Alltagstauglich und eine Reichweite für fast jeden Bedarf

Opel Corsa-e (2020) Elektroauto: Erster Test, Preise, Förderung

Fährt der Stromantrieb mit Autos wie dem Opel Corsa-e aus der Nische? Opel setzt auf Alltagstauglichkeit, viel Reichweite und einen günstigen Preis.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 03/19/2020, 7:35 PM
Opel Corsa-e Frontansicht fahrend
Quelle: Opel Mit dem vollelektrischen Opel Corsa-e unterwegs in Berlin: Im Kleinwagen soll die E-Mobilität sich möglichst normal anfühlen

Im Grunde fährt der Corsa-e fast langweilig. Das ist nicht böse gemeint. Eher als: Der Corsa-e fühlt sich an wie ein absolut selbstverständliches Auto. Schließlich soll mit der aktuellen Generation von Elektrofahrzeugen der Stromantrieb endlich in der Gesellschaft ankommen. Deshalb fährt bei Opel der Corsa vorneweg. Der Corsa ist der wichtigste Opel. 2019 setzte der Hersteller trotz Modellwechsels insgesamt 229.000 Fahrzeuge ab, davon gut 51.000 in Deutschland. Anders formuliert: Fast jeder vierte Opel ist ein Corsa. Bei diesem Modell sind keine Fehler erlaubt.

Opel Corsa-e: Das Wichtigste in Kürze

  • Großserien-Elektroauto von Opel
  • Gleiches Platzangebot wie im regulären Corsa
  • Agiles Handling, große Reichweite
  • Preise ab 29.900 Euro abzgl. E-Förderung

Das gilt auch für den elektrischen Corsa. Er soll gemäß der Konzernstrategie Seite an Seite mit den Benzinern vom Band rollen und im Autohaus stehen. Als eine von verschiedenen Antriebsoptionen. Als Alternative, die sich für den Autokäufer rechnet. Für den elektrischen Corsa müssen die Opel-Ingenieure ihr Auto allerdings umbauen. Ziemlich genau 300 Kilo mehr als ein ähnlich starker Benziner wiegt der Stromer.

Der 345 Kilo schwere Akku verändert die Fahreigenschaften, zudem zerren 260 Nm Drehmoment direkt ab dem Anfahren an der Vorderachse. Deshalb erhält der Elektro-Corsa eine neue Hinterachse, zusätzliche Ausleger an der Vorderachse, verstärkte Domstreben und eine komplett neue Fahrwerksauslegung.

Der Fahrer soll von alldem nichts merken. Der Corsa-e soll fahren wie ein Corsa und den gleichen Nutzwert bieten wie ein Corsa. Im Innenraum ändert sich daher so gut wie nichts. Ein paar zusätzliche Knöpfe, einige neue Menüs im Infotainment – das war es. Der Kofferraum allerdings verliert sein Unterbodenfach und misst statt 309 Liter nur noch 267 Liter – was im Alltag nicht groß stört, solange der Elektromobilist sein Ladekabel nicht stets mitführen möchte.

Opel Corsa-e mit eingestecktem Ladekabel
Quelle: TeamOn Getankt wird da, wo man es erwartet: Die Elektro-Version nutzt die gleiche Klappe wie der Benziner oder Diesel

Opel Corsa-e: Verbrauch und Fahrverhalten

Wie angedeutet: Wer im elektrischen Corsa Aufregung erwartet, sitzt im falschen Auto. Der Opel übt sich in der deutschen Tugend solider Unauffälligkeit. Einfach die Power-Taste etwas länger halten, dann erwacht der Opel Corsa-e zum Leben. Nun den Automatik-Wahlhebel auf „D“ stellen und losfahren – einfacher geht es nicht.

Der Fahrer stellt sich den Sitz ein wie im regulären Corsa, empfindet auch hier den Fußraum als etwas schmal. Und blickt auf ein digitales Display, allerdings nur gegen Aufpreis. In der Basis zeigen im E-Auto ganz unfuturistisch analoge Zeiger an. In der Mittelkonsole sitzt ein zweiter Bildschirm für das Infotainment. Hier lassen sich allerlei Statistiken und Verbrauchsdiagramme auf den Bildschirm holen.

