Der Superb iV ist Skodas Plug-in-Riese für 2020

Skoda Superb iV im Test: Erste Fahrt im Plug-in-Hybrid

Keine neue Technik, aber ein stimmiges Paket: Der Skoda Superb iV kombiniert den Antrieb des VW Passat GTE mit viel Platz. Erste Fahrt im Plug-in-Hybrid.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 11/26/2019, 5:49 PM
Skoda Superb in der Ansicht von vorne-links
Quelle: Skoda Beide Motoren im Superb kommen auf eine Systemleistung von 218 PS

Der größte Skoda heißt Superb, der luxuriöseste heißt Superb iV. Dabei handelt es sich nicht um eine besonders lange oder geräumige Variante des Mittelklasse-Modells. Aber um eine besonders leise. Als iV fährt der Skoda Superb elektrisch. Nicht ausschließlich, aber immerhin bis zu 62 Kilometer weit laut Norm. Ohne hörbaren Antrieb lernt man seine Qualitäten besonders schätzen.

So richtig neu ist der Antrieb des Superb iV nicht. Nur neu bei Skoda: Superb Combi iV und Superb Limousine iV übernehmen die Motoren des VW Passat GTE. Ein Benziner und ein Elektromotor arbeiten gemeinsam oder einzeln. Sie machen den Superb flüsterleise oder ganz schön flott. Die Geschwindigkeit ist aber nur ein Nebenprodukt. Besonders gut gefällt er ohne Sprit.



Im Skoda Superb iV herrscht Stille

Ist der Akku voll, verzichtet der Skoda Superb beim Start komplett auf den Verbrenner. Er tritt seine Fahrt im EV-Modus an und verlässt sich ausschließlich auf den E-Motor. Gemessen am Antriebsportfolio des Superb ordnet sich der ganz unten ein: 85 kW, also 115 PS, sind für ein Auto mit einer Außenlänge von 4,86 Metern nicht sonderlich viel. Aber großes Tempo will Skoda mit dem Stromer ohnehin nicht erreichen.

Skoda Superb beim Laden an einer Ladesäule
Quelle: Skoda Skoda elektrifiziert den Superb. Zumindest zum Teil. Der Superb bekommt in vierter Generationen einen Plug-In-Hybridantrieb

Dafür steht ab der ersten Umdrehung ein Drehmoment von 330 Newtonmetern an. Mit dieser Kraft zieht das Auto zackig an und flüstert sich munter durch den Verkehr. Das serienmäßige Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet flott und unmerklich durch die Gänge. Der Antrieb funktioniert tadellos, er hält sich im Hintergrund und säuselt beinahe lautlos den Akku leer.

Was im Skoda Superb normalerweise weniger auffällt, spürt man jetzt umso mehr: Im Innenraum kommen nur wenige Geräusche an. Das Auto rollt komfortabel ab, Windgeräusche melden sich erst bei hohem Tempo. Dazu passt ein sanft wippendes Fahrwerk, das Stöße fein einfängt. Damit fährt der Superb zwar noch nicht auf Luxusklasse-Niveau, aber insgesamt gemütlich und komfortabel.

Viel Platz und ein großer Kofferraum trotz PHEV-Akku

Einzig in flott gefahrenen Kurven spürt man, dass zwei Antriebe im Superb iV arbeiten. Der große Akku im Heck, der Elektromotor in der Getriebeglocke und die Elektronik dazwischen bringen Gewicht ins Auto. In flotten Kurven rollt seine Karosserie spürbar nach außen. Sei’s drum, für zackige Manöver eignen sich andere Autos besser. Der große Skoda möchte lieber chauffieren als heizen.

Er hat ja ohnehin den Ruf einer als Familienauto getarnten Limousine. Mehr Platz auf der Rückbank gibt es nur für viel mehr Geld. Passagiere im Fond können ihre Beine ausstrecken. Selbst dann, wenn sich vor ihnen zwei Riesen lang machen. Hinzu kommt ein großer Kofferraum. Hier gibt es nirgends viel mehr Platz, Vans und Busse ausgenommen. Der Akku reduziert ein bisschen, unter der Bodenplatte befindet sich dennoch ein geräumiges Fach. Zum Beispiel für die Ladekabel.

