Lässt sich ein Autoverkauf rückgängig machen?

Auto-Privatverkauf: Gibt es ein Rückgaberecht?

Ein generelles Rückgaberecht für Gebrauchtwagen gibt es nicht. Hier liest Du, in welchem Fall ein Privatverkäufer ein Auto trotzdem zurücknehmen muss.

  • Veröffentlicht am 09.03.2021, 10:00
  • Aktualisiert am 26.04.2022, 09:00
Detailaufnahme von zwei Personen, die einen Vertrag miteinander abschließen
Quelle: Andrea Piacquadio/PexelsOberste Regel: Einen privaten Autokaufvertrag sollte man immer schriftlich abschließen – nicht mündlich

Besteht ein Rückgaberecht beim Auto-Privatverkauf?

Von Bekleidung über Elektronik bis hin zu Möbeln: In Deutschland besteht bei vielen online gekauften Produkten ein gesetzliches Rückgaberecht. Ist man mit einem Artikel nicht zufrieden, kann man ihn zurückschicken – und bekommt sein Geld wieder. Anders sieht es allerdings bei einem Auto-Privatverkauf aus. Denn bei diesem gibt es kein allgemeines, zweiwöchiges Rückgabe- oder Widerrufsrecht. Das heißt konkret: Wer ein Auto gekauft hat, kann im Nachhinein nicht einfach den Autoverkauf rückgängig machen.

Für den Verkäufer bedeutet das wiederum, dass er einen verkauften Wagen nicht zurücknehmen muss, falls sich ein Käufer umentscheidet. Und zwar auch dann nicht, wenn das Auto bestimmte Mängel aufweist – wie Schleifgeräusche bei der Kurvenfahrt, eine defekte Sitzheizung oder einen Rostbefall. Der Grund: Privatverkäufer können im Kaufvertrag die sogenannte „Gewährleistung“ explizit ausschließen. Das bedeutet: Sie übernehmen keine Haftung – also Verantwortung – für Mängel am Fahrzeug. Das gilt allerdings nur für die Mängel, die der Verkäufer im Vertrag aufgelistet hat. Unterschreibt ein Käufer den Vertrag, stimmt er ihm zu – samt dem Ausschluss der Gewährleistung. Weil er die Mängel zur Kenntnis genommen hat, bedeutet das, dass er den Pkw später nicht aufgrund eben dieser zurückgeben kann.

Wichtig zu wissen ist: Es gibt einen Unterschied zwischen Mängeln und Verschleiß-, Abnutzungs- und Alterserscheinungen. In die Kategorie „Verschleiß-, Abnutzungs- und Alterserscheinungen“ fallen Bauteil-Veränderungen, die ganz natürlich entstehen, wenn man einen Pkw ein paar Jahre benutzt. Diese Erscheinungen sind normal und müssen vom Käufer so hingenommen werden. Das können zum Beispiel geringfügige Lackschäden, ein defekter Auspuff oder stark abgenutzte Bremsklötze und -scheiben sein.

Mängel sind dagegen Defekte, die für das jeweilige Alter und die Abnutzung des Fahrzeugs untypisch sind.

Beispiele für Sachmängel sind:

  • Federbruch,
  • Getriebedefekt oder
  • Funktionsunfähigkeit des Kilometerzählers.

Ein generelles Rückgaberecht beim Autokauf von privat besteht nicht. Es gibt aber eine Ausnahme, bei der die Rückgabe von einem privat gekauften Pkw trotzdem möglich ist.

Wann ist ein Rücktritt vom Autokauf möglich?

Ein Rücktritt vom Autokauf ist bei nicht erfüllten Garantiezusagen möglich. Der Hintergrund: Beim Verkauf garantiert der Verkäufer, dass das Fahrzeug oder die aufgelisteten Fahrzeugbauteile in einem guten Zustand sind. Stimmen diese Versprechen nicht mit der Realität überein, muss der Verkäufer gegebenenfalls die Kosten für eine Reparatur übernehmen oder das Auto zurücknehmen.

