Opel Corsa D (2006-2014): Gebrauchtwagentest, Kaufberatung

Der Opel Corsa ist solider als der VW Polo

Die vierte Generation des Opel Corsa war ein solider Kleinwagen: Im Alter hält sich der Corsa gut. Auf diese Dinge sollte man beim Kauf eines gebrauchten Corsa D achten.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:05 PM
Opel Corsa D
Quelle: Opel Der Opel Corsa D ist ein empfehlenswerter Kleinwagen mit vergleichsweise wenigen Mängeln

Opel war beim Thema Kleinwagen spät dran, erst 1982 kam der erste Corsa auf den Markt. Danach jedoch belegte der Corsa in Deutschland regelmäßig einen der vorderen Plätze bei den Neuzulassungen. Der Corsa D war sogar mal Marktführer: Das intern S07 genannte Modell wurde 2007 fast 80.000-mal verkauft, öfter als der VW Polo.

Die vierte Corsa-Generation wurde „Car of the year“ und „Gelber Engel 2007“ und ist heute auf dem Gebrauchtmarkt leicht und günstig zu bekommen. Der Corsa gilt als robust und zuverlässig, allerdings haben die ältesten Vertreter der Baureihe schon etliche Jahre auf den Kotflügeln. Und mängelfrei war auch der Corsa D nicht. Wir nennen die häufigsten Probleme sowie die besonders attraktiven Varianten.

Historie, Modellwechsel, Rückrufe

Opel produzierte den fünftürigen Corsa in Saragossa (Spanien) und den Dreitürer im Werk Eisenach (Deutschland). Der acht Jahre lang gebaute Corsa D nutzte ab Sommer 2006 eine Plattform aus dem Fiat-Konzern, nämlich die Basis des Fiat Grande Punto. Kein Nachteil, wie sich herausstellte. Dennoch kam Opel nicht ganz ohne Rückrufaktionen für den Corsa aus. Alle Corsa mussten wegen Bruchgefahr am Kardangelenk der Lenkung in die Werkstatt. Die Modelljahre 2010 bis 2012 leiden unter erhöhter Korrosionsgefahr an der Motorhaube. Opel setzte beim Rückruf eine zusätzliche Ablaufbohrung. Ein weiterer Mangel betraf bei Modellen der Baujahre 2010 bis 2011 die Arretierung des Handbremshebels. Bei Autos des Bauzeitraums November 2009 bis März 2010 konnte sich das Handbremsseil lösen. 

Opel Corsa der Baujahre 2007 bis 2008 litten unter Fehlern an der Klimaanlagensteuerung, bei späten Exemplaren ab Mai 2014 fällt unter Umständen die Zwischenwelle der Lenkung aus. Bei Corsa-Modellen des Jahrgangs 2011 kann die Abdeckung des Beifahrer-Airbags abfallen. Wer sich Autos aus den genannten Bauzeiträumen ansieht, sollte darauf achten, dass die Rückrufe belegbar durchgeführt wurden. 

2010, in der Mitte des Modellzyklus, erhielt der Opel Corsa ein Facelift mit neuer Front und neuen Ausstattungsoptionen. Einige Kinderkrankheiten stellte Opel spätestens zum Facelift ab, daher lohnt sich die Suche nach jüngeren Modellen. Den sportlichen GSi strich Opel zum Facelift, der seit März 2007 erhältliche und kompromisslosere OPC blieb jedoch im Programm. 

Karosserie des Opel Corsa D

Zwar verkaufte Opel den günstigeren Dreitürer öfter, aber der Fünftürer ist praktischer. Während im Dreitürer die Rückbank schwer zu erreichen ist, erleichtern die zusätzlichen Türen hier den Zustieg. Zudem verbessert die steilere Heckscheibe das Raumgefühl. Beim Dreitürer stört die breite C-Säule zusätzlich die Rundumsicht.

Die fünf Türen ändern leider nichts daran, dass auf der Rückbank des 3,99 m kurzen Corsa nicht viel Platz ist. Vorn stimmt das Raumangebot auch für große Menschen. Der Kofferraum fasst zwischen 285 und 1.100 Liter - Kleinwagen-Standard. Die Ladekante liegt nicht ideal. 

