Der KTM mit viel Leistung und wenig Gewicht: Update

KTM X-Bow GTX (2020): 600 Audi-PS auf 1.000 Kilogramm

600 PS fetzen. Nur: Gegen echte Supercars braucht es mehr. Oder weniger Gewicht: Der 1.000 Kilo leichte KTM X-Bow GTX mit Audi-Motor fordert den Porsche 911.

  • Sven Förster
  • Veröffentlicht am 05/02/2020, 11:45 AM
  • Aktualisiert am 05/07/2020, 11:25 AM
KTM X-BOW GTX Seitenansicht
Quelle: KTM Ende 2020 ist der Marktstart für den KTM X-Bow GTX geplant. KTM verspricht 600 PS Leistung bei nur knapp einer Tonne Gewicht

Leistungsangaben von 600 PS lesen betuchte Kunden im Jahr 2020 immer noch mit Ehrfurcht, aber ohne Schnappatmung. Starke Spitzensportler liefern weit mehr - mitunter als Ausgleich für hohe Massen.

Das sorgt beim KTM X-Bow GTX für ein Kuriosum: Dieser optische Mix aus dem zweiten Ford GT und dem dritten Batmobil geht als grundvernünftiges Auto durch. Natürlich nur im Carbon-geformten Rahmen des Möglichen. Und mit allen Relativierungen, die es bei Flundern im Nahbereich der wildesten Porsche- und Ferrari-Modelle braucht. Klar ist auch: An derart prominenter Stelle parkt man den Sportler mit Audi-Aggregat nur mithilfe des Taschenrechners. Und das hat im ersten Schritt noch gar nichts mit unserem Update zu den offiziellen Preisen zu tun.


KTM X-Bow
Der KTM X-Bow R

"Ready to Race"- Mit 790 kg Leergewicht, schafft der KTM X-Bow R es in nur 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.


KTM X-Bow GTX und GT2: Leistungsgewicht, Karosserie

Die Rechnung geht so: Angekündigte 1.000 Kilogramm geteilt durch maximal mögliche 600 PS ergeben ein vorteilhafteres Leistungsgewicht als beim aktuellen Porsche 911 GT2 RS (700 PS, 1.470 kg). Und einen etwas besseren Wert als beim Ferrari F8 Triturbo (720 PS, 1.435 kg). Die konkrete Leistungszahl hängt an der Ausbaustufe: Der klassische GTX liefert laut Herstellerangabe "mehr als 500 PS", die vollen 600 PS gibt es spätestens in der GT2 genannten Rennversion des Modells. Zugegeben, auf das Gramm genau veröffentlicht KTM das Leergewicht des für Ende 2020 erwarteten X-Bow GTX noch nicht. Ein paar Kilo mehr könnten es bis zum Marktstart werden, signifikantes Mehrgewicht ist aber unwahrscheinlich.

Denn eines unterscheidet diesen rennstreckentauglichen Sportler von vielen anderen angekündigten Kleinserien-Racern: Er existiert bereits in der Grundform. Die Auto-Sparte des österreichischen Motorradherstellers KTM hat den „normalen” X-Bow seit 2012 im Programm. Der offene Zweisitzer basiert auf einer Kohlefaser-Wanne und trägt einen 2,0-Liter-Vierzylinder von Audi vor der Hinterachse. Hier liefert der Turbo-Benziner zwischen 240 und 300 PS. In der geschlossenen Motorsport-Ableitung X-Bow GT4 leistet dieser Motor rund 400 PS. Bei Bedarf etwas mehr, je nach Reglement der Rennserie. Knapp 800 Kilogramm wiegen die leichtesten regulären KTM X-Bow für die Straße, etwa 970 Kilogramm die X-Bow GT4-Modelle.


Porsche 991
Der Porsche 911 (991)

Im Porsche 911 (991) sitzt der Motor noch dort, wo er hingehört. Im Heck.


KTM X-Bow GTX (2020): Antrieb, Motor

Der neue X-Bow GTX und seine Rennableitung GT2 sind die bislang größten Modelle des Herstellers: Gemeinsam mit Reiter Engineering und Kiska-Design entstehen 4,7 Meter lange Flundern - der reguläre X-Bow baut beinahe einen Meter kürzer. Neben den Zentimetern steigen die Kubikzentimeter: Erstmals nutzt KTM einen Fünfzylinder aus dem Audi-Regal. Den aufgeladenen 2,5-Liter-Motor setzen die Ingolstädter zuletzt im TT RS und im Audi RS3 ein, wo das Triebwerk jeweils 400 PS an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schickt.

Als logischen Abnehmer für die bis zu 600 PS in der KTM-Variante sehen wir ein sequenzielles Getriebe mit Schaltpaddles. KTM bestätigt das vorerst nicht, doch der Fokus lässt wenig anderes zu. 