Skoda Superb IV in der Heckansicht
Quelle: Skoda Mindestens 42.590 Euro verlangen die Tschechen für den Superb

Ganz vorn bietet der Skoda Superb seit dem Facelift mehr Luxus. Letztlich stammt hier aber alles aus der Kompaktklasse. Ein digitaler Tacho, ein großer Touchscreen, nüchtern sortiert und mit den nötigsten Knöpfen eingerahmt. Für den Superb iV lässt sich Skoda ein paar neue Anzeigen für Akkustand und Stromfluss einfallen. Informativ, gut abzulesen, aber eher zweckmäßig als hübsch.

Gern könnte der Hersteller auch bei der Markenschwester Audi spicken. Dort berechnen die Plug-in-Hybride anhand der eingestellten Navi-Route die beste Verteilung von Strom und Sprit. Der Skoda Superb fährt erst den Akku leer, dann den Tank. Es sei denn, man ändert den Fahrmodus. Immerhin: Über eine Smartphone-App lassen sich Ladezeiten und Klimatisierung fernsteuern.

Superb iV: Günstiger als ein Superb TDI

Auf unserer Testfahrt fehlt dem 13-kWh-Akku nach 40 Kilometern die Kraft für weiteren Vortrieb. Kein schlechter Wert, ein großer Teil der Strecke musste er Tempo 120 bis 130 auf einer Autobahn halten – kein schöner Bereich für ihn. Das konkrete Modell sollte laut Norm 47,2 bis 55,6 Kilometer elektrisch schaffen. Der Benziner übernimmt, im Bordcomputer steigt der Verbrauch gemächlich in Zehntelliter-Schritten. Jetzt geht es mit 156 PS vorwärts. Noch ruhig und kultiviert, aber spürbar brummig. Elektro fährt schöner.

Der Elektromotor arbeitet weiterhin. Mit niedrigem Akkustand wird aus dem Plug-in-Hybrid ein Vollhybrid. Der Strom hilft beim Anfahren und bei Volllast. Bremst der Fahrer, füllt der E-Motor den Akku. Er kann auch überflüssige Verbrenner-Kraft in Strom umwandeln. Aber das ist ökologisch gesehen Unsinn, weil dann der Verbrauch unverhältnismäßig in die Höhe klettert.

Immerhin steigt durch den Verbrenner die Reichweite enorm. Das Szenario „Elektrisch zum Job, mit Sprit in den Urlaub“ dürfte sich für viele Pendler lohnen. Vor allem durch die günstige 0,5-Prozent-Versteuerung für Firmenwagen – und derzeit 3.285 Euro Hybrid-Bonus für Plug-in-Hybride. Der Skoda Superb iV startet mit guter Ausstattung bei 41.590 Euro vor Prämien. Zum Vergleich: Mit 150 Diesel-PS kostet das gleiche Auto 39.310 Euro.



Der Plug-in-Superb funktioniert, wenn man ihn lädt

Der Superb hinterlässt einen guten Eindruck. Seine rein elektrische Reichweite ist praxistauglich, seine elektrische Fahrweise angenehm. Wer fleißig lädt, unterbietet den Normverbrauch von 1,5 Litern Sprit pro 100 Kilometer locker. Ein rein elektrischer Kombi mit Superb-Eigenschaften würde der Marke gut stehen. Technisch wäre das machbar, der Antrieb des VW E-Golf (Baureihe Golf 7) passt ins Auto. Für große Akkus lässt das Package aber keinen Platz.

Skoda Superb IV in der Ansicht von vorne-links, fahrend
Quelle: Skoda Für Tempo 100 braucht der Superb 7,8 Sekunden. Maximal sind 224 km/h drin

Der Superb möchte ein langstreckentaugliches Auto bleiben. Das kann er gut: Mit viel Platz und Reichweite reißt er problemlos gewaltige Etappen ab. Am liebsten gemütlich, gern mit viel Gepäck. Zum vollständigen Glück müssten sich seine Vordersitze noch tiefer einstellen lassen. Sonst kann er eigentlich alles. Wenn man dafür bezahlt.

