Führerschein weg oder doch nur Geldstrafe und Punkte?

Zu schnell unterwegs? Das kostet Dich der Blitzer

Erlebt hat es fast jeder schon mal: Man hat es eilig, ist sowieso spät dran, steht unter Druck und fährt schneller als eigentlich erlaubt. Zack! Geblitzt! Auf den ersten Ärger im Auto folgt meist einige Wochen später ein unerfreulicher Brief von der Behörde. Wer beim Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wird, dem droht eine Strafe.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Bist Du zu schnell unterwegs, kann Dir ein Blitzer zum Verhängnis werden.
Quelle: picture alliance/Uwe Anspach/dpa Bist Du zu schnell unterwegs, kann Dir ein Blitzer zum Verhängnis werden

Ab wann liegt eine Geschwindigkeitsüberschreitung tatsächlich vor? Gelten die Bestimmungen der Bußgeldkataloge für Autobahnen und Landstraßen im selben Maße wie für Straßen innerorts? Wie hoch ist die Gebühr bei einem Verstoß und wann droht ein Verlust des Führerscheins? Unter welchen Bedingungen lohnt sich dann noch ein Einspruch? Informiere Dich hier über alles, was Du wissen musst, wenn Du mit Deinem Auto geblitzt wurdest.
Die Geschwindigkeitsüberschreitung ist die häufigste Unfallursache in Deutschland. Wer zu schnell fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Um alle Verkehrsteilnehmer zu schützen, werden Autofahrer, die mit ihrer gefahrenen Geschwindigkeit von der zulässigen abweichen, geblitzt. Sie erhalten in der Folge einen Bußgeldbescheid. Bei hoher Geschwindigkeitsüberschreitung drohen auch noch ein Fahrverbot und Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg. Wer dort mehr als acht Punkte ansammelt, verliert seinen Führerschein. Alle, die zu schnell gefahren sind und geblitzt wurden, stellen sich meist sofort die Frage: Wie hoch wird das Bußgeld für die Geschwindigkeitsüberschreitung wohl sein? Denn hier gibt es jede Menge Staffelungen, die kaum ein Autofahrer im Kopf hat, nachdem er geblitzt wurde.
Grundsätzlich sind die Strafen für eine Geschwindigkeitsüberschreitung in den Bußgeldkatalogen des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur klar geregelt. Ein Blick in die Bußgeldkataloge lohnt sich in jedem Fall. Schließlich unterscheiden die Bußgeldkataloge prinzipiell zwischen Geschwindigkeitsübertretungen außerorts und innerorts. In den folgenden zwei Listen bekommst Du einen Überblick über die Höhe des Bußgeldes und weitere Konsequenzen, mit denen Du rechnen musst, wenn Du mit Deinem Auto zu schnell gefahren bist und geblitzt wurdest. Weitere Informationen zu den Bußgeldkatalogen sowie zur Geschwindigkeitsüberschreitung auf Autobahnen und allen weiteren Straßen erhältst Du hier.

Bußgeldkatalog für eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts:

  • Bis 10 km/h: 10 Euro Bußgeld
  • 11 bis 15 km/h: 20 Euro Bußgeld
  • 16 bis 20 km/h: 30 Euro Bußgeld
  • 21 bis 25 km/h: 70 Euro Bußgeld plus 1 Punkt
  • 26 bis 30 km/h: 80 Euro Bußgeld plus 1 Punkt und 1 Monat Fahrverbot
  • 31 bis 40 km/h: 120 Euro Bußgeld plus 1 Punkt und 1 Monat Fahrverbot
  • 41 bis 50 km/h: 160 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot
  • 51 bis 60 km/h: 240 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot
  • 61 bis 70 km/h: 440 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 2 Monate Fahrverbot
  • Mehr als 70 km/h: 600 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot

Bußgeldkatalog für eine Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts:

  • Bis 10 km/h: 15 Euro Bußgeld
  • 11 bis 15 km/h: 25 Euro Bußgeld
  • 16 bis 20 km/h: 35 Euro Bußgeld
  • 21 bis 25 km/h: 80 Euro Bußgeld plus 1 Punkt
  • 26 bis 30 km/h: 100 Euro Bußgeld plus 1 Punkt und 1 Monat Fahrverbot
  • 31 bis 40 km/h: 160 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot
  • 41 bis 50 km/h: 200 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot
  • 51 bis 60 km/h: 280 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 2 Monate Fahrverbot
  • 61 bis 70 km/h: 480 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot
  • Mehr als 70 km/h: 680 Euro Bußgeld plus 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot
Überfährst Du eine rote Ampel, droht Dir auch ein Bußgeld.
Quelle: picture alliane/imageBROKER Überfährst Du eine rote Ampel, droht Dir auch ein Bußgeld

Strafe auch für Rotlicht-Verstoß

Eine Geldbuße droht Dir nicht nur dann, wenn Du zu schnell gefahren bist und geblitzt wurdest. Sie droht laut Bußgeldkatalog auch, wenn rote Ampeln beim Autofahren einfach ignoriert werden. Das gilt übrigens auch für Radfahrer und Fußgänger. Radfahrer erwartet dann ein Bußgeld in Höhe von mindestens 60 Euro, Fußgänger kommen mit einer Gebühr von mindestens 5 Euro recht glimpflich davon.

