Sechs-Meter-Campingbus von Ford und Westfalia

Fords Big Nugget tritt gegen den Grand California an

Mehr Länge gleich mehr Platz: Ford bringt mit dem Big Nugget eine große Alternative zum Campingbus-Klassiker Nugget. Westfalia baut dafür den Transit Custom um.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 09/09/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Die Basis für Fords Big Nugget ist der Transit. Für die Camper-Version wurde der Radstand verlängert und das Dach höher gesetzt
Quelle: Ford Die Basis für Fords Big Nugget ist der Transit. Für die Camper-Version wurde der Radstand verlängert und das Dach höher gesetzt

Das Prinzip Campingbus ist mittlerweile bewährt: Ein relativ kompakter Camper auf Eintonner-Basis, der dennoch bis zu vier Personen leidlich komfortabel unterbringt. Hier gehört der Nugget von Ford und Westfalia zu den etablierteren Konkurrenten des Klassikers VW California. Der Nugget basiert auf dem Ford Transit Custom: Der ist mit regulär einer Tonne Nutzlast und rund fünf Metern Länge ein direkter Wettbewerber des VW Transporter, des „Bulli“ eben.

Was aber, wenn Bulli und Nugget zu klein sind? Schließlich will nicht jeder mit seinem Campingbus durch enge Städte oder in niedrige Tiefgaragen fahren. Für einige Kunden darf es ruhig mehr Komfort auf mehr Grundfläche sein. VW reagierte im Jahr 2018 und brachte den „Grand California“ auf Basis des großen Crafter. Einfache Faustformel: Sechs Meter Länge bieten mehr Platz als fünf Meter Länge.



13 Kubikmeter Camping-Fläche

Nun zieht Ford nach: Auf auf dem Caravan Salon in Düsseldorf zeigen die Kölner die seriennahe Studie namens “Big Nugget”. Der setzt das Konzept des Nugget ebenfalls auf mehr Fläche um: Der große Nugget basiert nicht auf dem Ford Transit Custom, sondern auf dem größeren Ford Transit Kastenwagen mit Frontantrieb. Ford wählt die maximale Ausbaustufe des Nutzfahrzeugs mit Hochdach und langem Radstand von 3,75 Metern. Ein Aufstelldach gibt es also nicht, an der Höhe des Fahrzeugs (ca. 2,78 m) lässt sich nichts drehen. 

So kann der Big Nugget mit dem Grand California mithalten. Wie dieser misst er rund sechs Meter in der Länge. Das schafft jede Menge Platz, insgesamt etwa 13 Kubikmeter. Die Konstrukteure nutzen sie etwa für einen abgetrennten Badbereich mit fest eingebauter Toilette sowie mit Waschbecken und Dusche. Voraussichtlich fassen die Frisch- und Abwassertanks jeweils 100 Liter. 

Die Serienversion des Ford Big Nugget soll im ersten Halbjahr 2020 starten
Quelle: Ford Die Serienversion des Ford Big Nugget soll im ersten Halbjahr 2020 starten

Hinzu kommt ein geräumiges Querbett mit den Maßen 200 x 154/131 cm im Heck. Die Küchenzeile des Big Nugget umfasst zwei Gaskochfelder, einen 70-Liter-Kühlschrank und ein Spülbecken. Die Rückenlehne der daneben montierten Sitzbank lässt sich in der Neigung verstellen. Gemeinsam mit den drehbaren Fahrer- und Beifahrersitzen bildet sie eine Sitzgruppe im Wohnbereich.

Die Stehhöhe im Innenraum des Big Nugget beträgt 2,05 Meter – damit konkurriert er durchaus mit ausgewachsenen Campingmobilen. Ford sieht für den Big Nugget zwei Zielgruppen: Einmal fungiert er als logisches Topmodell der Nugget-Reihe, wenn dessen Nutzer ein größeres Fahrzeug wünschen. Er sei aber auch eine Alternative für Camper, die bisher größere Wohnmobile genutzt hätten und nun eine kompaktere Lösung suchten, so der Hersteller.

Fords neuer Nugget schaut voraus

Den Innenausbau des Ford Big Nugget besorgt wie bei den kleineren Modellen der Spezialist Westfalia, der inzwischen als Westfalen Mobil GmbH in Rheda-Wiedenbrück firmiert. Für den Antrieb des XL-Campingbusses sorgen 2,0-l-Diesel mit 105 bis 185 PS. Ford verweist auf die moderne Ausstattung des Basismodells: neben einem Start-Stopp-System sorgt ein „Efficient Drive Mode“ für niedrige Verbräuche. Serienmäßig soll jeder Big Nugget damit auf Basis von GPS- und Navi-Informationen vorausschauend fahren.

Zudem verfügt der Ford Transit in aktueller Version über eine Vielzahl von optionalen Assistenten: Ein Totwinkelwarner ist bestellbar, gegen Aufpreis warnt der Ford auch vor rückwärtigem Querverkehr – auch dann, wenn ein Anhänger angekoppelt ist. Ein adaptiver Tempomat ist ebenfalls lieferbar, ebenso ein Fahrspur-Assistent und eine autonome Notbremse. Ebenfalls hilfreich für ungeübte Fahrer könnte in der Praxis der automatische Parkassistent sein. 

Zwar ist der Big Nugget zunächst eine Studie, dennoch soll die Produktion bereits Anfang 2020 starten. Den Marktstart planen Ford und Westfalia für das erste Halbjahr 2020 ein. Zum Preis verrät Ford noch nichts. Billig wird der große Nugget nicht. Das kleinere Modell auf Basis des Transit Custom kostet mit Aufstelldach ab 53.219 Euro, als Hochdach-Nugget mindestens 53.809 Euro und als Nugget Plus ab 57.510 Euro. Angesichts des Preisabstands der Basismodelle von gut 5.000 Euro und der aufwändigeren Einbauten wird der Big Nugget also voraussichtlich nicht weniger als 60.000 Euro kosten.  


Der Ford Big Nugget in Bildern

  • In der Küche des Big Nugget wird auf einem Gasherd gekocht
    Quelle: Ford In der Küche des Big Nugget wird auf einem Gasherd gekocht
  • Die Serienversion des Ford Big Nugget soll im ersten Halbjahr 2020 starten
    Quelle: Ford Die Serienversion des Ford Big Nugget soll im ersten Halbjahr 2020 starten
  • Das Bad ist mit Waschbecken, fest installierter Toilette und Dusche eingerichtet
    Quelle: Ford Das Bad im Big Nugget ist mit Waschbecken, fest installierter Toilette und Dusche eingerichtet
  • Premiere feiert das Big Nugget (zu deutsch: großes Goldstück) auf dem Caravan Salon in Düsseldorf
    Quelle: Ford Premiere feiert das Big Nugget (zu deutsch: großes Goldstück) auf dem Caravan Salon in Düsseldorf
  • Die Basis für Fords Big Nugget ist der Transit. Für die Camper-Version wurde der Radstand verlängert und das Dach höher gesetzt
    Quelle: Ford Die Basis für Fords Big Nugget ist der Transit. Für die Camper-Version wurde der Radstand verlängert und das Dach höher gesetzt