KTM X-BOW GTX dreiviertel-heckansicht
Quelle: KTM Hinter der Kohlefaser-Karosserie verbirgt sich ein 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbobenziner von Audi mit 600 PS Leistung

Die Aufteilung innerhalb der Baureihe ist klar: Beide Ausformungen des neuen KTM sind für die Rennstrecke, doch die GT2-Version zielt dabei höher. Den Racer schickt KTM in die neu formierte GT2-Rennkategorie der FIA. Dort gibt es mehr Leistung als in der seriennahen GT4 (u.a. mit Porsche Cayman) und engere aerodynamische Vorgaben als in der GT3 (u.a. mit Mercedes-AMG GT). Audi ist mit dem R8 LMS GT2 bereits gesetzt, Porsche beteiligt sich mit dem 911 GT2 Clubsport. Ingolstadt veranschlagt knapp 340.000 Euro, Stuttgart will pro Exemplar rund 405.000 Euro sehen. KTM unterbietet laut erster Aussendung diese Tarife: Ab 294.000 Euro kostet die GT2-Variante, bei 230.000 Euro startet der X-Bow GTX. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer - und die nagende Gewissheit, dass man den Gegenwert eines Einfamilienhauses in die Kurve wirft.

Immerhin: Den FIA-zertifizierten Überrollkäfig tragen beide Modelle serienmäßig, beim GT2 kommt eine Art Garantie auf Konkurrenzfähigkeit hinzu. Die besorgt nicht KTM direkt, sondern das Reglement des Weltverbandes: Sollten sich die Rennklassen-Kameraden von Porsche oder Audi als überlegen erweisen, müssen sie Gewicht zuladen, Leistung abgeben oder Fahrwerks-Vorteile zurückbauen. Gleiches gilt für den neuen KTM, wenn er beständig die R8 und 911 abstaubt. Das ganze nennt sich Balance of Performance und schadet den Kundenteams mit dem günstigeren Sportwagen bestimmt nicht. Wie gesagt, im Rahmen des Möglichen und unter astronomisch großen Anführungszeichen ist diese Carbon-Flunder gar nicht so unvernünftig. 


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KTM X-Bow GTX: Gebrauchtwagen

Die ersten Exemplare des KTM X-Bow GTX sind planmäßig Ende 2020 erhältlich. Das Warten lohnt sich, wenn man die Racing-Thematik mit gewisser Ernsthaftigkeit verfolgt. Zum Beispiel im eigenen Cup, den KTM für dieses Auto ab 2021 ausschreibt. Geht es um ein unkompliziertes Track-Tool, ist das Standard-Modell des X-Bow schnell genug. Für die Landstraße sowieso.

Das Leistungsgewicht der wilden Ferrari und Porsche erreicht die Standard-Version mit ab 240 PS und 790 Kilogramm Leergewicht allerdings nicht. Kostspieligere Sportmodelle ledert man so aber dennoch ab, überhaupt wenn die Rundenzeit zählt. Und wer sich nur mit Seinesgleichen anlegen will, findet für den klassischen X-Bow ebenfalls einen Markenpokal. Auf mobile.de kosten gebrauchte X-Bow mit gültiger HU aktuell ab rund 46.000 Euro. Über den Verkauf des kreuzbraven Alltagsautos würden wir das nicht finanzieren. Denn, sagen wir es so: Spätestens, wenn man mehr als einen Rucksack trocken transportieren will, sind molligere Supersportler wieder vorn.



KTM X-Bow GTX (2020): Erste technische Daten

Modell KTM X-Bow GTX
KurzbeschreibungLeichtbau-Sportwagen mit Carbon-Grundstruktur
Motor 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbobenziner
Maximale Leistung bis 600 PS
Antriebskonzept Mittelmotor mit Hinterradantrieb
Leeregewicht rund 1.000 Kilogramm
PreisAb 230.000 Euro (KTM X-Bow GTX), ab 294.000 Euro (GT2-Variante)

Der KTM X-Bow in Bildern

  • Der KTM X-BOW GTX in der Frontansicht
    Quelle: KISKA Der KTM X-Bow GTX ist das bislang stärkste und größte Modell aus der Auto-Sparte von KTM
  • Das Bild zeigt die Heckansicht des KTM X-Bow GTX
    Quelle: KISKA Preise für den KTM X-Bow GTX starten bei 230.000 Euro, die Rennversion für die GT2-Rennkategorie kostet mindestens 294.000 Euro
  • KTM X-BOW GT4 dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: KTM In nur 4,2 Sekunden galoppiert der KTM X-Bow GT4 von 0 auf 100 km/h
  • KTM X-BOW GT4 Seitenansicht
    Quelle: KTM Der KTM X-Bow GT4 ist ein Rennwagen mit Straßenzulassung
  • KTM X-BOW R dreiviertel-frontansicht
    Quelle: KTM Der X-Bow R ist der erste Sportwagen des österreichischen Motorradherstellers KTM
  • KTM X-BOW R 04
    Quelle: Heckansicht Für 70.000 Euro ist der KTM X-Bow R erhältlich
  • KTM X-BOW GTX dreiviertel-heckansicht
    Quelle: KTM Hinter der Kohlefaser-Karosserie verbirgt sich ein 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbobenziner von Audi mit 600 PS Leistung
  • KTM X-BOW GTX Seitenansicht
    Quelle: KTM Ende 2020 ist der Marktstart für den KTM X-Bow GTX geplant. KTM verspricht 600 PS Leistung bei nur knapp einer Tonne Gewicht