Positionierung im Markt
Microcar gehörte über Jahrzehnte zu den bekannten europäischen Marken für Leichtfahrzeuge, die häufig als Mopedautos oder Voiturettes bezeichnet werden. Das französische Unternehmen wurde 1984 gegründet und später in die Groupe Ligier integriert. Die Modellpalette umfasste Fahrzeuge der Klassen L6e und L7e. Modelle der Klasse L6e dürfen höchstens 45 km/h erreichen und können in Deutschland mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden. Diese Fahrerlaubnis ist seit Juli 2021 bundesweit ab 15 Jahren erhältlich. Für Fahrzeuge der Klasse L7e reicht die Klasse AM dagegen nicht aus. Hier ist in Deutschland in der Regel die Führerscheinklasse B erforderlich. Microcar richtete sich vor allem an Jugendliche, Pendler und Stadtbewohner, die ein kompaktes Fahrzeug für kurze Strecken suchten.
Wettbewerber
Microcar zählte gemeinsam mit Aixam, Ligier, Chatenet und Casalini zu den etablierten Anbietern europäischer Leichtfahrzeuge. Aixam verfügt über ein breites Händlernetz und nimmt in diesem Markt eine wichtige Stellung ein. Ligier war innerhalb der Groupe Ligier die Schwestermarke von Microcar. Zusätzlicher Wettbewerb entstand durch Großserienhersteller. Citroën trat mit dem Ami an, Opel mit dem Rocks-e, der inzwischen als Opel Rocks angeboten wird. Renault war mit dem Twizy vertreten, dessen Nachfolge der Mobilize Duo antrat. Die neuen Anbieter veränderten das Segment durch elektrische Antriebe, vorhandene Vertriebsstrukturen und eine breitere öffentliche Wahrnehmung. Neben dem Wettbewerbsdruck dürfte auch die Konzentration der Groupe Ligier auf ihre Hauptmarke zur Aufgabe von Microcar beigetragen haben.
Vertrieb und Service in Deutschland
In Deutschland wurde Microcar über das Händlernetz der Groupe Ligier vertrieben, das zeitweise rund 150 Partnerbetriebe umfasste. Viele Händler waren auf Leichtfahrzeuge spezialisiert und übernahmen neben dem Verkauf auch Wartung und Reparaturen. Nach dem Ende der Marke und der Schließung des Produktionsstandorts in Montaigu-Vendée werden keine neuen Microcar-Fahrzeuge mehr hergestellt. Gebrauchte Modelle sind weiterhin über Händler und Online-Fahrzeugbörsen erhältlich. Die Versorgung mit Ersatzteilen sowie technische Dienstleistungen liegen bei der Groupe Ligier und den angeschlossenen Partnerbetrieben. Die tatsächliche Verfügbarkeit kann vom Modell, Baujahr und benötigten Bauteil abhängen.
Qualität und Garantie
Microcar verfügte über langjährige Erfahrung im Bau kompakter Leichtfahrzeuge. Je nach Modell kamen Aluminiumstrukturen und Karosserieteile aus Kunststoff zum Einsatz. Die Konstruktion war auf ein geringes Gewicht und die gesetzlichen Anforderungen der jeweiligen Fahrzeugklasse ausgelegt. Leichtfahrzeuge unterliegen jedoch nicht denselben Sicherheitsanforderungen wie klassische Pkw. Umfangreiche unabhängige Langzeitdaten zu Zuverlässigkeit, Rückrufen und Mängelquoten liegen für Microcar nicht vor. Bei Gebrauchtwagen hängen mögliche Garantieansprüche vom Händler, vom Kaufvertrag und von einer eventuell bestehenden Gebrauchtwagengarantie ab. Davon zu unterscheiden ist die gesetzliche Sachmängelhaftung des Verkäufers.
Ausblick
Die Marke Microcar wurde Ende 2024 aufgegeben, die Produktion endete Anfang 2025. Neue Modelle sind daher nicht angekündigt. Die bisherigen Aktivitäten werden innerhalb der Groupe Ligier unter der Marke Ligier fortgeführt. Modelle wie der Microcar Dué und der Microcar M.Go sind nur noch als Gebrauchtfahrzeuge verfügbar. Die Entwicklung zeigt die zunehmende Konzentration im Markt für Leichtfahrzeuge.
Modellangebot
Die Modellpalette von Microcar konzentrierte sich bis zur Einstellung der Marke auf Leichtfahrzeuge mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Der Microcar Dué war ein kompakter Zweisitzer mit einer Länge von rund 2.870 mm. Er wurde unter anderem in den Ausstattungslinien Initial und Must angeboten. Als Antrieb diente ein Zweizylinder-Dieselmotor mit 6 kW (8 PS). Der Microcar M.Go besaß eine eigenständige Karosserie und war ebenfalls mit einem Dieselmotor erhältlich. Ergänzend gab es den Microcar M.Go Electric mit Elektroantrieb und einer Reichweite von bis zu 192 Kilometern. Beide Baureihen gehörten zur Fahrzeugklasse L6e und durften mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden. Ein Führerschein der Klasse B war daher nicht erforderlich. In Deutschland erfolgte der Vertrieb über spezialisierte Händler. Seit Anfang 2025 werden keine Neufahrzeuge der Marke Microcar mehr produziert.
- Dué als Einstiegsmodell mit Dieselantrieb
- M.Go mit Diesel- oder Elektroantrieb erhältlich
- Beide Modelle sind führerscheinfreie Leichtfahrzeuge
Technologie
Die Fahrzeuge von Microcar basierten auf einer einteiligen Aluminiumkarosserie mit strukturellen Verstärkungen. Die Vorderräder wurden an MacPherson-Federbeinen geführt, die Hinterräder an unabhängigen Längslenkern. Als Dieselantrieb dienten Zweizylinder-Viertaktmotoren mit rund 478 bis 498 cm³ Hubraum und 6 kW (8 PS) Leistung. Die Kraftübertragung übernahm ein stufenloses Automatikgetriebe. Der Verbrauch lag bei rund 3,4 bis 3,6 Litern je 100 Kilometer, die CO₂-Emissionen nach Euro-5-Abgasnorm bei etwa 89 bis 93 g/km. Die Elektrovariante des Microcar M.Go erreichte laut Hersteller eine Reichweite von 123 bis 192 Kilometern. Serienmäßig verfügten die Modelle über Scheibenbremsen an beiden Achsen, LED-Tagfahrlicht, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber. Umfangreichere Ausstattungslinien boten einen 10-Zoll-Touchscreen, Sitzheizung und Apple CarPlay. Assistenzsysteme wie bei klassischen Pkw waren aufgrund der Fahrzeugklasse nicht vorgeschrieben und nur in begrenztem Umfang vorhanden.
- Dieselmotor leistet 6 kW (8 PS)
- Microcar M.Go Electric bietet 192 Kilometer Reichweite
- Aluminium-Chassis und Scheibenbremsen an allen Rädern
Vorteile
- Mit Führerscheinklasse AM bereits ab 15 fahrbar
- Wahlweise mit Diesel- oder Elektroantrieb erhältlich
- Kompakte Abmessungen erleichtern Fahrten im Stadtverkehr
Nachteile
- Marke Anfang 2025 eingestellt, keine Neuwagen verfügbar
- Begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h
- Restwert und Ersatzteilversorgung langfristig unsicher