Das passende Wohnmobil finden

Gebrauchten Campingbus kaufen: Tipps und Tricks

In den eigenen vier Wänden essen, im eigenen Bett schlafen? Auf Reisen geht das nur mit einem Campingbus. Wir zeigen Dir, worauf Du beim Kauf achten musst.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 03/20/2020, 04:16 PM
Ein weißer VW T3 California fährt eine Küstenstraße entlang
Quelle: dpa / Picture Alliance Unter Umständen hat das gebrauchte Fahrzeug bereits eine hohe Laufleistung. Das muss nicht tragisch sein, solange das Fahrzeug regelmäßig bei der Inspektion war und der Motor gut gewartet wurde

Das Meer rauscht im Hintergrund, die Füße im Sand. Ein Griff in den Kühlschrank und Du hast ein kaltes Getränk in der Hand. Wenn Du nicht gerade eine Wohnung am Meer besitzt, klappt das nur mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil. Wenn Du schon lange mit einer fahrbaren Wohnung liebäugelst, erklären wir Dir, worauf es beim Kauf ankommt. Denn im Gegensatz zum Kauf eines normalen Autos, solltest Du beim Kauf eines gebrauchten Campingbusses auf ein paar zusätzliche Dinge achten.


Ein VW Bulli mit Campingausstattung und Suchscheinwerfern fährt über eine Wiese.
Gebrauchte Wohnmobile

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Woran erkennst Du einen guten gebrauchten Campingbus?

Wie bei anderen Gebrauchtwagen geht es auch beim gebrauchten Wohnmobil oder Wohnwagen um die Technik, den Zustand und die Optik.

1. Optik

Zur Optik zählen unter anderem die Außenhaut mit Verkleidung und Scheiben. Aber auch die Innenausstattung. Im Gegensatz zu einem normalen Pkw wird ein Wohnmobil oder Wohnwagen zum Wohnen benutzt. Daher solltest Du besonders auf Polster, Möbel, Matratzen, Teppiche, Lampen, Vorhänge und die sanitären Anlagen achten. Polster und Vorhänge lassen sich bei starker Abnutzung wieder beziehen, bei eingerissenen Möbeln, hängenden Türen oder klemmenden Schubladen wird die Reparatur aufwändiger und damit teurer.

2. Laufleistung

Unter Umständen hat das gebrauchte Fahrzeug bereits eine hohe Laufleistung. Das muss nicht tragisch sein, solange das Fahrzeug regelmäßig bei der Inspektion war und der Motor gut gewartet wurde. Manchmal finden sich auch alte Autos mit einer sehr niedrigen Laufleistung. Dann merkst Du, dass der Besitzer weniger mit dem Camper gefahren ist. Auch dann sollte der Motor regelmäßig gecheckt und das gesamte Fahrzeug inspiziert worden sein. Die Laufleistung allein sagt bei einem gebrauchten Wohnmobil nicht viel über den Zustand aus.

Ein Blick in den Innenraum einer Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo.
Quelle: Daimler Auch junge Gebrauchte unter den Camper-Vans wie z.B.die Mercedes-Benz V-Klasse Marco Polo erfreuen sich zunehmend wachsender Beliebtheit

3. Serviceheft

Ein ausgefülltes Scheckheft ist bei jedem gebrauchten Fahrzeug ein guter Nachweis, dass es alle vorgeschriebenen Wartungen absolviert hat. Wenn das Service- oder Scheckheft nicht mehr auffindbar ist, kannst Du die Historie des Fahrzeugs anhand von Rechnungen und Quittungen nachvollziehen. Auch Prüfbescheinigungen der letzten Hauptuntersuchung (HU) oder die Bescheinigung der letzten Gasprüfung ist für Dich interessant. Alle zwei Jahre müssen Flüssiggas-Anlagen in Wohnmobilen geprüft werden. Fehlen die Unterlangen, findest Du vielleicht im Motorraum Hinweise zum letzten Öl-, Filter-, oder Zahnriemenwechsel. Wenn auch dort nichts über die letzte Wartung oder Reparatur zu finden ist, solltest Du Dir ein anderes Fahrzeug suchen.



