Das Reifendruckkontrollsystem erklärt

Reifendruckkontrollsystem: So funktioniert es

Die Reifen sind als direkte Verbindung zur Straße besonders wichtig und das Reifendruckkontrollsystem hilft dabei, so viel wie möglich über diesen bedeutenden Teil des Fahrzeuges zu wissen.

  • Veröffentlicht am 05.07.2022, 12:10
Detailaufnahme eines Displays in einem Pkw mit aktiviertem Reifendruckkontrollsystem.
Quelle: picture alliance / dpa-tmn | Christin KloseNach einem Reifenwechsel muss oftmals das Reifendruckkontrollsystem zurückgesetzt werden.

Wie funktioniert das Reifendruckkontrollsystem?

Das Reifendruckkontrollsystem ist eines der Fahrassistenzsysteme in neuen Fahrzeugen. Die abgekürzt auch RDKS genannte automatische Reifendruckkontrolle soll Dir dabei helfen den richtigen Luftdruck in den Reifen zu bewahren. Als einzige, direkte Verbindung zur Straße sind die Reifen am Auto von allerhöchster Wichtigkeit. Sie funktionieren jedoch nur, wenn der richtige Luftdruck in den Gummis herrscht. Ansonsten verringert sich die Fahrsicherheit. Außerdem sorgt ein zu geringer Reifendruck für einen erhöhten Verbrauch. Man unterscheidet zwischen indirekten und direkten Reifendruckkontrollsystemen.

Wie unterscheidet sich ein indirektes RDKS vom direkten RDKS?

Bei einem direkt messenden Reifendruckkontrollsystem hat man an jedem einzelnen Rad einen Sensor verbaut, der im Innenraum des Reifens direkten Kontakt zur Luft hat. Die gesammelten Daten werden dann in das zentrale Steuergerät geliefert. Je nachdem, ob der Druck zu hoch oder niedrig ist, wird dann eine Warnung angezeigt, meist als kleines Lämpchen oder Meldung im Infotainment. So hat der Fahrer dann eine auf 0,1 Bar genaue Information über seinen Reifendruck und kann bei zu hohem oder zu niedrigen Druck schnell reagieren. Diese Systeme werden oft als Zusatzausstattung verkauft, da die Sensoren höhere Kosten verursachen.

Vorteile des direkten Reifendruckkontrollsystems

  • Sehr genaue Messung an jedem Rad
  • Messwerte werden in der Regel für jedes Rad
  • Kein Zurücksetzen des Systems nach Reifenwechsel

Nachteile des direkten Reifendruckkontrollsystems

  • Kostspieliger
  • Batterien der Sensoren müssen alle fünf bis acht Jahre getauscht werden
  • Sowohl Sommer- als auch Winterreifen müssen damit ausgestattet werden

Die indirekten Systeme arbeiten im Gegensatz nur mittelbar, das heißt der Reifendruck wird über das Abrollverhalten der einzelnen Räder gemessen. Denn der Reifendruck hat auf das Abrollverhalten Einfluss: Ist der Druck etwa zu gering, so rollt der Reifen vor allem über seine seitlichen Bereiche ab. Außerdem wird auch der Abrollumfang kleiner. Das bedeutet, dass sich das Rad mit zu geringem Druck schneller drehen muss als die anderen. Im Unterschied zur direkten Variante werden zum Auswerten der Daten die bereits vorhandenen Drehzahlsensoren an jedem Rad benutzt. Die Fahrzeugelektronik meldet dann dem Fahrer mittels Warnleuchte, ob sich anhand des Abrollverhaltens der jeweilige Reifendruck verändert haben könnte.

Das indirekte RDKS ist in der EU seit 2014 verpflichtend. Deshalb kommen keine zusätzlichen Kosten in Form von aufpreispflichtigen Extras auf Dich zu. Nach einem Räderwechsel muss das indirekte Reifendruckkontrollsystem zurückgesetzt werden. Beim direkten RDKS ist das nicht notwendig, dafür müssen sowohl Sommer- als auch Winterreifen über das System verfügen. Des Weiteren sind die Sensoren des direkten RDKS sensibler, die Handhabung mit dem indirekten System also einfacher. Im Gegenzug sind jedoch die Messungen des indirekten RDKS-Systems nicht so präzise.