Wegen der Rostanfälligkeit der Motorhaube startete Opel einen Rückruf, der Produktionsfehler sollte mit der Aktion behoben sein. An und um die Motorhaube sollten Interessierte trotzdem genauer hinschauen. Einzelne Corsa-Fahrer berichten in Foren auch von Rostproblemen an den Türinnenseiten und am Schweller. Die Türeinstiege an beiden Türen sowie das Blech unter dem Dichtungsgummi sollte man sich also ebenfalls anschauen. Aussicht auf Kulanz seitens Opel gibt es oftmals nur, wenn der Wagen regelmäßig in der Vertragswerkstatt gewartet wurde.

Ein Ärgernis beim Corsa D sind die teilweise schlampig verklebten Frontscheiben. Dadurch kann übermäßig viel Feuchtigkeit ins Auto gelangen. Ein vor allem im Winter nervtötendes Problem, das man nachträglich kaum in den Griff bekommt. Riecht das Auto bei der Besichtigung muffig oder beschlagen die Scheiben ständig, sollte man sich lieber nach einem anderen Corsa umsehen. 

Motoren und Getriebe

Das Angebot an Motorvarianten des Corsa ist groß. Im Laufe der Bauzeit gab es etwa 14 Benziner, die Leistung reichte von 60 bis 211 PS. Die Einstiegsmotoren könnten genügsamen Autofahrern reichen, haben mit dem mindestens 1.100 Kilo schweren Corsa aber zu kämpfen. Bis Oktober 2009 war das der Dreizylinder mit 60 PS, danach löste ihn ein Vierzylinder ab: der 1.2 EcoFlex mit 70 PS. 

Besser ist es, ein Regal höher zuzugreifen. Die zweite Stufe bildete anfangs ein 1,2-Liter-Motor mit zunächst 80 PS und ab November 2009 mit 85 PS. Eine gute Wahl sind die robusten 1.4 Benziner mit je nach Baujahr 87, 90, 100 oder 120 PS. Moderne Kleinwagen fahren sparsamer, aber an der Agilität des Corsa gibt es mit diesen Motoren nichts zu bemängeln. 

Die von Fiat entwickelten sechs Dieselvarianten mit Leistungswerten von 75 bis 130 PS kommen mit 1,3 oder 1,7 Liter Hubraum und weisen allesamt eine spürbare Anfahrschwäche auf. Für Vielfahrer eignet sich der rau, aber sparsam laufende 1.7 CDTI mit zunächst 125 und ab 2010 130 PS. 

Vergleichsweise selten, aber günstig im Unterhalt sind Opel Corsa mit Flüssiggas-Ausrüstung ab Werk. Die LPG-Motoren leisten als 1.2 LPG 80 PS oder als 1.4 LPG 90 PS. Sie wurden aber nur bis Mitte 2011 gebaut. Auch die Sportmodelle lohnen sich: Der Corsa GSI kam mit 150 PS, der OPC mit 192 PS oder als seltene Nürburgring Edition mit 211 PS. Leider neigt der 1.6 Turbo zum Ruckeln. Opel adressierte das Problem mit einem Software-Update.

Bei den Getrieben gilt: Das “Easytronic” genannte automatisierte Schaltgetriebe war kein großer Wurf. Es nervt mit späten Schaltpunkten und ausgiebigen Schaltpausen. Den Corsa D kauft man daher besser mit Handschalter. Das manuelle Fünfgang-Getriebe tut seinen Dienst und ist zuverlässig, einige Corsa-Besitzer empfinden es als hakelig. Vorsicht ist beim M32-Getriebe geboten. Es wurde in Corsa GSI, OPC und im 1.7 CDTI eingesetzt. Bei der Produktion des Sechsgang-Getriebes wurden zulässige Toleranzen nicht eingehalten, daher drohen im Betrieb Getriebeschäden. Surren im fünften und sechsten Gang kündigt einen Lagerschaden an. Falls das auftritt, ist eine Reparatur zwar möglich. Besser ist aber, ein anderes Auto zu suchen.