4. Ausstattung

Ein Wohnmobil lässt sich zu einer Luxuswohnung ausstatten. Aber auch rustikale und sparsame Camper müssen mindestens einen Schlafplatz, Tisch, Schrank, eine Kocheinrichtung oder einen Stauraum vorweisen, fest verbaut. Der Wohnteil muss den überwiegenden Teil des Fahrzeugs einnehmen und den Eindruck eines Wohnzweckes erfüllen. Einfach eine Matratze in einen alten Bus werfen und auf dem Gaskocher unter der Heckklappe Nudeln kochen, bedeutet noch lange nicht, dass man im Wohnmobil verreist.

Warum das wichtig ist? Wohnmobile gelten als Sonder-Kraftfahrzeuge und werden bei der Versicherung und der Kfz-Steuer anders behandelt. In der Regel zahlst Du für ein Wohnmobil weniger Versicherungsprämie und weniger Kfz-Steuer als für ein vergleichbares Fahrzeuge mit einer reinen Pkw-Zulassung.

5. Heizung/Gasanschluss

Die meisten gebrauchten Fahrzeuge verfügen über eine Standheizung und meist auch über einen Herd. Wenn der nicht über Strom läuft, dann über Gas. Für die Gasanlage ist eine regelmäßige Gasprüfung vorgeschrieben. Achte vor dem Kauf darauf, wann die letzte Prüfung stattgefunden hat.

Ein hellblauer VW Camperbus steht auf einer Anhöhe über dem Meer.
Quelle: dpa / Picture Alliance In der Ferne rauscht das Meer, Du liegst auf Deinem Bett und brichst jeden Moment auf zum nächsten Roadtrip - dieses Lebensgefühl schätzen viele menschen am Camperbus

Was muss im Kaufvertrag unbedingt beachtet werden?

Im Grunde gelten bei einem Kaufvertrag für ein gebrauchtes Wohnmobil die gleichen Punkte wie für den Kauf eines normalen Autos. Der zweifach ausgeführte Kaufvertrag muss enthalten:

  • Name, Anschrift, Telefonnummer, Personalausweis-Nummer von Käufer und Verkäufer
  • Fahrzeug-Identifizierungsnummer
  • Nummer der Zulassungsbescheinigung Teil II / Fahrzeugbrief
  • Zubehör und Zusatzausstattungen
  • Kaufpreis
  • Datum
  • Unterschriften von Käufer und Verkäufer


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Zur Übergabe eines gebrauchten Wohnmobils solltest Du erhalten:

  • 2 Schlüssel
  • Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein)
  • Zulassungsbescheinigung Teil 2 (Fahrzeugbrief)
  • HU-Bericht, TÜV-Bericht
  • Umweltplakette
  • Prüfbericht Gasprüfung
  • Bescheinigungen Dichtigkeitsprüfungen
  • Serviceheft/Scheckheft
  • Bedienungsanleitungen des Fahrzeugs
  • Bedienungsanleitungen für sämtliche Einbaugeräte
  • Werkstattrechnungen (falls vorhanden)
  • Winter-/Sommerreifen (falls vorhanden)
  • Zubehör, Ersatzteile (falls vorhanden)

Wo finde ich gebrauchte Camper?

Gebrauchte Reisemobile, Wohnmobile, Campingwagen oder Wohnwagen findest Du auf Gebrauchtwagenbörsen wie mobile.de oder aber bei speziellen Wohnmobilverkäufern. Händler, die neue Fahrzeuge anbieten, haben oft einen gut sortierten Gebrauchtwagenhandel für den Campingbus-Verkauf. Auch auf Campingmessen wie dem Caravan Salon in Düsseldorf oder der Caravan, Motor und Touristik (CMT) Messe in Stuttgart findest Du neben Neufahrzeugen auch Infos und Angebote zu gebrauchten Fahrzeugen.

Was sollte ein gebrauchter Camper ungefähr kosten?

