Aus der goldenen Zeit der deutschen Coupés:

Opel Manta B (1975 bis 1988): Gebrauchtwagen-Tipp

Nicht nur für Pottler und Friseurinnen: Der Manta B war lange berüchtigt. Und stets besonders. Heute? Ist er als Gebrauchter begehrt: Alles zu Opels Youngtimer.

  • Haiko Prengel
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  • Veröffentlicht am 04/03/2020, 04:01 PM
Opel Manta GSi Frontansicht
Quelle: Opel Sportversionen wie der Manta GSi sind heute besonders begehrt

Dieser Opel stammt aus der großen Zeit der deutschen Kult-Coupés. Mehr noch, der Manta B prägt diese Epoche in den 70er- und 80er-Jahren. Die Konkurrenz von Ford Capri bis VW Scirocco erlangt nie die Popularität dieses Sportlers auf Ascona-Basis. Ja, nebenbei beeinflusste der Manta B noch das Image von Bewohnern des Ruhrgebiets und Friseusen – als man die noch so nannte. Heute weiß man es besser. Auch beim Auto: Der Manta ist aus heutiger Sicht bedeutender als der Film von 1991, dem er seinen Namen gab. Außerdem begehrenswert, gerade in Relation zum aktuellen Markt.

Denn oft genug wird der Coupé-Begriff heute für alles zwischen dreitürigem Kleinwagen und Sport-SUV-Monstrum genutzt. Wo die Bezeichnung zutrifft, entrückten häufig die Preise. In der Bauzeit zwischen 1975 und 1988 ist die Welt der flachen C-Säulen noch in Ordnung: Der zweite Manta kommt zu volksnahen Preisen und mit spaßigem Antriebskonzept.

Die Zeit der Dumpingpreise für Manta-Youngtimer ist längst vorbei, doch tolle Angebote hält der Gebrauchtwagenmarkt noch bereit. Wir klären, was den Manta B im Detail ausmacht. Und mit welchem Antriebsstrang der Gebrauchte zum lohnenden Sammlerstück wird.


Opel Manta dreiviertel-frontansicht
Manta, Manta

Der Opel Manta wurde in den 80er-Jahren zum Kultobjekt für Tuningfreunden


50 Jahre Opel Manta

Die erste Generation von Opels Coupé debütiert vor fünf Jahrzehnten. Preise, Kult und Technik machen den Nachfolger Manta B zum insgesamt spannenderen Gebrauchtwagen. Der zweite Manta wirkt noch gar nicht so betagt, ist in neueren Varianten ganz gut ausstaffiert. Man kann viel Spaß mit diesem hinterradgetriebenen Youngtimer haben – vorausgesetzt der Zustand passt und der richtige Motor befindet sich unter der langen Haube.

Beim Opel Manta B 2.0 E ist das definitiv der Fall: Ein Exemplar des (regulären) Top-Modells mit goldenem Lack wurde vor kurzem auf mobile.de angeboten. Mittlerweile erscheint das Inserat eines privaten Verkäufers nicht mehr auf der Ergebnis-Seite. So schnell kann es gehen, gut 30 andere Manta sind zum Glück noch da.

Zur preislichen Einordung: Für das goldfarbene Coupé von 1982 wies das Inserat einen Verkaufspreis von 11.900 Euro aus. Allemal fair für einen Manta B im Berlinetta-Trimm. Das Modell kommt mit tollen Extras wie Schiebedach, Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfern, Radio und Drehzahlmesser. Viel mehr geht Anfang der 80er-Jahre in diesem Segment nicht.

Opel Manta B dreiviertel-frontansicht
Quelle: Opel 1975 kommt der Manta B auf den Markt, hier ein früher Berlinetta

Stramme 110 PS im Manta B auf der Hinterachse

Dazu kommt der stärkste Motor, den Manta-B-Fahrer seinerzeit bestellen können - wenn man von limitierten Sondermodellen wie dem Manta 400 absieht. Beim 2.0 E reicht ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner (Einspritzer mit L-Jetronic, später LE-Jetronic) 110 PS an die Hinterachse. Das klingt für heutige Verhältnisse unspektakulär. Mit kaum einer Tonne Leergewicht und leichtem Heck langt das, nicht nur aus damaliger Perspektive. Den Sprint von Null auf Hundert schafft der 2.0 E in 10,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 200 km/h.

