Woran erkennt man einen Versicherungsbetrug mit dem Auto? Wir verraten es Dir!

Kfz-Versicherungsbetrug: So schützt Du Dich

Rund jeder zehnte Unfall in Deutschland ist manipuliert. Wir sagen Dir, wie Du Dich vor Betrügern schützt und wie Du Dich verhalten solltest.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 3:24 PM
Ein Auto bremst grundlos vor Dir und provoziert einen Auffahrunfall? Dann handelt es sich womöglich um Versicherungsbetrug.
Quelle: Frank Hoermann (Sven Simon/ picture alliance) Ein Auto bremst grundlos vor Dir und provoziert einen Auffahrunfall? Dann handelt es sich womöglich um Versicherungsbetrug

Plötzlich gibt der Fahrer des Pkw neben Dir Gas und schert direkt vor der Kreuzung vor Dir ein. Die Ampel springt auf Gelb. Eigentlich kein Problem, locker könntet Ihr beide die Ampel legal und gefahrlos überqueren. Doch Dein Vordermann bremst – und Du hast keine Chance mehr, zu reagieren. Die Folge: Ein Auffahrunfall mit viel Stress, Nerven und hohen Kosten bei Deiner Versicherung. Denn wer auffährt, hat den Sicherheitsabstand nicht eingehalten – und gilt als Unfallverursacher. Aber musste Dein Vordermann wirklich so stark bremsen? Ging da alles mit rechten Dingen zu? Oder bist Du Opfer eines Versicherungsbetruges geworden? Das zu erkennen ist nicht einfach. Wir verraten Dir, worauf Du achten musst, welche ersten Schritte bei einem verdächtigen Unfall nötig sind und welche Tricks die Versicherungsbetrüger anwenden.

Das oben beschriebene Szenario ist kein Einzelfall. Tagtäglich kommt es zu derartigen Unfällen auf deutschen Straßen. Für das Jahr 2018 hat das Statistische Bundesamt rund 2,6 Millionen Verkehrsunfälle erfasst. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungsgewerkschaft (GDV) schätzt, dass rund jeder zehnte Unfall – also rund 260.000 – manipuliert sind. Der dadurch verursachte Schaden beläuft sich auf rund zwei Milliarden Euro. Um aber nicht selbst Opfer eines solchen Versicherungsbetrugs zu werden und gegebenenfalls in eine höhere Schadensfreiheitsklasse (SF-Klasse) bei Deiner Versicherung zu rutschen, kannst Du einige Maßnahmen ergreifen, um Betrüger zu entlarven.



Versicherungsbetrug erkennen – die Indizien für provozierte Unfälle

Die Betrüger verfolgen meist das gleiche Ziel: Sie provozieren einen Unfall, Du wirst als Unfallverursacher ausgemacht und Du beziehungsweise Deine Versicherung werden zur Kasse gebeten. Schon bald flattert das Gutachten ins Haus, in dem dokumentiert wird, welche Schäden bei Deinem Unfallgegner aufgetreten sind und beglichen werden müssen.

Sind Dellen am anderen Auto, für die Du nicht verantwortlich bist? Dann schieße am besten direkt ein Foto davon.
Quelle: Christin Klose (picture alliance / dpa Themendienst) Sind Dellen am anderen Auto, für die Du nicht verantwortlich bist? Dann schieße am besten direkt ein Foto davon

Deine Versicherung zahlt – jedoch ist damit nicht garantiert, dass Dein Unfallgegner mit dem Geld die Schäden an seinem Auto auch direkt beseitigt. Meist geht es ihm nur um das Einstreichen der Versicherungssumme, die auf seinem Konto landet. Das Auto wird oft  – wenn überhaupt – nur oberflächlich repariert. Wahrscheinlicher ist es, dass das Fahrzeug bereits bei einem nächsten Unfall zum Einsatz kommt. Denn mit Dellen am Heck kann man auch noch ein paar Tage später einen weiteren Unfall provozieren und die Versicherungssumme kassieren. Dass das nicht direkt auffällt, liegt daran, dass bei jedem Unfall oft verschiedene Versicherungen belastet werden. So dauert es manchmal Jahre, ehe ein Betrüger – oder eine ganze Betrügerbande – auffliegt.

Richtiges Verhalten nach verdächtigem Unfall

Du hast augenscheinlich jemandem die Vorfahrt genommen, bist Dir aber sicher, dass zuvor noch kein Auto in der rechts von dir liegenden Straße zu sehen war? Dann solltest Du skeptisch werden. Außerdem ist da noch dieser Zeuge, der wie aus dem Nichts auftaucht. Eine klassische Vorgehensweise: Plötzliche Zeugen erhöhen den psychologischen Druck auf Dich, sodass Du das Gefühl bekommst, Du hättest wirklich etwas übersehen. In vielen Fällen ist der Zeuge aber Komplize – und hat dem Fahrer des anderen Autos womöglich noch ein Handzeichen gegeben, mit dem der Unfall perfekt getimt wurde.

