VW Bulli T4 - Tipps vom Experten

So findet man einen guten VW T4 Bulli

Der VW T4 kommt in die Jahre. Günstig wird er deshalb nicht, Mängel hat er meistens trotzdem. Hier erfährst Du die häufigsten Probleme bei gebrauchten Modellen.

  • Haiko Prengel
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  • Veröffentlicht am 07/29/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Noch scheint das Preis-Leistungs-Verhältnis zu stimmen: Die Transporter sind ab einem Preis von 1.500 Euro erhältlich
Quelle: mobile.de Noch scheint das Preis-Leistungs-Verhältnis zu stimmen: Die Transporter sind ab einem Preis von 1.500 Euro erhältlich

Jan Singer ist mehr als ein T4-Fahrer. Er baut den Bulli um, repariert und baut aus. Mit seinem Spezialbetrieb JS Camperworks legt er nicht nur Hand an alte Bullis, sondern auch an Mercedes “Düdo” oder Bremer Modelle. Doch der Bulli ist nun mal der Deutschen beliebtester Bus. Und damit eine der Hauptaufgaben von Jan Singer, seinem Partner Florian Reidl und dem gesamten Team.

Eines hat Singer früh gelernt und gibt es gerne weiter: Nur weil auf einem VW-Bus Multivan steht, muss er noch lange kein Multivan sein. Viele wurden erst nachträglich umgebaut, so Singer. Da wird aus einem einfachen Bus oder Transporter dann plötzlich ein Multivan. Und für den gutgläubigen Käufer eventuell eine Bastelbude. Singer empfiehlt daher, die Fahrgestellnummer zu überprüfen.

Der T4 boomt auf dem Gebrauchtmarkt. Obwohl er längst noch kein Klassiker oder gesuchter Oldtimer ist (der T4 wurde zwischen 1990 und 2003 gebaut) steigen die Preise für den VW-Bus. Bei Familien und Campern ist kaum ein anderer Youngtimer aus den 1990er-Jahren so beliebt. Insbesondere das Campingmodell California wird von Jahr zu Jahr teurer. Singer schätzt, dass die Preise jährlich um rund 1.000 Euro in die Höhe gehen.

Der VW T4 wird stetig teurer

Vom moderneren T5 unterscheidet sich der T4 vor allem dadurch, dass man mehr selbst machen kann. Und noch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis einigermaßen in Ordnung. Fahrbereite Transporter gibt es schon ab 1.500 Euro, Preise, für die man nicht mal einen T3 bekommt, geschweige denn einen der Vorgänger T1 oder T2. Für die zahlen Fans längst Sammlerpreise.

Der T4 ist im Vergleich zum T3 das deutlich modernere und komfortablere Auto. Mit dem Marktstart 1990 begann bei Volkswagen-Nutzfahrzeuge eine neue Ära. Der Motor wanderte nach vorne, quer unter die Haube. Dazu bot VWN den Bulli in einer Vielzahl von Modellvarianten an. Es gab zwei verschiedene Karosserielängen und Radstände. Das Motorenangebot startete bei 60 PS aus einem alten Wirbelkammer-Diesel und ging bis zu 204 PS aus einem V6-Benziner.

Entsprechend motorisiert wurde der T4 plötzlich zum passenden Reisemobil für lange Autobahnfahrten. Reisegeschwindigkeiten zwischen 120 und 140 km/h ließen sich ohne Probleme durchhalten. „Mit dem T3 war man ja noch mit 90 bis 100 km/h herumgeschüsselt“, sagt Jan Singer. Beim T4 avancierte der Fünfzylinder-Turbodiesel zum beliebtesten Motor.

Typische Verschleißstellen am T4

Bei Reparaturen sollte man von unseriösen Werkstätten mit Billig-Angebten Abstand halten
Quelle: mobile.de Bei Reparaturen sollte man von unseriösen Werkstätten mit Billig-Angebten Abstand nehmen

Zwei davon stehen gerade in Singers Werkstatt und warten auf die Reparatur. An einem muss die Auspuffanlage neu, die Bremsen sind zudem fällig. Nach einem Jahr Standzeit unvermeidlich. Ein weiterer T4 mit 2,5-Liter-Diesel steht auf der Hebebühne. Der Besitzer wollte die oberen Traggelenke erneuern lassen. Ein typischer Fall beim T4 wegen der Achskonstruktion mit Torsionsfedern.