Das lassen wir relativ schnell wieder bleiben. Eine Eigenschaft dieser neuen Generation Elektroautos: Der Akku ist so groß, dass das Thema Reichweite und Verbrauch kaum interessiert. Aus den 50- Kilowattstunden-Lithium-Ionen-Akkus des Corsa entweicht der Strom an diesem milden Frühlingstag so langsam, dass niemand zusehen möchte. Fenster auf, Eco-Modus, Klima aus: 11,5 kWh/100 Kilometer im Stadtverkehr zeigt der Bordcomputer nach 14 Kilometern an. Mit laufender Klimaanlage und ohne große Rücksicht steigt der Verbrauch auf 12,3 kWh/100 km.


Elektrifizierter Kleinwagen

Der elektrifizierte Corsa ist Opels Startschuss in die Elektro-Offensive.


Beide Werte liegen weit unterhalb des Normverbrauchs von 16,8 kWh/100 km. Acht Balken umfasst die Ladeanzeige, nach gut 100 Kilometern sind etwas mehr als zwei Balken weg. Opels Reichweiten-Angabe von 337 Kilometern scheint im Alltag also leicht erreichbar. Solange man nicht erwartet, bei Autobahntempo ähnlich sparsam zu fahren wie in der Stadt und auf der Landstraße. Was dem Opel neben milden Temperaturen hilft, ist die serienmäßige Wärmepumpe: ein entscheidender Faktor dafür, dass bei laufender Heizung die Reichweite nicht schmilzt wie Eis in der Sonne.

Rekuperation, Sport- und Eco-Modus im Elektro-Corsa

Unspektakulär bleibt das Fahrerlebnis, bis der erste Traktor überholt werden soll. An der Ampel und beim Überholen ist der Corsa König, das kräftige Drehmoment aus dem Stand macht beim Sprinten Spaß. Das ist ja bei den meisten Elektroautos so.

Serienmäßig gehört der Fahrdynamik-Schalter zum Elektro-Paket. Nützlicherweise, denn er regelt die Leistungsabgabe des Motors. Maximal 60 kW und 130 Nm sind es in „Eco“, 80 kW und 220 Nm in „Normal“. Volle Leistung (100 kW, 260 Nm) gibt es in „Sport“. Daneben beeinflusst der Schalter die Kennlinien von Lenkung und Gaspedal.

Das Fahrwerk versteift der Sportmodus nicht. Opel-typisch arbeitet es komfortabel und dennoch präzise, auch wenn der Wagen in manchen Kurven mehr Kontrolle bieten könnte. Denn der dynamische Antrieb verleitet dann doch mal zu flotten Manövern – man will sich ja nicht durchgängig langweilen.



Gegen die Energieverschwendung beim Ausrollen und Bremsen setzt Opel auf ein dreistufiges Rekuperationskonzept. Wichtig dabei: Deutlich rekuperiert der Corsa-e erst, wenn etwas Energie aus dem Akku gewichen ist. Wo soll er sonst mit dem Strom hin. Im Standard-Fahrmodus „D“ verzögert er leicht. One-Pedal-Driving wird es auch in der Rekuperationsstufe („B“) nicht. Opel stimmt sie so ab, dass die Bremslichter nicht aufleuchten müssen.

Es handelt sich also um einen klassischen Bergabfahr-Modus. Wer stehen bleiben will, muss die Bremse betätigen. Sie erbringt einen Großteil ihrer Bremsleistung per Generator und speichert so Bremsenergie im Akku. Das mag sich bei Vollbremsung ungewohnt anfühlen, beeinflusst aber nicht die Reaktionsgeschwindigkeit der Bremse. Und: Auch bei diesem Stromer werden die Bremsscheiben im gehobenen Alter eher rosten als verschleißen.

Opel Corsa-e Cockpit
Quelle: TeamOn Am Cockpit des Corsa ändert Opel für die E-Version möglichst wenig. Er soll vom selben Band laufen wie der Verbrenner-Corsa

Alltag und Reichweite im Corsa-e

Im Händlernetz samt Stammkunden kämpft Opel fast 10 Jahre nach dem ersten Opel Ampera weiter gegen Vorurteile. Hier muss der elektrische Corsa überzeugen. Bei der Probefahrt und am Rechenschieber. Opel-Händler sollen dem Kunden beweisen: E-Mobilität rechnet sich und passt zum Leben. Nicht für jeden, aber für viele.

