Straßenverkehrs-Ordnung 2020: Höhere Bußgelder bei Tempo-Verstößen

Härtere Strafen für zu schnelles Fahren

Im Frühjahr tritt die StVO-Novelle 2020 in Kraft. Das Überschreiten der Tempo-Limits bringen härtere Konsequenzen. Alle Infos zum neuen Bußgeld-Katalog.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 03/13/2020, 7:15 AM
  • Aktualisiert am 03/13/2020, 10:14 AM
Blitzer im Dämmerlicht an der Autobahn
Quelle: dpa/Picture Alliance Wer zu schnell fährt oder falsch parkt, muss voraussichtlich ab April 2020 mit deutlich höheren Bußgeldern rechnen. Zudem wird es leichter, Punkte zu sammeln oder ein Fahrverbot zu erhalten

Tiefgreifende Änderungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) stehen bevor. Beim Thema Geschwindigkeit ist das Entscheidende: Deutsche Auto- und Motorradfahrer dürfen zwar so schnell fahren wie bisher. In Ortsgebieten, auf Landstraßen und auf der Autobahn ebenso. Teilstücke ohne Tempolimit gibt es weiterhin. Was sich ändert? Die Folgen, solltest Du oberhalb eines Geschwindigkeits-Limits geblitzt werden. Die Bußgelder werden empfindlich teurer, der Führerschein ist wesentlich schneller weg.

Daneben verschärft der Gesetzgeber die Strafen für Falschparken und für Vergehen in der Rettungsgasse. Ab wann die neuen Bußgelder gelten und was sich im Detail ändert? Und welche ursprünglich für 2020 geplanten Änderungen nun doch nicht kommen? Das erfährst Du hier.  

StVO-Novelle 2020: Nur ein neues Tempo-Limit 

Ein Höchsttempo von 130 km/h auf der Autobahn, maximal 30 km/h im Stadtgebiet – das fordert 2019 der Umweltausschuss im Bundestag ebenso wie die Länder Berlin und Brandenburg. Der Bundesrat lehnt Anfang 2020 beide Vorstöße ab. Tatsächlich findet nur ein neues Tempolimit in die StVO-Novelle, es gilt für Lkw-Fahrer. Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen dürfen künftig im Ortsgebiet nur noch in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen. Die Maßnahme soll Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern vermeiden. Beide werden im toten Winkel allzu leicht übersehen. Konkret legt der Gesetzgeber das Höchsttempo der Brummis an solchen Stellen auf 11 km/h fest. 

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Neue Fahrverbote bei Geschwindigkeits-Übertretungen 

Den Tacho sollte man in jedem Kraftfahrzeug künftig genau im Blick haben. Für schwere Geschwindigkeitsübertritte sieht die StVO wie bisher ein Fahrverbot zwischen einem und drei Monaten vor. Die Grenze für ein einmonatiges Fahrverbot korrigiert die Novelle jedoch nach unten: Ab einer Geschwindigkeitsübertretung von 21 km/h im Ortsgebiet ist der Lappen vorübergehend weg. Außerhalb der Ortschaft setzt es ab einer Übertretung von 26 km/h ein einmonatiges Fahrverbot. Bislang drohte dies erst bei einer Übertretung von 31 km/h im Ortsgebiet beziehungsweise 41 km/h auf Landstraße oder Autobahn.  

Bei den längeren Fahrverboten ändert sich nichts. Der zweimonatige Führerscheinentzug erfolgt außerorts unverändert ab 61 überzähligen km/h, innerorts ab einer Übertretung von 51 km/h. Ein dreimonatiges Fahrverbot wird außerorts ab 70 km/h oberhalb des Höchsttempos ausgesprochen, innerorts ab einem Mehr-Speed von 61 km/h. Das wären also mindestens 111 km/h in einer Ortschaft.  

Für Tempo-Vergehen setzt es früher Punkte 

Dauerhaft ist der Führerschein weg, sobald in der Flensburger Verkehrssünder-Kartei Punkt Nummer acht erreicht wird. Künftig sammelt man Punkte jedoch schon bei geringeren Tempovergehen: Ab einer Übertretung von 16 km/h auf der Autobahn und Landstraße gibt es einen Punkt, ab 26 km/h einen weiteren. Bislang liegt die Grenze bei 21 km/h für einen Punkt und bei 41 km/h für zwei Punkte.  

Im Ortsgebiet wird die Übertretung von 16 km/h ebenso mit einem Punkt geahndet, sobald die Novelle in Kraft ist. Ab 21 km/h oberhalb des Limits setzt es zwei Punkte. Die ursprünglichen Grenzen liegen innerorts bei Übertretungen von 21 km/h für den ersten Zähler und 31 km/h für zwei Punkte. Bedeutet: Der größte Unterschied ergibt sich beim zweiten Punkt in Flensburg, innerhalb wie außerhalb der Ortschaft. 