Doch bei der genauen Untersuchung zeigte sich ein gerissener ABS-Ring. Der Motor verliert zudem reichlich Öl, weil der Kurbelwellen-Simmerring porös ist. „Da werden wir den Kunden darauf hinweisen, dass der auch fällig ist“, sagt Kfz-Meister Reidel. Für den Tüv-Termin muss das auf jeden Fall erledigt werden, eigentlich schon sofort, wegen der Umwelt.

Bei dem Kundenauto handelt es sich um einen Umbau. Aus einem Bus mit neun Sitzen wurde in Heimarbeit ein einfacher Camper mit Matratze auf der Ladefläche. Ein Holzschrank hinter dem Fahrersitz erweitert den Stauraum. Bei der Hauptuntersuchung hatte offenbar niemand ein Problem mit dem Camping-Ausbau der einfachen Art.

Die T4-Motoren halten lange

“VW-Bus-Fahrer haben eine intensive Beziehung zu ihrem Fahrzeug”, sagt Jan Singer. Der Bulli ist nicht nur Transportmittel, sondern auch Lebensraum, Umzugshelfer oder Transporter.

Neben dem Allroundtalent schätzen T4-Fahrer die Langlebigkeit der Motoren. Der beliebte 2,5-Liter-Diesel mit 102 PS gilt als äußerst robust. Viele schaffen 500.000 Kilometer und mehr. Allerdings gibt es sie auch selten mit wirklich geringen Laufleistungen. Die VW-Busse werden nicht geschont, Exemplare mit weniger als 200.000 Kilometern findet man kaum. Sie kosten „trotzdem ihre 10.000 Euro“, weiß Florian Reidl.

Für ein Auto mit der Laufleistung, das teils mehr als 25 Jahre auf dem Buckel hat, ein stolzer Preis. Doch der T4 sei eben längst “aus dem Tal der Tränen” heraus. Sein Wert steigt, teilweise erheblich, sagt Marius Brune, Sachverständiger für klassische Fahrzeuge von Classic Data.

Die Langlebikeit der Motoren wird von T4 Fahrern sehr hoch angepriesen

Die Preise des Bullis steigen

Die Organisation beobachtet die Entwicklung der Preise für historische Fahrzeuge. Doch Brune sieht im T4 eigentlich noch keinen Klassiker. Ihm fehle „das Besondere und Schrullige”, das dazu gehört. Dafür sei der T4 jedoch im Vergleich zum T3 das deutlich bessere Auto. Die Motoren seien besser, das Raumkonzept macht ihn praktischer. Dazu ist die Elektronik noch relativ einfach, viele Reparaturen lassen sich ohne Spezialkenntnisse erledigen. Laut Classic Data werde der Wert des ersten Bulli mit Frontmotor bald steigen.

Das ruft leider auch Betrüger auf den Plan. Deshalb werden Busse oder Transporter umgebaut und als Multivan für mehr Geld inseriert. Manch einer manipuliert Kilometerstände, um am Bulli-Hype zu verdienen. Deshalb sollten Interessenten unbedingt darauf achten, dass eine möglichst gute Dokumentation der Fahrzeughistorie existiert. Wenn alles passt, so Jan Singe rund seine Kollegen, könne ein Bulli „fast ewig halten.“

11Tipps für T4-Fahrer und solche die es werden wollen

1. Der Zahnriemen muss regelmäßig gewechselt werden. Das kostet. Gute Werkstätten verlangen 1.000 Euro, Schnäppchenangebote für 200 Euro sind unseriös. Schon die Riemenscheibe kostet so viel, sollte aber mitgemacht werden. Simmerring und Wasserpumpe sollten ebenfalls erneuert werden.          

2. Viele T4 leiden unter gammelnden Scheibenrahmen. Ist dort Rost sichtbar, wird es schwierig. Bei Feuchtigkeit im Innenraum, kann die Frontscheibe schon lose sein, die Reparatur wird aufwändig und teuer.

3. Fugenrost ist eine weitere Problemzone beim T4. Allerdings ist das längst nicht so schlimm wie beim T3. Aufplatzende, blühende Karosserienähte sind kein K.O.-Kriterium beim T4.

4. Wer sich einen T4 ansieht, sollte ihn unbedingt auf die Hebebühne stellen. Viele gravierende Mängel wie marode Traggelenke, gebrochene Federn oder korrodierte Leitungen werden erst dort sichtbar.         