Fahrwerk

Bei der HU fällt der Opel Corsa D in manchen Bereichen weniger auf als andere Kleinwagen, aber nicht in allen. Bei Achsfedern, Bremse, Lenkung und Ölverlust glänzt der Corsa nicht, Achsaufhängung, Beleuchtung und Auspuffanlage verschleißen dafür äußerst selten. Rostprobleme am Fahrwerk sind fast nie ein Problem. Typische Mängel des Kleinwagens sind laut TÜV-Report Spiel an den Radlagern und gebrochene Fahrwerksfedern. Quietschende Bremsen sind ebenfalls ein häufiges Problem. Manche Corsa-Fahrer bemängeln schleifende Bremsen und eine nervöse Lenkung.

Ärgerlich am gebrauchten Auto ist vor allem Ölverlust am Motor. Das kann an den Dichtungen wie den Simmerringen liegen. Man sollte daher das Auto besser auf eine Hebebühne stellen oder den Unterboden auf Ölspuren kontrollieren. 

Ausstattung und Sicherheit

Die Ausstattungsvarianten beim Corsa heißen Selection, Edition, Innovation oder Sport. Außerdem gab es einige Sondermodelle, zum Beispiel „Catch me now“, „Satellite“, „Color Line“, „Color Race“ und „Color Stripes“.

Die Basis ist schlicht: Elektrische Außenspiegel, ein höhenverstellbares Lenkrad, Servolenkung, Zentralverriegelung, Bremsassistent sowie Front- und Seitenairbags sind an Bord, seit 2009 auch ESP. Seitliche Kopfairbags gab es in der Basis als Option, Isofix für hinten ist Serie.

Man findet glücklicherweise recht einfach Corsa mit guter Ausstattung. Eine manuelle Klimaanlage, CD-Radio mit MP3-Anschluss und das adaptive Fahrlicht (AFL) sind sinnvolle Extras, die oft über Pakete wie “Cool&Sound” oder das Elektro-Paket ins Auto kamen. Für Fahrradfahrer lohnt sich das herausfahrbare FlexFix-Trägersystem im Heck, das gegen Aufpreis bestellbar war. Besonders häufig verlangten Kunden jedoch nicht danach. 

An der Innenausstattung gibt es insgesamt wenig zu meckern. Einige Corsa-Fahrer klagen in Foren über den nervig lauten Gebläsemotor und eine ineffektive Heizung. 

Marktsituation und Preise des Opel Corsa D

Das Angebot an gebrauchten Opel Corsa D ist groß. Einige erreichen mehr als 150.000 Kilometer Laufleistung. Das ist in der Regel bei einem Stadtauto zu viel. Gepflegte Corsa unter 100.000 Kilometer mit ausgefülltem Scheckheft starten bei rund 5.500 Euro. Bei mobile.de finden sich mehr als 2.000 Angebote für solche Modelle. Zwischen Drei- und Fünftürern besteht auf dem Markt offenbar kein großer preislicher Unterschied.

Fazit und Empfehlung

Der Opel Corsa D ist eine Empfehlung, wenn ein solider, gebrauchter Kleinwagen gesucht wird. Technisch änderte Opel beim Nachfolger Corsa E erstaunlich wenig, was die gute Substanz und die zeitgemäße Ausstattung des Kleinwagens belegt. Einige Kinderkrankheiten existierten aber, was die vielen Rückrufe klar zeigen. Welchen Corsa wir uns näher anschauen würden? Eine fünftürige Facelift-Version bekommt den Vorzug, idealerweise mit 1,4-Liter-Benziner und 100 PS. Dann schrumpft die Auswahl auf rund 100 Fahrzeuge. Die Preise starten, je nach Ausstattung und Laufleistung, bei rund 5.500 Euro. Wenn der neu häufiger verkaufte Dreitürer reicht, gibt es deutlich mehr Auswahl.



 

Der Opel Corsa D: Bildergalerie

Der Opel Corsa D in Bildern

  • Opel Corsa D
    Quelle: Opel Der Opel Corsa D wurde deutlich öfter als Dreitürer verkauft, war aber auch als Fünftürer erhältlich
  • Opel Corsa D
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    Quelle: Opel Ein Blick in das Cockpit des Opel Corsa D
  • Opel Corsa D Heckansicht
    Quelle: Opel Zeitweise war der Opel Corsa D sogar erfolgreicher als der VW Polo