Auch das Auto des Unfallgegners solltest Du Dir genauer ansehen. Oft handelt es sich um etwas höherklassigere Autos, denn bei diesen ist die Versicherungssumme höher. Hat das Auto aber bereits kleinere Schäden, die nicht aus dem aktuellen Unfall stammen können, gilt Vorsicht. Wahrscheinlich ist, dass dieses Auto schon öfter in Unfälle verwickelt war – mit dem kassierten Geld aber nie repariert wurde.

Um Versicherungsbetrug zu vermeiden, solltest Du unbedingt die Polizei rufen.
Quelle: Frédéric Cirou (PhotoAlto / picture alliance) Um Versicherungsbetrug zu vermeiden, solltest Du unbedingt die Polizei rufen

Wer ist die Zielgruppe von Betrügern?

Versicherungsbetrüger haben es meist auf Ortsunkundige, ältere oder jüngere, unerfahrene Fahrer abgesehen. Denn sie sind oft leichter zu verunsichern. Kommt es zu einem Unfall und Du hast das Gefühl, Dein Unfallgegner handelt extrem unfallerfahren, könnte das ebenfalls ein Indiz für Versicherungsbetrug sein. Natürlich kann es auch vorkommen, dass der Unfallgegner ein wahrer Pechvogel ist und tatsächlich schon in einige Unfälle involviert war – in Kombination mit den oben genannten Indizien ist aber Vorsicht geboten. Hast Du den begründeten Verdacht, dass Du im Begriff bist, betrogen zu werden, solltest Du einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

So schützt Du Dich vor einem Kfz-Versicherungsbetrug

  1. Die Polizei rufen: Die Polizei solltest Du bei einem Unfall ohnehin rufen. Das garantiert Dir, dass der genaue Unfallhergang dokumentiert wird und es auch für Deinen Unfallgegner schwierig wird, Tatsachen später anders darzustellen.
  2. Den Unfallort und das Fahrzeug des anderen genau inspizieren: Sind Dellen am anderen Auto, für die Du nicht verantwortlich bist? Dann schieße am besten direkt ein Foto, sodass Du das später belegen kannst. In Zusammenhang mit der genauen Dokumentation des Hergangs kann Dein Unfallgegner beispielsweise nicht nachträglich behaupten, die Dellen wären neu.
  3. Kennzeichen, Name und Adresse Deines Unfallgegners notieren: Wenn die Polizei nicht schon alle Kontaktdaten aufgenommen hat, solltest Du Dir auch den Ausweis des Unfallgegners zeigen lassen.
  4. Kein Schuldeingeständnis unterschreiben: Eine Sache solltest Du auf keinen Fall tun, wenn Du glaubst, Du seist in eine Falle geraten – ein Schuldeingeständnis unterschreiben. Denn dann hast Du keine Chance mehr, später Deine Entscheidung zu revidieren.
  5. Versicherung informieren: Deiner Versicherung kannst Du den möglichen Versicherungsbetrug melden und ihr sagen, wenn Dir etwas verdächtig vorkommt. Diesen Verdacht kannst Du auch bei der Polizei melden, die sich dann noch am Tatort ein eigenes Bild der Lage machen kann.

Wenn Du in einen Unfall gerätst, der Dir komisch vorkommt, kannst Du einiges tun, um Schlimmeres zu verhindern. Vor allem gilt: aufmerksam sein. Wie verhält sich der Fahrer? Wie sieht sein Auto aus? Was ist genau passiert? Im besten Fall kannst Du so einen Betrüger entlarven und verhindern, dass Deine Versicherung zahlen muss – und sogar verhindern, dass noch jemand anderes auf den Betrüger reinfällt.

Welche Strafen drohen den Betrügern?

Hast Du einen Versicherungsbetrug gemeldet und der Täter wurde überführt, drohen dem Betrüger saftige Strafen, die von der Schwere des Vergehens abhängig sind. Eine Anklage wird meist nicht nur wegen Betrug erhoben, sondern auch wegen gefährlichen Eingreifens in den Straßenverkehr. Mit einer Geldstrafe ist mindestens zu rechnen, hat der Betrüger allerdings sehr gefährlich gehandelt und etwa noch andere Verkehrsteilnehmer in den Unfall involviert, droht zusammen mit dem Betrugsversuch laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Zwischen Geld- und Höchststrafe ist alles möglich; dabei gilt: Entschieden wird von Fall zu Fall!

Möglicher Versicherungsschutz

Eine Kfz-Versicherung ist in Deutschland für alle Halter von Kraftfahrzeugen Pflicht. Die Kfz-Haftpflichtversicherung dient dazu, das Unfallopfer abzusichern. Ihre Versicherungssumme sollte deutlich über die gesetzliche Mindesthöhe (bei Personenschäden 7,5 Millionen Euro, bei Sachschäden 1,22 Millionen Euro) hinausgehen. Der Schaden am eigenen Auto ist eventuell von der Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung gedeckt.

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