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Neuwagen einfahren: Ist das notwendig?

Endlich steht das neue Auto vor der Tür. Am liebsten würdest Du jetzt eine flotte Spritztour unternehmen. Doch was kannst Du dem Neuwagen zumuten? Was nicht?

  • Veröffentlicht am 01/16/2020, 05:30 PM
  • Aktualisiert am 08/05/2020, 02:51 PM
Autos stehen in einem Autohaus, draußen scheint die Sonne.
Quelle: dpa / Picture Alliance Wenn Du Dir einen Neuwagen kaufst, solltest Du am Anfang besonders sanft mit ihm umgehen

Neuwagen haben eine besondere Aura. Ihr Duft ist so einzigartig, dass es ihn im Duftbaum-Sortiment gibt. Und Du weißt: Noch niemand ist mit diesem Auto richtig gefahren. Diese Gefühle ob Deines neuen Autos solltest Du jedoch keinesfalls in quietschende Reifen und Höchstdrehzahlen verwandeln. Stattdessen solltest Du es vorsichtig angehen lassen. Denn ein Neuwagen gehört auf jeden Fall sorgfältig eingefahren - nicht nur auf den ersten Kilometern.



Wieso ist das Einfahren eines Neuwagens notwendig?

Ein Auto ist eine präzise und komplexe Maschine. Auch wenn heutige Produktionsabläufe mit sehr kleinen Fertigungstoleranzen arbeiten, müssen sich die Teile der Mechanik noch aufeinander abstimmen. Im Auto mit Verbrennungsmotor sind das unter anderem Motor, Getriebe und das Fahrwerk, die Federn, Dämpfer, Bremse und Reifen. Also die mechanischen Teile, die Abrieb erzeugen.

So sitzen Zylinder und Kolbenringe noch nicht perfekt zueinander, Bremsen können ihre volle Bremskraft noch nicht entfalten, Stoßdämpfer sind noch nicht geschmeidig und neue Reifen haben noch nicht den besten Grip. Kurz: Das Auto muss sich noch dehnen und strecken, bis es die volle Kraft und Energie entfalten kann. Wer es die ersten 2.000 Kilometer gemächlich angehen lässt, hat länger etwas von seinem Auto.

Eine viel befahrene Autobahn voller neuerer Autos.
Quelle: dpa / Picture Alliance Egal, ob Du einen Neuwagen mit manuellem oder Automatikgetriebe einfahren willst: Lasse es entspannt und langsam angehen, am besten auf den ersten 2.000 Kilometern

Auto einfahren: So machst Du es richtig

Einen Neuwagen einzufahren ist einfach. Du musst Dich nur beim Gasgeben und bei der Geschwindigkeit zurückhalten. Ganz gleich, ob Du einen Neuwagen mit Benzin oder mit Dieselmotor einfahren möchtest. Egal, ob Du einen Neuwagen mit manuellem oder Automatikgetriebe einfahren willst: Lass es in den ersten Wochen und Monaten entspannt und langsam angehen.

Auch auf kurze Vollgas-Etappen oder einen Kick-down bei einem Neuwagen mit Automatikgetriebe verzichtest Du besser. Du solltest weder hochtourig fahren und spät schalten, noch dauerhaft mit zu niedriger Drehzahl fahren. Experten empfehlen maximal etwa 3.000 Umdrehungen beim Diesel und 4.000 Umdrehungen beim Benziner. Zudem solltest Du nicht nur auf der Autobahn fahren, sondern auch im Stadtverkehr und über Land. Sobald die 2.000 Kilometer-Marke überschritten ist, kannst Du mehr Gas geben. 

In einem Pkw-Lagerturm wird ein Neuwagen in Position geparkt.
Quelle: dpa / Picture Alliance Heutzutage sind Fertigungstoleranzen nur noch sehr gering. Dennoch muss sich die Mechanik von Neuwagen anfangs aufeinander abstimmen

Was musst Du beachten?

Beim Neuwageneinfahren kommt es grob auf vier Bereiche an.

1. Motor

Der Motor, egal ob Benziner oder Diesel, ist das Herz des Autos. Deshalb gehört ein Motor immer sorgfältig und langsam warmgefahren – nicht nur beim Neuwageneinfahren, sondern ein Autoleben lang. Höhere Drehzahlen solltest Du erst abrufen, wenn das Motoröl warm ist.

