Wer muss wann und wie? Und wie funktionieren Drogentests?

Führerschein und Drogentest: Alles, was Du wissen musst

Wann und bei welchen Autofahrern werden Drogentests durchgeführt? Wie funktionieren sie und welche Folgen hat ein positiver Test für den Führerschein-Inhaber?

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  • Veröffentlicht am 11/01/2019, 11:13 AM
Im Vergleich zu Alkoholvergehen können beim Drogenmissbrauch verschiedene Präparate im Spiel sein.
Quelle: Sina Schuldt (picture alliance/dpa) Im Vergleich zu Alkoholvergehen können beim Drogenmissbrauch verschiedene Präparate im Spiel sein

Muss ich einen Drogentest vor der Führerscheinprüfung machen?

Drogentests sind ein übliches Verfahren, um die Fahreignung von Führerschein-Anwärtern und Führerschein-Inhabern zu überprüfen. Angewandt werden sie als Schnelltest bei Verkehrskontrollen und bei Verdacht auf Drogenmissbrauch als umfangreichere Untersuchung. Auch im Rahmen der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) wird ein Drogentest durchgeführt. Daneben gibt es Langzeittests, die man bei TÜV oder DEKRA machen kann.

Wer zum ersten Mal Bekanntschaft mit einem Drogentest macht, dem geschieht das meist bei einer Verkehrskontrolle. Sieht die Polizei einen Anfangsverdacht, wird ein Schnelltest durchgeführt. Fällt der Schnelltest positiv aus, kann danach eine Blutabnahme angeordnet werden. Nur die Blutabnahme liefert exakte Resultate, die vor Gericht verwertet werden können.

Eine andere Art des Drogentests gibt es im Rahmen der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Die MPU wird aufgrund von schweren Verstößen, hohem Punktekonto oder anderen Vergehen durchgeführt. Dabei wird überprüft, ob der Autofahrer für den Besitz eines Führerscheins geeignet ist.

Mit einem Drogentest musst Du rechnen, wenn es eine entsprechende Vorgeschichte gibt. Das ist der Fall, wenn Du zum Beispiel schon einmal mit Drogen erwischt wurdest. Es muss also ein Anlass ersichtlich sein. Für den ganz normalen Führerschein-Kandidaten gibt es solche Drogentests nicht.

Drogenschnelltests bei der Verkehrskontrolle

Bei Polizeikontrollen im Straßenverkehr gehört der Drogentest zu den Routine-Untersuchungen. Gibt es einen Verdacht, greift die Polizei zu verschiedenen Schnelltestverfahren. Das Problem beim Drogentest im Vergleich zu Alkoholvergehen ist, dass bei Drogenmissbrauch viele verschiedene Präparate im Spiel sein können. Sie alle sind unterschiedlich nachzuweisen. Die geläufigen Testverfahren konzentrieren sich auf Opiate, Cannabis, Kokain, Amphetamine, Methamphetamine und das angstlösende und muskelentspannende Benzodiazepin. Die Umstände bei einer Verkehrskontrolle lassen keine ausführlichen Testverfahren wie Blutentnahmen zu. Deshalb werden Drogenschnelltests verwendet, um zumindest erste Anhaltspunkte zu bekommen.

So funktionieren die Drogentests

Eine übliche Methode ist der Speicheltest. Dabei wird mit einem Teststreifen Speichel aus dem Mundraum entnommen; der Speichel wird dann in einem Schnelltest analysiert. Die Resultate gelten als recht zuverlässig, werden aber vor Gericht nicht anerkannt. Ähnlich ist es auch beim Schweißtest. Dabei werden mit einem Teststreifen Schweißpartikel an besonders schweißintensiven Körperstellen abgewischt und entsprechend ausgewertet. Auch diese Methode hat vor Gericht keine Gültigkeit. Ebenso weit verbreitet sind Urintests. Sie liefern relativ gute und langandauernde Ergebnisse, weil Drogen sehr oft über die Nieren abgebaut werden. Eine zuverlässige Methode sind Bluttests, die aber in einem Labor durchgeführt und ausgewertet werden müssen. Eine hohe Aussagekraft über den Drogenkonsum haben auch Tests der Haare, wobei hier vor allem gute Langzeitanalysen möglich sind.

