Überblick Führerscheinklassen, Kosten, Tipps

Wohnmobil: Welchen Führerschein brauche ich?

Du möchtest Dir ein Wohnmobil kaufen? Dann sollte Dein erster Blick auf Deinen Führerschein fallen. Erst danach kannst Du Dich durch Inserate wühlen.

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  • Veröffentlicht am 04/24/2020, 04:42 PM
Ein junger Mann beobachtet an einer Küste den Sonnenuntergang und sitzt vor seinem Wohnmobil.
Quelle: dpa / Picture Alliance Wohnmobile und Camper mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen kannst Du mit einem normalen Führerschein der Klasse B fahren

Alles dabei haben, immer „on the road“ sein. Ferne Länder erkunden und doch nicht auf die eigene Matratze verzichten. Wenn Dir das wichtig ist, dann benötigst Du ein Reisemobil. Mit dem eigenen Camper hast Du Dein Zuhause stets dabei, kannst aber dennoch unterwegs sein.

Doch bevor Du Dir jetzt ein passendes Reisemobil suchst, solltest Du einen Blick in Deinen Führerschein und auf die Führerscheinklassen werfen. Es gibt einige Unterschiede bei den Führerscheinklassen, je nachdem, wann Du den Führerschein erworben hast. Zudem darfst Du nicht mit jeder Klasse jedes Fahrzeug fahren. Auch wenn Du einen Bus als Wohnmobil einsetzt, solltest Du wissen, welcher Führerschein dafür nötig ist. Einen extra Führerschein für Wohnmobile gibt es aber nicht.


Ein VW Bulli mit Campingausstattung und Suchscheinwerfern fährt über eine Wiese.
Gebrauchte Wohnmobile

Mit diesen Wohnmobilen wird die Straße Dein neues Zuhause.


Das Gewicht bestimmt die Führerscheinklasse

Je nachdem wie groß und schwer das Reisemobil ist, benötigst Du eine entsprechende Fahrerlaubnis. Der Gesetzgeber hat den Führerschein an das Gewicht eines Wohnmobils gekoppelt.

Wohnmobile mit einem Gewicht bis 3,5 Tonnen

Wohnmobile bis 3.500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht kannst Du mit dem normalen Pkw-Führerschein der Klasse B fahren. Auch mit dem alten Führerschein der Klasse 3 darfst Du dieses Fahrzeug lenken.



Wohnmobile mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen

Für Fahrzeuge mit einem höheren zulässigen Gesamtgewicht benötigst Du den Führerschein der Klasse C1 oder C – oder den alten Führerschein Klasse 3. Damit darfst Du Wohnmobile mit einem Gesamtgewicht von bis zu 7.500 Kilogramm fahren. Das gilt auch, wenn Du den alten rosa Führerschein in einen Führerschein im Scheckkartenformat umgetauscht hast. Die Berechtigungen bleiben bestehen.

Mit dem C1 bist Du berechtigt, einen mittelschweren Lkw bis 7,5 Tonnen zu fahren und einen Anhänger mit einem Gesamtgewicht von 750 Kilogramm zu ziehen. Mit der Klasse B96 darfst Du Gespanne bis 4,25 Tonnen (4.250 Kilogramm) fahren, wie beispielsweise ein Wohnmobil mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3 Tonnen und einen Anhänger von mehr als 750 Kilogramm.

Ein graues wohnmobil vom typ Hymer B-Klasse Masterline fährt über eine Landstraße.
Quelle: Hymer GmbH Für Fahrzeuge mit einem höheren zulässigen Gesamtgewicht benötigst Du den Führerschein der Klasse C1 oder C – oder den alten Führerschein Klasse 3

Wohnmobile mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen

Wenn Du mit einem großen Wohnmobil in der Lkw-Klasse liebäugelst, also einem Fahrzeug mit mehr als 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, benötigst Du in der Regel einen Führerschein für Lkw-Fahrer der Klasse C oder CE. Mit dem CE1 darfst Du Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren und einen Anhänger mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht. Zusammen dürfen sie nicht mehr als 12 Tonnen wiegen.

Du hast den Führerschein bis zum 31.12.1998 gemacht. Was ändert sich für Dich?

Wenn Du Deine Fahrerlaubnis noch vor Januar 1999 bestanden hast, hast Du Glück gehabt. Mit dem alten Klasse-3-Führerschein darfst Du mit der neuen Klasse C1 (zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen) generell Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren. Fahrzeuge als Gespann, also auch ein Reisemobil mit Anhänger, sogar bis 18,5 Tonnen. Letzteres allerdings nur bis zum 50. Lebensjahr, danach müssen maximal 12 Tonnen reichen. Wenn Du weiterhin als Über-50-Jähriger einen richtig schweren Camper fahren willst, musst Du die Klasse CE79 im Scheckkarten-Führerschein haben und alle fünf Jahre einen Nachweis erbringen, dass Du fahrtüchtig bist. Dazu reichen eine ärztliche Untersuchung und eine Überprüfung des Sehvermögens.

