Nachfrage stabil, Preisverfall gestoppt, Inzahlungnahme erleichtert

Gebrauchte Diesel kaufen und verkaufen sich wieder besser

Wer vor einem Jahr einen gebrauchten Diesel verkaufen wollte, hatte es nicht leicht. Das hat sich wieder gebessert, zeigt eine Erhebung des DAT vom Herbst 2019.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 12/02/2019, 8:15 AM
Zu sehen ist das TDI Emblem auf der Heckseite eines VW Fahrzeuges
Quelle: Picture-Alliance Der Volkswagen Diesel-Skandal war ein Tiefpunkt für die Automobil-Industrie. Hunderttausende Pkw waren nahezu unverkäuflich

Händler sind wieder eher bereit, Diesel-Pkw in Zahlung zu nehmen. Das zeigt eine Telefonbefragung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) aus dem Herbst 2019 unter 360 deutschen Autohändlern. Innerhalb eines Jahres hat sich demnach die Zahl der Händler halbiert, die sich weigern, Dieselmodelle in Zahlung zu nehmen. Aktuell lehnen neun Prozent der befragten Händler das ab. Vor einem Jahr waren es 18 Prozent, Anfang 2018 sogar noch 22 Prozent.



Für die Autofahrer ist das eine positive Entwicklung: Sie können ihr altes Diesel-Auto dadurch wieder leichter verkaufen und auf ein neues Modell umsteigen. Kurzer Blick zurück: Im September 2015 hatte der Volkswagen-Konzern zugegeben, in Diesel-Fahrzeugen illegale Abschalt-Einrichtungen verbaut zu haben. Auch bei anderen Herstellern wurden in der Folge ähnliche Technologien gefunden.  

Hinzu kamen in vielen Städten weiterhin zu hohe Stickoxid-Emissionen. Diese stammen zumeist aus Dieselfahrzeugen. Das Bewusstsein dafür entstand, dass Fahrzeuge, die die gesetzlichen Grenzwerte auf dem Prüfstand einhalten können, dies nicht zwingend auch im Straßenverkehr erreichen. Ab 2017 begannen daher viele Kommunen mit der Umsetzung teilweiser Fahrverbote für Diesel mit der Schadstoffklasse Euro 5 oder schlechter.  

Hunderttausende Diesel waren unverkäuflich 

Die Folge: Während Flottenkunden weiterhin Diesel-Neuwagen ordern, sackt parallel die überwiegend von Privatkunden ausgehende Nachfrage nach gebrauchten Dieselmodellen in den Keller. Für viele Händler existenzbedrohend: Hunderttausende Pkw auf ihren Höfen sind nahezu unverkäuflich. Nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeug-Gewerbe (ZDK) parken im Sommer 2017 rund 300.000 Euro-5-Diesel im Handel, der Gegenwert: rund 4,5 Milliarden Euro.  

Zu sehen sind mehrere Autos in einer Reihe
Quelle: Picture-Alliance Gute Neuigkeiten für Diesel-Fahrer: Viele Autohändler sind wieder bereit, Diesel-Pkw in Zahlung zu nehmen

Kaufen will sie in Deutschland kaum jemand. Viele Händler lehnen daraufhin die weitere Inzahlungnahme von Dieselfahrzeugen ab. Den Kunden bleibt der Weg über die Abwrackprämie – nur wenige Jahre alte Autos rollen zum Teil in die Schrottpresse. Viele Händler suchen jedoch parallel nach alternativen Absatzkanälen für ihre lagernden Dieselfahrzeuge.  

Gründe: Darum geht es dem Diesel besser 

Diese Kanäle, wie der Export oder die Auktion, haben sich heute im Autohandel etabliert. Ein Grund, der das Vertrauen des Fahrzeughandels in den Diesel wieder wachsen lässt. Folgende Gründe veranlassen Händler, wieder bereitwillig Dieselfahrzeuge anzukaufen: 

