Bei dir piept's wohl!

Parkassistenten: So fährst Du sicher in die Lücke

Es begann mit der Heckflosse und ist bei der Fernsteuerung angekommen: Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Entwickler viel einfallen lassen, um das Einparken zu erleichtern. Aber erst im Zeitalter der Digitalisierung sind die Systeme ausreichend komfortabel geworden, um verlässlich vor Parkremplern zu schützen – und technisch so komplex, dass man zum Manövrieren teils nicht mehr im Auto sitzen muss.  

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Rückfahrkameras sind meist an der Heckstoßstange montiert und bieten zusätzliche Hilfe beim Einparken.
Quelle: Britta Pedersen (dpa) Rückfahrkameras sind meist an der Heckstoßstange montiert und bieten zusätzliche Hilfe beim Einparken

Parken ist ein leidiges Thema. An viel befahrenen Straßen bereitet das Manövrieren in die Lücke bisweilen viel Stress. Vor allem aber sind Blechschäden ärgerlich und teuer, wenn es doch mal nicht gepasst hat. Automatische Einparkhilfen wie Parkassistenten und Parkpiloten schaffen heute Abhilfe.

Noch in den 1960er-Jahren dienten Heckflossen an den ausladenden Karosserien von US-Straßenkreuzern nicht nur einer spacigen Optik, sondern auch der optischen Orientierung beim Einparken. Teils wurden an Fahrzeugen auch flexible Peilstäbe verbaut. An manch altem Lkw markierten sie an Stoßstangen und Kotflügeln das Ende der Front, das aus dem Führerhäuschen nicht sichtbar war.   

Technisch komplexer wurde es 1991, als Mercedes rechts und links am Heck seiner ausladenden S-Klasse versenkbare Peilstäbe installierte, die automatisch ausfuhren, wenn man den Rückwärtsgang einlegte. Doch was man heute als Einparkhilfe bezeichnet, kam erstmals 1982 in Japan auf den Markt – verbaut im Mittelklasseauto Toyota Corona mit Ultraschallsensoren. 

In Zukunft sollen Autos vollautomatisch, zum Beispiel mit dem Smartphone, geparkt werden können.
Quelle: Franziska Gabbert (picture alliance / dpa Themendienst) In Zukunft sollen Autos vollautomatisch, zum Beispiel mit dem Smartphone, geparkt werden können

Einparkhilfen mit Ultraschallsensoren

Auch heute noch sind oft Ultraschallsensoren im Einsatz. Verbaut werden sie in den Stoßfängern, wo man sie als runde, meist in Wagenfarbe lackierte Elemente schon von außen erkennt. Anfangs wurden die Sensoren aus Kostengründen oft zunächst nur in den hinteren Stoßfänger integriert, wo ihre Hilfe stärker gefragt ist, weil meist rückwärts eingeparkt wird.

Sobald Du in eine Lücke fährst, senden die Sensoren Ultraschallsignale aus, die von dem Hindernis reflektiert werden. Auf diese Weise wird der Abstand gemessen – zu parkenden Autos, Mauern oder Laternenpfählen. Der Bordcomputer wertet die Information aus und signalisiert sie akustisch sowie optisch über ein Display mit schematischer Darstellung des Autos aus der Vogelperspektive. Je näher Du an das Hindernis fährst, desto schneller wird der Warnton. Ab einem Mindestabstand von rund 30 Zentimetern geht er in einen Dauerton über.

Manche Systeme sind an eine Rückfahrkamera gekoppelt, über die Du den rückwärtigen Bereich überwachen kannst. Zur Orientierung, wie Du lenken solltest, werden auf dem zentralen Display Linien eingeblendet. Diese sind teils starr, je nach System aber auch flexibel, indem sie sich mit dem Grad des Lenkeinschlags biegen. 

Früher waren Heckflossen nicht nur Schönheitsmerkmal, sondern dienten auch als Orientierung beim Einparken.
Quelle: Guenther Schwermer (picture alliance/imageBROKER) Früher waren Heckflossen nicht nur Schönheitsmerkmal, sondern dienten auch als Orientierung beim Einparken

Einparkhilfen mit Radarsensoren

Arbeitet die Einparkhilfe mit Radarsensoren, hat das einige Vorteile. Zum einen sind diese nicht mehr von außen sichtbar, was den Look des Autos glättet. Die Radarwellen können durch den Stoßfänger ausgesendet werden. Zum anderen kann ihr Einsatz Kosten relativieren. Sind andere radargestützte Systeme wie ein Abstandstempomat an Bord, ist die benötigte Technik bereits vorhanden.