Vorsicht: Die meisten Autos messen bei der Temperaturanzeige die Temperatur des Kühlwassers, nicht die des Öl. Das Kühlwasser eines Autos wird wegen des kleinen Warmlauf-Kühlkreises allerdings wesentlich schneller warm als das Motoröl. Wenn das Fahrzeug lediglich die Kühlwassertemperatur des Motors anzeigt, fahre noch etwas länger zurückhaltend, auch wenn die Wassertemperatur anzeigt, dass der Motor warm ist.



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Diesel mit der neuesten Abgasnorm

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Das ist deshalb wichtig, weil kaltes Motoröl nicht hundertprozentig schmiert, auch wenn es ein Mehrbereichs-Öl ist. Zudem dehnen sich die verschiedenen Motormetalle bei Erwärmung unterschiedlich aus. Kolben, Kolbenringe, Zylinder und Ventile müssen sich auf den ersten Kilometern noch einschleifen. Auf der Zylinderwand befindet sich ein feines Fräsmuster, das durch Öl benetzt werden muss. Wird das abgerieben, nimmt die Schmierfähigkeit ab.

Nach einer langen Autobahnfahrt oder einer hohen Belastung ist es auch ratsam, dem Motor ein paar Kilometer lang mittlere Drehzahlen zu gönnen, damit er etwas abkühlen kann. Das tut auch dem Turbolader gut, der ausreichend geschmiert werden muss. Ihm zuliebe kann man im Stand den Motor noch eine Minute nachlaufen lassen.



2. Reifen

Nagelneue Reifen sind meist tiefschwarz und glänzen. Dieser Glanz ist jedoch ein Problem. Denn er vermindert die Haftung. Deshalb sollten neue Reifen, egal, ob beim Neuwageneinfahren oder nach einem Reifenwechsel, schonend eingefahren werden. Heißt: keine sehr hohen Geschwindigkeiten, keine hohen Kurvengeschwindigkeiten und keine unnötigen Bremsmanöver.

Nach 200 bis 300 Kilometern hat sich das Trennmittel aus der Reifenproduktion (damit der Reifen aus der Vulkanisierungsform leichter rausgeht) heruntergefahren und der Reifen kann nun endlich in den Asphalt beißen. Du erkennst das daran, dass die Lauffläche mattgrau aussieht und nicht mehr glänzend.

3. Bremsen

Wie bei Zylinder und Kolben müssen Bremsbacken und Bremsscheibe erst zueinander finden und sich aufeinander einbremsen. Meist sind die Beläge anfangs recht glatt und können keinen optimalen Grip aufbauen. Eine Riefenbildung hat noch nicht stattgefunden und Belag und Scheibe müssen sich noch mit ihren Bergen und Tälern ineinanderfügen. Die Bremsen benötigen daher eine Einbremsphase.

Erst nach rund 500 Kilometern besitzt das Auto die volle Bremsleistung. Einige Bremsmanöver mit nicht zu hoher Geschwindigkeit verkürzen den Anpassungsprozess. Darauf sollte immer eine Abkühlphase folgen. Autofahrer brauchen dennoch keine Angst davor zu haben, dass die Bremse nicht einwandfrei funktioniert, selbst Vollbremsungen sind natürlich jederzeit möglich. Nur verzögert das Auto mit einer eingefahrenen Bremse einfach besser.


Sport Utility Vehicles von Audi

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4. Stoßdämpfer und Federn

Auch Stoßdämpfer und Federn sind in der Regel mechanische Bauteile und haben gerne etwas Eingewöhnungszeit, bevor sie richtig zur Sache gehen. Heißt: Nicht auf der letzten Rille und mit starker Seitenneigung durch eine Kurve nageln und nicht zügig über eine Schlaglochpiste heizen. Auch solltest Du das Auto nicht direkt mit dem maximalen Gesamtgewicht beladen. Nach rund 1.000 Kilometern gemäßigter mechanischer Einschwingphase werden sie das Auto komfortabel und sicher abfedern.

Elektroauto einfahren

Bei Elektroautos gilt bei Fahrwerk wie Stoßdämpfer, Federn und Bremsen das Gleiche wie für Autos mit Verbrennungsmotor. Auch die Reifen müssen bei E-Autos eingefahren werden. Der Elektroantrieb selbst benötigt dagegen keine besondere Einfahrphase.  

Fazit

Ein Auto einzufahren, ist leicht. Wer die ersten 2.000 Kilometer rücksichtsvoll und zurückhaltend fährt, hat länger etwas davon. Noch besser ist es, Dein Auto auch danach wie am ersten Tag zu behandeln - auch wenn es nicht mehr neu riecht. Dafür gibt es ja den Duftbaum.

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