  • Sinkende Zahl der Euro-5-Diesel: Nach Angaben der DAT besteht der Gebrauchtwagenbestand nur noch zu 15 Prozent aus Euro-5-Dieselfahrzeugen, die von Fahrverboten betroffen sind. Die Zahl sinkt weiter: 2020 erwarten die Händler im Rücklauf noch rund 13 Prozent Euro-5-Diesel aus laufenden Verträgen.  
  • Steigende Zahl der Euro-6-Diesel: Diesel mit der Abgasnorm Euro 6 (seit 2015) bilden inzwischen die Mehrzahl der am Gebrauchtwagenmarkt gehandelten Dieselfahrzeuge. Für diese Autos sind bisher keine Fahrverbote geplant.  
  • Vermarktung funktioniert: Viele Händler verfügen inzwischen über ein Netzwerk, über das sie Diesel-Pkw ins Ausland oder an andere Händler abgeben können. 38 Prozent der befragten Händler geben die Fahrzeuge über etablierte Geschäftskontakte ins Ausland ab. Viele Händler nutzen auch Auktionen oder Wiederverkäufer. Die Abhängigkeit des Handels vom Privat-Gebrauchtwagenmarkt ist gesunken.  
  • Loyale Diesel-Kunden: 50 % der befragten Händler sagen: Ihre bisherigen Diesel-Kunden bleiben dem Diesel treu oder kehren zu ihm zurück. Die Zahl der Händler sinkt daher, die annehmen, dass der Diesel gegenüber dem Benziner weiter an Bedeutung verliert. 
  • Stabile Nachfrage: In den ersten 10 Monaten des Jahres 2019 registriert das Kraftfahrt-Bundesamt 1,94 Millionen Besitzumschreibungen – also Gebrauchtwagen-Besitzerwechsel – von Dieselautos. Das sind fast so viele wie 2018. Der starke Nachfragerückgang scheint also gestoppt. 

Standzeiten weiter sehr lang 

Ist die Diesel-Krise also ausgestanden? Das glauben die deutschen Autohändler nicht. Nur jeder fünfte befragte Betrieb beantwortet diese Frage mit „ja“. Nach wie vor kosten gebrauchte Diesel weniger als vergleichbare Benziner. Ein drei Jahre alter Diesel ist noch 52 % seines ehemaligen Listen-Neupreises wert, beim Benziner sind es knapp 57 %. Die Autofahrer begegnen dem Diesel weiterhin mit Skepsis. 85 % der Händler geben an, beim Verkauf von Diesel-Pkw ausführlich über die Situation der Dieseltechnik beraten zu müssen.  

Und: Diesel warten weiterhin länger auf Käufer. Die durchschnittliche Standzeit gebrauchter Diesel-Pkw im Handel beträgt rund 90 Tage – drei Monate also, in denen das Auto totes Kapital bedeutet und den Händler laut DAT über Wertverlust und Bewirtschaftungskosten 28 Euro am Tag kostet.  

Immerhin: Der Abwärtstrend für den Diesel scheint gestoppt. Moderne Diesel der Abgasnormen Euro 6d-TEMP und besser erfüllen die strengen Schadstoffgrenzwerte auch im Straßenverkehr und sind nach heutiger Kenntnis zukunftssicher. Und: Unverändert verbrauchen Diesel auf langen Strecken rund 15 Prozent weniger Kraftstoff als vergleichbare Benziner.  

Risiko: Wertentwicklung gebrauchter Elektroautos 

Damit schadet der Diesel nicht nur dem Klima weniger als der Benziner. Die niedrigeren laufenden Kosten sorgen auch für die unverändert hohe Beliebtheit des Diesels im Flotten-Neuwagenmarkt. Doch der Markt bewegt sich, seit die Politik vermehrt alternative Antriebe fördert. Fast ein Drittel der befragten Händler gibt an: Flottenkunden fragen immer öfter nach elektrifizierten Fahrzeugen mit Plug-in-Hybridantrieb. Diese Modelle versteuert der Kunde mit 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises. Das ist die Hälfte des Steuersatzes, der für ein konventionelles Dienstfahrzeug fällig wird. Dafür muss das Fahrzeug einen Norm-CO2-Ausstoß von 50 g/km oder besser aufweisen. 

Zu sehen ist das TDI Emblem auf der Heckseite eines VW Fahrzeuges
Quelle: Picture-Alliance Der Volkswagen Diesel-Skandal war ein Tiefpunkt für die Automobil-Industrie. Hunderttausende Pkw waren nahezu unverkäuflich



Das steigende Interesse der Autofahrer am Elektroantrieb wird den Handel jedoch künftig vor neue Herausforderungen stellen. So wie niemand den massiven Einbruch der Nachfrage nach gebrauchten Dieselautos vorhergesehen hat, kann heute niemand die künftige Wertentwicklung von Plug-in-Hybriden und Elektroautos vorhersagen. Bisher verhalten sich Elektroautos am Gebrauchtwagenmarkt zwar etwas preisstabiler als Benziner. Ihr größter Feind könnte in Zukunft aber das eigene Nachfolgemodell sein. Denn mit jedem Innovationszyklus steigt die Reichweite, während der Neuwagenpreis sinkt. Sobald mehr als eine E-Auto-Generation im Gebrauchtmarkt angeboten wird, könnte dies die Preise älterer Modelle in den Keller schicken. 

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