Die Preise für ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen variieren stark. Maßgeblich dafür verantwortlich sind wie bei normalen Autos Alter, Laufleistung, Marke, Modell, Ausstattung und Zustand. Du kannst einen gut abgehangenen Bus mit Matratze, Kocher und Kühlschrank für weniger als 2.000 Euro finden oder einen gepflegten, fast neuen Luxus-Camper mit King-Size-Bett, Flachbildschirm und Klimaanlage für rund 100.000 Euro. Allein Dein Budget legt den Rahmen für die Auswahl eines Wohnmobils oder Wohnwagens fest. Wenn Du weißt, wie viel Du für einen Camper ausgeben kannst und willst, beginnt die Suche.

Besichtigung: Darauf ist zu achten

Das Wichtigste beim Autokauf ist die Besichtigung mit der anschließenden Probefahrt. Wenn Du strategisch vorgehst und ein paar Punkte beachtest, kannst Du eventuelle Mängel bei einem gebrauchten Wohnmobil schnell entdecken. Schau Dir die vorhandenen Unterlagen an, wie Fahrzeugschein, Zulassung und Serviceheft.

Stimmen die Kilometerangaben mit den Einträgen im Scheckheft oder den Rechnungen überein?

  • Sind alle An- oder Umbauten eingetragen?
  • Gilt das Fahrzeug als Sonder-Kfz?
  • Hat das Auto eine Umweltplakette? Kannst Du damit in Deinen Wohnort fahren oder in die nächsten Urlaubsgebiete?

Checkliste außen

  • Scheiben, Spiegel, Scheinwerfer und Rücklichter sollten keine Risse oder Kratzer aufweisen. Dazu gehören auch die Kunststofffenster an der Seite und gegebenenfalls auf dem Dach.
  • Sind Gummidichtungen und Falze der Türen in Ordnung? Eingerissene Gummis erhöhen die Lautstärke im Innenraum und lassen Regen reintropfen.
  • Kontrolliere die Spaltmaße an Motorhaube, Türen und Heckklappe. Sie müssen gleichmäßig sein, weder zu groß noch zu klein.
  • Checke die Radläufe nach Bläschen und Rost
  • Schaue Dir die Seitenschweller und den Unterboden genau an. Schlummert hier der Rost, sieht alles normal aus oder wirkt der Unterboden wie frisch gestrichen?
  • Schau Dir die Reifen genau an, speziell nach Profiltiefe, einseitiger Abnutzung, Rissen und Alter. Das Alter steht auf der Seitenflanke. DOT 2015 besagt, dass die Reifen in der 20. Kalenderwoche 2015 produziert wurden.
  • Sitzt der Auspuff fest oder klappert er stark?
  • Hängt das Heck weit nach unten? Dann können Federn oder Dämpfer müde und verschlissen sein.
  • Ist das Dach stark mit Moos bewachsen? Wie sehen die oberen Kanten und Dichtungen aus? Gibt es einen Hagelschaden (Dellen)?
  • Wie sieht der Eingang aus, wie die Treppe, die Tür?
  • Kontrolliere auch den Stauraum, falls vorhanden.
  • Klappt das Aufstelldach leicht nach oben und sind die Seitenwände in Ordnung?



Checkliste innen

  • Untersuche Pedalgummis, Sitzwangen, Schaltknauf, Lenkrad, Gurte, Polster, Matratze und Möbel nach starker Abnutzung.
  • Öffne und schließe alle Schränke, Türen und Fenster. Überprüfe dabei ihre Leichtgängigkeit.
  • Überprüfe alle Schlösser und Scharniere.
  • Die Heizung sollte spätestens nach dem fünften Versuch zünden.
  • Kontrollboard testen: Funktionieren alle Lämpchen?
  • Wie ist der Zustand der Schalter und Steckdosen?
  • Bei den sanitären Anlagen achtest Du auf Risse oder Beschädigungen in der Duschwanne.
  • Funktionieren alle Flammen des Herdes?
  • Wird der Kühlschrank schnell kalt?
  • Ist die Wasseranlage veralgt oder rissig?
  • Wie riecht der Innenraum? Wenn es modrig müffelt, ist das Fahrzeug undicht.
  • Ist die Fahrzeugverdunkelung noch blickdicht?
  • Funktionieren alle Rollos oder Jalousien?
  • Funktioniert das Aufstelldach? 