Niemand ist verpflichtet, sich einem Schnelltest bei der Verkehrskontrolle zu unterziehen. Jedoch kann die Polizei bei entsprechendem Verdacht einen richterlichen Beschluss erwirken. Und der ist dann bindend und der Schnelltest muss durchgeführt werden. Das gilt auch, wenn Gefahr im Verzug ist, wie es in der juristischen Fachsprache heißt.

Beim Speicheltest wird mit einem Teststreifen Speichel aus dem Mundraum entnommen und in einem Schnelltest analysiert.
Quelle: Simone Neumann ((c) dpa - Fotoreport) Beim Speicheltest wird mit einem Teststreifen Speichel aus dem Mundraum entnommen und in einem Schnelltest analysiert

Vor Gericht gelten ausschließlich die Blutanalysen. Im Rahmen der MPU können insbesondere Haartests durchgeführt werden, die auch Rückschlüsse auf das Langzeitverhalten zulassen. Bei einem gründlichen Test geht man von einem Cut-off-Wert aus, der als Richtlinie für aktiven Drogenkonsum gilt. Dieser Cut-off-Wert ist der Wert, ab dem ein Drogentest positiv anschlägt. Dieser Wert kann – je nach Hersteller des Drogentests – unterschiedlich ausfallen. Inzwischen sind die Werte allerdings so niedrig, dass auch Personen, die zum Beispiel passiv Cannabis eingeatmet haben, bei einem Schnelltest als Konsument eingestuft werden könnten.

Übrigens: Kommt es bei der Fahrt mit Drogen zu einem Unfall, droht laut ADAC auch, dass die Haftpflichtversicherung den Schaden zwar reguliert. Sie kann aber bis zu 5.000 Euro Regress fordern. Kaskoversicherungen können die Leistung ganz verweigern.

Drogentests: Wie lange sind welche Drogen nachweisbar?

Was die Drogentests kompliziert macht, sind die vielen Präparate, die im Umlauf sind und für die unterschiedliche Testverfahren notwendig sind. Dabei sind auch die Nachweisfristen recht unterschiedlich. In der Tabelle findest Du die wichtigsten Infos im Überblick. Aufgepasst: Bei diesen Zahlen handelt es sich um Annäherungswerte. Die tatsächlichen Ergebnisse können je nach Konsum und Konstitution der untersuchten Person sehr unterschiedlich ausfallen. Auch offizielle Messwerte gibt es nicht.

Präparat          Nachweisbar im UrinNachweisbar im Blut 
Cannabis THC2 bis 3 Tage; bei regelmäßigem Konsum bis zu 6 Wochen3 Tage; bei regelmäßigem Konsum bis zu 30 Tagen  
Ecstasy          1 bis 4 Tagebis zu 24 Stunden
Speed1 bis 3 Tage1 Tag 
Crystal1 bis 3 Tage1 Tag
Kokain          2 bis 4 Tagebis zu 24 Stunden     
Opiate1 bis 4 Tagebis zu 2 Tagen
Benzodiazepine        1 bis 3 Tageunterschiedlich; abhängig vom Präparat         
Barbiturateunterschiedlich; abhängig vom Präparat         unterschiedlich; abhängig vom Präparat         

Die Folgen eines positiven Drogentests für Deinen Führerschein

Falls Du bei einer Verkehrskontrolle auf Drogen getestet worden bist und das Ergebnis positiv war, sind Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) die Folge. Die Basis dieser Ermittlungen sind die Resultate aus dem Bluttest. Die Ergebnisse aus dem Bluttest sind auch für eine Gerichtsverhandlung relevant.

Drogen am Steuer haben Bußgelder, Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg und Fahrverbote zur Folge. Bereits bei einem ersten Verstoß sind 500 Euro Geldstrafe, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot ein übliches Strafmaß. Bei Wiederholungsfällen steigt das Strafmaß deutlich. Wenn auch eine Gefährdung im Straßenverkehr entstanden, dann ist ein Entzug des Führerscheins durchaus üblich, im Extremfall auch höhere Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Bei Drogendelikten musst Du auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung absolvieren. Möchtest Du Deinen Führerschein wiedererlangen, musst Du die MPU bestehen. Zusätzlich muss unter Umständen auch ein Abstinenznachweis erbracht werden. Mit einem solchen Nachweis wird bewiesen, dass jemand dauerhaft auf Drogen verzichtet hat. Dieser Nachweis kann auch Teil der MPU sein. Bei der MPU gehört eine medizinische Untersuchung grundsätzlich zum Programm. Dabei verschafft sich ein Arzt einen Überblick über die gesundheitliche Situation des Untersuchten. Je nach Vorgeschichte kann diese Untersuchung etwas umfangreicher ausfallen. Gibt es eine Drogen-Vorgeschichte, ist auch ein Urinuntersuchung Teil des Programms. Dabei wird nach Restsubstanzen und Abbauprodukten von Drogen gesucht.

