Sie kostet weit mehr als nur Deine Nerven

Idiotentest (MPU): Die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung

Wer betrunken oder berauscht Auto fährt, verliert schnell seinen Führerschein. Dasselbe Schicksal ereilt Fahrer, die mehr als sieben Punkte auf ihrem Konto in Flensburg angehäuft haben. Den Führerschein bekommt man nur dann zurück, wenn man erfolgreich die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) absolviert – auch „Idiotentest“ genannt. Hier erfährst Du alles über die MPU. 

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Die schriftliche Befragung ist meist der erster Teil der medizinisch-psychologischen Untersuchung.
Quelle: SPA (picture alliance/chromorange) Die schriftliche Befragung ist meist der erster Teil der medizinisch-psychologischen Untersuchung

Die medizinisch-psychologische Untersuchung fürchtet jeder Autofahrer – immerhin spricht der nicht sehr charmante Spitzname „Idiotentest“ für sich. Wer will schon gerne eine solche Prüfung machen?

Gründe für eine MPU

Autofahrer, die im Straßenverkehr auffällig geworden sind und daraufhin ihren Führerschein verloren haben, kommen in manchen Fällen allerdings nicht drumherum – nämlich dann, wenn sie mehr als sieben Punkte haben oder unter Drogen- beziehungsweise Alkoholeinfluss Auto gefahren sind.

Bei der MPU handelt es sich um ein Gutachten über ihre Fahreignung, das behördlich oder gerichtlich angeordnet wird. Bei dieser Prüfung geht es nicht darum, das fahrerische Können im Straßenverkehr oder Wissen zum Thema Autofahren auf die Probe zu stellen. Vielmehr soll mit der MPU herausgefunden werden, ob man generell verkehrstauglich ist – also für sich selbst und andere keine Gefahr im Straßenverkehr darstellt. 

Wer betrunken oder berauscht Auto fährt, verliert schnell seinen Führerschein.
Quelle: Sascha Steinach (picture alliance/dpa-Zentralbild) Wer betrunken oder berauscht Auto fährt, verliert schnell seinen Führerschein und muss sich der medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) unterziehen

Wann eine MPU angeordnet wird

  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch am Steuer
  • Eingeschränkte Gesundheit
  • Überschreitung der Punktegrenze im Fahreignunsregister in Flensburg (8 Punkte oder mehr)
  • Besondere Verkehrs- und Strafdelikte 

Wo kannst Du die MPU machen?

Wenn Du zu einer MPU aufgefordert wirst, weil Du Deinen Führerschein verloren hast, erfährst Du von dieser Prüfung in der Regel per Post. Dann kann jeder selbst entscheiden, wo das Gutachten der Fahreignung durchgeführt werden soll. Dafür musst Du einen Antrag bei einer beliebigen anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) stellen. Sie wird sich mit Dir in Verbindung setzen, sobald Deine Akte vor Ort ist. Zwischen Antragsstellung und dem Untersuchungstermin können etwa acht Wochen liegen. 

Wie läuft eine MPU ab?

Für die medizinisch-psychologische Untersuchung, auch „Idiotentest“ genannt, musst Du Dir einen Tag Zeit nehmen. An diesem Tag wird es eine schriftliche Befragung, eine medizinische Untersuchung, einen Leistungstest und eine psychologische Untersuchung geben. Nur wenn Du nach dieser umfangreichen Prüfung ein positives Gutachten erhältst, bekommst Du Deinen Führerschein zurück. Was Dich in den einzelnen Untersuchungen erwartet, erfährst Du hier.

Schriftliche Befragung

Die schriftliche Befragung ist meist die erste Prüfung. Du erhältst mehrere Fragebögen, die Du vor Ort ausfüllen musst. Dort erwarten Dich Fragen zu Deinem Lebenslauf, zu Erkrankungen und auch Fragen zum Grund für Deine Untersuchung – also zu Deinen Auffälligkeiten im Straßenverkehr. 

Medizinische Untersuchung

Ein Arzt oder eine Ärztin wird mit Dir in einem Gespräch die Gründe für Deine Auffälligkeiten im Straßenverkehr durchsprechen und Deine gesundheitliche Situation abklären. Wer beispielsweise wegen Alkohol am Steuer zur MPU geschickt wurde und deshalb seinen Führerschein verloren hat, muss mit einer Überprüfung seiner Leberwerte rechnen. Wer unter Drogeneinfluss im Straßenverkehr Auto gefahren ist, wird eine Urinprobe abgeben müssen.