Dabei zählen wohl weniger die digitalen Dienste, die den Corsa per App mit dem Handy verbinden. Was zählt: Ein 50-kWh-Akku ist für die meisten Fahrer größer als nötig. Grob gesagt: Wer 30 Kilometer zur Arbeit fahren muss und hohe Geschwindigkeiten auslässt, kommt mit einer Akkuladung durch die Woche.

Beim Akku zahlt jeder Corsa-Kunde die 50 kWh. Dem Hersteller ist es wichtig, die „Reichweitenangst“ aus den Köpfen der Kunden zu streichen. Bei den Ladeoptionen hingegen zahlt der Kunde nur das, was er braucht: Serienmäßig lädt er einphasig mit bis zu 7,4 kW. Eine Wallbox gibt es, ebenso wie verschiedene Ladekabel, direkt beim Opel-Händler. Gegen Aufpreis kommt der Corsa-e mit dreiphasigem Laden bis 11 kW. An Gleichstrom-Schnellladesäulen kann er sogar mit bis zu 100 kW laden. Wer Zeit hat, nachts, am Wochenende oder während der Arbeitszeit, kommt mit einer Steckdose oder einer Wallbox aus. Wer öfter unterwegs laden will, wählt die Edition-Ausstattung.


Opel Corsa F
Der sechste Opel Corsa

Erstmals basiert der Corsa auf einer Plattform des neuen, französischen Opel-Eigentümers PSA.


Opel Corsa-e: Preise und Markstart

Bei der Ausstattung macht es Opel wie beim Akku: lieber ein bisschen mehr, statt der Billigste zu sein. Zur Serie gehören die Wärmepumpe, eine Verkehrsschilder-Erkennung, Geschwindigkeitsbegrenzer, Spurhalteassistent, Auffahrwarner und autonome Notbremse. Klimaautomatik, Radio, digitale Dienste – einen nackten E-Corsa gibt es nicht.

Der elektrische Opel Corsa startet bei 29.900 Euro, „Edition“ (zusätzliche Ladeoptionen) ist 750 Euro teurer. Die „First Edition“ mit LED-Licht, digitalem Cockpit und anderen Extras kostet 32.900 Euro. 6.000 Euro Elektroauto-Förderung gehen runter. Dann trennt den elektrischen Corsa nicht mehr viel von einem gut ausgestatteten, vergleichbar motorisierten Benziner: 23.440 Euro kostet ein von uns getesteter Corsa GS Line mit 130-PS-Benziner und Achtstufen-Automatik. Praktisch Gleichstand also.

Nach der reinen Listenpreisbetrachtung gewinnt der Stromer sogar – dank politischer Schützenhilfe. Die Kfz-Steuer entfällt. Strom kostet weniger als Benzin und: Dienstwagenfahrer versteuern nur mit 0,25 Prozent. Zumindest für Neuwagenkäufer gibt es angesichts der umfassenden Förderung also keine Kostenargumente gegen ein Elektroauto. Es muss eben zum Anwendungsfall passen. Für die Langstrecke bleibt der Diesel erste Wahl. Bei engem Budget lässt sich auf Leistung und Ausstattung verzichten. Unter den stärkeren Corsa dagegen ist der Elektro-Stromer womöglich der beste Deal. Und in Sachen Emissionen garantiert zukunftsfest.

Ob der der Corsa-e im Juni 2020 in den Markt starten kann, ist angesichts der Corona-Krise zwar unklar. Trotzdem soll 2024 in jeder Opel-Baureihe ein Elektromodell stehen. Dabei setzt PSA, anders als VW, vorerst nicht auf eigenständige Elektroauto-Plattformen. Der Konzern will flexibel auf die Nachfrage nach Elektroautos reagieren. Erst ab 2025 könnte sich das ändern – wenn die Nachfrage entsprechend steigt. Dafür baut Opels Mutterkonzern eine eigene „Gigafactory“: Das Opel-Komponentenwerk Kaiserslautern fertigt bisher hauptsächlich Motoren. Es wird künftig zum zentralen Batteriewerk des Konzerns umgestaltet.