Ein Wohnanhänger wird von einem grauen VW Passat Kombi gezogen.
Quelle: dpa / Picture Alliance Übersteigt das Gewicht des Wohnanhängers 750kg, benötigst Du die Führerscheinklasse BE, um das Gespann fahren zu dürfen

Die Führerscheinklassen für Wohnmobile im Überblick

FührerscheinZulässiges Wohnmobil
Alter Führerschein Klasse 3Wohnmobile mit bis zu 7,5 t
Führerschein Klasse BWohnmobile mit bis zu 3,5 t
Führerschein Klasse BEGespann mit bis zu 3,5 t
Führerschein Klasse C1Wohnmobile mit 3,5 t und 7,5 t
Führerschein Klasse C1EWohnmobil zwischen 3,5 und 7,5t, Gespann bis 12 t
Führerschein Klasse CWohnmobile ab 3,5 t
Führerschein B96Gespann bis 4,25t


T2 Westfalia
VW T2 Westfalia

Mit voller Campingausstattung gilt der VW T2 Westfalia als Outdoor-Klassiker.


Was kostet Dich ein entsprechender Führerschein?

Wie hoch die Führerschein-Kosten für Reisemobile liegen, hängt stark von Deinem Wohnort und Deinem Fahrkönnen ab. Nach Letzterem richtet sich auch die Anzahl Deiner zusätzlichen Fahrstunden über die vorgeschriebenen Pflichtstunden hinaus.

Klasse B: Gewicht bis 3,5 Tonnen

Für den „normalen“ Autoführerschein zahlst Du meist zwischen 1.500 und 2.000 Euro – je nachdem, wie viele Fahrstunden Du benötigst.

Klasse C oder C1: Gewicht mehr als 3,5 Tonnen

Damit Du Wohnmobile zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen fahren darfst, benötigst Du mindestens den Führerschein C1. Die Theoriekosten liegen je nach Ort und Fahrschule zwischen 250 und 500 Euro. Hinzu kommen praktische Stunden und die praktische Prüfung. Mit rund 1.000 Euro Kosten für den C1-Führerschein kannst Du rechnen. Wenn Du einen großen Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen fahren willst, wird es sehr teuer. Da der Unterrichtsstoff in Theorie und Praxis umfangreicher ist, zahlst Du für die C-Lizenz zwischen 2.500 und 3.500 Euro.

Klasse B96: Gewicht bis 4,25 Tonnen

Diese Zusatzqualifikation ist recht neu und im Vergleich zu den anderen Führerscheinen günstiger. Je nach Fahrschule liegen die Kosten für die theoretische Ausbildung (eintägiger Kursus ohne Prüfung) zwischen 300 und 500 Euro.



Worauf sonst noch zu achten ist

Wenn Du als Fahrer keinen passenden Führerschein besitzt, darfst Du den Camper nicht fahren. Andernfalls machst Du Dich strafbar, weil Du keine gültige Fahrerlaubnis hast. Dabei gilt die Beschränkung auch für Fahrten im Ausland, auch wenn dort andere Vorgaben bezüglich des Gewichtes für den nationalen Führerschein gelten.

Bei großen Reisemobilen mit mehr als 3,5 Tonnen gelten Lkw-Verkehrszeichen. Damit ist auf der Autobahn das Lkw-Überholverbot und maximal Tempo 100 bindend. Aber auch bei Fahrzeugen mit weniger als 3,5 Tonnen solltest Du aufpassen. Wenn Du das Wohnmobil überlädst, machst Du Dich ebenso strafbar.

Bei Fahren ohne Führerschein gelten folgende Strafen

VergehenStrafePunkte in Flensburg
Ohne gültige oder vorhandene Fahrerlaubnis gefahrenGeld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr3
Fahrlässig ohne Fahrerlaubnis gefahrenGeldstrafe bis zu 180 Tagessätzen, Freiheitsstrafe bis zu sechs Monate          3

Wenn Du nicht die passende Fahrerlaubnis in Deinem Führerschein verzeichnet hast, führt kein Weg an der praktischen Ausbildung und der theoretischen Prüfung vorbei. Bevor Du Dir ein neues Wohnmobil zulegst, solltest Du Dir weitere Informationen bei einer Fahrschule in Deiner Nähe besorgen.


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