Spritsparen mit SUVs?

Die neue SUV-Diät

Viele Wege führen zum Ziel: Ob Dieselmotor, Hybridantrieb oder elektronische Hilfsmittel – mit ihrer Hilfe lässt sich selbst bei großen SUV der Appetit deutlich zügeln.

23. Juni 2010

Auch ein Porsche kann sparen. Der Schritt muss den Sportwagenhersteller einige Überwindung gekostet haben: Sein Luxus-SUV Porsche Cayenne, schon lange vor dem Brabus-GLK jenseits der Verbrauchsgrenze von 30 Liter auf 100 Kilometer, ist seit mehr als einem halben Jahr auch mit Dieselmotor zu haben – als erster Porsche-Pkw aller Zeiten. 56.436 Euro kostet der Spar-Porsche, der mit drei Liter großem V6-TDI (vom VW Touareg) nur 9,6 Liter Diesel nach EU-Norm verbraucht.

Und auch äußerlich signalisiert der Zuffenhausener Hersteller fortan mehr Bescheidenheit: Im Laufe des Jahres wird der Cayenne mit Hilfe eines Facelifts umgestaltet, damit er nicht mehr ganz so gewaltig wirkt. Ein kompaktes Porsche-SUV ist zwar beschlossene Sache, wird aber noch auf sich warten lassen.

Drei Kilometer bis 50 km/h rein elektrisch

Der Hybridantrieb ist dagegen schon längst da: Toyota mit seinem Luxus-Ableger Lexus war der erste Hersteller, der die Kraft der zwei Herzen effizient im Auto einsetzte – jetzt auch in SUV wie dem Lexus RX 450 h. Die wesentliche Kraftquelle des 4,77 Meter langen, dank Allradantrieb vollwertigen Geländewagens ist der bärenstarke V6-Motor mit 3,5 Liter Hubraum, hinzu kommen zwei Elektromotoren. Das addiert sich zu einer Systemleistung von bis zu 299 PS und einem Normverbrauch von nur 6,3 Liter Super auf 100 Kilometer.

Wer den EV (Electric Vehicle)-Modus einschaltet, bummelt im Stadtverkehr bis 50 km/h ausschließlich mit Elektromotor mit – immerhin bis zu drei Kilometer weit. Doch der Kraftprotz kann auch anders: In knapp acht Sekunden hetzt er von 0 auf 100 km/h, das Ende ist bei 200 km/h erreicht. Das innovative Spar-SUV kostet ab 59.690 Euro.

Hybrid-Touareg von VW kann sogar segeln

Auch Volkswagen hat sich für einen Doppel-Gänger an Bord des großen SUV VW Touareg (kommt im Sommer mit überarbeitetem Erscheinungsbild) entschieden: Mitte des Jahres 2010 soll der Touareg V6 TSI Hybrid auf den Markt kommen – auf Basis der 2. Generation des Volkswagen-Geländewagens. Hausmacht hat darin ein 333 PS starker Benziner mit drei Liter Hubraum, den ein bis zu 52 PS starker Elektromotor tatkräftig unterstützt. Arbeiten beide Hand in Hand, langt das für einen Sprint in nur 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

180 Kilogramm Mehrgewicht

Dennoch soll der Normverbrauch unter neun Liter Super auf 100 Kilometer liegen – obwohl sich das Gesamtgewicht aufgrund der Elektro-Komponenten um rund 180 Kilogramm auf dann über 2,5 Tonnen erhöht. Bei Geschwindigkeiten bis 160 km/h wird, sobald der Fahrer vom Gas geht, der Motor augenblicklich vom achtgängigen Automatikgetriebe abgekoppelt – dann rollt der 4,75 Meter lange Geländewagen spritsparend im Leerlauf.

VW spricht hier ganz poetisch vom „Segeln“. Die geballte Motorkraft ist natürlich sofort wieder da, wenn sie gebraucht wird; auch beim Ziehen von Anhängern: Bis zu 3,5 Tonnen schwere Lasten soll der Hybrid-Touareg wegwuchten; das kann bisher kein Hybrid-Auto.

Land Rover Defender: Nie mehr steckenbleiben

Wer sparen will, kann natürlich auch ganz vorn anfangen: beim Preis. Anstatt Unsummen für eine zeitgemäße Neuentwicklung auszugeben, bietet sich auch ein ausgereifter Klassiker an – zum Beispiel der Land Rover Defender für ab 26.200 Euro. Ist der Toyota RAV4 die Mutter aller SUV, so ist der Defender der Opa: Ein echter Geländewagen, der im Wesentlichen noch so gebaut wird wie 1948, allerdings sind in den vergangenen Jahrzehnten ein paar behutsame Aufwertungen hinzu gekommen. Man sollte aber nicht viel erwarten, bis auf ABS – gegen Aufpreis – gibt es zum Beispiel keine erwähnenswerte Sicherheitsausstattung.

Dafür kauft man mit der kantigen Silhouette echtes Abenteurertum dazu – der Defender ist das Original, keine domestizierte Kopie. Die Fahrleistungen belegen das: Im 3,72 Meter langen, 1,75 Tonnen schweren Land Rover Defender 90 TD4 wie auch allen anderen Modellen arbeitet ein 2,5 Liter großer Turbodiesel aus dem Bus Ford Transit mit 122 PS, der zwischen zehn und elf Liter je 100 Kilometer verbraucht und das Ungetüm mit Mühe auf 131 km/h beschleunigt. Dafür bleibt man dank permanentem Allradantrieb so gut wie nie wieder stecken.

Alles reduziert: Lada Niva, das Spar-SUV

Aber es geht noch billiger: Ein weiterer neuwertiger SUV-Oldtimer kommt aus Russland. Der Lada Niva 4x4 ist ein echter Geländewagen und kostet derzeit neu um die 9000 Euro (je nach Händler). Als Maximaltempo sind 137 km/h angegeben, 81 PS schafft der 1,7 Liter große Benzinmotor. Das totale Spar-SUV (preislich) ist auch vom Spritverbrauch her bescheiden: Der Lada Niva genehmigt sich nach EU-Norm 9,5 Liter auf 100 Kilometer.

Auf Wunsch wird er auch mit Autogas-Motor ausgeliefert, dann kostet die Tankrechnung noch einmal gut 50 Prozent weniger. Allerdings ist auch der Rest des Autos ziemlich reduziert: In Sachen Rostschutz, Komfort, Sicherheit und Qualität hinken die Russen mindestens zehn Jahre hinterher. Doch wer will bei dem Preis meckern …