Die räumlich weiter fühlenden Radarsensoren ermöglichen auch die Funktion des sogenannten Querverkehrwarners. Sie sind im Heck untergebracht, registrieren vorbeifahrende Fahrzeuge und vereinfachen das Rückwärtsausparken, indem sie ebenfalls warnen oder bei drohendem Crash eine Bremsung auslösen.

Darüber hinaus sind Radarsensoren unempfindlich gegenüber externen Ultraschallquellen, die bei Einparkhilfen mit Ultraschallsensoren zu Problemen führen können. Diese lassen sich durch andere Ultraschallemittenten wie Druckluftbremsen von Lkw oder Pressluftgeräte schon mal verwirren. Allerdings: Auch die Radarsysteme sind fehlbar. Läuft bei Niederschlag Regenwasser über den Stoßfänger, schlagen sie mitunter Fehlalarm.

So funktioniert ein Parkassistent

Mehr Komfort bieten automatische bzw. teilautomatische Einparkhilfen, die zur sprachlichen Abgrenzung Parkassistenten genannt werden. Ultraschallsensoren messen bei langsamer Vorbeifahrt Parklücken aus. Passt das Auto in die Parktasche, wird das über ein Display mittels Pfeilen signalisiert.

Anfangs waren die Systeme nur in der Lage, längs zur Fahrtrichtung liegende Lücken zu bewältigen. Heute sind Querlücken technisch kein Problem mehr. Auch links vom Fahrzeug befindliche Lücken können die Ultraschallsensoren vermessen – meist muss dazu der Blinker links gesetzt werden.

Ist die Lücke erkannt, fordert der Parkassistent erst zum Anhalten auf, dann zum Einlegen des Rückwärtsganges. Als Autofahrer musst Du dann nur noch behutsam Gas geben und bremsen, die Lenkbewegungen übernimmt das Auto wie von Geisterhand.

Über Steuergeräte und den Bordcomputer wird der Weg in die Lücke errechnet sowie die Anzahl der Züge. Manche dieser teilautonomen Systeme sind auch beim Ausparken behilflich. Andere übernehmen im Zusammenspiel mit einer Automatikschaltung auch die Gangwechsel. Den größten Komfort bieten derzeit vollautomatische Parkassistenten. Sie übernehmen auch die Längsführung, also das Beschleunigen und Abbremsen.

Ein- und Ausparken per App

Man könnte es als Spielerei abtun, aber Hersteller messen dem Rangieren mit dem Smartphone einen praktischen Nutzen bei. Dabei musst Du noch nicht einmal mehr im Auto sitzen. Das ist zum Beispiel bei engen Parklücken hilfreich, bei denen Du kaum noch aussteigen könntest.

Über Bluetooth wird das Auto mit dem Smartphone gekoppelt, auf dem die Hersteller-App installiert ist. Nach einer Autorisierung kann es losgehen. Neben Tesla, Audi und BMW bietet zum Beispiel auch Mercedes die „Remote Park-Pilot“ genannte Funktion für einige Modelle an.

Der Fahrer wählt ein Parkszenario – etwa das Einparken in eine Längslücke – und startet den Vorgang durch kontinuierliche Bestätigungsgesten auf dem Smartphone. Das Auto übernimmt das Lenken, Bremsen und den Richtungswechsel automatisch und selbsttätig. Auch das Ausparken ist per App möglich.

Bei Mercedes nutzt der Remote Park-Pilot die Ultraschallsensoren des hauseigenen Parkpiloten Parktronic, eine 360°-Kamera und Keyless-Go, das den Abstand des Fahrers zum Fahrzeug überwacht – denn der darf nicht mehr als ein paar Meter vom Geschehen entfernt sein.



Das können die besten Parkassistenten der Hersteller

HerstellerNameFunktion
Audi Audi AI Remote Parkpilotsteuert das Auto selbsttätig per App
BMWParking Assistant PlusFerngesteuertes Einparken per Displayschlüssel 
FordActive Park Assist Fahrer muss nur noch Gas geben, bremsen und schalten
MercedesRemote Park-Pilot Ferngesteuertes Einparken per App 
Seat Parklenkassistent Fahrer betätigt lediglich Gaspedal, Bremse und Schaltung
VolkswagenPark-AssistFahrer betätigt lediglich Gaspedal, Bremse und Schaltung