50 Jahre VW Typ 181 Kübelwagen

Vom Militär- zum Hippiewagen: Oldtimer und Gebrauchtwagen

Der VW Kübelwagen nahm einen Trend vorweg: Vor 50 Jahren war das Käfer-Derivat der erste Geländewagen für den zivilen Gebrauch. Eine Rückschau.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 12/29/2019, 12:00 AM
Gelber Kübelwagen in der Frontansicht, stehend
Quelle: Fabian Hoberg Den geländegängigen Mehrzweckwagen baute Volkswagen im Auftrag der Bundeswehr

Es gibt keinen puristischeren Volkswagen als den Typ 181. Besser bekannt ist er als Kübelwagen. Zwischen 1969 und 1980 baute VW dieses etwas seltsame Blechauto. 2019 wurde der Volkswagen 181 fünfzig Jahre alt. Wir erinnern an den ehemaligen Bundeswehr-Kübel, der zum Trendsetter wurde.

Neben der Geschichte des VW ist auch seine Bedeutung interessant. Als Nachfolger des DKW Munga plant die Bundeswehr Mitte der 1960er-Jahre ein neues Militärfahrzeug in Kooperation mit der französischen und der italienischen Armee. Doch das Vorhaben scheitert und die Bundeswehr spricht stattdessen Volkswagen an. Mit dem Käfer hat VW schon seit Jahrzehnten ein zuverlässiges Fahrzeug im Programm, auch wenn der VW damals bereits veraltet ist. Die Idee ist daher, auf Käfer-Basis ein bedingt geländegängiges Fahrzeug für Kurierfahrten zu entwickeln.

Als Blaupause dienen der VW Typ 82 Kübelwagen aus dem Zweiten Weltkrieg sowie der australische VW Country Buggy. Im Auftrag der Bundeswehr stellt Volkswagen einen geländegängigen Mehrzweckwagen auf die Räder. Vorrangig für militärische Zwecke, aber auch für den zivilen Gebrauch. 1968 liefert VW die ersten Fahrzeuge unter dem Namen „Kurierwagen“ an die Armee. Der Name setzt sich jedoch nicht durch. Soldaten nennen den VW entweder „Kübel“ oder „Kübelwagen“.



VW schaute tief ins Regal

Der Typ 181 ist eine bunte Mischung aus Bauteilen des VW-Konzern-Regals. Der Zentralrohrrahmen stammt mit nur wenigen Änderungen vom Karmann Ghia Typ 14. Mit ihm und den Seitenholmen wird die Karosserie verbunden. Der Motor kommt vom Käfer 1500, ebenso wie Kupplung, Lenkung, Tank und Instrumente. Getriebe und Hinterachse entnimmt VW dem Baukasten des ersten Transporters. Durch die Wahl eines Vorgelege-Getriebes erhöhen die Ingenieure die Bodenfreiheit.

VW Kübelwagen in der Frontansicht, stehend
Quelle: Fabian Hoberg In den USA trägt der Kübelwagen den Beinamen "The Thing"

Mit einer Länge von 3,78 Metern ist der Kübel 30 Zentimeter kürzer als der Käfer, was die Wendigkeit im Gelände erhöht. Ab 1973 (Modelljahr 1974) spendiert VW dem Kübel eine moderne Doppelgelenk-Hinterachse statt der Portal-Pendelachse. Der Wechsel vom „Vorlege-Getriebe mit Pendelachsen“ zum „Schräglenkersystem mit Antriebswellen“ sorgt für eine höhere Endgeschwindigkeit, aber auch für den Verlust von etwas Geländegängigkeit.

Die Ausstattung bleibt über alle Baujahre spartanisch. Vier Sitzplätze, eine offene Karosserie mit Klappverdeck, vier aushängbareTüren mit Einsteckfenster und eine nach vorn klappbare Windschutzscheibe. Allradantrieb gibt es nicht, stattdessen bietet VW optional ein Sperrdifferenzial für 435 Mark an. Zu Beginn der Produktion leistet der bewährte 1,5-Liter-Vierzylinder-Boxermotor des Käfers 44 PS, ab 1973 mit dem 1,6-Liter-Boxer sogar 48 PS. Der hier gezeigte Typ 181 ist ein US-Modell mit Benzineinspritzung von Bosch. Damit kommt der Kübel mit 50 PS auf 4.200 Umdrehungen. Im Straßenverkehr verbraucht der Boxer rund 12 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Im Gelände können es auch mal 15 Liter sein.

Eigenwilliges Fahrverhalten

Maximal 44 PS müssen den Soldaten reichen. Von 0 auf 100 km/h vergehen 34 Sekunden, bei 115 km/h ist Schluss. Spätestens, denn ab gut 70 km/h pfeift ein Orkan durchs Auto, der jedes Gespräch übertönt. Selbst bei geschlossenem Verdeck fängt wenig später die Plane derart an zu flattern, dass der Lärm jegliche Kommunikation im Keim erstickt. Die vier Gänge schießen selbst bei verschlissenen Synchronringen schnell durchs Getriebe – zweimal kurz Zwischengas und der nächste Gang liegt an.

Blick in den Motorraum des VW Typ 181
Quelle: Fabian Hoberg Der 1,6-Liter-Boxer mit Benzineinspritzung von Bosch leistet 50 PS

An die hohe Pedalkraft gewöhnt sich der Fahrer schnell. Ungewohnt bleiben jedoch die unpräzise Lenkung und die starken Vibrationen in der gesamten Karosserie. Aber das macht den Kübel so einzigartig. Wer eine akustische Untermalung verlangt, lauscht eher dem trällernden Boxermotor als einem Radio. Das war bei den Militärfahrzeugen ohnehin nicht gestattet. Dafür bei den zivilen. Und davon gibt es einige.