Außerdem wirst Du bei der medizinischen Untersuchung auch Deinen Abstinenznachweis vorlegen müssen. Mithilfe eines Abstinenznachweises kannst Du schon vor der MPU Deine Abstinenz belegen. Dafür muss man an einem Abstinenzkontrollprogramm teilgenommen haben, das fast alle Begutachtungsstellen für Fahreignung (zum Beispiel TÜV oder DEKRA) anbieten. Auch Ärzte mit einer entsprechenden Fortbildung bieten Abstinenznachweise an. Für diesen Nachweis wird ein sogenanntes Screening durchgeführt. Das kann eine Haaranalyse oder eine Urinprobe sein. Wenn alle Screenings negativ ausfallen, erhältst Du eine Bescheinigung, die Du bei der MPU vorlegen kannst. 

Leistungs-/Reaktionstest

In dieser Prüfung werden Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit getestet. Ziel ist es, herauszufinden, ob der Betroffene in der Lage ist, ein Auto zu fahren. Der Test findet an einem Computer statt – Computerkenntnisse müssen dafür nicht vorhanden sein. 

Psychologische Untersuchung

Zuletzt steht ein Gespräch mit einem psychologischen Gutachter an. Es dauert ungefähr eine Stunde und unterteilt sich in zwei Abschnitte. Im ersten Abschnitt muss der Betroffene allgemeine Fragen zu seiner Person und zum Lebenslauf beantworten. Im zweiten Abschnitt will der Gutachter herausfinden, wie sehr sich der Betroffene mit der eigenen Verkehrsauffälligkeit und deren Ursachen beschäftigt hat. 

Quelle: SPA (picture alliance/chromorange) Die Kosten für die MPU variieren je nach Anlass für das Gutachten. Es können etwa 350 bis 750 Euro anfallen

Wie lange dauert eine MPU?

Die Dauer der medizinisch-psychologischen Untersuchung hängt von der Art des Vergehens ab. Hast Du Deinen Führerschein wegen zu vieler Punkte in Flensburg verloren, dauert die Untersuchung kürzer. Wird Dir die Fahrerlaubnis wegen Drogen oder Alkohol entzogen, länger. In der Regel dauert die medizinische Untersuchung etwa drei Stunden, die psychologische Untersuchung etwa eine Stunde.

MPU-Vorbereitungskurse: Vorsicht vor unseriösen Anbietern

Wer zu einer MPU beziehungsweise zum sogenannten „Idiotentest“ aufgefordert wurde, weil ihm seine Fahrerlaubnis entzogen wurde, sollte sich im Vorfeld mit dem Thema MPU auseinandersetzen.

Nur wer gut auf die Prüfung vorbereitet ist, hat auch Chancen, seinen Führerschein zurückzubekommen. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, sich eine professionelle Vorbereitung zu suchen. Hier tummeln sich viele Anbieter auf dem Markt, die teilweise ordentlich Geld kosten und schnelle Lösungen zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis versprechen. Deshalb ist große Vorsicht geboten. Denn ein Patentrezept für ein erfolgreiches Gutachten gibt es nicht. So ist es ratsamer, sich auf seriöse Institutionen zu konzentrieren, die kostenlose Informationsveranstaltungen anbieten. Sie vermitteln einen guten Überblick über verschiedene Kurse zur Vorbereitung auf den „Idiotentest“ und weitere Hilfsangebote. 

Tipp: Wenn Du eine medizinisch-psychologische Untersuchung vor Dir hast, nimm ruhig an mehreren Informationsveranstaltungen teil. So bekommst Du einen besseren Einblick in den Ablauf der MPU. 

Zur Vorbereitung auf die medizinisch-psychologische Untersuchung solltest Du Beratungsgespräche bei einem Psychologen in Anspruch nehmen. Er macht sich ein Bild über die persönliche Geschichte und die Gründe, warum Du Deinen Führerschein verloren hast. Ein Einzelberatungsgespräch bei einem Diplom-Psychologen kostet etwa 100 Euro. Auch Gruppenkurse sind möglich. Hier geht es dann weniger um die eigene Geschichte, sondern mehr darum, Erfahrungen auszutauschen und mit anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. 