Vorteile des indirekten Reifendruckkontrollsystems

  • Keine zusätzlichen Kosten bei Anschaffung
  • Einfache Handhabung
  • Verpflichtend bei Neuwagen verbaut

Nachteile des indirekten Reifendruckkontrollsystems

  • Langsamere Reaktion als das direkte System
  • Bei Reifenwechsel muss System neu zurückgesetzt werden
  • Ungenauere Messtechnik

Ist das Reifendruckkontrollsystem Pflicht?

Seit 2014 müssen alle Neuwagen in der Europäischen Union herstellerseitig mit einem indirekten Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sein. Das soll der allgemeinen Sicherheit im Straßenverkehr dienen und Unfälle durch einen falschen Reifendruck minimieren. Ein defektes oder fehlendes Reifendruckkontrollsystem kann zum Problem bei der Hauptuntersuchung werden, denn dies gilt als erheblicher Mangel. Deshalb gibt es mit einem fehlerhaften RDKS auch keine Prüfplakette für das Auto. Fahrzeuge, die vor dem 1. November 2014 zugelassen wurden und vor dem 1. November 2012 die Typgenehmigung erhalten haben, gilt die RDKS-Pflicht nicht.

Ein Mechaniker bereitet eine Achsvermessung an einem schwarzen Pkw vor.
Achsvermessung im Auto

Damit die Reifen korrekt auf der Straße liegen, sollten die Achsen im Auto immer richtig vermessen sein.

Kann man ein Reifendruckkontrollsystem nachrüsten?

Um auch im Gebrauchtwagen vor zu geringem Luftdruck gewarnt zu werden, kann man für relativ wenig Geld das eigene Auto umrüsten oder umrüsten lassen. Die Lösung zum Nachrüsten gibt es in Form eines speziellen Reifenventils und einer dazugehörigen Anzeige. Die Kits kosten meist um die 100 Euro und können auch ohne großes technisches Know-how installiert werden. Eine Kontrolle durch eine Werkstatt ist nach dem eigenhändigen Einbau aber ratsam. Auch die Autohersteller selbst bieten Lösungen an. Da dabei jedoch der komplette Reifen abgezogen wird, um Sensoren und Software zu ergänzen, sind diese Lösungen im Schnitt teurer.

Was muss ich beim Reifenwechsel beachten?

Bei einem indirekten Reifendruckkontrollsystem muss man nach jedem Reifenwechsel das System initialisieren, also zurücksetzen. Nur so kann für eine möglichst genaue Messung garantiert werden. Bei direkt messenden Systemen ist dieser Vorgang nicht notwendig, da die Sensoren innerhalb der Reifen sich von selbst an den neuen Druck einstellen und mit den Software-Daten abgleichen.

Das Bild zeigt das Symbol für das Fahrassistenzsystem ESP.
Fahrerassistenzsystem ESP

Ein weiteres, wichtiges Fahrerassistenzsystem im Auto ist das ESP. Es soll das Auto vor dem Schleudern in kritischen Situationen bewahren.

Was muss ich tun, wenn die RDKS-Lampe aufleuchtet?

Falls die Leuchte des Reifendruckkontrollsystems aufleuchtet, ist es ratsam, so schnell wie möglich den Reifendruck zu kontrollieren. Falls der Reifendruck unter dem vom Hersteller angegebenen Wert liegt, sollte Luft nachgefüllt werden. Informationen über den vorgegebenen Druck findest Du in der Bedienungsanleitung, an der B-Säule, im Tankdeckel oder im Handschuhfach. Alternativ kannst Du das auch in der Reifendrucktabelle des Reifenherstellers nachlesen, die online einsehbar ist. Sobald wieder genug Luftdruck im Reifen anliegt, muss das System initialisiert werden. Wenn weiterhin eine Fehlermeldung im System anliegt, sollte man alsbald eine Werkstatt aufsuchen, um den Fehler bei den Reifen oder dem Reifendruckkontrollsystem zu beheben. 

Detailaufnahme eines Reifenwechsels an einem Pkw.
Quelle: picture alliance / photothek | Xander HeinlDie Werkstatt sollte man vor dem Reifenwechsel darüber informieren, ob das Auto ein indirektes oder direktes RDKS hat.