Es gibt noch einen weiteren Fall, in dem es möglich ist, beim Privatkauf eines Autos vom Rückgaberecht Gebrauch zu machen. Und zwar, wenn Du nachweisen kannst, dass der Verkäufer beim Verkauf bewusst falsche Angaben gemacht, gelogen oder Informationen verschwiegen hat, um Dich zum Autokauf zu bringen. Dann liegt nämlich der Tatbestand einer arglistigen Täuschung vor.

Beispiele für eine arglistige Täuschung beim Auto-Privatverkauf:

  • Der Tacho wurde manipuliert – sprich: Der Kilometerstand wurde zurückgestellt.
  • Das Baujahr oder das Datum der Erstzulassung wurden falsch angegeben.
  • Das Auto wurde mit „Unfallfreiheit“ beworben, tatsächlich ist es aber ein Unfallwagen.

In diesen Fällen kannst Du höchstwahrscheinlich vom Autokauf zurücktreten – trotz Gewährleistungsausschluss. Denn: Wurde ein Käufer betrogen, gilt ein unmittelbares Rückgaberecht. Erfüllt die arglistige Täuschung den Straftatbestand Betrug nach § 263 StGB, muss der Verkäufer mit einer Geld- oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Detail eines Autoscheinwerfers, der bei einem Unfall beschädigt wurde
Was heißt unfallfrei?

Der Privatverkäufer wirbt damit, dass das Auto unfallfrei ist? Hier liest Du, was das konkret bedeutet.

Auch wenn der Verkäufer einen Mangel am Fahrzeug verschweigt, ist das eine arglistige Täuschung. Dabei ist es gleich, ob es sich um einen Mangel handelt, der bereits besteht oder um einen, von dem der Verkäufer weiß, dass er bald auftreten könnte. Ein Beispiel: Das Getriebe läuft aktuell noch, wird aber mit Sicherheit in naher Zukunft den Geist aufgeben – zum Beispiel, weil es sich um ein altes Auto mit einer hohen Kilometerlaufleistung handelt. Wobei die Laufleistung allein natürlich noch keine Rückschlüsse darüber zulassen muss, ob das Auto demnächst hinüber ist. Es kommt nämlich immer auch darauf an, wie gut es in Schuss ist.

Der Käufer bemerkt nach dem Kauf einen Schaden oder eine Manipulation und will vom Kaufvertrag zurücktreten? Dann muss er beweisen, dass ihn der Verkäufer arglistig getäuscht hat und sich deshalb nicht auf die Haftungsbeschränkung berufen kann. Die Beweislast liegt also beim Käufer – nicht beim Verkäufer.

Mangel am Fahrzeug festgestellt – das beste Vorgehen:

Du hast ein Auto gekauft und im Nachhinein einen Mangel festgestellt? Gehe am besten so vor:

  • Schritt eins: Gib dem Verkäufer die Chance, das Problem zu beheben. Du kannst ihm dafür eine von Dir festgelegte Frist nennen. Diese sollte angemessen sein, also mindestens zwei Wochen betragen. Du musst aber auch keinen festen Zeitrahmen nennen. Wichtig ist nur, dass der Verkäufer die Möglichkeit bekommt, den Mangel zu beseitigen.
  • Schritt zwei: Weigert sich der Verkäufer den Mangel zu beheben, ist ein Rücktritt vom Autoverkauf möglich. Auch kannst Du eine Entschädigung einfordern. Gleiches gilt, wenn der Mangel nach Ablauf der Frist immer noch vorhanden ist – obwohl das Auto eigentlich repariert wurde.

Ein Rücktritt vom Autokauf wegen arglistiger Täuschung ist allerdings nur möglich, wenn es sich um einen sogenannten „erheblichen“ Mangel handelt. Die Faustregel lautet: Ein Mangel gilt als erheblich, wenn die Kosten für die Reparatur des Mangels mehr als fünf Prozent des Auto-Kaufpreises betragen.