Unseren goldenen, inzwischen verkauften Manta macht zudem die moderate Laufleistung von 76.000 Kilometern attraktiv. Genau wie seine nachvollziehbare Historie. Noch bedeutender: Er befindet sich im Originalzustand.



Originalzustand ist beim Opel Manta Gold wert

Unverbastelte Mantas sind selten geworden. Zählt man A- und B-Version zusammen, verkauft Opel mehr als eine halbe Million Exemplare. Doch zahlreiche Autos sterben in den Folgejahren den Rosttod. Oder werden verheizt und verbastelt.

Insbesondere der Manta B erleidet dieses Schicksal. Tiefer, breiter, schneller – die 80er-Jahre sind wild. Zugegeben: Ford-Escort-Fahrer und VW Scirocco-Besitzer machen bei dem Wettrüsten um die schnellsten und heißblütigsten Karren ebenfalls mit. Doch an keinem Coupé kommt es häufiger zu Tuning-Exzesse als am Opel Manta. Monströse Spoiler, Breitbau-Kits, Sportluftfilter und Domstreben - Ausrüster wie Irmscher, Lexmaul oder Steinmetz liefern alles, was man für den Golf GTI ebenfalls erhält.

Ein Unikum des Manta B ist der Fuchsschwanz für die Radioantenne. Historisch korrekt kommt dieses Accessoire, wenn der Fahrer in „Mantaletten“ aus dem Auto steigt. Also Cowboystiefeln, im weitesten Sinn.


VW Scirocco
Der VW Scirocco

Der erste Scirocco kam 1974 auf den Markt. 2013 feiert Volkswagen Jubiläum: Eine Million Scirocco.


Manta CC mit großer Heckklappe

Anfangs ahnt niemand, welcher Kult um das Modell entsteht. Als ihn Opel im Jahr 1975 nach den Werksferien auf den Markt bringt erscheint der zweite Manta vielen zu brav. Das Heck des Vorgängers Manta A baut näher an den großen Sportwagen seiner Zeit. Beim Manta B wirkt alles etwas nüchterner. Zunächst gibt es das Auto nur in der klassischen Form mit flacher C-Säule und abgesetztem Heck. 1978 kommt die „Combi-Coupé“-Version Manta CC mit einer großen Heckklappe hinzu.

Längst nicht alle Kunden entscheiden sich beim Manta B für den potenten Zweiliter-Motor. Viele begnügen sich mit einem 1,6 N und 60 PS oder einem 1,9 N und 75 PS. Per sé keine schlechte Wahl im Youngtimer - bei schwächeren Motorisierungen steigt die Chance auf ein unverbasteltes Rentner-Auto.

Gleichwohl bleiben die Spitzenmodelle mit über 100 PS Leistung am begehrtesten. Das Sportmodell GT/E mit 105 PS hat schon im Jahr 1975 serienmäßig Frontspoiler, Sportfahrwerk und eine mattschwarz lackierte Motorhaube. 1977 kommt der genannte 2,0 E, der es bei den Fahrleistungen sogar mit dem nominell stärkeren Sechszylinder im Ford Capri 2,3 S aufnehmen kann.



Manta 400 tritt bei Rallyes an

Der 2,0 E bleibt bis zum Produktionsende 1988 im Programm, allerdings heißt die Sportversion später nicht mehr GT/E, sondern GSi. Die Blaue Mauritius des Gebrauchtwagenmarktes ist der Opel Manta 400. Er folgt auf den Ascona 400, mit dem Walter Röhrl 1982 den Rallye-Weltmeistertitel holt. Der Manta 400 mischt ebenfalls in der Gruppe B mit. Ein 2,4 Liter großer Vierventil-Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen leistet im Rallye-Fahrzeug bis zu 270 PS. Es handelt sich damals um eines der schnellsten Wettbewerbsfahrzeuge ohne Allrad und Turbo – zugegeben, eine große Rolle spielen die in jener Phase der Gruppe B nicht mehr. Für die Startfreigabe braucht es eine Kleinserie aus zivilen Modellen. 245 herkömmliche Ausgaben des Opel Manta 400 entstehen. Hier liefert der 2,4-Liter-Sauger 144 PS.

