Machst Du noch regelmäßig einen Schulterblick?

Der blinde Fleck muss weg – So funktioniert der Spurwechselassistent

In der Fahrschule lernt man es seit jeher: Beim Spurwechsel gilt die Blickfolge Innenspiegel, Außenspiegel, Schulterblick – denn im toten Winkel lauert die Gefahr. Seit es Spurwechselassistenten gibt, ist das Unfallrisiko bei solchen Fahrmanövern deutlich gesunken – vor allem, wenn die Systeme aktiv ausgelegt sind. Hier erfährst Du, wie die Technik funktioniert.  

    0
  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Wenn Du die Spur wechseln möchte, gilt die Blickfolge Innenspiegel, Außenspiegel, Schulterblick.
Quelle: Patrick Pleul / picture alliance /dpa-Zentralbild/ZB Wenn Du die Spur wechseln möchte, gilt die Blickfolge Innenspiegel, Außenspiegel, Schulterblick

Im Jahr 2004 machte Volvo seinem Ruf als Hersteller, der besonderen Wert auf Sicherheit legt, mal wieder alle Ehre. Die Schweden stellten den S60 vor. Die Limousine konnte mit dem System BLIS geordert werden. Die Abkürzung steht für Blind Spot Information System. Ein Leuchtsymbol alarmierte den Fahrer, wenn sich andere Fahrzeuge im toten Winkel bewegten. Es war das erste System, das Fahrer vor drohenden Kollisionen beim Spurwechsel warnen konnte.

Ein Schild fordert zum Einfädeln nach dem Reißverschluss-Prinzip auf.
Quelle: Karlheinz Schindler / picture-alliance/ ZB Ein Schild fordert zum Einfädeln nach dem Reißverschluss-Prinzip auf. Wenn man dich nicht lässt, trotzdem besser auf die nächste Lücke warten.

Was ist ein Spurwechselassistent?

Heute sind vergleichbare elektronische Helfer, die zur Familie der Spurassistenten zählen und auch Toter-Winkel-Assistent genannt werden, im Grunde bei allen Autoherstellern zu haben. Sie haben sich fortentwickelt, arbeiten genauer und überwachen einen größeren Bereich seitlich vom und hinter dem Fahrzeug.

Zum Einsatz kommen in der Regel Nahbereichs- und Mittelbereichs-Radarsensoren, die im Heckbereich verdeckt untergebracht werden. Teils arbeiten die Spurwechselassistenten auch laser- oder kameragestützt. Die Sensoren erfassen den Bereich neben dem Fahrzeug bis zu einer Breite von 3,5 bis 4 Metern, nach hinten schauen sie rund 50 Meter weit.

Arbeiten die Radarsensoren statt im 77-GHz-Band im 24-GHz-Band, ist es technisch möglich, Umfeldinformationen im Bereich von bis zu 250 Metern zu sammeln. In engen Kurven, wenn also der Kurvenradius kleiner wird, kann der Assistent in seiner Funktion begrenzt sein. Auf Autobahnen kommt das aber kaum vor. Das Assistenzsystem schaltet sich meist ab 30 Stundenkilometern automatisch an, erkennt Lkw und Pkw und seit einiger Zeit auch Motorradfahrer.

Wie funktioniert ein Spurwechselassistent?

Moderne Systeme können Differenzgeschwindigkeiten messen und auswerten. Nähert sich zum Beispiel ein Auto auf der linken Spur der Autobahn sehr schnell, wird früher gewarnt. Ein Steuergerät berechnet die Zeit bis zu einer möglichen Kollision und unterscheidet zwischen mitschwimmenden, näherkommenden und zurückfallenden Autos.

Grundsätzlich verfügen die Systeme über LED im Bereich der Außenspiegel, die aufleuchten. Je nach Gefahrenstufe ertönen auch Warnsignale oder es gibt haptische Hinweise auf die nahende Gefahr, indem Sitzwangen, Lenkräder oder Blinkhebel zu vibrieren beginnen.

Nähert sich ein Auto von hinten rechts oder links dem toten Winkel, leuchtet die LED auf. Teilweise wird die sich verändernde Entfernung des Fahrzeugs in der Intensität der Leuchtstärke widergespiegelt. Setzt Du den Blinker, während sich ein Auto in Deinem Blind Spot befindet, beginnt die Anzeige bei manchen Herstellern schneller und heller zu leuchten. Auch, wenn der Blinker nicht gesetzt wird, das Auto aber mittels Kameradaten und anhand des Lenkverhaltens erkennt, dass Du die Spur wechseln möchtest, schlägt das System Alarm.

Den Schulterblick und auch den Blick in die Spiegel soll der Assistent nicht ersetzen. Er hilft aber zum Beispiel auch, wenn Du die Geschwindigkeit eines heranrasenden Autos falsch einschätzt. Der Zulieferer Bosch geht davon aus, dass bis zu einem Viertel der Unfälle beim Spurwechsel mit dem Spurwechselassistenten verhindert werden können.

Spurwechselassistenten können Unfälle verhindern.
Quelle: Michael Weber / picture alliance/imageBROKER Spurwechselassistenten können Unfälle verhindern

Aktive Spurwechselassistenten

Aktive Spurwechselassistenten warnen nicht nur, sondern sie greifen auch ins Verkehrsgeschehen ein. Mercedes-Benz brachte 2010 die Weiterentwicklung seines 2007 eingeführten Totwinkel-Assistenten, den Aktiven Totwinkel-Assistenten, auf den Markt. Mit einer einseitigen Bremsung kann er das Auto zurück in die Spur dirigieren.

2015 debütierte in der E-Klasse als Funktionserweiterung der sogenannte Aktive Spurwechselassistent, der beim Überholen hilft. Dazu muss der Fahrer den Blinker zum Fahrspurwechsel länger als zwei Sekunden halten und schon lenkt die Business-Limousine selbstständig auf die Nachbarspur.

Zur Überwachung des Umfelds kommen ein Fernbereichsradar und eine Stereokamera zum Einsatz. Andere Premiumhersteller wie BMW bieten einen solchen Überholassistenten ebenfalls bereits an. Auch Tesla hat dem Model 3 eine vergleichbare Funktion spendiert.

So nennen die Hersteller ihre Spurwechselassistenten

  • Mazda: Rear Vehicle Monitoring
  • VW: Side Assist
  • Volvo: BLIS (Blind Spot Information System)
  • Mercedes-Benz: Aktiver Totwinkel-Assistent / Aktiver Spurwechsel-Assistent
  • BMW: Spurwechselwarnung / Spurwechselassistent
  • Opel: Toter-Winkel-Warnung
  • Ford: Toter-Winkel-Assistent
  • Audi: Side Assist / Active Lane Assist
  • Lexus: Blind Spot Monitoring
  • Nissan: Blind Spot Intervention