Von den rund 90.883 gebauten Typ 181 gehen nur 15.250 Stück an die Bundeswehr und 1.000 Fahrzeuge an den Bundesgrenzschutz sowie ein paar Hundert an Katastrophenschutz (THW), Feuerwehr und Zivilschutz (nach W. Oswald, Deutsche Autos seit 1945). Andere Quellen sprechen von 72.717. Fahrzeugen, einige von über 140.000 gebauten Typ 181. Ab 1972 wird der Kübel in Mexiko als „Safari“ produziert, auch für die USA. Dorthin gehen insgesamt 20.364 Fahrzeuge. In den Vereinigten Staaten erhält der offene VW den Beinamen „The Thing“ – weil er einfach ein Ding ist, spartanisch, schnörkellos und praktisch.



Robuste Technik, offenes Dach

Den Großteil der Produktion kaufen in jedem Fall Privatkunden, und das trotz des deutlich höheren Preises im Vergleich zum Käfer. 1969 kostet der Typ 181 genau 8.500 Mark. Zum Vergleich: Den VW Käfer gibt es 1970 schon für 4.695 Mark. Trotz dieses hohen Preises und der mageren Ausstattung wird der Typ 181 der erste Großserien-Geländewagen, der überwiegend von Privatpersonen gefahren wird – Jahrzehnte vor der SUV-Schwemme.

VW Typ 181 in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Fabian Hoberg Der Nachfolger des Kübelwagens ist der VW Iltis

Doch der kantige VW bietet etwas, was es damals weder von VW noch von anderen deutschen Autoherstellern gibt. Wie ein britischer Roadster oder ein französisches Strandfahrzeug ist er ein Auto für alle Sinne und bietet dazu vier Personen Platz. Da er auf Käfer-Technik basiert, kann der VW 181 von nahezu jeder Hinterhofwerkstatt repariert werden – oder vom Besitzer selbst. Denn die Käfer-Technik gilt seit Jahrzehnten als überschaubar und zuverlässig.

Das spricht sich auch bei der Bundeswehr herum. Nach dem Ende der Produktion und dem vorgesehenen Einsatz des Typ 181 findet der Kübel noch jahrelang Verwendung in der Armee. Sein Nachfolger VW Iltis benutzt weiterhin Scheibenrahmen mit geänderten Scharnieren, Sonnenblenden, Scheibenwischermotoren und das Scheibenglas. Purismus zahlt sich manchmal aus.

Heute sind VW Kübel teuer und begehrt. Kein Wunder, denn es gibt nur noch Liebhaberautos. 30 Inserate finden sich auf mobile.de, die Preise starten bei rund 6000 Euro. Die meisten 181 liegen jedoch zwischen 10.000 und 15.000 Euro.

Technische Daten VW Typ 181 (deutsche Version, ab Bj. 1969)

Motor 1,5-Liter-Vierzylinder-Boxer
Getriebe manuelles synchronisiertes Viergang-Getriebe
Leistung 32 kW/44 PS bei 4.000 U/min
Drehmoment 98 Nm bei 2.000 U/min
Länge 3.780 mm
Breite 1.640 mm
Höhe 1.620 mm
Radstand 2.400 mm
Leergewicht 910 kg
0-100 km/h ca. 34 s
Vmax 115 km/h
Verbrauch circa 12,0 l Super/100 km
Neupreis 1969 8.500 D-Mark

Der VW Typ 181 in Bildern

  • VW Typ 181 in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg In der Spitze fährt der Kübelwagen 115 km/h
  • Gelber Kübelwagen in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Den geländegängigen Mehrzweckwagen baute Volkswagen im Auftrag der Bundeswehr
  • VW Kübelwagen in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg In den USA trägt der Kübelwagen den Beinamen "The Thing"
  • VW Kübelwagen in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg In der Länge misst der Kübelwagen 3,78 Meter
  • Cockpit-Ansicht des VW Typ 181
    Quelle: Fabian Hoberg Im Innenraum findet sich nur das Nötigste
  • VW Typ 181 bei geöffneter Fahrertür
    Quelle: Fabian Hoberg Die Türen können ausgehängt werden. Und wen der Fahrtwind nicht stört, der kann die Windschutzscheibe nach vorne umklappen
  • Ansicht des linken Vorderreifens des VW Typ 181
    Quelle: Fabian Hoberg Wie viele Exemplare genau vom Typ 181 gefertigt wurden, ist nicht genau überliefert
  • Blick in den Motorraum des VW Typ 181
    Quelle: Fabian Hoberg Der 1,6-Liter-Boxer mit Benzineinspritzung von Bosch leistet 50 PS
  • VW Typ 181 in der Ansicht von hinten-links, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg 12 Liter verlangt der Kübelwagen auf 100 Kilometer. Im Gelände werden daraus schnell bis zu 15 Liter
  • VW Typ 181 in der Ansicht von hinten-rechts, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Günstig ist der VW Typ 181 nicht mehr zu haben. Mittlerweile besitzt der Kübelwagen Liebhaber-Status.
  • VW Typ 181 in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Fabian Hoberg Der Nachfolger des Kübelwagens ist der VW Iltis