Im Fall eines Rotlichtverstoßes droht ein hohes Bußgeld.
Quelle: Frank Rumpenhorst ((c) dpa) Im Fall eines Rotlichtverstoßes droht ein hohes Bußgeld. Dabei spielt es keine Rolle, ob man als Fahrer oder als Fußgänger die rote Ampel missachtet hat

Bußgelder für zu schnelles Fahren: Das ändert sich 

Geschwindigkeitsübertretungen werden teurer. Das betrifft speziell die moderaten Verstöße: Außerorts werden nach der StVO-Novelle für eine Übertretung bis 10 km/h 20 Euro fällig, bislang kostet das 10 Euro. Bei Übertritten bis 15 km/h und bis 20 km/h verdoppelt der Gesetzgeber die Bußgelder auf 40 bzw. 60 Euro.  

Innerorts kosten Übertretungen bis 10 km/h (30 Euro), bis 25 km/h (50 Euro) und bis 20 km/h (70 Euro) ab der Gesetzesänderung ebenfalls doppelt so viel wie bisher. Bei Übertretungen ab 21 km/h ändert sich der Bußgeld-Katalog weder innerorts noch außerorts. 600 Euro kostet das Knöllchen bei einer Übertretung von mehr als 70 km/h auf Autobahnen und Landstraßen. Im Ortsgebiet werden hierfür 680 Euro gefordert.  

Rettungsgasse und Parken: Höhere Strafen  

Daneben sieht die StVO-Novelle weitere Verschärfungen vor. Wer keine Rettungsgasse bildet, zahlt ein Bußgeld von 200 Euro und erhält zwei Punkte in Flensburg. Diese Sanktionen lösen seit 2017 das lasche Bußgeld von 20 Euro ab und werden nun um ein einmonatiges Fahrverbot ergänzt. Wenn jemand unerlaubt durch eine bereits gebildete Rettungsgasse fährt, zieht dies ebenfalls ein einmonatiges Fahrverbot nach sich. Außerdem kostet dies zwei Punkte in Flensburg und 240 Euro Bußgeld. Der Betrag kann bei einer damit zusammenhängenden Sachbeschädigung auf 320 Euro steigen. Behindert der Fahrer bei dieser Aktion ein Einsatzfahrzeug, wird es wesentlich teurer.  


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Die Höhe eines regulären Park-Knöllchens variiert von Stadt zu Stadt. Einheitlich regelt der Bußgeldkatalog aber die Bußgelder für das Parken in zweiter Reihe sowie auf Rad- und Gehwegen. Diese Strafe steigt auf mindestens 55 Euro oder auf 70 Euro bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer. Solange die StVO-Novelle noch nicht in Kraft ist, kommen Falschparker noch mit 15 bis 20 Euro davon. 55 Euro zahlt man ab diesem Zeitpunkt auch für das Parken auf einer Stellfläche für E-Autos. In der Praxis also für das Blockieren einer Ladesäule. 

Inkrafttreten der StVO-Novelle: Ab wann gelten die neuen Bußgelder? 

Die Sache ist beschlossen, der Bundesrat hat den Änderungen in StVO und Bußgeldkatalog bereits zugestimmt. In Kraft sind die neuen Regelungen allerdings noch nicht. Das passiert erst, sobald die Anpassungen in einer Ausgabe des Bundesgesetzblatts verkündet werden. In den nächsten Wochen dürfte es so weit sein, wir rechnen mit einem Inkrafttreten noch vor April 2020.  

Manche der zum Jahreswechsel angekündigten Neuerungen werden dann fehlen. Ursprünglich sollten Kommunen die Möglichkeit erhalten, ihre Busspuren für Fahrgemeinschaften zu öffnen, also für Autos mit mindestens drei Insassen. Doch dieser Punkt fliegt aus der Novelle. Für Taxen und Radfahrer können Städte nach wie vor diese Spur freigeben. Im Gespräch waren außerdem strengere Regelungen für E-Scooter-Verleiher. Sie hätten eine Genehmigung gebraucht, um die Scooter auf dem Gehweg zu parken. Daraus wird in absehbarer Zeit nichts. Immerhin: Fahren auf dem Gehweg soll bis zu 100 Euro kosten. Dann wäre Unfug mit dem Scooter so teuer wie Experimente mit dem Auto: Unnützes Hin- und Herfahren kann künftig bis zu 100 Euro kosten. Der Tatbestand gilt als gängiges Mittel der Exekutive gegen viele Verstöße vom Driftversuch bis zum exzessiven Hochdrehen. Zum Vergleich: Bislang beträgt das Bußgeld hierfür 20 Euro. 

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