Das Verhältnis Größe zu Preis bleibt beim Superb weiterhin ausgezeichnet, auch als Plug-in-Hybrid. Fast alle Extras in der Optionsliste scheinen sinnvoll und dienen einem Zweck. Wer sie zu sehr mag, hebt den Preis aber auf eine beachtliche Summe. 50.000 Euro sind längst kein Problem mehr. Ein kleiner Trost: Den gleichen Antriebsstrang gibt es auch im kleineren Skoda Octavia. Der kostet etwas weniger, lädt dafür aber nicht so viel ein.

Skoda Superb iV Combi: Technische Daten

ModellSkoda Superb iV Combi
Motor 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, Elektromotor
Getriebe Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb
Leistung Verbrenner156 PS (115 kW) bei 5.000-6.000 U/min
Leistung E-Motor85 kW (115 PS)
Systemleistung218 PS (160 kW)
Drehmoment Verbrenner250 Nm bei 1.550-3.500 U/min
Drehmoment E-Motor330 Nm
Systemdrehmoment400 Nm
0-100 km/h 7,8 s 
Höchstgeschwindigkeit 224 km/h 
Normverbrauch 1,1-1,9 l; 14,0 bis 14,5 kWh pro 100 km
CO2-Emissionen 25-42 g/km 
Kofferraumvolumen Fünfsitzer 625 Liter
Länge 4.862 mm 
Breite 1.864 mm (mit Außenspiegeln: 2.031 mm)
Höhe 1.477 mm
Radstand 2.841 mm 
Akkukapazität13 kWh
Elektrische Reichweite47,2-55,6 km
Tankinhalt50 Liter
Leergewicht laut EU-Norm1.752-1.901 kg
Preis Ab 42.590 Euro

Der Skoda Superb iV in Bildern

  • Weißer Skoda Superb in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Skoda Laut Norm fährt der Superb rein elektrisch 62 Kilometer weit
  • Skoda Superb IV in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Skoda Angetrieben wird der teilelektrische Superb von einem 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und einem Elektromotor
  • Skoda Superb IV in der Seitenansicht, fahrend
    Quelle: Skoda 50 Liter fasst der Kraftstofftank im teil-elektrischen Superb
  • Skoda Superb IV in der Ansicht von vorne-links, fahrend
    Quelle: Skoda Für Tempo 100 braucht der Superb 7,8 Sekunden. Maximal sind 224 km/h drin
  • Skoda Superb IV in der Ansicht von hinten-rechts, stehend
    Quelle: Skoda Der große Akku sitzt beim Superb im Heck des Fahrzeugs
  • Skoda Superb IV beim Ladevorgang
    Quelle: Skoda Der Akku im Superb stellt eine Kapazität von 13 kWh bereit
  • Blick auf den Schalthebel im Skoda Superb IV
    Quelle: Skoda Serienmäßig ist ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe an Bord
  • Blick auf das Infotainmentsystem im Skoda Superb
    Quelle: Skoda Das Cockpit wirkt gut sortiert. Über einen großen Touchscreen in der Mitte werden Fahrdaten abgerufen
  • Skoda Superb in der Seitenansicht, fahrend
    Quelle: Skoda Mit dem Smartphone ist die Klimaanlage aus der Ferne steuerbar
  • Skoda Superb in der Ansicht von vorne-links
    Quelle: Skoda Beide Motoren im Superb kommen auf eine Systemleistung von 218 PS
  • Skoda Superb beim Laden an einer Ladesäule
    Quelle: Skoda Skoda elektrifiziert den Superb. Zumindest zum Teil. Der Superb bekommt in vierter Generationen einen Plug-In-Hybridantrieb
  • Skoda Superb IV Combi in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Skoda Ist der Akku ausgeschöpft, sorgt nur noch der Verbrenner mit 156 PS für den Vortrieb. Der E-Motor hilft nur noch beim Anfahren und bei Volllast
  • Skoda Superb IV Combi in der Heckansicht, fahrend
    Quelle: Skoda Der Motor des Superb stammt aus dem VW Passat GTE
  • Skoda Superb IV in der Heckansicht
    Quelle: Skoda Mindestens 42.590 Euro verlangen die Tschechen für den Superb