Ein Beispiel: Du kaufst einen gebrauchten Kombi für 23.000 Euro, der 2015 zum ersten Mal zugelassen wurde und eine Laufleistung von 90.000 Kilometern hat. Nach nur wenigen Wochen hörst Du ein Knarren beim Schalten und es läuft Öl aus. In der Werkstatt wird ein Getriebedefekt festgestellt. Der Kostenvoranschlag für die Reparatur beläuft sich auf 1.500 Euro. Das sind 6,5 Prozent des Kaufpreises. Damit liegt hier ein erheblicher Mangel vor.

Typische Beispiele für die Kategorie „unerheblich“ sind Kratzer und Dellen. Ist ein Wagen also verkratzt oder entdeckst Du Dellen am Kotflügel, besteht kein Rückgaberecht für den Gebrauchtwagen. Im Einzelfall können aber auch andere Faktoren beeinflussen, ob ein Mangel als „erheblich“ oder als „unerheblich“ betrachtet wird. Zum Beispiel gab es bereits Fälle, in denen Käufer ein Auto zurückgeben konnten, weil der Kraftstoffverbrauch deutlich höher war als im Autoprospekt angegeben. Auch in diesem Fall wurde der Mangel als „erheblich“ eingestuft.

Muss ich als Privatverkäufer ein Auto zurücknehmen?

Ob Du als Verkäufer einen bereits verkauften Gebrauchtwagen zurücknehmen musst, hängt hauptsächlich davon ab, was im Kaufvertrag steht. Wurde im Vertrag die Gewährleistung ausgeschlossen und der Käufer hat das so unterschrieben? Dann wusste er genau, worauf er sich einlässt – und kann im Nachhinein nicht verlangen, dass Du den Wagen ohne triftigen Grund zurücknimmst.

Der Vertrag kann also einen großen Unterschied machen. Wichtig bei der Erstellung des Vertrags ist: Sämtliche Mängel müssen schriftlich festgehalten werden. Das ist wichtig, weil mündliche Verträge oder Nebenabsprachen unterschiedlich ausgelegt werden können. Steht Aussage gegen Aussage und stehen zusätzlich Zeugen auf der Seite des Käufers, können schnell Streitigkeiten entstehen – besonders beim Thema Rückgaberecht beim Autoverkauf.

Soweit muss es aber gar nicht erst kommen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass ein schriftlicher und korrekt aufgesetzter Kaufvertrag aufsetzt wurde. Eine Vorlage für einen korrekt formulierten Kaufvertrag kannst Du hier kostenlos herunterladen.

Es gibt allerdings zwei Ausnahmen, bei denen selbst der beste Vertrag nicht helfen kann. Nämlich wenn entweder

  • eine arglistige Täuschung vorliegt – also der Käufer vorsätzlich durch falsche Angaben getäuscht wurde oder
  • Garantiezusagen vorliegen – also der Verkäufer freiwillig und zusätzlich zur Gewährleistung garantiert, dass das Fahrzeug oder die im Vertrag aufgelisteten Fahrzeugbauteile in einem guten Zustand sind.

In diesen beiden Fällen musst Du den Autoverkauf rückgängig machen beziehungsweise für Mängel haften – wenn Dich der Käufer dazu auffordert.

Gut zu wissen: Bisher gibt es noch keine einheitliche Entscheidungsgrundlage, was als Gebrauchtwagengarantie gilt – und was als unverbindliche Anpreisung eines Gebrauchtwagens. Ob ein Verkäufer das Auto letztendlich zurücknehmen muss, hängt deshalb immer von der Einzelfallbewertung ab. Geh als Verkäufer aber besser von Anfang an auf Nummer sicher und lobe das Auto weder mündlich noch schriftlich übermäßig. Nenne außerdem im Kaufvertrag keine Eigenschaften, die der Pkw in Wahrheit gar nicht besitzt. Oder anders gesagt: Mach immer nur wahrheitsgetreue Angaben zum Auto – und zu möglichen Mängeln.