Positionierung im Markt
Micro Mobility Systems besetzt mit dem Microlino eine Nische zwischen Elektroroller und klassischem Kleinstwagen. Das Fahrzeug gehört zur EU-Fahrzeugklasse L7e und ist rechtlich kein Pkw. Es verfügt über eine geschlossene Kabine, zwei Sitzplätze und ein Kofferraum-Volumen von 230 Litern. Das Konzept richtet sich vor allem an den Stadtverkehr und kurze Pendelstrecken. Durch die kompakten Abmessungen benötigt der Microlino weniger Verkehrs- und Parkfläche als ein herkömmlicher Kleinwagen. Gleichzeitig bietet die Karosserie einen besseren Wetterschutz als ein Motorroller oder ein offenes Leichtelektrofahrzeug.
Wettbewerber
Zu den Wettbewerbern im weiteren Sinne zählen der Renault Twizy und der Citroën Ami. Die Modelle unterscheiden sich jedoch bei Fahrzeugklasse, Leistung und Nutzungskonzept. Hinzu kommen elektrische Kleinstfahrzeuge verschiedener chinesischer Hersteller, die auf dem deutschen Markt bislang nur eingeschränkt vertreten sind. Laut verfügbaren Marktdaten erreichte Micro 2024 bei elektrischen Leichtfahrzeugen seiner Klasse in Deutschland einen Marktanteil von rund 73 Prozent, gemessen an den abgesetzten Einheiten. Aufgrund der geringen Größe dieses Marktsegments können bereits niedrige absolute Stückzahlen zu hohen Marktanteilen führen.
Vertrieb und Service in Deutschland
Seit Anfang 2023 übernimmt Astara Mobility den Vertrieb des Microlino in Deutschland. Astara ist eine international tätige Automobilhandelsgruppe mit Sitz in Spanien. Konfiguration und Bestellung erfolgen überwiegend online. Stationäre Partner übernehmen Beratung, Probefahrten, Fahrzeugübergabe und Serviceleistungen. Mitte 2024 umfasste das deutsche Netz rund 40 Verkaufs- und Servicestellen bei 18 Partnern. Bis Ende 2024 war eine Erweiterung auf 50 Standorte vorgesehen. Die Standorte konzentrieren sich vor allem auf Metropolregionen. Ein eigenes Markengeschäft befindet sich unter anderem in der Motorworld München. Neben dem Fahrzeugkauf ist über Astara Move ein Abonnementmodell verfügbar.
Qualität und Garantie
Der Microlino wird bei Cecomp in Turin gefertigt. Seine Gestaltung erinnert an Kabinenroller wie die BMW Isetta aus den 1950er-Jahren. Technisch handelt es sich jedoch um eine eigenständige Neuentwicklung. Da die Serienproduktion erst 2022 begann, liegen bislang nur begrenzte Erkenntnisse zur langfristigen Zuverlässigkeit vor. Auch die Datenbasis aus unabhängigen Dauertests und Rückrufstatistiken ist noch klein. Öffentlich zugängliche Rückrufmeldungen für den deutschen Markt sind bislang nicht in nennenswertem Umfang bekannt.
Für Sachmängel gelten die gesetzlichen Bestimmungen. Darüber hinausgehende Herstellergarantien werden von Micro nicht einheitlich hervorgehoben und sollten anhand der jeweils gültigen Vertragsunterlagen geprüft werden. Als Fahrzeug der Klasse L7e unterliegt der Microlino nicht denselben gesetzlichen Anforderungen an Unfallprüfungen wie ein Pkw.
Ausblick
Mit dem seit 2024 erhältlichen Microlino Lite erweitert Micro das Angebot um eine Variante, die je nach nationalen Führerscheinregelungen auch für jüngere Fahrer infrage kommt. Die Microlino Spiaggina ergänzt die Baureihe seit 2025 als offene Freizeitvariante mit abnehmbarem Dach. Weitere Entwürfe wie das Microlino Spider Concept wurden auf Messen vorgestellt. Ein Termin für eine mögliche Serienfertigung war zum Zeitpunkt der verfügbaren Informationen nicht angekündigt. Ob Micro das Angebot künftig um weitere Fahrzeugtypen erweitert, bleibt offen.
Modellangebot
Das Fahrzeugangebot von Micro in Deutschland besteht seit 2023 ausschließlich aus elektrischen Leichtfahrzeugen. Das Kernmodell Microlino ist ein Zweisitzer der EU-Fahrzeugklasse L7e und 2.519 mm lang. Die drei Batterievarianten verfügen über Kapazitäten von 5,5 kWh, 10,5 kWh und 15 kWh. Die Reichweite beträgt nach WMTC rund 93, 177 beziehungsweise bis zu 228 Kilometer. Das Kofferraum-Volumen beträgt 230 Liter. Seit 2024 ergänzt der Microlino Lite die Modellpalette. Er gehört zur Fahrzeugklasse L6e, ist auf 45 km/h begrenzt und verfügt über einen Elektromotor mit 6 kW (8 PS). Das Modell darf mit einem Führerschein der Klasse AM gefahren werden. Seit 2025 ist zudem der Microlino Spiaggina erhältlich. Die offene Variante besitzt ein abnehmbares Stoffdach und offene Seiten. Sie fährt ebenfalls rein elektrisch und nutzt die Antriebstechnik des Microlino.
- Microlino (L7e) mit drei Batterieoptionen, bis 90 km/h
- Microlino Lite (L6e) für die Führerscheinklasse AM
- Microlino Spiaggina als offene Variante ab 2025
Technologie
Der Microlino basiert auf einer Eigenentwicklung von Micro Mobility Systems und wird vom Kooperationspartner Cecomp in Turin gefertigt. Der Heckmotor leistet 12,5 kW (17 PS), liefert ein maximales Drehmoment von 89 Nm und treibt die Hinterräder an. Je nach Einsatzprofil stehen Batterien mit 5,5 kWh, 10,5 kWh oder 14 kWh zur Wahl. Alle Varianten lassen sich laut Hersteller an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose in rund vier Stunden vollständig aufladen. Ein gesonderter Schnellladeanschluss ist nicht vorgesehen. Der angegebene Verbrauch beträgt rund 7 kWh je 100 Kilometer. Je nach Konfiguration wiegt das Fahrzeug zwischen 496 und 530 kg. Im Innenraum zeigt ein Display hinter dem Lenkrad die Fahrdaten an. Ein weiteres Touch-Display dient zur Bedienung grundlegender Funktionen. Fahrerassistenzsysteme nach gängigen Pkw-Standards sind aufgrund der Fahrzeugklasse nicht integriert.
- Heckmotor leistet 12,5 kW (17 PS)
- Laden an Haushaltssteckdose dauert vier Stunden
- Verbrauch beträgt etwa 7 kWh je 100 km
Vorteile
- Rein elektrisch mit sehr geringem Energieverbrauch
- Kompakte Abmessungen erleichtern Parken in Städten
- Führerscheinklasse AM genügt für den Microlino Lite
Nachteile
- Vertriebsnetz in Deutschland noch im Aufbau
- Leichtfahrzeugklasse L7e ohne staatliche Bundesförderung
- Eingeschränkte Langstreckentauglichkeit bei kleiner Batterie