Checkliste Zubehör

Gibt es zu dem Campingbus Zubehör? Das kann unter anderem eine Dachbox sein, Fahrradträger, Campingstühle, Campingtisch, Sonnensegel, Markise, Fernseher, Sat-Anlage oder Solaranlage.

Checkliste Motor

  • Sitzen alle Schläuche und Anschlüsse fest und sind dicht?
  • Schimmert die Flüssigkeit im Ausgleichsbehälter des Bremskraftverstärkers noch hellgelb?
  • Wie sieht der Motor allgemein aus? Verliert er irgendwo Öl?
  • Kontrolliere den Ölstand über den Ölpeilmessstab.
  • Schaue in den Innendeckel des Öleinfüllstutzen. Er darf nicht voll weißem Schaum sein.
  • Stoßdämpfer kontrollierst Du ebenfalls auf Undichtigkeit. Ältere oder defekte Dämpfer können Öl verlieren. 

Probefahrt: Darauf ist zu achten

Wie bei einem normalen Auto entscheidet am Schluss der Besichtigung die Probefahrt über Kauf oder Nichtkauf. Wenn Du ein paar Kilometer mit dem Campingbus fährst, achte auf ein paar Dinge besonders:

  • Geradeauslauf: Der Bus darf auf gerader Strecke nicht zu einer Seite ziehen, auch nicht beim Bremsen.
  • ABS-Kontrolle: Lege aus einer Geschwindigkeit von etwa 40 km/h eine Vollbremsung hin und achte darauf, ob das Bremspedal pulsiert. Ist das der Fall, funktioniert das ABS einwandfrei. Wichtig: Hinter Dir soll während des Manövers kein anderes Auto fahren.
  • Getriebe-Check: Schalte alle Gänge nacheinander und quer durchs Getriebe. Sie sollten sich flüssig und ohne Kratzen wechseln lassen. Bei einem Automatikgetriebe kontrollierst Du durch Vollgas die Kick-Down-Funktion.
  • Fahrwerk-Kontrolle: Beim Fahren über eine schlechte Straße oder eine mit Kopfsteinbelag sollten keine Poltergeräusche auftreten.
  • Lenkrad-Check: Auch bei vollem Lenkradeinschlag darf nichts knacken oder knarzen. Das Lenkradspiel sollte minimal sein.
  • Abgas-Check: Bei der Fahrt kannst Du mit Blicken in den Rückspiegel die Verbrennung kontrollieren. Siehst Du weißen Qualm, verbrennt der Motor Wasser, wahrscheinlich ist dann die Zylinderkopfdichtung defekt. Siehst Du schwarzen oder bläulichen Qualm, verbrennt der Motor zu viel Öl. Dann können Kolbenringe oder Ventilsitzringe defekt sein. Beides wird teuer.

Nach dem Kauf

Nachdem Du den Campingbus gekauft hast, fehlt nur noch die Zulassung und die Versicherung. Im Idealfall hast Du Dich schon vor dem Kauf um eine günstige und gute Kfz-Versicherung gekümmert und die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) von der Versicherung erhalten. Damit kannst Du den Campingbus bei der Kfz-Zulassungsstelle anmelden.

Was jetzt noch fehlt, ist die komplette Einrichtung des Fahrzeugs mit Geschirr, Lebensmitteln, Bettdecke und Kopfkissen. Bei der ersten kleinen Tour, nicht weit weg von Deinem Wohnort, kannst Du dann den Camper testen. Dann merkst Du schnell, was noch fehlt für den großen Trip, vielleicht ans Meer. Da holst Du Dir beim Blick auf den Sonnenuntergang ein Getränk aus dem Kühlschrank. Deinem eigenen.