Wie schnell auf Autobahn, Landstraße und in der Ortschaft?

Um einen Verstoß und eine Strafgebühr zu vermeiden, sollte man natürlich wissen, welche Regeln beim Fahren innerhalb sowie außerhalb geschlossener Ortschaften eingehalten werden müssen. Dabei gelten für das Fahren auf Autobahnen andere Vorschriften als beispielsweise auf Landstraßen. Mal ehrlich, hast Du sie alle noch im Kopf? Falls Du unsicher bist, lohnt sich eine kleine Auffrischung. Diese Regeln solltest Du beim Fahren beachten, wenn Du eine Geschwindigkeitsüberschreitung vermeiden möchtest.

Auf deutschen Autobahnen gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.
Quelle: picture alliance / Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa Auf deutschen Autobahnen gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Es gibt auch Abschnitte, an denen die Geschwindigkeit gedrosselt wird – zum Beispiel in Baustellen

Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn:

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt beim Fahren auf deutschen Autobahnen eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Hierbei handelt es sich nicht um ein Geschwindigkeitslimit, sondern lediglich um die Empfehlung einer maximalen Geschwindigkeit. Gibt es keine anderen Verkehrsvorgaben, darfst Du auf der Autobahn auch schneller fahren. Sobald aber ein limitierendes Verkehrszeichen auf der Autobahn auftaucht, sieht das natürlich ganz anders aus: Dann gilt das dort angezeigte Tempo und Du solltest mit angepasster Geschwindigkeit weiterfahren – und zwar so lange bis das dazugehörige aufhebende Verkehrszeichen erscheint. Das solltest Du beim Fahren auf Autobahnen unbedingt beachten.
Kleiner Hinweis: Auch wenn Du nur wenige Meter hinter diesem Schild geblitzt wirst, macht das für das Bußgeld und die Strafe an sich überhaupt keinen Unterschied. Etliche Fahrer geben nämlich als Argument an, dass sie ihr Auto auf der Autobahn nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnten, nachdem sie das Verkehrsschild zum ersten Mal gesehen haben – aber diese Begründung läuft häufig ins Leere. Das Gegenargument der Gerichte lautet grundsätzlich: Die Person ist zu schnell gefahren und hat sich im Tempo nicht den Sichtverhältnissen auf der Autobahn angepasst. Und das führt dann gerne auch noch mal zu einer entsprechenden Strafverschärfung. Die Geschwindigkeit direkt anzupassen lohnt sich also in jedem Fall.

Höchstgeschwindigkeit auf allen anderen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften:

Im Gegensatz zu Autobahnen beträgt die zulässige Geschwindigkeit auf allen anderen Straßen außerhalb von geschlossenen Ortschaften 100 km/h. Auf vielen Straßen ist die Geschwindigkeitsgrenze aber niedriger, was Du natürlich auch hier an den Verkehrszeichen erkennst. Die Regeln sind mit denen auf der Autobahn identisch: Die Begrenzung der Geschwindigkeit gilt sofort ab dem entsprechenden Verkehrsschild und dann auch wieder bis zu dem Schild, das das Gebot aufhebt.

Viele Wohngebiete sind als 30er-Zone ausgeschildert.
Quelle: picture alliance/chromorange Viele Wohngebiete sind als 30er-Zone ausgeschildert

Höchstgeschwindigkeit innerorts:

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt generell 50 km/h. Achte hier auch besonders auf die verkehrsberuhigten Bereiche. Hier werden zwei verschiedene Bereiche unterschieden: Die „Tempo-30-Zone“ spricht für sich – hier darf nicht schneller als 30 km/h gefahren werden. Andernfalls liegt eine Geschwindigkeitsüberschreitung vor und Du riskierst, geblitzt zu werden. In Wohnstraßen darf der Tacho Deines Autos die Schrittgeschwindigkeit nicht überschreiten.

Achtung: Höheres Bußgeld!

Bei schlechten Sicht- oder Witterungsbedingungen in der Nähe von Gefahrenstellen wie zum Beispiel Fußgängerüberwegen, Kreuzungen, Bahnübergängen, Baustellenausfahrten, oder bei schlechten Straßenverhältnissen wird häufig ein höheres Bußgeld für zu schnelles Fahren verhängt. Hier droht in der Regel ein Bußgeld in Höhe von mindestens 100 Euro – inklusive einem Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg.

Wie viel Toleranz haben Blitzer?