Da es sich bei solchen Untersuchungen eher um Momentaufnahmen handelt, ist es für den Geprüften von Vorteil, wenn er bereits vorher einen Abstinenznachweis hat erstellen lassen. Für diesen Nachweis infrage kommt entweder das Urinscreening oder eine Haaranalyse. Beim Urinscreening bieten sich laut TÜV Nord zwei Nachweiszeiträume an. Die kurze Version bedeutet vier Urinkontrollen in einem Zeitraum von sechs Monaten, in der langen Variante werden sechs Urinkontrollen in zwölf Monaten durchgeführt.

Drogen am Steuer haben Bußgelder, Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg und Fahrverbote zur Folge.
Quelle: Olivier Digoit (picture alliance/imageBROKER) Drogen am Steuer haben Bußgelder, Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg und Fahrverbote zur Folge

Bei der Haaranalyse sind für den Nachweis einer einjährigen Drogenabstinenz zwei Haaranalysen erforderlich. Dabei braucht man kopfnahe Haarsegmente, die maximal sechs Zentimeter lang sind und unbehandelt – also nicht gefärbt, getönt oder gebleicht. Diesen Abstinenznachweis kann man zum Beispiel bei TÜV oder DEKRA vereinbaren und nach einem festgelegten Programm absolvieren. Dabei sind auch einige wichtige Formalitäten zu beachten. Zum Beispiel müssen Urinproben in unregelmäßigen Zeitabständen und kurzfristig geliefert werden. Die Terminmitteilung erfolgt unter Umständen erst einen Tag vorher. Die Proben werden unter Sichtkontrolle abgegeben. Der Urin wird auch auf einen eventuellen Verdünnungsgrad hin untersucht. Die Kosten für einen Abstinenznachweis sind relativ hoch. Bei der Haaranalyse zahlt man pro Untersuchung etwa 150 bis 200 Euro. Die Urinanalyse ist mit 115 Euro beim TÜV zwar günstiger, hier sind aber mehr Kontrollen beziehungsweise Analysen erforderlich.

Ein Grenzbereich ist die missbräuchliche Einnahme von Medikamenten, die psychoaktiv wirken können. Dazu zählen mit Diazepinen verwandte Mittel wie etwa Valium. Sind solche Fälle offenkundig, dann liegt es an der Führerscheinstelle, ein ärztliches Gutachten oder eine MPU zu verlangen. Wurde die Fahrerlaubnis bereits wegen Drogenmissbrauch entzogen oder besteht Verdacht auf eine Drogenabhängigkeit, dann ist die Anordnung der MPU üblich. Bei gelegentlichem Missbrauch etwa von Cannabis ist die MPU nicht zwingend vorgeschrieben und liegt im Ermessensbereich der Behörde.

Wer vor einer offiziellen Untersuchung auf Nummer sicher gehen will, kann sich in der Apotheke oder auch im Internet einen Drogentest zum Eigengebrauch besorgen. Diese Teststreifen sind frei erhältlich, funktionieren als Urin- oder Speicheltest und reagieren auf verschiedene gängige Präparate. Käufer sind übrigens nicht nur Eltern in Sorge um den Nachwuchs, sondern vor allem Beziehungspartner, Firmen und Organisationen, die sich Gewissheit verschaffen wollen.



Konsequenzen bei nachgewiesenen Drogen am Steuer

DeliktBußgeld         Punkte im FahreignungsregisterFahrverbot
Drogen am Steuer im Erstfall500 Euro21 Monat
im Wiederholungsfall1.000 Euro23 Monate
bei mehrfachen Verstößen1.500 Euro23 Monate
mit Gefährdung des Straßenverkehrs3Entzug des Führerscheins, Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren


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