Was der VW ID.3 besser kann als der E-Golf

VW ID.3: technische Daten, Reichweite, Preise, Marktstart

Der ID.3 ist der erste VW, den es nur mit Elektromotoren gibt. Aber wo ist er besser als der E-Golf? Lohnt sich ein Wechsel auf Strom?

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 09/09/2019, 8:30 PM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Der VW ID.3 basiert auf einer völlig neuen Elektroplattform, während VW den konventionellen Golf zum E-Auto umbaute
Quelle: VW Der VW ID.3 basiert auf einer völlig neuen Elektroplattform, während VW den konventionellen Golf zum E-Auto umbaute

Ein kompaktes Elektroauto von VW? Gibt es doch schon: Seit 2014 bietet der Hersteller den Golf in einer rein elektrischen Variante an. Trotzdem kommt jetzt im gleichen Segment ein neues Modell. Das Elektroauto ID.3 ist ungefähr so lang und so breit wie ein Golf, steht also in direkter Konkurrenz zu ihm. Den E-Golf soll es vollständig ersetzen.

Der Grund befindet sich unter dem Blech. Denn der Golf ist hauptsächlich für Verbrenner gedacht. Der Umbau zum Elektroauto ist ein Kompromiss: In seiner Bodenplatte gibt es nur wenig Platz für Akkus, die maximale Reichweite ist begrenzt. VW hat deshalb eine eigene Plattform für Elektroautos entwickelt. Sie dient als Basis für den ID.3.

Aber was sind die Vorteile des ID.3? Lohnt sich das Warten auf das neue Modell? Oder sollte man jetzt beim E-Golf zuschlagen? Immerhin senkte VW kürzlich den Basispreis des Kompakten, kurz vor dem Auslaufen der Baureihe locken außerdem hohe Rabatte. Wir verraten Dir, welches der beiden Elektroautos das Richtige für Dich ist.

Zwei kompakte Elektro-VW im Vergleich

In Länge und Breite unterscheidet sich der ID.3 kaum vom E-Golf. Er ist einen Zentimeter breiter und einen halben Zentimeter länger – bei der Parkplatzsuche macht das keinen Unterschied. Aber das neue Modell reckt sich gut fünf Zentimeter höher als der Golf. Das Akkupaket verteilt sich zwischen den Achsen in der Bodenplatte und sorgt für zusätzliche Höhe.

Im Vergleich zum e Golf ist der ID.3 fünf Zentimeter höher
Quelle: Volkswagen Im Vergleich zum e Golf ist der ID.3 fünf Zentimeter höher

Das macht aus dem ID.3 zwar das größere Auto, aber noch kein SUV. Er ordnet sich irgendwo zwischen Golf und Golf Sportsvan ein. VW gibt sich Mühe, die Höhe mit einer modernen Form zu kaschieren und schraubt große Räder an das Auto. Ein niedriger cW-Wert von 0,267 sorgt dafür, dass die große Stirnfläche nicht den Verbrauch in die Höhe treibt.

Im Innenraum spielt der ID.3 seinen größten Vorteil aus. Seine Architektur erlaubt kurze Überhänge und einen langen Radstand von 2,77 Metern – zwischen den Achsen liegen also 13 Zentimeter mehr Platz als beim Golf. Der elektrische Antrieb ist in die Hinterachse integriert und nimmt wenig Raum ein. Das Ergebnis: Im ID.3 gibt es beinahe so viel Platz wie im Passat.

Vor allem in der zweiten Reihe bleibt mehr Beinfreiheit als im Golf. Vorn reduziert VW den Umfang der Konsolen und Tasten enorm. Übrig bleibt viel Platz am Knie für Fahrer und Beifahrer. Im Kofferraum beschränkt sich VW auf das Niveau des Golf: 385 Liter Ladung passen hinein, also fünf Liter mehr. Kein Rekordwert, aber ordentlich Platz.

Drei Akkus und zwei Motoren im VW ID.3

Im Laufe seiner Produktion schraubte VW zwei unterschiedliche Antriebe in den E-Golf. Zu Beginn leistete sein Elektromotor 85 KW (115 PS), der Akku speicherte 21,1 kWh nutzbare Energie. Später rüstete VW auf 100 kW (136 PS) auf und vergrößerte den Akku auf 31,5 kWh netto. In dieser Form wird er jetzt noch angeboten.

Der ID.3 bietet in allen Varianten mehr Leistung und Reichweite. Die Basisversion leistet 110 kW (150 PS). Optional kommt ein stärkerer Motor mit 150 kW (204 PS) zum Einsatz. Beide erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der Golf ist maximal 140 bzw. 150 km/h schnell.

Maximal 160 km/h sind mit dem Stromer drin
Quelle: Volkswagen Maximal 160 km/h sind mit dem Stromer drin

Für den ID.3 stehen drei Akkupakete stehen zur Verfügung. Sie speichern 45, 58 oder 77 kWh nutzbare Energie. Mit ihnen fährt das Elektroauto im WLTP-Zyklus bis zu 330, 420 oder 550 Kilometer weit. Der Golf fährt in der gleichen Norm maximal 231 Kilometer mit einer Akkuladung. Ein rasanter Fahrstil und hohe Geschwindigkeiten reduzieren den angegebenen Wert jeweils.