5. Wird ein Bulli falsch aufgebockt, zeigen sich oft Schäden an der Wagenheber-Aufnahme. Die ausgeschäumten Schweller rosten zudem gerne von innen nach außen, wenn das Wasser nicht abläuft.

6. Das Angebot an Ersatzteilen für den T4 ist riesig. Nicht immer ist die Qualität auf dem Original-Standard. Eine komplette Abgasanlage für 60 Euro ohne Katalysator klingt toll, hält aber oft nur bis zum nächsten Tüv.

7. Beliebt und robust ist innerhalb der großen Motorenpalette der 2,5-Liter-Diesel (2.5 TDI). Ohne Partikelfilter bekommt er allerdings keine Grüne Plakette. Die Nachrüstung kostet zwischen 800 und 1.000 Euro.

8. Interessenten sollten zwingend die Fahrgestellnummer prüfen, um Umbauten nachvollziehen zu können. Die sind nicht unbedingt ein K.O.-Kriterium, wenn sie gut gemacht sind. Wird der Umbau jedoch verschwiegen, sollte das skeptisch machen.        

9. Fast jeder T4 leidet unter maroden Traggelenken. Es gibt Ersatzteile verschiedenster Güte. Je nachdem können sie 10.000 Kilometer halten oder auch 50.000 Kilometer. Der Wechsel der oberen Traggelenke kostet circa 400 Euro.       

10. Ein Großteil der angebotenen Bulli ist nach Expertenschätzungen am Tacho manipuliert. Auf bis zu 50 Prozent schätzen sie den Anteil. Das liegt daran, dass er vergleichsweise einfach zurückzudrehen ist. Ein Fahrzeug mit lückenloser Historie wäre also fein.

11. Wer schon einen Bulli hat, für den enden die Sorgen nicht. Der VW T4 wird gerne gestohlen. Lenkradsperre und/oder GPS-Tracker gehören also zu den sinnvollen Nachrüstungen.


VW Bulli T4- Tipps vom Experten

  • Noch scheint das Preis-Leistungs-Verhältnis zu stimmen: Die Transporter sind ab einem Preis von 1.500 Euro erhältlich
    Quelle: mobile.de Noch scheint das Preis-Leistungs-Verhältnis zu stimmen: Die Transporter sind ab einem Preis von 1.500 Euro erhältlich
  • Die Langlebikeit der Motoren wird von T4 Fahrern sehr hoch angepriesen
  • Nach dem Umbau: Aus einem Bus wurde ein einfacher Camper
    Quelle: mobile.de Nach dem Umbau: Aus einem Bus wurde ein einfacher Camper
  • Hierbei handelt es sich um einen gerissenen ABS-Ring. Die Schraube wirkt dagegen wie neu
    Quelle: mobile.de Hierbei handelt es sich um einen gerissenen ABS-Ring. Die Schraube wirkt dagegen wie neu
  • Das Endlosthema Fugenrost ist jedoch kein K.OK-Kriterium für den T4
    Quelle: mobile.de Wie deutlich zu erkennen ist, handelt es sich hierbei um eine weitere Problemzone. Das Endlosthema Fugenrost ist jedoch kein K.O.-Kriterium für den T4
  • Die Bremse ist deutlich in die Jahre gekommen und sieht dementsprechend rostig aus
    Quelle: mobile.de Die Bremse ist deutlich in die Jahre gekommen und sieht dementsprechend rostig aus
  • Dank seiner Größe bietet der WV T4 viel Stauraum. Der perfekte Transporter für einen Umzug
    Quelle: mobile.de Dank seiner Größe bietet der VW T4 viel Stauraum. Der perfekte Transporter für einen Umzug
  • Bei Reparaturen sollte man von unseriösen Werkstätten mit Billig-Angebten Abstand halten
    Quelle: mobile.de Bei Reparaturen sollte man von unseriösen Werkstätten mit Billig-Angebten Abstand nehmen
  • Komfort? Fehlanzeige! Minimalismus wird großgeschrieben.Trotzdem bleibt der T4 in erster Linie ein Nutzfahrzeug
    Quelle: mobile.de Komfort? Fehlanzeige! Minimalismus wird großgeschrieben.Der T4 ist in erster Linie ein Nutzfahrzeug