Wenn die Fahrerlaubnis schon entzogen wurde, ist es unter Umständen sinnvoll, einen Kursus zu wählen, der die Fahrerlaubnis-Sperrfrist verkürzt. Hier musst Du Dich im Vorfeld sehr gut informieren, denn nicht jeder Kursus wird anerkannt. Welche Kurse hierfür infrage kommen, weiß der ADAC. 

Termin beim Verkehrspsychologen unerlässlich

Was für eine gute Vorbereitung besonders wichtig ist: die Einschätzung von einem Verkehrspsychologen. Dabei geht es beispielsweise darum, ob es sich beim Teilnehmer um einen Fall von Alkoholmissbrauch handelte oder sogar eine Alkoholabhängigkeit vorliegt. Diese Einschätzung entscheidet darüber, ob für das Bestehen der MPU und die Wiedererlangung der Fahreignung kontrolliertes Trinken ausreicht oder ob der Betroffene einen Abstinenznachweis vorlegen muss. Wenn dieser Nachweis nicht vorgelegt werden kann, heißt die Konsequenz: MPU nicht bestanden, Fahreignung nicht gegeben. 

Im „Idiotentest“ muss auch die Drogenfreiheit nachgewiesen werden. Dafür können Betroffene entweder an einem Drogenkontrollprogramm teilnehmen oder eine Haaranalyse durchführen lassen. Damit die Nachweise auch tatsächlich zählen, müssen die Proben in akkreditierten Laboren entnommen und analysiert werden. Falls Du die Drogenfreiheit nachweisen musst, solltest Du Dich rechtzeitig vor der MPU erkundigen, ob für Dich eine Haaranalyse infrage kommt. Das ist nämlich nicht für alle Substanzen möglich. Wer illegale Drogen konsumiert oder sich berauscht im Straßenverkehr bewegt hat, muss innerhalb von zwölf Monaten sechs Mal sehr kurzfristig Urin abgeben. Bei gelegentlichem Cannabiskonsum reicht ein Nachweis der Drogenfreiheit für die letzten sechs Monate. 

Was kostet die MPU?

Bis Juli 2018 waren die Kosten für eine medizinisch-psychologische Untersuchung im Paragraf 6f des Straßenverkehrs-Gesetz (StVG) festgelegt. Seit August 2018 dürfen Begutachtungsstellen für Fahreignung die Preise selbst bestimmen. Die Kosten für eine medizinisch-psychologische Untersuchung variieren seitdem von Begutachtungsstelle zu Begutachtungsstelle. Deshalb solltest Du Dich vorab über die Preise einer MPU informieren. Je nach Anlass für das Gutachten fallen etwa 350 bis 750 Euro an. Gutachten zu Punkten oder Straftaten sind günstiger als Gutachten aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum. Haaranalysen kosten zwischen 200 und 300 Euro. Bei Urinuntersuchungen sind mindestens 100 Euro fällig. 

Wie kann eine MPU ausgehen?

Man kann eine medizinisch-psychologische Untersuchung bestehen – und man kann durchfallen.

Im besten Fall bekommt der Betroffene am Ende der Prüfung ein positives MPU-Gutachten. Das heißt: Es besteht kein erhöhtes Wiederholungsrisiko und der Betroffene kann wieder am Straßenverkehr teilnehmen. Dann gibt es auch den Führerschein zurück.

Bei einem negativen Gutachten muss der Betroffene weitere Schritte unternehmen, um sein Wiederholungsrisiko zu senken. Die MPU kommt danach dann erneut auf ihn zu. Es gibt auch die Möglichkeit, dass im Gutachten eine Nachschulungsempfehlung festgehalten wird. Dann muss der Betroffene einen anerkannten Nachschulungskursus belegen (sogenannte „§-70-Kurse“), um seine Fahreignung wiederzuerlangen, und erhält erst danach den Führerschein zurück. 

MPU in Kürze: Vier Schritte

  1. Begutachtungsstelle wählen
  2. Termin vereinbaren
  3. Untersuchung: Sie dauert etwa zwei bis vier Stunden; in dieser Zeit werden ein psychologisches Gespräch, eine ärztliche Untersuchung sowie ein Leistungstest durchgeführt. Außerdem musst Du einen Fragebogen ausfüllen.
  4. Gutachten: Du erhältst das Gutachten innerhalb von 14 Tagen per Post. Dieses Gutachten legst Du der Fahrerlaubnisbehörde vor. Wenn Du alle Voraussetzungen (wieder) erfüllst, stellt die Behörde eine neue Fahrerlaubnis aus.



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