Daneben kommen verschiedene Irmscher-Sondermodelle auf den Markt, teilweise erhält man die Sportmodelle beim regulären Opel-Händler. In Erinnerung bleiben etwa der Manta i200 mit Rallye-Dekor und leistungsgesteigerten 125 PS. Oder die Manta-Kleinserie mit Sechszylindermotor. Der i2800 erhält bei Irmscher den R6 aus dem Commodore B GSE und durchbricht mit dem 155 PS starken Antrieb die 200-km/h-Marke.

Opel Manta 400 Frontansicht
Quelle: Opel Heute ist der Opel Manta 400 ein begehrtes Sammlerstück

Fazit Opel Manta B: Ein Hecktriebler-Coupé alter Schule 

1988 ist Schluss für den Manta. Ein Jahr später steht der Calibra bei den Opel-Händlern. Mit Quermotor-Basis und Frontantriebs-Konfiguration hat das neuere Sport-Coupé nicht mehr viel mit dem Manta gemein. Später wird der Calibra selbst zur Legende, an den Kult um den Manta B kommt er aber nie heran. Das kantige, hinterradgetriebene Stück deutscher Automobilgeschichte macht in jedem Fall Freude. Am besten ist das Verhältnis zwischen Kontostand, Beschleunigungsvermögen und Werterhalt wohl beim 2,0 GTE. Gold-Lack ist kein muss, passt hier aber. Zumindest besser als an irgendeinem anderen Coupé.

Technische Daten Opel Manta 2.0 E (1977 bis 1988)

Modell Opel Manta B 2,0 E
Motor 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner
Leistung 110 PS (81 kW) bei 5.400 U/min
Drehmoment 159 Nm bei 3.400 U/min
Getriebe Fünfgang-Schaltgetriebe
0-100 km/h 10,5 s
Geschwindigkeit 192 km/h
Verbrauch ca. 8,5 l/100 km
Leergewicht 1.000 kg
Länge 4.455 mm
Breite 1.670 mm
Höhe 1.330 mm
Radstand 2.520 mm

Der Opel Manta B in Bildern

  • Opel Manta 400 Frontansicht
    Quelle: Opel Heute ist der Opel Manta 400 ein begehrtes Sammlerstück
  • Opel Manta B Blick unter die Motorhaube
    Quelle: Opel Schon die Straßenversion bringt es auf 144 PS, im Rallye-Einsatz reichen die Ausbaustufen bis über 270 PS
  • Opel Manta 400 Frontansicht
    Quelle: Opel Top-Modell wird 1981 der Manta 400 mit damals innovativer Vierventil-Technik
  • Opel Manta GT/E
    Quelle: Opel Der GT/E bietet ab Werk Spoiler, Sportfahrwerk und mattschwarze Motorhaube im Renn-Look
  • Opel Manta B Cockpit
    Quelle: Opel Farbenfrohe Innenräume sind in den Siebzigern angesagt
  • Opel Manta CC Seitenansicht
    Quelle: Opel 1978 ergänzt die Combi-Coupé-Version CC das Modellprogramm
  • Opel Manta B Seitenansicht
    Quelle: Opel Zunächst gibt es das Sportcoupé nur mit Stufenheck
  • Opel Manta B dreiviertel-frontansicht
    Quelle: Opel 1975 kommt der Manta B auf den Markt, hier ein früher Berlinetta
  • Opel Manta GSi Frontansicht
    Quelle: Opel Sportversionen wie der Manta GSi sind heute besonders begehrt