen. Dann lassen sich mögliche Probleme leicht feststellen. 

Ausstattung und Sicherheit

Über die neunjährige Bauzeit bot Opel eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten Immer an Bord sind acht Airbags, ESP, adaptives Bremslicht, manuelle Klimaanlage, Bordcomputer und elektrische Fensterheber sowie elektrisch verstellbare Außenspiegel, Mittelarmlehne und Zentralverriegelung. Insbesondere für Langstrecken sollte ein Tempomat dabei sein, den gab es zum Beispiel in der Ausstattung “Edition” - nebst Lederlenkrad und elektrischer Parkbremse. Die Topversion kam beispielsweise mit adaptivem Fahrlicht und beim Kombi der elektrischen Heckklappe.

2013 modernisierte Opel den Insignia. Unter anderem verbesserten die Rüsselsheimer das Infotainment
Quelle: Opel 2013 modernisierte Opel den Insignia. Unter anderem verbesserten die Rüsselsheimer das Infotainment und entwarfen ein übersichtlicheres Bedienkonzept

Eine sinnvolle  Ausstattung sind neben dem genannten adaptiven Fahrlicht (AFL+) vor allem  die Sitze „Aktion gesunder Rücken“ (AGR). Vor allem auf langen Strecken bewähren sie sich. Eine Frontkamera namens „Opel Eye“ ermöglichte etwa einen Spurhalteassistenten und eine Verkehrszeichenerkennung, viel mehr Assistenztechnik zog nicht in den Insignia ein. 

Marktsituation und Preise

Probleme hat er also, der Insignia. Seine Stärken machen ihn dennoch zu einem spannenden Gebrauchtwagen, vor allem dann, wenn ein komfortabler KIlometerfresser gesucht wird. Oder ein Familienauto mit etwas Luxus. Die Motoren gelten als robust, die Optik überzeugt auch nach mehr als 10 Jahren. Die Angebot empfehlenswerter Modelle steht allerdings durch die Diese-Debatte unter Druck. 

Bei mobile.de finden sich derzeit rund 3.500 Opel Insignia A mit weniger als 150.000 Kilometer Laufleistung und ausgefüllten Scheckheft. Nur rund 1.200 davon fahren mit Benziner. Bei rund 8.000 Euro geht es los für Exemplare aus den ersten Produktionsjahren, Diesel gibt es mitunter billiger. Für Nach-Facelift-Modelle ab 2012 muss man rund 16.000 Euro einplanen.  Das Angebot ist übersichtlich mit weniger als 900 Autos.

Opel Insignia: Fazit und Empfehlung

Als klassischer Dienstwagen wurde der Insignia häufig mit Diesel verkauft. Heute lässt dies das Angebot an interessanten Autos schrumpfen, denn die meisten Opel Insignia erfüllen nur Euro 5 und sind akut von Fahrverboten bedroht. Unsere Empfehlung wäre daher ein ein Sports Tourer ab Juli 2013, angetrieben vom modernen 1,6-Liter-Turbo-Benziner mit 170 PS. Gern mit AGR-Sitzen und AFL+. Ein solcher Insignia kostet ab rund 16.000 Euro - junge Exemplare mit wenig Laufleistung entsprechend mehr.



Opel Insignia Gebrauchtwagen-Kaufberatung

  • Die Kombi-Variante des Opel Insignia erzielt gegenüber der Limousine auf dem Gebrauchtwagenmarkt höhere Preise
    Quelle: Opel Die Kombi-Variante des Opel Insignia erzielt gegenüber der Limousine auf dem Gebrauchtwagenmarkt höhere Preise und ist deutlich häufiger zu finden
  • Den Insignia brachte Opel 2008 als Nachfolger des Vectra auf den Markt
    Quelle: Opel Den Insignia brachte Opel 2008 als Nachfolger des Vectra auf den Markt
  • 2013 modernisierte Opel den Insignia. Unter anderem verbesserten die Rüsselsheimer das Infotainment
    Quelle: Opel 2013 modernisierte Opel den Insignia. Unter anderem verbesserten die Rüsselsheimer das Infotainment und entwarfen ein übersichtlicheres Bedienkonzept
  • 2013 bekamt der Insignia in der Version "Country Tourer" für leichtes Gelände mehr Bodenfreiheit
    Quelle: Opel 2013 bekamt der Insignia in der Version "Country Tourer" für leichtes Gelände mehr Bodenfreiheit
  • Für Modelle aus den ersten Produktionsjahren starten die Preise bei etwa 8.000 Euro
    Quelle: Opel Für Modelle aus den ersten Produktionsjahren starten die Preise bei etwa 8.000 Euro. Abgebildet: Das Cockpit des Vor-Facelift-Modells
  • Nur rund 20 Prozent der verkauften Insignia-Modelle entfielen auf die Limousine
    Quelle: Opel Nur rund 20 Prozent der verkauften Insignia-Modelle entfielen auf die Limousine
  • In der Topversion kam der Insignia unter anderem mit adaptivem Fahrlicht 
    Quelle: Opel In der Topversion kam der Insignia unter anderem mit adaptivem Fahrlicht
  • Der Opel Insignia war im Laufe der Zeit von mehreren Rückrufen betroffen
    Quelle: Opel Der Opel Insignia war im Laufe der Zeit von mehreren Rückrufen betroffen. Auf deren Dokumentation sollte beim Gebrauchtwagenkauf geachtet werden