Bei Geschwindigkeitsmessungen gibt es immer einen Toleranzabzug, der dem Schnellfahrer zugutekommt. Diese Toleranz ist von Blitzersystem zu Blitzersystem verschieden. Sogar bei verschiedenen stationären Geschwindigkeitskontrollen gibt es Unterschiede bei der Toleranz. Sie werden von der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt (PTB) festgelegt und beim Blitzen einkalkuliert. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass stationäre Blitzer eine geringere Toleranz haben und Aufnahmen von mobilen Blitzern eine höhere.
Du fragst Dich, welche Toleranzwerte abgezogen werden? Bei einem stationären Blitzer sind es 3 km/h bei Messungen unter 100 km/h. Bei allen Messungen über 100 km/h werden drei Prozent der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen. Dabei spielt es keine Rolle, wo die Geschwindigkeitsmessung stattgefunden hat, also ob innerorts oder außerorts geblitzt wurde. Allein die gefahrene Geschwindigkeit gibt den Ausschlag.

Muss man den Bußgeldbescheid eigentlich akzeptieren?

Nein, das muss man nicht. Wer beim Fahren geblitzt wurde und einen Einspruch in Erwägung zieht, sollte Folgendes wissen: Geschwindigkeitsmessgeräte müssen den Vorgaben der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt entsprechen. Doch diese Vorgaben erfüllen nicht alle Blitzer. In diesem Fall hat ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid tatsächlich gute Chancen auf Erfolg. Stellt sich heraus, dass die Messung in Deinem Fall tatsächlich fehlerhaft war, bleiben Dir die Blitzer-Sanktionen erspart. Wenn Du den Bußgeldbescheid anfechten möchtest, solltest Du Dir dafür allerdings einen Anwalt für Verkehrsrecht nehmen. Er kann Akteneinsicht beantragen und feststellen, welche Messwerte verwendet wurden.
Wichtig ist, dass Du Dich an die formellen Vorgaben hältst, wenn Du einen Einspruch einlegen willst. Der Einspruch muss zum Beispiel immer innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Bescheids eingelegt werden. Danach erlangt das Schreiben der Behörde inklusive der Strafe Rechtskraft, dann kannst Du es nicht mehr juristisch anfechten. In dem Fall lohnt sich ein Einspruch nicht mehr und Dir bleibt nichts anderes übrig, als die Strafe anzutreten beziehungsweise das Bußgeld zu bezahlen.
Deinen Einspruch gegen einen Blitzer kannst Du schriftlich an die Behörde richten, die den Bußgeldbescheid ausgestellt hat. Wenn Du damit argumentierst, dass der Blitzer fehlerhaft war, musst Du die möglichen Fehler beschreiben.
Zum Beispiel so:

  • Blitzer war nicht vorschriftsgemäß geeicht.
  • Es sind mehrere Fahrzeuge auf einem Bild, sodass eine eindeutige Zuordnung der Messwerte nicht gegeben ist.
  • Spiegelnde Oberfläche.
  • Das Messgerät wurde falsch aufgestellt bzw. fehlerhaft bedient. 

Bußgeldbescheid aus dem Ausland

Meist passiert es im Ausland noch schneller: Man kennt die Verkehrsregeln nicht zu hundert Prozent und schon ist es passiert: Der Blitzer hat zugeschlagen. Natürlich droht bei einem Verstoß im ausländischen Straßenverkehr ebenfalls eine Strafe. Wer zu schnell fährt und geblitzt wird, der muss auch hier mit einem Bußgeldbescheid rechnen. Dabei gibt es die Möglichkeit, dass das Bußgeld direkt im Ausland von den zuständigen Behörden eingefordert wird. Es kann aber auch sein, dass Du erst Wochen, nachdem Du geblitzt wurdest, einen Bußgeldbescheid nach Hause geschickt bekommst. Viele Fahrer glauben fälschlicherweise, dass es keine Folgen hat, wenn man den Bußgeldbescheid aus dem Ausland einfach ignoriert. Denn aufgrund des EU-Rahmenbeschlusses zur Geldsanktionsvollstreckung (RBGeld) aus dem Jahr 2010 ist die Vollstreckung von Verkehrsverstößen im Ausland auch in Deutschland möglich.
Du solltest auch wissen: Es lohnt sich, das Bußgeld aus dem Ausland fristgerecht zu bezahlen. Andernfalls kann es passieren, dass Du Probleme hast, wieder in das entsprechende Land einzureisen. Der Verkehrsverstoß wird nämlich auch im ausländischen System gespeichert und könnte dann bei einer Kontrolle angezeigt werden, sodass das Bußgeld dann direkt vor Ort zu begleichen ist.
Wie hoch das Bußgeld ausfallen wird, wenn Du im Ausland zu schnell gefahren bist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Hier hat jedes Land andere Regeln. In Kroatien kostet eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 20 km/h bereits mindestens 65 Euro; deutlich mehr als in Deutschland. Weicht die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit um mehr als 50 km/h von der erlaubten Geschwindigkeit ab, droht sogar eine Gebühr in Höhe von 400 Euro. In Dänemark zahlen Autofahrer bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 20 km/h etwa 135 Euro. Bei mehr als 50 km/h beträgt die Gebühr mindestens 300 Euro. Eine besonders hohe Strafe musst Du in Frankreich erwarten. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von über 50 km/h droht dem Betroffenen ein sattes Bußgeld in Höhe von 1.500 Euro.



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