Wie schnell der ID.3 seinen Akku lädt, hängt von Akku und Ausstattung ab. Das Basismodell erlaubt 7,2 kW Wechselstrom und 50 kW Gleichstrom. Diese Werte entsprechen denen des E-Golf. Optional rüstet VW das Ladegerät im ID.3 auf 100 kW auf. Mit größerer Batterie steigt die Ladeleistung auf 11 kW Wechselstrom, im Topmodell auf 125 kW Gleichstrom.

Für ID.3 und E-Golf gilt: VW gewährt eine Garantie von 160.000 Kilometern oder acht Jahren auf das Akkupaket.

Der ID.3 ist moderner bei Assistenz und im Cockpit

Bei der Assistenz ist der ID.3 dem Golf ebenfalls voraus. Kunststück, der Golf 7 ist seit 2012 auf dem Markt. Ein Facelift im Jahr 2016 brachte etwas Moderne ins Auto, aber das reicht dem Golf nicht, um mit einem ganz neuen Fahrzeug zu konkurrieren. Ein Head-up-Display fehlt zum Beispiel bis heute. Für den ID.3 ist sogar ein Augmented-Reality-Head-up-Display im Angebot. Es projiziert direkt auf die Frontscheibe.

LED-Lampen sind im Golf bereits verfügbar, beim E-Golf sogar serienmäßig an Bord. Aber eine Matrix-Funktion, die den Gegenverkehr ausblendet, gibt es nur in größeren Modellen. Der ID.3 lässt sich mit den aufwändigen Scheinwerfern ausrüsten. Hübsche Funktion: Sie begrüßen den Fahrer mit einem stilisierten Augenaufschlag, wenn er sich dem Auto nähert.

Die heute übliche Assistenz ist in beiden Autos an Bord. Dazu gehört die Überwachung des Verkehrs mit City-Notbremse und Fußgängererkennung, Assistenten für die Fahrspur, den toten Winkel und die Parklücke. Der ID.3 leitet beim Parken bis 10 km/h selbstständig eine Notbremsung in letzter Sekunde ein, um Parkschäden zu vermeiden.

Den Innenraum des ID.3 reduziert VW auf das Nötigste. Es bleiben nur wenige Knöpfe und Tasten. Die meisten Funktionen übernimmt ein großer Touchscreen auf dem Armaturenbrett. Die Instrumente arbeiten ebenfalls digital. Beides gibt es auch im E-Golf, aber weniger konsequent. Witzig: Auf den ID.3-Pedalen sind die Zeichen für „Play“ und „Pause“ zu sehen.



Der Preis des ID.3: Günstiger als E-Golf und Golf TDI

Objektiv betrachtet ist der ID.3 dem E-Golf in allen Belangen überlegen. Er ist stärker, fährt weiter, bietet mehr Platz und bringt modernere Technik mit. Außerdem kostet er weniger: Sein Basispreis liegt vor Vergünstigungen bei knapp 30.000 Euro. Der E-Golf startet bei 31.900 Euro, ist also rund 2.000 Euro teurer. Ein vergleichbarer Golf TDI kostet mindestens 31.000 Euro.

Zugegeben: Der Vergleich ist nicht ganz fair. Der Golf 7 steht kurz vor seiner Ablösung, im Oktober 2019 zeigt VW den Nachfolger. Einen E-Golf wird es dann nicht mehr geben. Die Entwicklung lohnt sich wegen des ID.3 nicht mehr. Er hätte außerdem nicht alle Nachteile des aktuellen E-Golf ausbessern können.

Für den E-Golf sprechen sein geringeres Gewicht (etwa 100 Kilogramm) und die Verfügbarkeit. Es gibt ihn jetzt schon, gebrauchte Modelle sogar für weniger als 20.000 Euro. Der ID.3 startet erst Mitte 2020. Dann liefert VW zunächst 30.000 Fahrzeuge in der Ausstattung „1st“ aus. Die Modelle kommen mit großem Motor, mittlerem Akku und umfangreicher Ausstattung. Die günstigste Variante kostet knapp 40.000 Euro. Das Basismodell wird noch einige Monate länger auf sich warten lassen.

Der ID.3 in Bildern

  • Der VW ID.3 basiert auf einer völlig neuen Elektroplattform, während VW den konventionellen Golf zum E-Auto umbaute
    Quelle: VW Der VW ID.3 basiert auf einer völlig neuen Elektroplattform, während VW den konventionellen Golf zum E-Auto umbaute
  • Der stärkste E-Motor im ID.3 leistet 204 PS
    Quelle: Volkswagen Der stärkste E-Motor im ID.3 leistet 204 PS
  • Der größte Akku speichert 77 kWh. Laut WLTP-Zyklus schafft der ID.3 damit 550 Kilometer
    Quelle: Volkswagen Der größte Akku speichert 77 kWh. Laut WLTP-Zyklus schafft der ID.3 damit 550 Kilometer
  • Maximal 160 km/h sind mit dem Stromer drin
    Quelle: Volkswagen Maximal 160 km/h sind mit dem Stromer drin
  • Im Vergleich zum e Golf ist der ID.3 fünf Zentimeter höher
    Quelle: Volkswagen Im Vergleich zum e Golf ist der ID.3 fünf Zentimeter höher
  • Der ID.3 steht auf einer reinen Elektroauto-Plattform
    Quelle: Volkswagen Der ID.3 steht auf einer reinen Elektroauto-Plattform
  • Knöpfe und Schalter hat VW im ID.3 weitestgehend wegrationalisiert
    Quelle: Volkswagen Knöpfe und Schalter hat VW im ID.3 weitestgehend wegrationalisiert. Ihre Funktionen übernimmt ein großer Touchscreen auf dem Armaturenbrett