Opel Corsa-e: Technische Daten

Modell Opel Corsa-e
Motor Elektro, synchron
Leistung 100 kW (136 PS)
Drehmoment 260 Nm
0-100 km/h 8,1 s
Geschwindigkeit 150 km/h
Akku 50 kWh
Verbrauch 16,8 kWh/100 km
Reichweite 337 km (WLTP)
Länge 4.060 mm
Breite 1.765 mm
Höhe 1.435 mm
Radstand 2.538 mm
Leergewicht 1.530 kg
Kofferraumvolumen 267-1.042 l
Basispreis 29.900 Euro
Marktstart 4.6.2020

Der Opel Corsa-e in Bildern

  • opel corsa-e_07
    Quelle: TeamOn Aufgrund der umfassenden staatlichen Förderung kostet ein elektrischer Corsa den Kunden unterm Strich sogar weniger als ein vergleichbar starker Benziner mit Automatik
  • Opel Corsa-e Cockpit
    Quelle: TeamOn Am Cockpit des Corsa ändert Opel für die E-Version möglichst wenig. Er soll vom selben Band laufen wie der Verbrenner-Corsa
  • Opel Corsa-e digitales Tachometer Detailaufnahme
    Quelle: TeamOn Effizient: Auf unserer ersten Ausfahrt entwich der Strom nur langsam aus dem 50-kWh-Akku des Corsa-e
  • Opel Corsa-e Blick in den Kofferraum mit herunter geklappter Rückbank
    Quelle: TeamOn Das Kofferraumvolumen laut Datenblatt schrumpft zwar bei der E-Version des Corsa. Der Nutzwert des Kofferraums jedoch nicht. Links im Bild: Opels größte Ladekabel-Option
  • Opel Corsa-e Elektro-Emblem Detailaufnahme
    Quelle: TeamOn Viel mehr Elektro-Zierrat gönnt Opel dem Corsa-e nicht: Von außen fällt der Kleinwagen kaum als E-Pionier auf
  • Opel Corsa-e mit eingestecktem Ladekabel
    Quelle: TeamOn Getankt wird da, wo man es erwartet: Die Elektro-Version nutzt die gleiche Klappe wie der Benziner oder Diesel
  • opel corsa-e_06
    Quelle: TeamOn Der Fahrmodus-Schalter regelt im Elektro-Corsa die Leistungsabgabe des E-Antriebs: Volle Power gibt es nur in "Sport"
  • Opel Corsa-e Frontansicht
    Quelle: TeamOn LED-Scheinwerfer sind in einem Kleinwagen heute nichts Besonderes mehr - LED-Matrix-Technik dagegen schon
  • opel corsa-e_09
    Quelle: TeamOn "B" steht bei elektrischen und teilelektrischen Fahrzeugen traditionell für einen Bergabfahr-Modus - in dem ein Generator den Wagen abbremst, aber nicht stoppt
  • Opel Corsa-e Infotainment-System Detailansicht
    Quelle: TeamOn Ein Energiefluss-Diagramm gehört beim Elektroauto einfach dazu - wird im Corsa-e aber schnell langweilig, weil der Akku einfach für fast alle Lebenslagen reicht
  • Opel Corsa-e Modell des Antriebs
    Quelle: Opel So platziert Opel die Antriebstechnik im Corsa-e: Die Verteilung der Batteriemodule legt nahe, dass auch Varianten mit weniger Akkukapazität künftig denkbar sind
  • Opel Corsa-e dreiviertel-heckansicht fahrend
    Quelle: Opel Wer will, kann den Opel Corsa-e dynamisch bewegen - spätestens bei Autobahntempo natürlich mit erhöhtem Verbrauch
  • Opel Corsa-e Frontansicht fahrend
    Quelle: Opel Mit dem vollelektrischen Opel Corsa-e unterwegs in Berlin: Im Kleinwagen soll die E-Mobilität sich möglichst normal anfühlen